AW: Wer fährt eigentlich ohne Helm???
Also ich habe ja auch Freunde die den Beruf mit dir teilen, offenbar passieren solche Unfälle vermehrt wenn du Dienst hast.
Solche Schilderungen kennen sie nicht.
Du scheinst solches anzuziehen.
Nee Moreno,
bitte nicht so einen Quatsch. Austritt von Liquor (Nervenwasser) aus Nase oder Gehörgang ist ein häufiges Symptom bei Schädelbasis-, Mittelgesichts- oder frontaler Schädelfraktur, wie es bei einem Schädel-Hirntrauma auftreten kann. Da der Verunfallte in diesem Fall ein hohes Risiko hat, eine Gehirnhautenzündung zu erleiden, muß der Austritt von Flüssigkeit aus Nase / Ohr abgeklärt werden. Rate doch Deinen "Freunden" mal dem Verunfallten in so einem Fall einen Glukoseteststreifen an die austretende Flüssigkeit zu halten. Verfärbt sich dieser, handelt es sich um Liqour. Konsequenz: Schädelröntgen, HNO/ Neurochirurgisches Konsil. - Sollte jeder Notarzt eigentlich draufhaben.
Die Diskussion mit dem
Helm hat halt deswegen ihre Berechtigung, weil es i.d.R. keine lebensentscheidenden Konsequenzen hat, wenn man sich das Schlüsselbein oder den Oberschenkelhals beim Radsturz bricht. Verletzungen des Gehirns verlaufen oft schwerwiegend und haben häufig einschneidende Konsequenzen, die von langwieriger Rehabilitation, über bleibende Berufsunfähigkeit bis zu lebenslanger Pflegebedürftigkeit und tödlichem Ausgang reichen können. Mehr als 50% der Radfahrer, die tödlich verunglückt sind, sind an den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas gestorben.
Heutzutage, das wird Shalimah bestätigen, verblutet ein polytraumatisiertes Unfallopfer in der BRD häufig nicht mehr auf der Straße, oft auch nicht am Milz-/Leberriß sondern (früher) häufig an den Folgen erhöhten Hirndrucks, (später) im ungünstigen Fall an einem apallischen Syndrom mit tödlichem Ausgang. (Beides Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas).
Um bleibende Hirnschäden zu erleiden, genügt die Fallhöhe beim Umfallen im Stehen. Bei einem selbstverschuldeten Sturz auf flacher Straße ist nicht das horizontale Schlittern über die Straße entscheidend, sondern die vertikale Beschleunigung, also die Fallhöhe aus 150 - 190cm auf die Straße. Und diese neg. Beschleunigungsenergie kann durch eine Verlängerung des Weges = Einbau einer Knautschzone zwischen Asphalt und Schädel (=
Helm) zumindest gemildert werden. Ohne
Helm bleibt das "Skalp" als Knautschzone, nicht mehr als ein paar mm Kopfhaut und etwas subcutanes Fettgewebe.
Vielleicht hat der eine oder andere dieses Jahr Mailand-San Remo gesehen? Blütenstaub auf der Straße, dann Regen = Schmierseife. An der Abfahrt von der Cipressa gab es Stürze, die ich mir in Zeitlupe "gegönnt" hab`: Das Hinterrad schmierte weg, der Rennfahrer knallte ohne jede Abstützbewegung mit dem Kopf in Höhe der Hutlinie auf den Asphalt. Dank
Helm guckte er etwas belämmert, konnte dann wieder aufstehen. Ohne
Helm würde ich da ein CT machen und mich nicht über ein subdurales Hämatom und eine Schädelfraktur wundern..
Vielleicht muß man einschränkend sagen - das kann ich aber nicht durch Studien belegen - kann man durch einen
Helm sog. Scherläsionen, die durch kleine punktförmige Blutungen im Gehirn infolge Zerreißen kleiner Blutgefäße welche durch die Beschleunigung des Gehirns beim Aufprall entstehen, und die diffusen axonalen Schädigungen, welche hierbei durch Läsionen im Zellskelett der Nervenzellen entstehen, weniger gut mindern. Wahrscheinlich kann man durch Helmtragen erfolgreicher das Auftreten von Schädelfrakturen und epi- / und subduralen Hämatomen verhindern.
Das ist jedoch meine eigene Meinung die ich nicht durch Studien belegen kann.
Was das Polemisieren angeht, ich finde es auch falsch, wenn man eine Helmpflicht einführt die zur Abnahme des Radverkehrs führt. Fragwürdig finde ich auch, dass Gerichte dazu übergegangen sind, dem Radler bei Nichttragen des Radhelms eine Teilschuld zuzusprechen. Noch heimtückischer sind daraus abgeleitete Leistungsverweigerungen bei Versicherungen.
Aber diese mißbräuchlichen Auslegungen nehmen dem Radhelm doch nicht seinen Nutzen, den er mir im Falle eines Sturzes bringen kann.
Zu den Postern hier, die so leidenschaftlich für die Freiheit des Individuums plädieren: Das ist eine nachvollziehbare Position über die man disskutieren muß. Allerdings endet bekanntlich die Freiheit des Individuums da, wo die Interessen der Anderen eingeschränkt werden. D.h. ich proklamiere für mich das Recht mir den Schädel einrennen zu dürfen wenn ich dazu Lust habe, fordere dann aber von der Soildargemeinschaft schon mein Recht auf optimale Krankenversorgung, stationäre Reha, Berufsunfähigkeitsrente und ggf. einen Platz in einer WfB (Werksatt für Behinderte), oder ?
Cu Mark