AW: Ortsschildersprints?
... Ist schon komisch, meine Erfahrung deckt sich eher mit dem was KdO schreibt: Über 55 km/h wird es verdammt hart.
...
Die Frage, die ich mir dabei stelle: Wieviel Geschwindigkeit ist genug bzw. wie schnell muß - na sagen wir ein Fahrer vom Niveau irgendwo zwischen C-"Wanze" und gutem Jedermann bringen?
Erste Antwort: Ist egal, der C-Fahrer kämpft im Rennen eh nur um's Überleben, und auch bei dem Jedermann kommt es in erster Linie auf Ausdauer an.
Schaut man etwas näher hin, stellt man fest, daß es eine Menge Vorteile hat, Sprints in das Training einzubauen:
- Es wird eine Menge über intensivere Formen zur Verbesserung der Grundlagenausdauer schwadroniert und darüber, ob es der Grundlagenausdauer schadet, mal 3 Minuten richtig schnell, an einem Brückenkopf mit der doppelten Leistung wie "vorgeschrieben" oder einen Zwischenspurt zu fahren. Die Märchen, daß ein einziger Sprint das "Werk" von mehreren Stunden GA zerstört, ist mittlerweile gottseidank passé - aber: Warum nicht einfach das tun, was Körper und Geist sowieso wollen? Es gibt nichts Erfrischenderes, als bei einer langweiligen GA-Einheit den Geist durch einen knackigen Sprint oder eine "Spaßattacke", die ja auch mit einem Antritt beginnt, aufzulockern.
- Kompetitive Formen des Sprinttrainings wie bspw. der Ortsschildsprint läßt Wettbewerbsathmospäre aufkommen und schult die taktischen und technischen Fahrerqualitäten.
- Auf mittlere Sicht wird es bei Jedermann-Veranstaltungen bei größer werdenden Gruppen, die gemeinsam ankommen, auf die Schnelligkeit im Schlußspurt ankommen.
- Alle Aktionen im Rennen, die mit einer vorübergehenden deutlichen Tempoverschärfung einhergehen, gehen leichter von der Hand, wenn man über eine höhere Grundschnelligkeit verfügt. Dabei ist zu Beachten, daß mehr Schnelligkeit das Ergebnis von mehr Kraft und mehr Bewegungsökonomie ist. Das bedeutet: Der Schnellere hat auf jeden Fall schon "Körner" gespart, wenn er sich auf eine bestimmte Geschwindigkeit X gebracht hat, darüber, wie lange er diese halten kann, hängt natürlich von seiner Ausdauer ab...
- Die Auswirkungen, die verschiedene Stoffe - Enzyme, Hormone und Stoffwechsel-Metaboliten - auf die Entwicklung von Ausdauer haben, ist noch nicht gut erforscht. Trotzdem mehren sich die Stimmen, die intensivere Trainingsformen aus dem Grunde für zielführend im Hinblick auf die Ausdauer halten, weil genau die Stoffe, die dabei entstehen, möglicherweise allen voran das bis vor wenigen Jahren noch als "Bösewicht schlechthin" angesehene Laktat eine wichtige Schrittmacherfunktion im Hinblick auf die Ausdauerleistungsfähigkeit haben. Die in ihrer Menge begrenzte "Laktatdusche" könnte also nicht nur psychisch, sondern auch physisch eine wichtige Erfrischung des GA-Trainings bilden.
- usw. usf.
Im Training will dies natürlich systematisch umgesetzt sein. Hier ist wichtig, daß neben dem Einüben des gesamten Ablaufs von der Tempoverschärfung in der Sprintvorbereitung, über den Antritt bis zur "Finalphase" die verschiedenen angesprochenen Fähigkeiten separat in dafür geeigneten Übungen trainiert werden.
Diese Fähigkeiten umfassen so unterschiedliche Dinge wie Schnelligkeit der Muskelkontraktion, Kraft, Bewegungsablauf, Atemtechnik usw.
Die hier zusammengetragenen Erfahrungen mit sinnvollen Sprint-"Übungen" sind sicher nur ein Ausschnitt von dem, was "draußen im Land" praktiziert wird und denkbar wäre.
Sie sind aber sicherlich jetzt schon mehr, als ein einzelner sich aus dem Hirn quetschen oder/und aus seinen Erfahrungen extrahieren kann. Soweit hat sich der Erfahrungsaustausch also schonmal gelohnt.
Aber das muß ja nicht alles gewesen sein, also nur zu!
k.