Ich komme dem Wunsch der "Forengemeinde" nach, überlese die immer noch vorhandenen kleinen Provokationen (trotz des deutlich versöhnlicheren Tons) und konzentriere mich auf die Sache. Nicht um
@Teutone zu überzeugen, das wäre aus meiner Sicht Zeitverschwendung, sondern um dem vielleicht stillen Mitleser die Problematik der Argumentation deutlich zu machen.
Das Lesen von Studien macht noch kein wissenschaftliches Denken aus. Wissenschaft möchte Erkenntnisse gewinnen, die auf viele Individuen (nie auf alle) übertragbar sind. Dafür eignet sich der Einzelne leider überhaupt nicht. Mein Anliegen ist es Aspekte zum Besten zu geben von denen möglichst viele Sportler:innen profitieren können und nicht nur einige wenige. Um mal ein anderes Beispiel zu nennen: Es gibt ja auch Ausdauersportler die mit einer ketogenen Ernährung erfolgreich sind / waren. Dennoch scheint mir das kein Ansatz zu sein von dem viele Sportler:innen profitieren können. Da sind die einzelnen Erfolge eben kein "Beweis" welcher Art auch immer.
Es bringt niemandem etwas wenn
@Teutone behauptet mit 6h Training / Woche 400W zu fahren, weil auf andere nicht übertragbar. Genauso wenig ist es zielführend sich auf einzelne kleine Studien zu stürzen und scheinbar widersprüchliche Ergebnisse herauszustellen mit dem Argument die Erkenntnisse wäre alle nichts wert. Darin zeigt der Einzelne nur seine Unkenntnis über Wissenschaft. Vielmehr sind deswegen Metastudien so interessant, weil dann auf viele Individuen geschaut wird und die besonderen Einzelfälle eben "herausgerechnet" werden können. Darüber hinaus lebt Wissenschaft davon sich weiter zu entwickeln und Ergebnisse der Vergangenheit zu korrigieren, gerade das ist ja das Wesen von Wissenschaft.
Bei allem Respekt ist dann Michael Nehls ein besonders schlechtes Beispiel für den eigenen Ansatz, da gerade dieser mit der reinen Umfangskeule trainiert hat. Mir ist klar, dass Teutone auf etwas anderes hinaus wollte, das Beispiel dient der eigenen Argumentation aber nicht.
Was
@Teutone gerne macht, ist das herauszupicken was seiner eigenen Wahrnehmung dienlich ist um dann zu sagen "sag ich ja", das ist aber halt so gar nicht Interesse an Erkenntnis. Mir wirft er dann unterschwellig vor, dieser Satz dazu sei mir erlaubt, dass ich festgefahren sei. Dabei bin ich das gerade nicht, sondern immer an neuen Erkenntnissen interessiert. So bin ich nicht nur im Radsport aktiv, sondern auch in gleich zwei weiteren Profisportarten um ständig neue Erkenntnisse zu gewinnen (wir müssen das auch nicht vertiefen, ich schreibe das nicht aus irgendeiner Angeberei heraus, sondern um deutlich zu machen, dass das Weiten des eigenen Blickes über den Tellerrand hinaus sehr sinnvoll ist). Ich habe es an anderer Stelle schonmal geschrieben: Nicht der breiteste im Gym hat recht und somit auch nicht der schnellste Radfahrer - das ist einfach kein valides Argument. Vielmehr zählen die erfolgreichsten Sportwissenschaftler nicht zu den besten Sportlern.
Darüber hinaus ist es so, dass ausnahmslos alle Profis viel trainieren, das machen sie nicht ohne Grund. Heutzutage messen auch annähernd alle Profis Laktat, auch das machen sie nicht ohne Grund. Ich habe auch nie behauptet, dass Amateure das 1:1 übertragen sollen, da wird aus meiner Sicht anderen Diskussionsteilnehmern etwas in den Mund gelegt, was sie nie gesagt haben. Da könnte man gerne die Athlet:innen fragen, die von mir trainiert werden, da trainiert niemand 20-30h und schon gar nicht auf 3 Einheiten verteilt. Auch wenn wir hier wieder Studien haben, die zeigen, dass 2 Einheiten durchaus sinnvoller sein KÖNNEN als 1 Einheit. Je nach Voraussetzungen und Zielen.
Wer wenig trainiert und damit Erfolg hat (wieviel kann von außen sowieso niemand beurteilen) soll glücklich sein. Das ist super! Das auf andere übertragen zu wollen nach dem Motto "siehst Du, so funktioniert es" ist aber unlauter. Benutzen auch einige Coaches um irgendwelche Träume zu verkaufen mit wenig Aufwand, das ist der Zeitgeist, das ist mir klar, es funktioniert aber halt nur in Einzelfällen.
Intensität ist ein wichtiger Trainingsreiz, da verwende ich auch ziemlich viel von, aber halt nicht ausschließlich. Die Gesamtzeit der Intensität sollte sich da nicht verschieben, lediglich die prozentuale Verteilung je nach Zeit/Verträglichkeit. Auch da gibt es ja Wissenschaft zu. Nicht zuletzt gibt es ja ein paar Studien zum Training von sehr erfolgreichen Athleten: Beispielhaft seien Seiler, Ronnestad, Gallo, Ferrauti, Cheng, Heldt genannt.
Es gibt ja zB auch eine große Metastudie (mir fällt gerade der Autor nicht ein) zu Läufern (15 Minuten bis 3h Wettkampfzeit) die zeigt, dass selbst bei 5km-Läufern diejenigen die erfolgreicher sind, die 80km+ trainieren. Natürlich gibt es auch hier einzelne Ausnahmen, für die allermeisten gilt aber, dass ein hoher Umfang erfolgversprechend ist - das bedeutet keinesfalls, dass es nicht dennoch sinnvoll ist hohe Intensitäten zu trainieren - das hat hier ja auch niemand behauptet.
Ich habe bei all dem versucht möglichst sachlich zu bleiben. Sollte in diesem Posting Angriffe herauszulesen sein, entschuldige ich mich bei(m) Leser(in). Im Zweifel bin ich auch bereit das dann zu korrigieren.