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Mafac Mittelzugbremsen spielfrei umbauen!

Knobi

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Renner der Woche
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Verehrte Mitleidende,

wer kennt sie nicht, die gute, alte Mittelzugbremse von Mafac?
Von den Hebelverhältnissen her einer aktuellen V-Brake nicht unähnlich und doch oft enttäuschend, wenn es ans Verzögern geht?
Wackelnd und quietschend, dass man nicht mal eine Radlaufglocke vermisst?

Hier mal ein wirklich gut erhaltenes, praktisch unverschlissenes Exemplar, frisch gereinigt und gefettet:


Im Videobereich ansehen(natürlich weiß ich, dass die Bremsschuhe im Video falschrum montiert sind. :D )

Die Lagerung ist werksseitig nicht einstellbar und dank ungeahnter Fertigungstoleranzen waren die wenigsten dieser Bremsen selbst im Neuzustand auch nur annähernd spielfrei. Die dünnen Ärmchen verformen sich, die Lagerung wackelt und die Bremsbeläge schlirren auf der Felge hin und her, dass sich jedem Nutzer modernerer Rennradtechnik der Magen umdreht.
Doch halt! Das muss nicht sein!
Industrie und Schraubenhandel halten die Lösung für ganz kleines Geld parat.

Man braucht für einen Satz Bremsen:
  • 4 sehr kurze Madenschrauben M6 (hier: 5 mm lang)
  • 8 stabile Kunstoff-Gleitlager mit Bund, 10 mm Außendurchmesser, 8 mm Innendurchmesser, 4,5 mm Einstecktiefe, mind. 1 mm Bundstärke
  • Plastikhammer
  • Dremel mit Trennscheibe
  • Fett
  • dünnes Rohr oder stabile Zange
Die passenden Buchsen habe ich bei Igus entdeckt, einem großen Lagerhersteller mit wunderbarem Online-Shop. Dort ist man auch Privatleuten und Kleinmengen gegenüber nicht abgeneigt und ich habe gleich mal das belastbarste Material für Kunstoff-Gleitlager gewählt: Iglidur Z. Muss aber nicht sein, das geht auch billiger.
http://www.igus.de/default.asp?PAGE=iglidur&C=DE&L=de





Die originale Lagerung, zerlegt:



Nicht bei jeder Bremse sind die hier gezeigten doppelten Unterlegscheiben verbaut; das ist "mal so, mal so"...

Alte und neue Lager im Vergleich:



Ich habe mich dafür entschieden, zwei Buchsen mit Bund für jeden Bremsarm zu verwenden, die sich in der Mitte nicht berühren und im Arm selbst nicht drehen sollen. Der Trick zur spielfreien und einstellbaren Lagerung liegt dabei an anderer Stelle, denn natürlich wäre ein so ausgerüsteter Bremsarm nach dem Anziehen der Sechskantschraube völlig blockiert.

Die eingepressten Buchsen (leichtes Beklopfen mit einem Hammer bringt sie später noch in die endgültige Position):




Und jetzt der Trick mit der einstellbaren, gekonterten Lagerung:
Weil die Bolzen der Ankerplatte zuuufällig etwas über 3 mm große, durchgehende Bohrungen haben, passt da natürlich auch ein 3 mm Inbusschlüssel rein. Mit dem setzt man "von hinten durch die Brust ins Auge" je eine kleine Madenschraube ein, die dann von vorn mit der originalen Sechskantschraube das Spiel einstellbar macht und gekontert wird.







Wenn die Madenschraube, wie hier, länger als ca. 3 mm ist, muss die Sechskantschraube ein wenig gekürzt werden:







Einstellen und Kontern mit 3 mm Inbus und 12 mm Schraubenschlüssel - wer der Sache nicht traut, kann auch noch Schraubensicherung verwenden:



Und fertig ist die zornige, unterschätzte Uralt-Bremse aus der Mottenkiste. Gescheite Beläge helfen noch ein wenig nach...



... und werden samt Schuhen so hingebogen, dass sie garantiert immer in Fahrtrichtung zuerst an der Felge anliegen.



Und weil die Federn viel zu stark sind, biegen wir sie deutlich nach, um angenehmere Handkräfte zu erreichen:



Rechts vorher, links nachher - das kann aber noch deutlicher werden; es reicht, wenn die Federn gerade so eben etwas Spannung aufbauen.





Wohl bekomm's!
 

Reynolds531

Ich bin entzückt!
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Knobi.....du bist einfach genial. Das gleiche müsste eigentlich auch mit meinen Shimano 600 Mittelzug gehen.
Die spielen nicht ganz in der Liga der Mafacs. Aber fast.
 
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Ich hatte mal an sowas gedacht, aber Deine Lösung sieht bestechend aus...
 

Knobi

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Nadellager oder zumindest Metallbuchsen, ja, daran hatte ich auch zuerst gedacht. Aber wie ich mir die Mafacs so angesehen habe, war mir doch eher nach einer möglichst simplen und billigen Lösung zumute, ohne viel Aufwand und Werkzeug. Eine wirklich supergute Bremse nach modernen Maßstäben wird das sowieso nicht, also habe ich mich für Plaste entschieden - bevor irgendwelche Metallteile vielleicht noch die Sockel abnutzen.
 

Knobi

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Nö, leider nicht. Ich hätte ja gern mal die ganz kurze, ältere Version mit den kugeligen Aufnahmen für die Beläge.
Oder lieber gleich Dia Compe 450?
;-)
 

radltandler

fährt eisern Stahl spazieren!
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servus knobi,

vielen dank. das ist die perfekte anleitung zum schöner schrauben. ich habe mir erlaubt, mein persönliches werkstatt-handbuch um deinen vorschlag zu ergänzen.

gruß radltandler
 
E

einbeiner

Was anderes wollte ich schon laengst mal als Tipp schreiben:

BTW: Hirose, einer der kleinen aber sehr feinen japanischen "Constructeure" bietet das Aufrüsten von Mafacs mit neuen Messingbuchsen an:
http://www.cs-hirose.com/handcraft/brake.html
(unten auf der Seite)

Das, was dort ganz oben angeboten wird (Umbau 'normaler' Rennbremsenschuhe auf Canti) gibt's auch von VO:
http://store.velo-orange.com/index.php/vo-reglable-cantilever-pads-w-vo-squeal-free-shoes.html
Ich habe solche auch schon zusammen mit einfachen Cantis in Deutschland gekauft:
http://www.karbo-cycle.com/Shop/bremsen/257-x-seven-cyclocross-bremse.html
Ich wuesste ganz gern, wo's die in D einzeln zu kaufen gibt.

Der Witz:
Es handelt sich eigentlich um normale Traeger fuer Rennradbremsbelaege
+ konische Unterlegscheibe (silber)
+ konische Stufenhuelse (schwarz)
+ geriffelte Klemmhuelse (silber)
+ Innensechskanschraube (durchgaengiges Gewinde, silber)
(unteres Bild, von innen nach aussen)

Man erkauft sich die Einstellbarkeit damit, dass die Schuhe nun nicht mehr ganz so dicht an den Bremsarm koennen und die langen Huelsen eventuell mit engen Dreiecken kollidieren.
Die (schwarze) Stufenhuelse kann man aber einseitig wegfeilen und auch die geriffelte Huelse und die Schraube koennen um's gleiche Mass gekuerzt werden (habe ich hier gemacht):
 

Knobi

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Eine feine Sache - und zusammen mit bereits winkelverstellbaren Rennbremsschuhen, bei denen die konische Scheibe viel dünner ist, und den unschlagbaren R55C3 wäre es 'ne Wucht.
In meinem Fall wollte ich allerdings ausnahmsweise mal die Retro-Optik behalten - an dem Mafac-gebremsten Rad sind sonst schon genügend Sachen dran, die nicht so ganz historisch korrekt sind. Und schließlich wollen wir ja diesen Herbst zusammen in die Toskana...
 

Knobi

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Klar doch. Ich hab die Dinger mittlerweile an fast jedem Rad und bin der Meinung, dass das die universellsten Beläge sind - nass wie trocken sind die auf jeder Felge mindestens gut, auf modernen Mavic sogar spitze, vom Gummi her eher weich und abnutzungsfreudig. Das "Feeling" ist im Vergleich zu Koolstop etc. vielleicht etwas schwammiger, aber das stört mich nicht.
 

fjohrd

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...ich hau hier mal kurz dazwischen, weils halbwegs ins "Mafac - spielfrei" Thema passt:

Einige meiner Mafac-Bremsschuhe haben richtig viel Spiel zwischen dem Festklemmbolzen und der Belagaufnahme, so dass man die Gummis recht weit hin- und herdrehen/wackeln kann - gibts da nen Tip, die wieder dauerhaft festzumachen? Gummi raus und mit nem Körner fest dengeln?
 
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