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Mathieu van der Poel fährt überlegen zum Weltmeistertitel und hat  noch Zeit, sich auf der Ziellinie vor Publikum und Sponsor zu verbeugen
Mathieu van der Poel fährt überlegen zum Weltmeistertitel und hat noch Zeit, sich auf der Ziellinie vor Publikum und Sponsor zu verbeugen
Die Brückenabfahrten waren die einzigen Stellen zum sekundenlangen Ausruhen in Dübendorf
Die Brückenabfahrten waren die einzigen Stellen zum sekundenlangen Ausruhen in Dübendorf - Foto: grabanfotografie
Regen hatte den Kurs vollständig aufgeweicht, Grün gab es nur direkt am Gatter
Regen hatte den Kurs vollständig aufgeweicht, Grün gab es nur direkt am Gatter
Der Kurs zeichnete die Gesichter
Der Kurs zeichnete die Gesichter - Foto: grabanfotografie
Wout van Aert fuhr auf den 4. Platz, was angesichts seines späten Saison-Einstiegs eine beachtliche Leistung ist
Wout van Aert fuhr auf den 4. Platz, was angesichts seines späten Saison-Einstiegs eine beachtliche Leistung ist - Foto: grabanfotografie
Sascha Weber kam als bester Deutscher auf Platz 19 ins Ziel. Es war nicht sein Lieblingskurs
Sascha Weber kam als bester Deutscher auf Platz 19 ins Ziel. Es war nicht sein Lieblingskurs - Foto: grabanfotografie
Um die Erdwälle zu fahren wie Van der Poel...
Um die Erdwälle zu fahren wie Van der Poel... - Foto: grabanfotografie
...brauchte es viel Kraft
...brauchte es viel Kraft - Foto: grabanfotografie
Toon Aerts versuchte Tom Pidcock auf dem 2. Platz einzuholen, zollte jedoch vieleicht seinem Kraftakt zu Rennbeginn Tribut
Toon Aerts versuchte Tom Pidcock auf dem 2. Platz einzuholen, zollte jedoch vieleicht seinem Kraftakt zu Rennbeginn Tribut - Foto: grabanfotografie
Wout van Aert konnte zwischenzeitlich bis an Toon Aerts heranfahren
Wout van Aert konnte zwischenzeitlich bis an Toon Aerts heranfahren - Foto: grabanfotografie
Marcel Meisen musste nach der ersten Runde aufgeben
Marcel Meisen musste nach der ersten Runde aufgeben - Foto: grabanfotografie
Corné van Kessel war der zweitbeste Niederländer – aber er  umrundete den Kurs schon 1 km/h langsamer als der neue Weltmeister
Corné van Kessel war der zweitbeste Niederländer – aber er umrundete den Kurs schon 1 km/h langsamer als der neue Weltmeister - Foto: grabanfotografie

Die Cyclo-Cross WM 2020 war am zweiten Tag eine Schlammschlacht. In der hielt sich Mathieu van der Poel nicht lange mit seine Gegnern auf und fuhr ein langes Solo zum nächsten Weltmeister-Titel. Der Brite Tom Pidcock schnappte der Crossnation Belgien überraschend die Silbermedaille weg. Und alle fanden den Rennkurs in Dübendorf ziemlich garstig. Hier die Bilder und der Bericht aus Dübendorf.

Rennen der Männer Elite

“Lastig” und “moeilijk” – die beiden niederländischen Wörter fielen am Sonntag in Dübendorf bei den Fahrer-Interviews ständig. Um zu wissen, was sie bedeuten, musste man sich nur den Gesichtsausdruck der Cyclo-Cross-Fahrer ansehen – sofern er denn hinter der Schlammpackung zu erkennen war: “schwer”, “mühsam”, vielleicht auch mit einem Anklang von Genervtheit.

Alle hatten ihre Mühe mit Kurs und man sah sie ihnen an. Nur Einer wirkte zumindest momentweise noch spielerisch: Mathieu van der Poel. Er gewann das Rennen, was viele erwartet hatten. Und er gewann überlegen, worüber zumindest noch ein kleines Fragezeichen gestanden hatte. MvdP hatte am Ende eine um 1 km/h höhere Durchschnitts-Geschwindigkeit als der Siebtplatzierte Corné van Kessel – ein niederländischer Fahrer, der in den großen belgischen Rennen oft unter den Top 3 fährt. Sascha Weber, der als bester deutscher Fahrer auf Platz 19 kam, drehte im Schnitt rund 2 km/h langsamer als MvdP seine Runden. Auf Tom Pidcock, der überraschend Zweiter wurde, hatte Van der Poel am Ende 1:20 Minute Vorsprung. Er fuhr von Beginn an alle Rundenbestzeiten. Nur die Schlussrunde ließ er ruhiger angehen und kostete sein Solo zum Weltmeistertitel etwas aus.

Mathieu van der Poel fährt überlegen zum Weltmeistertitel und hat  noch Zeit, sich auf der Ziellinie vor Publikum und Sponsor zu verbeugen
# Mathieu van der Poel fährt überlegen zum Weltmeistertitel und hat noch Zeit, sich auf der Ziellinie vor Publikum und Sponsor zu verbeugen

Diashow: Cyclo-Cross WM 2020: Van der Poel schnellster im Schlamm
...brauchte es viel Kraft
Mathieu van der Poel fährt überlegen zum Weltmeistertitel und hat  noch Zeit, sich auf der Ziellinie vor Publikum und Sponsor zu verbeugen
Regen hatte den Kurs vollständig aufgeweicht, Grün gab es nur direkt am Gatter
Wout van Aert konnte zwischenzeitlich bis an Toon Aerts heranfahren
Sascha Weber kam als bester Deutscher auf Platz 19 ins Ziel. Es war nicht sein Lieblingskurs
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Die Brückenabfahrten waren die einzigen Stellen zum sekundenlangen Ausruhen in Dübendorf
# Die Brückenabfahrten waren die einzigen Stellen zum sekundenlangen Ausruhen in Dübendorf - Foto: grabanfotografie
Regen hatte den Kurs vollständig aufgeweicht, Grün gab es nur direkt am Gatter
# Regen hatte den Kurs vollständig aufgeweicht, Grün gab es nur direkt am Gatter

=> Hier lest ihr den Bericht über das Frauenrennen der CX WM 2020

Kleben statt Abheben auf dem Flugfeld

Waren die Fahrlinien auf dem Rundkurs der Cyclo-Cross WM 2020 auf dem Flugplatz in Dübendorf am Vortag bei den Frauen noch halbwegs zu erkennen, so blieb am Sonntag beim Rennen der Männer Elite nur ein Schlammfeld. Nach langem Regen und zwei Renntagen hatte sich zwischen den Kursbegrenzungen eine breite Schneise aus einem Gemisch aus Matsch und Gras gebildet. Eine Mixtur, die es in sich hat: Sie kleistert jedes Profil und jeden Zwischenraum am Rahmen binnen Minuten zu wie Pappmaschee. Mit den Lenkern hart an der Begrenzung suchten manche Fahrer die letzten Reste Grün unter die Reifen zu bekommen, damit es wenigstens etwas rollte. Aber es rollte überhaupt nicht. “Es gab keine Stelle, an der man auch nur kurz die Beine hängen lassen konnte, allenfalls bei den Brückenabfahrten”, sagte der Belgier Toon Aerts nach dem Rennen.

Einer der härtesten Kurse, die ich bisher gefahren bin.

Mathieu van der Poel

Der Kurs zeichnete die Gesichter
# Der Kurs zeichnete die Gesichter - Foto: grabanfotografie
Wout van Aert fuhr auf den 4. Platz, was angesichts seines späten Saison-Einstiegs eine beachtliche Leistung ist
# Wout van Aert fuhr auf den 4. Platz, was angesichts seines späten Saison-Einstiegs eine beachtliche Leistung ist - Foto: grabanfotografie
Sascha Weber kam als bester Deutscher auf Platz 19 ins Ziel. Es war nicht sein Lieblingskurs
# Sascha Weber kam als bester Deutscher auf Platz 19 ins Ziel. Es war nicht sein Lieblingskurs - Foto: grabanfotografie

„Es war einer der härtesten Kurse, die ich bisher gefahren bin. Vor allem an den Brücken war es in den letzten Runden so schwer, dass man fast absteigen musste“, sagte Mathieu van der Poel gegenüber dem, belgischen Portal Wielerflits. Van der Poel beurteilte das Rennen als “einer Weltmeisterschaft würdig”. Sascha Weber, der einzige deutsche Fahrer, der bei den Männern Elite ins Ziel kam, fand andere Worte gegenüber dem Portal Radsport-News.de. Ihm fehlte es an technischen Passagen, wofür er sonst die Rennen in der Schweiz schätze: “Die Räder sind ja kaum mehr gerollt und man ist schneller über den Acker gerannt, als gefahren. Das sagt alles, oder?”.

Solo zum Sieg

Wie sich das Rennen ganz vorne entwickelte ist schnell erzählt: Van der Poel legte den besten Start hin und es konnte ihm nur Einer eine Weile folgen: Toon Aerts. Der Sieger des Gesamtweltcups aus Belgien heftete sich an das Hinterrad des Supertalents aus den Niederlanden. Aber auch Aerts musste schon in der ersten Runde reißen lassen. Ob ihn der Kraftakt zu Beginn am Ende die Silbermedaille kostete, darauf wollte Aerts sich im Interview nicht festlegen lassen. Es sei auf jeden Fall den Versuch Wert und die einzige Chance gewesen, MvdP etwas entgegen zu setzen.

Um die Erdwälle zu fahren wie Van der Poel...
# Um die Erdwälle zu fahren wie Van der Poel... - Foto: grabanfotografie
...brauchte es viel Kraft
# ...brauchte es viel Kraft - Foto: grabanfotografie

Schon früh gleich das Rennen einem Einzelzeitfahren. Jeder kämpfte für sich mit dem Bedingungen in Dübendorf, zuerst im strömenden Regen, dann bei trockenem Wetter. „Der Matsch wurde sogar noch schwerer zu fahren, als er etwas abtrocknete. So gesehen wäre es sogar besser gewesen, es hätte weiter geregnet“, beschrieb Mathieu von der Poel später den Verlauf.

Spannung um Silber und Bronze

Spannend wurde es noch einmal im Kampf um die Medaillen. Der Brite Tom Pidcock fuhr das CX-Rennen seines Lebens und hängte in der vierten Runde Toon Aerts ab. Der versuchte, sich zurück auf den Silbermedaillen-Platz zu kämpfen, während hinter ihm ein von Runde zu Runde aufkommender Wout van Aert um Anschluss an die Podiumplätze rang. Zwei Runden vor Schluss des Rennens, das mit einer Fahrzeit fast 1:09 Minuten für den Sieger auch eines der längeren Sorte war, hatten sich Aerts und Van Aert sogar zu einer kleinen Gruppe zusammengefunden – angesichts des späten Einsiegs von Van Aert in die Saison nach einer langen Verletzung eine beachtliche Leistung. Aber der Ex-Weltmeister Wout van Aert konnte die Position nicht halten. Dennoch: Van Aerts Performance in Dübendorf bewog Mathieu van der Poel offenbar zu der Einschätzung, dass der Belgier sein stärkster Konkurrent bei den Frühjahrsklassikern werden wird, noch vor Klassikerspezialist Van Avermaet. Das zitierte Van Aert in der Zeitschrift Het Nieuwsblad.

Toon Aerts versuchte Tom Pidcock auf dem 2. Platz einzuholen, zollte jedoch vieleicht seinem Kraftakt zu Rennbeginn Tribut
# Toon Aerts versuchte Tom Pidcock auf dem 2. Platz einzuholen, zollte jedoch vieleicht seinem Kraftakt zu Rennbeginn Tribut - Foto: grabanfotografie
Marcel Meisen musste nach der ersten Runde aufgeben
# Marcel Meisen musste nach der ersten Runde aufgeben - Foto: grabanfotografie
Corné van Kessel war der zweitbeste Niederländer – aber er  umrundete den Kurs schon 1 km/h langsamer als der neue Weltmeister
# Corné van Kessel war der zweitbeste Niederländer – aber er umrundete den Kurs schon 1 km/h langsamer als der neue Weltmeister - Foto: grabanfotografie

Näher als bis auf 10 Sekunden konnten sich Van Aert und Aerts aber nie an Pidcock ansaugen. Van Aert verlor später auch wieder den Anschluss. Am Ende kam Pidcock mit 25 Sekunden Vorsprung vor Aerts ins Ziel. Nach dem Rennen sagte Pidcock, dass ihm derartige Bedingungen lägen, bei denen es darum ginge, sein Tempo zu finden. Er sei weniger ein Fahrer der vielen Tempowechsel.

Aufgeben musste der Deutsche Meister im Cyclo-Cross Marcel Meisen, der offenbar erkrankt war. Er ging zwar als 16. über die Startlinie, fiel aber schon in der ersten Runde auf Platz 25 zurück und beendete das Rennen nicht.

Ergebnisse CX WM 2020 Männer Elite

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Rundenzeiten CX WM 2020 Männer Elite

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Cyclo-Cross Weltmeisterschaft und Weltcup 2021

Am Rande der Weltmeisterschaft gab die UCI auch die Austragung der kommenden CX WM 2021 in der belgischen Küstenstadt Oostende bekannt. Vom 30. bis 31 Januar 2021 werden die Weltmeisterschaften dort auf einem Kurs ausgetragen, der bereits bei der belgischen Meisterschaft erprobt wurde. Die Strecke beinhaltet unter anderem eine spektakuläre Brücke über den Strandboulevard der Stadt und lange Passagen auf dem Strand. Infos gibt es hier: https://www.wkoostende2021.be/en

Die Crossnation Belgien ist auch der Gewinner bei der Neu-Ausrichtung des Cyclo-Cross Weltcups durch die UCI. Dessen Eventkalender für die Saison 2020/21 wurde ebenfalls in Dübendorf festgelegt. Demnach steigt die Zahl der Weltcup-Rennen auf 14. Die meisten gehen in Belgien über die Bühne. So erhält etwa das berühmte Rennen in Zonhoven Weltcup-Status. Außerhalb Belgiens wird es Läufe in Hulst (Niederlande), Waterloo (USA), Villars (Schweiz), Tabor (Tschechien), Besançon (Frankreich) sowie erstmals in Dublin (Irland) geben.

Was sagt ihr zum neuen UCI CX-Weltcup?


Hier lest ihr mehr zum Thema Cyclo-Cross auf Rennrad-News:

Text: Jan Gathmann / Fotos: Grabanfotografie
  1. benutzerbild

    lakecyclist

    dabei seit 10/2018

    Gratulation an MvdP - Er hat wirklich überragend gewonnen.
    Werbung für den CX-Sport war die WM in meinen Augen aber nicht mit einer flachen Strecke über ein Flugplatzgelände, wo die Highlights ein paar matschige Erdwälle sind und die einzigen kurzen Anstiege aus Gerüsten gebaut wurden. Für mich war das keine würdige Strecke für eine Weltmeisterschaft.
  2. benutzerbild

    Karl Napp

    dabei seit 11/2013

    Da hätten die auch in einer Halle einen Parcours aufbauen können, war mein erster Gedanke.
  3. benutzerbild

    FabiW

    dabei seit 04/2018

    https://www.blick.ch/sport/rad/wissenschaftliches-testobjekt-das-macht-rad-phaenomen-van-der-poel-fast-unschlagbar-id15730273.html

    Leider nicht sehen können, finde den Bericht aber ganz spannend...
  4. benutzerbild

    queruland

    dabei seit 06/2015

    Nun das Rennen war aufgrund der Verhältnisse sehr schwierig, aber Dübendorf hat nun mal den Zuschlag erhalten. Unter normalen Verhältnissen wäre es ein schnelles Rennen gewesen, aber Petrus hatte was dagegen. So war der Parcours halt sehr selektiv und die Entscheidung war schon früh gefallen. Aber die TV-Bilder waren gut, zeigten wie die Athleten bis zur Grenze gefordert wurden.

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