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Das neue Cervélo S5 2023 Aero-Rennrad
Womit Wout gewinnt

cervélo S5 2023

Mit dem neuen Cervélo S5 Modelljahr 2023 kommt das Nachfolgemodell eines der schnellsten Aero-Rennräder derzeit. Das Rad, mit dem auch Tour-Wunderknabe Wout van Aert fährt, hat wieder ein paar Watt gespart. Vor allem aber an den Laufrädern, der Reifenfreiheit und dem Anpassungskomfort hat sich viel getan. Hier die Infos.

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Cervélo S5 2023 Infos kompakt

Der „alte“ Cervélo S5 Rahmen war schnell, sehr schnell, wie wir bei unserem Test des 2022er Aero-Rennrades selbst ohne Aero-Laufräder feststellen konnten. Offenbar schätzt auch Cervélo die Aero-Qualitäten des Rahmensets mit der charakteristischen Einheit aus Rahmen, Gabel und Vorbau, denn die Formen des 2023er Cervélo S5 unterscheiden sich auf den ersten Blick kaum. Was kennzeichnet die neuste Version des Rades, das auch Tour de France Wunderwaffe Wout van Aert die meiste Zeit pilotierte?

Preis ab 9.699 € | Bikemarkt: Cervélo S5 kaufen

Diashow: Neue Cervélo S5 2023 Aero-Rennrad: Womit Wout gewinnt
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# Das neue Cervélo S5 2023 - Wout van Aert fuhr auf dem neuen Aero-Rennrad der Kanadier ins Grüne Trikot der Tour de France. Jetzt kommt es in vier Werksversionen in den Handel – ab 9.699 € mit Shimano Ultegra Di2 2x12.

Was ist neu?

Teurer und nur elektrisch

Die schlechte Nachricht zuerst: Cervélo S5-Fahren wird (noch) teurer. Es passen nur noch elektronische Schaltungen. Los geht es erst knapp unter 10.000 € mit dem Cervélo S5 Ultegra Di2 2×12 Gruppe für 9.699 €. Das Rahmenset kostet 5.499 €.

Aero-Optimierung

Insgesamt 65 g weniger Widerstand (drag) soll das neue Cervélo S5 im Windkanal haben als das alte. Davon gehen allein 50 g auf das Konto eines spannenden, neu entwickelten Rennrad-Laufradsatz der Hausmarke Reserve.

# Das neue Rahmenset allein ist für circa 2 Watt Leistungsersparnis verantwortlich.

# Cervélo S5 Modelljahr 2023 - das alte S5 war schon stark in Sachen Aero. Die dezenten Unterschiede findet man am Steuerohr mit der Nase über dem Reifen sowie der Verlängerung der „Boxen“ hinter dem Steuerrohr und am Tretlager.
# Cervélo S5 Modelljahr 2019 - das alte Cervélo S5 konnte die Rahmendreiecke am Tretlager und Steuerrohr aufgrund der damaligen UCI-Regularien noch nicht so weit füllen.

Am Rahmenset selber haben die Kalifornier vor allem den Spielraum der UCI-Regularien ausgenutzt, die sich seit dem Debut des alten S5 geändert haben. Erkennbar ist das auf den zweiten Blick an den größeren Rahmenflächen vor bzw. hinter dem Steuerrohr und am Tretlager. Erstes Erkennungszeichen des neuen S5 dürfte aber die typische „Aero-Nase“ sein, die jetzt über der Gabel hervorsteht.

Reserve Laufradsatz und Reifenfreiheit

Breitere Reifen sind immer ein Komfortvorteil, besonders aber an einem sonst eher harten Aero-Rennrad wie dem S5. Und hier passen jetzt gemessen 34 mm breite Pneus und damit breitere Reifen als bei den meisten anderen Aero-Rennrädern.

Die Aerodynamik ist allerdings auf 28 mm breite Reifen optimiert, genauer gesagt, auf Reifen, die 28 mm messen, wenn sie auf dem neuen Laufradsatz des Cervélo S5 von Reserve montiert sind (die Hausmarke, die man auch bei anderen Konzernmarken wie Focus oder Santa Cruz findet).

# Ein Großteil des Effizienzgewinns entsteht erst zusammen mit den neuen Reserve-Laufrädern - sie tragen noch einmal 5 Watt bei.

Warum muss man das so genau sagen? Weil sich die Kalifornier dem Thema breite Reifen konsequent gewidmet haben. Der neue Reserve 52/63 Aero-Laufradsatz hat vorne eine Innenweite der Felge von 25,4 mm – mithin breiter als die meisten anderen Aero-Felgen und so breit, dass die meisten Rennrad-Reifen breiter werden, als ihre offizielle Größenangabe erwarten lässt.

Die große Breite der Felgen soll für einen optimalen Luftstrom mit breiten Reifen sorgen. Zugleich ist das vordere, 52 mm hohe Felgenprofil so gestaltet, dass es bei Turbulenzen (Windböen, vorbeifahrende Lkw) weniger stark reagiert, mithin einfacher und kraftsparender zu fahren ist.

# Das Prinzip setzt sich an Aero-Laufrädern durch - Vorder- und Hinterrad haben jeweils eigene Felgenformen, vorne ist der Querschnitt für einfacheres Handling bei Turbulenzen optimiert, hinten für Steifigkeit.

Die hintere Felgenform ist hingegen höher (63 mm) und hat den Bauch etwas weiter entfernt vom Reifen. Sie soll mehr zur Gesamsteifigkeit des Systems Rahmen/Laufräder beitragen.

Interessant ist, dass Reserve auf Zipp ZR1 Naben mit Strirnzahn-Freilauf setzt. Die Felgen sind zudem nicht Hookless aufgebaut, aber natürlich Tubeless Ready.

Neues Cockpit-Design

Einigen Aufwand für einfachere Handhabung und Ergonomie hat Cervélo am charakteristischen S5-Cockpit betrieben (sozusagen das Pendant zum neuen Trek Madone Isoflow an der Front). Der flache Lenker ist jetzt stufenlos in der Neigung verstellbar. Außerdem sind zum Umbau für verschiedene Lenkerhöhen weniger Teile nötig. Der neue Aufbau spart laut Cervélo nicht zuletzt 53 g Gewicht.

Ausstattung: ab Ultegra Di2 aufwärts

In Sachen Ausstattung macht das neue Cervélo S5 keine Kompromisse. Nur 4 Modelle mit elektronischen 2×12 Schaltungen von Shimano und SRAM kommen auf den Markt und alle beruhen auf dem identischen Rahmenset, profitieren von den neuen Reserve 52/63-Laufrädern und rollen auf den gleichen Vittoria Corsa TLR-Reifen in 28 mm (nominell).

# Das neue Cervélo S5 kommt in vier Varianten mit elektronischen Schaltungen von SRAM oder Shimano - das Rahmenset und die zentralen Komponenten sind immer identisch.

Wer Preise und Leistung gegeneinander abwägt (macht das in dieser Kategorie noch Sinn?), kann also getrost nach Vorliebe für den einen oder anderen Schaltungstyp oder die Farbe entscheiden. Bei den SRAM AXS-Gruppen ist immer auch ein Powermeter integriert. Aber da die vergleichbaren Shimano Di2-Ausstattungen rund 500 € günstiger sind, dürfte das kaum eine Rolle spielen.

Gewichte gibt Cervélo leider nicht an. Grammfuchser werden eher zu den leichteren Shimano Di2-Gruppen greifen. Die Modelle im Überblick:

Bleibt zu hoffen, dass irgendwann ein S5 mit Shimano 105 Di2 2×12 nachgeschoben wird.

# S5 mit SRAM Red eTap AXS in der Farbe Sapphire and Ice - 13.499 €, Powermeter inklusive.
# S5 mit SRAM Force eTap AXS in der Farbe Five Black - 10.199 € – die Farbe ist auch am Modell mit Ultegra Di2 zu haben.
# S5 mit Ultegra Di2 - das Einstiegsmodell für 9.699 €.
# S5 mit Shimano Dura Ace Di2 - 12.999 € – und wahrscheinlich das leichteste Modell.

Kompatibiltät

# Das Rahmenset gibt es in einer zusätzlichen Farbe - es kostet 5.499 €.
# Es ist nur für elektronische Schaltungen geeignet.
# Die Montage des Cockpits wurde benutzerfreundlicher.

Geometrie: wie Cervélo S5 2022

An der Geometrie des Cervélo S5 2023 hat sich gegenüber dem Vorgängermodell nichts geändert (das Steuerrohr hat andere Maße aufgrund der neuen Gabel-Konstruktion, aber das bleibt ohne Auswirkung). Man kann also davon ausgehen, dass die sehr kompakte Rahmenbasis das gleiche, direkte, agile Fahrverhalten und ultrapräzise Steuern liefert, das wir schon im Test des Vorgängermodells zu schätzen gelernt haben.

Alle Kennzahlen zum Vergleichen mit anderen Rennrädern findet ihr auch noch einmal hier in unserem Geometrics-Werkzeug:

Rahmengröße 48 51 54 56 58
Laufradgröße 28″ / 700C 28″ / 700C 28″ / 700C 28″ / 700C 28″ / 700C
Reach 367 mm 376 mm 384 mm 392 mm 401 mm
Stack 496 mm 519 mm 542 mm 565 mm 588 mm
STR 1,35 1,38 1,41 1,44 1,47
Lenkwinkel 71° 72° 73° 73,5° 73,5°
Sitzwinkel, real 73° 73° 73° 73° 73°
Oberrohr (horiz.) 520 mm 535 mm 550 mm 565 mm 581 mm
Steuerrohr 66 mm 84 mm 106 mm 127 mm 154 mm
Überstandshöhe 707,5 mm 730 mm 745 mm 775 mm 805 mm
Kettenstreben 405 mm 405 mm 405 mm 405 mm 405 mm
Radstand 973 mm 974 mm 975 mm 982 mm 999 mm
Tretlagerabsenkung 72,5 mm 72,5 mm 70 mm 70 mm 67,5 mm
Gabel-Offset 58 mm 52 mm 46 mm 43 mm 43 mm
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Kennzeichnend ist außerdem eine sehr flache, Aero-Rennrad typische Sitzposition. Für das Anpassen des Bikes an die effizienteste Sitzposition gibt es gute Neuigkeiten – und wer auf Tempo fährt, weiß, wie wichtig das ist.

# Wer schnell fahren will, muss tief sitzen.

Was sagt ihr zum neuen Cervélo S5 2023 und was traut ihr Marianne Vos bei der Tour de France Femmes auf dem gleichen Bike zu?


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Text: Jan Gathmann / Fotos: Cervélo
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