AW: Wintertraining in Stuttgart
Kann das leider nicht verlinken aber davon hats mir auch schon geträumt
VerfasserIn: Manfred Kiesel
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Datum 05.06.2005
Tourname GP-Schwarzwald
Startort Triberg Verein
Tourlänge in Km Höhenmeter in M
263 5068
Bericht:
Morgens um sieben, wo angeblich die Welt noch in Ordnung ist, standen die Kandidaten für die Feldbergrunde im strömenden Regen in Triberg an der Startlinie. Etwa 110 hatten für die grosse Strecke gemeldet. Wieviele davon nun auch da waren und wieviel Nachmelder dazugekommen waren, kann ich nicht sagen, aber alle, die da waren, waren bester Laune, einige sangen im Regen. Der Veranstalter wartete noch einige Minuten zu, ob der Regen nicht dünner würde, und entliess uns dann doch, nachdem jeder seinen Transponder in ein Erfassungsgerät eingeführt hatte, in den trüben, tröpfelnden Tag.
Worauf hatte ich mich da eingelassen? 258 km mit über 5000 Höhenmetern, das allein war schon ein Wort, aber auf meine Kondition durfte ich mich verlassen. Das enge Zeitlimit machte die wirkliche Schwierigkeit aus. Der Veranstalter hatte viele Jahre Rennen organisiert. Mit den Besonderheiten des Breitensports war er offensichtlich nicht vertraut, reagierte aber auch nicht auf meinen Versuch, in seinem Forum dieses Thema anzusprechen. Das hatte mir nicht gefallen, aber die Strecke lockte mich, und ich war dafür bereit, das Abenteuer einzugehen. Oder dabei einzugehen.
Es ging mehrere Kilometer bergauf, durch Schonach hindurch und weiter, schliesslich kam eine erste längere Abfahrt in das Prechtal hinein. Je tiefer es hinabging, desto flacher wurde das Gefälle. Es hatte aufgehört zu regnen, aber die Strasse war noch nass, daher hatte ich alle Gruppen wegfahren lassen und fand mich alsbald in Alleinfahrt wieder. Irgendwann sah ich eine Turmuhr - es war acht. Schon acht Uhr! Ich erschrak. Ich war ja noch lange nicht unten in Elzach, dann ging es noch nach Waldkirch, ehe der erste richtige Berg begann. Der erste von vieren. Wann sollte ich spätestens auf dem vierten sein? Das konnte niemals funktionieren. Welcher Vollpfosten hatte sich diese Marschtabelle ausgedacht? Das Vorhaben war wohl hier schon gescheitert. Am besten, ich meldete mich für Ottenbach ab.
Trotz der fehlenden Zuversicht fuhr ich mit etwa 130 Puls weiter und kam irgendwann nach Waldkirch an den Fuss der mir gut bekannten Steigung. Nochmal angehalten und erleichtert, dann den kleinsten Gang gekettet, um möglichst Kräfte zu sparen, und die 11,8 km lange Kurbelei konnte beginnen. So weit es ging, wollte ich schon noch kommen. Immer bei gut 140 Puls, manchmal auf 150, dann bremste ich mich etwas ein. Der Berg, der nicht aufhört, hörte dann doch einmal auf - auf die Uhr wollte ich garnicht sehen. Aber Peter den Bergfloh sah ich, der schon oben war. Etwas Kuchen gefasst und die Flasche gefüllt, dann konnte ich mich in Sichtweite von Peter auf die lange Abfahrt machen.
Vor dem nächsten Berg hatte der Veranstalter einen kleinen Anstieg eingebaut, nach St. Märgen. Peter und ich waren bis dahin zusammengeblieben, und nun konnte ich den prachtvollen Windschatten des Bergflohs schamlos ausnutzen und dabei gut Kilometer machen. Hinter Kirchzarten verlor ich ihn an einer Einmündung, nun begann es leicht zu steigen. In Oberried hielt ich an, um die Jacke auszuziehen, Peter entschwand derweil ausser Sicht. Hier begann die Auffahrt zum Schauinsland. In Höhe des Erholungsparks Steinwasen wurden 7 km mit 14% angekündigt (maximal wohl nur, das wären ja sonst noch 980 Höhenmeter gewesen). Wir bogen allerdings rechts ab, nur, auch hier waren streckenweise 14% angezeigt, und schliesslich sah ich auch Peter wieder, und dann hatte auch der zweite Berg sein Ende an einer Kontrolle.
Peter drehte den Spiess um und fuhr vor mir ab. Dann bog die Strecke nach links in einen sehr engen Weg, der mit 18% fiel. Hier musste konzentriert gefahren und rechtzeitig verlangsamt werden. Wie gut, dass es nicht mehr nass war. Nach langer Abfahrt ging es wieder auf eine normale Straße, die recht gleichmäßig und nicht zu steil stieg. So dauerte es lange, bis ich Peter wieder passierte, und noch länger bis zum Wiedener Eck, dann noch etwa 180 hm bis zum höchsten Punkt, der am Belchen erreicht wurde. Mir fiel auf, daß es wenig Schilder gab. Abzweigungen waren deutlich beschildert, aber wo es geradeaus ging, war wohl kein Schild notwendig. So sah ich oft viele Kilometer lang nicht ein Schild, und wurde unsicher, ob ich noch richtig war, zumal ich weitgehend allein fuhr. Fast alle Fahrer waren ja schon weit vor mir. Aber ich fuhr nie falsch.
Wieder eine Abfahrt, bis kurz vor Todtnau, und der lange Anstieg nach (nicht: zum) Feldberg begann. Gemeint ist der gleichnamige Ort auf "nur" 1235 m. Trotzdem zieht sich auch dieser Anstieg mit knapp 700 hm, der obere Teil auf einer sehr breiten Straße, wo es schon optisch nicht vorwärtsgeht. Nun begannen auch die Beine etwas zu protestieren, ich war nun doch schon viele Stunden in einem Pulsbereich gefahren, der eher in der unteren Kraftausdauer als im GA-Bereich lag. Das konnte ja noch heiter werden, schon weit im Nachmittag, etwa die Hälfte gefahren und ich baute ab. Prost Mahlzeit. Die warme Suppe in Feldberg nahm ich dankend an. Immerhin war die Kontrolle noch da. Beim Wegfahren sah ich auf die Uhr, 14:39 Uhr. Gerade mal neun Minuten über der Schlußzeit, die für diese Stelle angegeben war. Der Weg war noch weit, aber noch saß ich auf dem Rad und fuhr.
Auf die Abfahrt folgte kurz vor Hinterzarten ein Streckenteil, der unangenehmer war als die langen, gleichmässigen Berge: Wellen und Kuppen. Das mag ich nicht, da finde ich keinen Rhythmus. Dann ging es wieder mehr oder weniger bergauf. Die Strecke bewegte sich nun immer zwischen 800 m und 1000 m auf und ab. Über Breitnau ging es zum Turner. Dann sah ich von links die Kandelrunde einmünden, etwas zum Aufbauen. Kurz danach die Kontrolle, ohne feste Nahrung. "Wir haben versucht anzurufen, aber von den Herren ist keiner zu erreichen." Das hatte ich so ähnlich ja auch erlebt.
mit Rückenwind, so könnte es immer laufen. Aber danach ging es auf schmalsten Straßen wieder in die Höhe, immer wieder an Höfen vorbei. Nachdem die 1000-m-Marke erreicht war, ging es erneut nach unten. Wenn ich wiederholt "bergauf" und "bergab" schreibe - nun, die Strecke war genau so. Ab Hammereisenbach musste dann gegen den Wind gefahren werden. In einem offenen Tal führte die Straße immer leicht aufwärts nach Westen, durch Urach hindurch, zum Schluß etwas stärker steigend, nach Kaltenherberg. Hier begann ein Streckenteil, den ich von Kirchzarten 1991 her kannte: eine schmale Straße fiel in Serpentinen durch Wald und mündete in eine Straße, die bergauf nach Neukirch führte. Am Ortseingang führte ein schmaler Weg scharf rechts, noch einmal zur Höhe, dann war nach kurzem Bergabstück durch ein schönes Tal die nächste Kontrolle im Ortsbereich Furtwangen erreicht.
Hier war ich nun wieder wenige Minuten vor der Schlußzeit, kurz nach halb sechs. Es gab wieder Suppe und sogar noch ein Stück Kuchen. Meine Sorge, in den Besenwagen steigen zu müssen, konnte ich wegpacken. Das Ziel würde ich nun auf jeden Fall erreichen können. Davor stand aber erstmal die Linnacher Höhe. "Nur" 120 hm laut Plan, aber die gingen kräftig hoch auf breiter Straße im freien Gelände. Aber jeder Anstieg hat ein Ende, und nun rollte es wieder das schöne Linnachtal hinab, vorbei an einer Staumauer, die das Bächlein allerdings ungehindert passieren liess. Nun noch wenige ebene Kilometer nach Vöhrenbach und da war schon der Anstieg zur letzten Kontrolle. Da er um etliche Kurven ging, wurde mir die Zeit nicht lang.
war es auch hier nicht mehr weit bis Kontrollschluß. Ich hatte seit Feldberg an jeder Kontrolle gemeldet, daß noch Fahrer kamen und sowohl den Bergfloh als auch Astrid und Hermann beschrieben, von deren Verbleib ich zu dieser Zeit nichts wusste. Ich konnte nur hoffen, daß sie noch auf der Strecke waren und auch noch versorgt wurden. Mir blieb noch der Rest der Strecke nach Unterkirnach und dann wieder ein Stück wie zuvor, gegen den Wind nach oben. Aber auch das war bald gepackt, dann fand ich mich auf einem Streckenteil, der im Profil als ebene Hochfläche dargestellt war. Die Wirklichkeit war etwas wellig, aber ich fand mich meist durch Wald vor dem Wind geschützt. Die letzte Abfahrt begann. "Jetzt bitte keine Gegensteigung mehr", dachte ich, und genau das kam - nach Schönwald hinein ging es bergauf. Dann noch ein Stück Baustelle, mit Schotter und Stahlplatten, und dann wirklich die letzte Abfahrt.
Dachte ich. Geradeaus 6 km nach Triberg. Aber die Pfeile zeigten nach links, nach Schonach. Jedoch, ausgesprochene Anstiege gab es nun nicht mehr, und von Schonach aus ging es wirklich bergab nach Triberg. Ich wäre auch nirgendwo anders mehr hingefahren. Am Kurhaus ließ ich mein Auto links liegen, um noch kurz durch den Ort zum Ziel zu fahren. Die Zieldurchfahrt musste sein. Nicht nur wegen der Registrierung mit dem Transponder. Diese kurze Fahrt durch das Absperrgitter, die Original-Zielgerade entlang zwischen Banden und (wenigen, um diese Uhrzeit) applaudierenden Zuschauern bis zur Ziellinie machte den Tag rund. Dafür hatte man sich den ganzen Tag geschunden. Es war 19:51 Uhr. Kurz darauf, als ich das Rad einpackte, fuhr auch der Bergfloh durch. Als ich aus dem Parkplatz ausbog, um heimzufahren, sah ich zu meiner Freude auch Astrid und Hermann noch ankommen.
Fazit:
Zwei Worte zur Strecke ist: schön schwer. Einzig die 18-%ige Abfahrt sollte vielleicht zur Sicherheit ersetzt werden. Unschön war, daß es an einer Kontrolle nichts zu essen gab. Überhaupt muß der Veranstalter umdenken. Breitensport ist nicht Spitzensport. Der Start ist zu spät, die Zeitvorgaben zu eng. Auf Anfragen wird nicht reagiert. Das Ziel wurde pünktlich abgebaut, man konnte nirgendwo mehr gemütlich sitzen wie sonst üblich. Ähnliche Kritik gab es bereits 2004. Fazit: nichts dazugelernt.