Seltsam. Ich finde nach wie vor fast jederzeit fahrfähige Autos mit TÜV um die 1000 €, teils auch deutlich darunter, und da fehlt keine Null. Ohne Rest-TÜV würde ich sowas übrigens nicht kaufen und habe damit noch nie einen direkten Totalausfall erlebt; mein Bruder und mein Nachbar machen das seit Jahrzehnten genauso mit ihren Alltagsautos.
Aktueller Bestand bei uns: Mazda 323 F, Bj. 2001, 1000 €, Honda Civic Bj. 2000, 900 €, Astra G, geschenkt, Passat 3BG, 600 €, VW Fox, geschenkt und vor ein paar Tagen für 300 € weiterverkauft.
Bei unseren zahlreichen Werkstattnachbarn fahren diverse Golf 4 & 5 und Audi A3 in vergleichbaren Preisregionen und zwei Mondeo MkIII (womöglich das famoseste Billigauto überhaupt).
Nicht so billig, aber ebenfalls unter 10.000 € fahren dort zwei E-Klassen der W211-Reihe, in der Summe aller Eigenschaften richtig gute Autos. In deren Preislage verorte ich auch einen heißen Corolla aus 2005, den in zweiter Hand irgendwie niemand haben wollte und der jetzt seinen endgültigen Besitzer gefunden hat.
Die Oldtimerei steht dagegen die meiste Zeit, ist zerlegt oder war nie sonderlich zuverlässig.
Da braucht man halt derweil was zum Fahren.
Für mich ganz persönlich gilt beim Autofahren, dass ich habe, was ich brauche und niemals über 3000 € für ein Auto ausgeben würde. In Wirklichkeit habe ich diesen Wert noch nie erreicht.
Ein Accord oder Civic für ein paar hundert Kröten kann mit vertretbarem Wartungsaufwand durchaus noch weitere 10 Jahre durchhalten; beim Accord werden es nächstes Jahr schon 20 und ich bin damit sein längster Besitzer. Toyotas, Volvos und Benze können das oft besser, aber die Hondas kenne und mag ich halt.
Pauschal erworbene Irgendwie-Gebrauchtwagen für 3000 bis 15.000 € haben nach meiner Beobachtung ähnlich oft ähnliche Probleme, wie klug ausgewählte Billigkarren und werden dadurch einfach insgesamt deutlich teurer.
Gerade erst mitbekommen beim "fast noch neuen" Renault Captur für die Freundin des Nachbarn, weil sie keine Billigkarren fahren mag (was heißt: geliehenes Geld für einen Gebrauchten!). Am zweiten Tag geplatzter Bremszylinder auf der Autobahn und eine ruinierte hintere Bremse (erstaunlich, der hat hinten noch Trommeln, mit sowas fahre ich seit 20 Jahren nicht mehr). Zum Glück mit Gebrauchtwagengarantie, die aber wegen der Werkstattbindung nutzlos war (Autohaus in Hannover, Auto kaputt in Kassel). Repariert haben wirs dann selbst, auf offener Straße weils ja nicht mehr fuhr, und die Teilerechnung an den Händler geschickt. Der war zum Glück einverstanden.
Im Freundeskreis hatte ich schon bei vergleichbaren "fast noch neuen": Motorschäden, Getriebeschäden, Durchrostungen an Karosserie und Fahrwerksteilen und die üblichen elektronischen Ausnahmezustände, quer durch diverse Marken und Typen.
Lasst euch gesagt sein: Das bekommt man auch für ein Zehntel oder Zwanzigstel des Preises!
Ich meine nicht, dass alte Autos besser oder umweltfreundlicher sind, als neue.
Ich mag nur einfach keine neuen und habe manchmal diebische Freude daran, eine Billigkarre jahrelang massiv zugrunde zu reiten, die aber trotzdem nicht kaputtgehen will, während Freunde und Kollegen in der gleichen Zeit drei bis vier wesentlich teurere Autos "durchmachen".
Vor dem geistigen Auge sehe ich auf dem Firmenparkplatz dann manchmal 20 solche Civics neben einem handelsüblichen neueren Gebrauchtwagen zum gleichen Gesamtpreis stehen. Dann muss ich lachen, weil garantiert immer einer der Civics funktionieren würde. Obwohl das eigentlich keine guten Autos sind.
Wer einen Gebrauchtwagen fahren will ohne sich in finanzielle Abenteuer zu stürzen, der sollte ihn auch selbst reparieren können, meiner Meinung nach. Für alle anderen gibt es Leasing.