Rennrad-News

Michelin Power Gravel-Test
Geschmeidig schneller Gravel-Reifen

Michelin Power Gravel im Test: Der Gravel-Reifen aus Frankreich ergänzt unseren großen Test von Gravel- und Allroad-Reifen 2021. Wir haben den Pneu unter den gleichen Bedingungen wie die anderen 15 Modelle im Labor auf Rollwiderstand, Pannenschutz und Verarbeitung getestet und ausgiebig über Schotterpisten und Asphalt gejagt. Hier die Ergebnisse.

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Praxistest

Der Michelin Power Gravel gehört mit einem Circa-Preis zwischen 35 Euro und 45 Euro zu den günstigen Modellen in unserem Test und ist preislich vergleichbar mit dem Specialized Pathfinder Pro.

Wie der Pathfinder ist auch der Michelin Gravel-Reifen auf der Waage kein Leichtgewicht: Zwischen 465 g und 496 g wogen unsere 4 Testmuster und streuten damit erheblich, das Durchschnittsgewicht liegt bei 485 g, also nah an der Werksangabe. Auch in der Hand wirkt der Power Gravel etwas fester, aber die Seitenwand fühlt sich noch etwas flexibler an als bei anderen, ähnlich schweren Gravel-Reifen. Die herkömmlich aufgebaute Karkasse mit 3×120 tpi in der Deckschicht besitzt zusätzlich einen umlaufenden Pannenschutzgürtel.

Das Profil mit vielen kleinen, eng zusammenstehenden Stollen in der Mitte und erhabeneren, länglichen Schulterstollen verspricht gute Laufeigenschaften auf feinen Kieswegen und härteren Böden, scheint aber nicht für weichere oder feuchte Böden gemacht.

Das fiel auf: Viele Größen in 700c – von 47 mm bis hin zur Cyclocross-typischen Reifengröße 33-622, erlauben den Einsatz an zahlreichen Bikes, auch an mehr offroad-orientierten Gravel-Bikes. Die 47er-Reifen gibt es zudem als einzige Variante auch mit naturfarbener Flanke. Auf der Testfelge mit 25 mm Maulweite maßen unsere Reifen im Schnitt 41,6 mm. Der Michelin fällt im Vergleich mit anderen Reifen also tendenziell etwas breiter aus, was einen Teil des höheren Gewichtes relativiert.

# Der Michelin Power Gravel kostet derzeit zwischen 35 € und 45 € und ist damit einer der günstigen Reifen im Test - beim Rollwiderstand ist er dennoch einer der besten.

Montage

Die Montage des Michelin Power Gravel geht mit einem Reifenheber und etwas Kraft noch gut von der Hand, verlangt aber sauberes Arbeiten. Das Tubeless-Setzen ist mit der Standpumpe durch simples Aufpumpen möglich. Der Rundlauf war gut. Anschließend hält der Reifen zwar auch ohne Dichtmilch zunächst die Luft, aber über Nacht sinkt der Druck von 3,5 bar schnell auf 0,5 bar. Finales Abdichten ist mit normaler Dichtmilchmenge möglich.

Fahreindruck

Auf der Straße rollt der Michelin Power Gravel leiser, als es sein Profil vermuten lässt. Wer einen besonders leisen, auch in der Mitte leicht profilierten Gravel-Reifen sucht, wird hier fündig. Der Leichtlaufeindruck auf Asphalt entspricht nicht ganz den hervorragenden Laborwerten, aber der Power Gravel gehört auch gefühlt definitiv zu den schnellen Reifen. Das Kurvenverhalten auf Asphalt ist absolut berechenbar.

Auf dem Kiesweg besticht vorwiegend der Abrollkomfort. Der Power Gravel „liest“ das Gelände gut ab, schluckt gefühlt mehr kleine Unebenheiten als viele andere Modelle. Auch der Seitenhalt auf feinem Schotter und harten Böden ist sehr überzeugend. Wie erwartet neigt der Reifen aber auf feuchten, weichen Böden zum Durchrutschen.

Für welchen Gravel-Typ besonders geeignet?

Auf der Rennrad-News Gravel-Skala „50 Shades of Gravel“ gehört der Michelin Power Gravel zu den Reifen, die auf die Gravel-Grade von 1 bis 5 perfekt spezialisiert sind.

# Das Profil mit vielen flachen Stollen in der Mitte und länglichen Schulterstollen - es rollt auf Asphalt leise und bietet auf festen Kieswegen auch in Kurven guten Grip.
# Der Testreifen in 40-622 maß auf der Felge 41,6 mm.
# Das Profil ist laufrichtungsgebunden.

Labor-Ergebnisse

Michelin Power Gravel-Pannenschutz

Beim Schutz gegen Defekte unterwegs ordnet sich der Power Gravel im unteren Drittel des Testfeldes ein. Vor allem der schlechte Schutz der Flanken gegen Fremdkörper und der Durchschlagschutz kostet ihn hier Punkte – da scheint die umlaufende Pannenschutzschicht wenig zu helfen. Gegen Durchstiche ist der Michelin dagegen noch gut gerüstet. Die leicht überdurchschnittliche Dicke der Lauffläche verspricht zudem eine ordentliche Laufleistung.

Michelin Power Gravel-Rollwiderstand

Nur die besten Gravel-Reifen laufen so leicht wie der Michelin Power Gravel. Dabei erzielt der französische Gravel-Reifen tubeless gefahren bei 23 km/h einen Spitzenwert von 16,7 Watt Rollwiderstand. Aber auch mit Schlauch bedeuten die 17,7 Watt einen hervorragenden Wert, sodass er insgesamt Platz 3 in Sachen Leichtlauf neben dem Specialized Pathfinder einfährt.

Testergebnisse Michelin Power Gravel im Überblick

Gravel Reifentest 2021
HerstellerMichelin
ModellPower Gravel
Preis UVPca. 35 € bis 45 €
ETRO Maß40-622
Breite real (mm) auf Felge 19c41,6
Größen 700c: 33, 35, 40, 47
Gewicht (g) 3 Stück gewogen/gemittelt485 g
Tubeless Readyja
Empfohlener Druck bar3 bis 5 bar
Rollwiderstand 23 km/h
Tubeless mit 2,5 bar16,7 Watt
Schlauch mit 2,5 bar17,6 Watt
Gesamt Punkte Rollwiderstand12
Pannenschutz
Durchschlag mm (3)2
Durchstich Arbeit (3)1
Durchstich Kraft gemittelt (3)1
Durchstich Seite (Arbeit) (3)1
Durchstich Seite Kraft gemittelt1
Dicke Gummischicht (gemessen)2
Gesamt Punkte Pannenschutz8
Gewicht1
Handhabung
Montage Felge (3)2
Tubeless Setzen (3)3
Gesamt Punkte Handhabung5
Fahreigenschaften
Asphaltgeräusch (1-3)3
Komfort Gelände (1-5)4
Kurvengrip Gravel (1-5)4
Bremsen (1-2)2
Gesamt Punkte Fahrpraxis13
Gesamt Punkte39
EmpfehlungPreis/Leistung

Alle Gravelreifen 2021 im Test im Überblick

# Preis-Leistungs-Tipp 2 für den Michelin Power Gravel - er läuft sehr leicht, wirkt auf dem Kiesweg geschmeidig und ist im Handel dabei günstig (Michelin gibt keine UVP).

Test-Fazit zum Michelin Power Gravel

Der Michelin Power Gravel-Reifen bietet besten Leichtlauf für wenig Geld – und verdient damit schon einen Tipp. Im Vergleich zu anderen Leichtläufern ist er nicht nur preiswerter, sondern im Gelände auch geschmeidiger und komfortabler sowie auf der Straße leiser. Allerdings setzt das dichte Profil offroad schneller Grenzen. Der schlechtere, aber nicht ganz schlechte Pannenschutz ist die Achillesferse des Power Gravel, die man in Kauf nehmen muss – unterm Strich dennoch ein Preis-Leistungs-Tipp.

Pro / Contra

Pro

  • Leichtlauf
  • Geschmeidigkeit
  • Geringe Geräusche auf Asphalt
  • Preis/Leistung

Contra

  • Pannenschutz

Preisvergleich Michelin Power Gravel


So haben wir die Gravel-Reifen 2021 getestet


Alle Gravel-Reifen wurden bei den Herstellern zum Test angefragt und kostenlos zur Verfügung gestellt. Angefragt waren Allround Gravel-Reifen in Größe 40-622 oder 42-622 sowie Allroad-Reifen in Größe 32-622. War ein Modell aufgrund der aktuellen Liefersituation nicht verfügbar, wichen wir nach Möglichkeit auf eine ähnliche Größe aus.

Labortests fanden nach unseren Vorgaben statt. Praxistests führte die Redaktion durch. Um die Neutralität zu erhöhen, ließen wir die Reifen unabhängig im Specialized-Labor (Rollwiderstand, Durchstich Seite und Lauffläche, Laufflächendicke) und im Labor von Schwalbe testen, dort zusätzlich auf Durchschlag. Unsere Angaben bilden einen Durchschnitt aus beiden Werten ab. Die Prüfung im Detail:

  • Rollwiderstand Wieviel Leistung die Reifen beim Rollen aufnehmen, ermitteln beide Hersteller auf einer glatten Rolle. Für die Gravel-Reifen Allround legten wir eine Geschwindigkeit von 23 km/h und einen Druck von 2,5 bar fest. Die Allroad-Reifen wurden jeweils mit 4 bar und zwei Geschwindigkeiten getestet: 23 km/h für die Vergleichbarkeit mit den Gravel-Reifen und 30 km/h, jeweils mit Butylschlauch. Bei Schwalbe erfolgte der Test tubeless und mit 3,5 bar. Die Testfelgen hatten eine Maulweite von 19 mm und 21 mm. Die Last auf dem Rad liegt bei 50 kg.
  • Pannenschutz Unsere Testnote für den Pannenschutz setzt sich aus drei Einzelwerten zusammen: dem Widerstand gegen Durchstiche auf der Lauffläche, dem Widerstand gegen Durchstiche an der Seite und dem Schutz vor Durchschlag. Für den Durchstichwert wird ein schraubenzieherähnliches Werkzeug mit zunehmender Kraft in den Reifen gedrückt und gemessen, wie hoch die benötigte Kraft zum Durchbruch ist. Für den Durchschlags-Test simuliert ein fallendes Werkstück den Aufprall auf eine stumpfe Kante. Die erzielte Fallhöhe bis zum Versagen in Form des gefürchteten Snakebites zählt. Außerdem bewerten wir die Dicke der Lauffläche zusätzlich als Pannenschutzkriterium. Denn je mehr Gummi ein Reifen hat, desto größer müssen Fremdkörper sein, um durchzudringen – ein Szenario, das mit dem Durchstichtest allein nicht abgedeckt wird.
  • Gewicht Der Mittelwert aus 2 Messungen wird zugrunde gelegt.
  • Montage Labore und Redaktion bewerten die Montage in drei Stufen: einfach mit Hand, einfach mit Hilfsmitteln, schwer. Die Redaktion bewertet zusätzlich die Tubeless-Montage auf dem Test-Laufradsatz in zwei Stufen: Setzen mit Standpumpe / Setzen mit Kompressor / Setzen sehr schwierig
  • Fahreindruck Jeder Reifen wird auf der identischen, 3 km langen Runde mit gleichem Druck sowie möglichst gleicher Geschwindigkeit auf den verschiedenen Passagen bewegt. Die Runde hat Anteile an Asphalt, feinem festen Gravel, feuchtem, festen Grund (Trampelpfad auf einer Wiese) sowie Steigungen und Kurven auf jeder der Belagsarten. Bis zu 5 Punkte werden nach Eindruck vergeben für: Fahrdynamik, Fahrgeräusch auf Asphalt, Kurvenhalt auf Gravel, Geschmeidigkeit des Abrollens (Komforteindruck)
  • Zusatzpunkte Ein einfaches Handling durch gut ablesbare Angaben auf den Reifen und umweltfreundliche Verpackungen aus Kartonage bedeuten Zusatzpunkte.


Alle Artikel unseres großen Gravel-Reifen-Tests:

Text/Fotos: Jan Gathmann
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