Für mich geht der Sieg in Flandern im Normalfall nur über Pogacar.
Er sah in den zwei Rennen, die er bis jetzt gefahren ist, sogar noch ein wenig stärker als letztes Jahr aus, in dem er sehr, sehr souverän RVV gewonnen hat. Dazu müsste er das stärkste Team haben. Vermeersch scheint rein von der Leistungsfähigkeit momentan ein Top5-Fahrer bei den flämischen Klassikern zu sein und ist gerade im Flachen extrem stark. Antonio Morgado wäre, wenn er besser Position fahren könnte und sich auch als Klassiker-Fahrer sehen würde, ein legitimer Podiumskandidat (er wurde mit 20 Jahren in der 2024er-Ausgabe 5. und war für mich bei E3 nach MvdP der zweitstärkste Fahrer an den Anstiegen). Politt ist zwar vielleicht nicht mehr ganz auf dem absoluten Top-Niveau von vor ein paar Jahren bei den Klassikern, aber in dieser Saison auch bei jedem Klassiker mit der ersten größeren Gruppe ins Ziel gekommen. Dazu noch Julius Johansen, der bis jetzt deutlich stärker als es seine Resultate aussah, und Mikkel Bjerg, der an sich auch mal in der Lage war, sehr weit vorne in Flandern landen zu können. Das Alpecin-Team ist dagegen leider ziemlich schwach. Sofern nicht Florian Senechal in einen Jungbrunnen gefallen ist, sehe ich keinen Fahrer, der van der Poel im Finale auch nur in irgendeiner Form unterstützen kann.
Ansonsten kann ich die 446-Watt über 90 Minuten von van der Poel bei E3 nicht so ganz kaufen. Entweder war das Shimano-Powermeter sehr großzügig oder van der Poel muss deutlich schwer sein als das, was so als Gewicht durch die Öffentlichkeit geht. Bei den 75 Kilo, die van der Poel laut PCS wiegt und die optisch auch ungefähr passen müssten, wären das fast 6 W/Kg mit dem Bonus der sehr hohen absoluten Watt, die vdP über 90 Minuten getreten hat. Mit 6 W/Kg, die aus extrem hohen absoluten Watt resultieren, über 90 Minuten wäre van der Poel einer der besten Kletterer der Welt, was er ziemlich offensichtlich nicht ist, was man immer wieder verdeutlicht bekommt, wenn er mal bei einer Rundfahrt auf einer schweren Etappe in der Ausreißergruppe ist. Dazu hat er die Watt auf einem eher flachen Profil getreten, sodass man davon ausgehen kann, dass van der Poel an einem Anstieg noch mehr Watt hätte produzieren können.
Eine schöne Entwicklung ist, dass Teams mittlerweile organisiert hinterherfahren und sich nicht mehr die ganze Zeit gegenseitig attackieren, wenn vorne van der Poel oder Pogacar raus sind, was die Rennen deutlich spannender macht. Die Resultate geben ihnen auch recht. Jetzt müssten nur noch die ganzen Motorräder deutlich mehr Abstand halten oder zumindest sollte jede Gruppe gleichermaßen vom Windschatten profitieren, damit nicht die Ergebnisse nicht mehr davon in dem jetzigen Maße beeinflusst werden. Gerade am Poggio und bei E3 als vdP im Gegensatz zu seiner Verfolgergruppe mehrere Motorräder vor sich hatte, sah der Einfluss auf das Rennen jeweils ziemlich eklatant aus.