Cinelli Aeroscoop 2026 Test Aero alla Milanese

Ein Cinelli Aeroscoop Test reizte uns schon wegen des Auftritts des Aero-Rennrades der Kultmarke. Mit Lufteinlässen am Heck und dem typischen Design der Mailänder Marke wirkt es eigenständiger in der uniformen Aero-Rennrad-Welt der tief angesetzten Sitzstreben. Und es fährt auch etwas anders.
Titelbild

Steckbrief: Cinelli Aeroscoop 2026

EinsatzbereichRennen, Aero
RahmenmaterialCarbon
GabelCarbon
Gewicht (o. Pedale)7,6 kg
Stack560 mm
RahmengrößenXS, S, M, L, XL (im Test: L)
Websitecinelli-milano.com
Preisspanne6.000 Euro - 10.700 Euro
Preis: 8.000 Euro

Die Marke Cinelli hat Fahrrad-Design-Ikonen wie das Cinelli Laser geschaffen, die für ihre Zeit schon aerodynamisch und futuristisch aussahen. Das erst letztes Jahr vorgestellte Cinelli Aeroscoop tritt als reinrassiges Aero-Rennrad mit hohem technischen Anspruch an, kultiviert aber dennoch einen eigenen Design-Ansatz. Es soll laut Cinelli die bisher schnellste Plattform der Marke darstellen. Das Aeroscoop erzielte dabei laut Cinelli bei Messungen nach Tour-Magazin-Standard im GST-Windkanal einen Wert von 205 Watt, was es im Bereich von Rose Shave FF, Canyon Aeroad und Co. platzieren würde. Als Vorgängermodell darf das Pressure 2 gelten. Gegenüber dem würde das Aeroscoop in Simulationen bei 45 km/h auf einem 60-km-Kurs eine Zeitersparnis von über einer Minute herausfahren, sagt Cinelli. Ein Aero-Allrounder mit geringem Gewicht will das Aeroscoop gar nicht sein. Entsprechend liegt es in der getesteten Modellvariante mit Ultegra Di2 und hohen Fulcrum Wind Laufrädern bei 7,6 kg.

Diashow: Cinelli Aeroscoop 2026 Test: Aero di Milanese
Der Sattel erwies sich als Komfortspender, die Sattelstütze weniger.
Das Testrad kam mit 2 cm Spacern.
An unserer Waage lag das Testrad in L bei 7,6 kg (ohne Pedale).
Der Stack-Wert von 560 mm ist für die Rahmengröße und Radtyp im typischen Bereich.
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Das Cinelli Aeroscoop Aero-Rennrad sieht schnell aus.
# Das Cinelli Aeroscoop Aero-Rennrad sieht schnell aus. – Der „Lufteinlass“ an den Sitzstreben und (vor allem) das Design verleihen ihm eine gewisse Eigenständigkeit. Unser Testrad mit gezogener Fulcrum Wind 57 Laufrad-Option markiert mit 8.000 Euro auch preislich Oberklasse.
Cinelli bescheinigt dem Aeroscoop sehr gute Windkanalwerte von 205 Watt nach Tour-Messmethode (45 km/h, Beindummy).
# Cinelli bescheinigt dem Aeroscoop sehr gute Windkanalwerte von 205 Watt nach Tour-Messmethode (45 km/h, Beindummy).
An unserer Waage lag das Testrad in L bei 7,6 kg (ohne Pedale).
# An unserer Waage lag das Testrad in L bei 7,6 kg (ohne Pedale).

Details

Im Windkanal wurde das Aeroscoop laut Cinelli nach Tour-Protokoll getestet, mit Bein-Dummy, Standard-Anströmwinkel-Mix (–20° bis +20°) und bei 45 km/h. Dort erreichte das Bike laut den Italienern einen Messwert von 205 Watt, was es nach Herstellerangaben zu gleichem Messprotokoll auf eine Stufe etwa mit dem Rose Shave FFX stellt. Allerdings gibt Cinelli an, mit Zipp-404-Hinterrad und (bisher unveröffentlichtem) Columbus-Cento-62C-Vorderrad mit Continental 111 Aero-Reifen in 29 mm getestet zu haben – ein Spec, der nicht erhältlich ist. Und während man das Hinterrad vernachlässigen darf, kann die Vorderrad-Reifen-Kombi allein schon ein paar Watt herauskitzeln.

Das markante Merkmal des Aeroscoop.
# Das markante Merkmal des Aeroscoop. – Zu den guten Aero-Werten dürfte die weite Reifenabdeckung mehr beitragen.
Das Unterrohr…
# Das Unterrohr…
…ist extraschlank.
# …ist extraschlank.

Dem Aero-Wert des flächigen Aeroscoop-Carbonrahmens hat Cinelli auch den Leichtbau untergeordnet: Mit 7,6 kg in Größe L erzielt unser Cinelli Aeroscoop Testrad einen guten Wert, es ist aber kein herausragender Aero-Allrounder – solche liegen eher im 7-Kilo-Bereich. Allerdings sind die Fulcrum Wind 57 Laufräder auch keine ausgesprochenen Leichtgewichte, ebensowenig wie die montierten Reifen, sodass mit etwas optimierten Komponenten bei gleicher Felgenhöhe leicht ein Wert knapp über 7 kg erreichbar sein dürfte. Cinelli selbst gibt das Rahmengewicht mit 950 g in Größe M an.

Auch das flächige Sitzrohr ist ein Tribut an die Aerodynamik.
# Auch das flächige Sitzrohr ist ein Tribut an die Aerodynamik. – Das Rad wird auch vom UCI Pro Team MBH Bank CSB Telecom Fort gefahren.

Am Rahmen fällt natürlich das strömungsleitende Element am Übergang zwischen Sitzrohr und Sitzstreben auf, das aber keineswegs eine Erfindung von Cinelli ist. Tatsächlich machte eher die chinesische Marke Seka das Element in Europa populär, was auch erklärt, warum im Netz über die Herkunft des Rahmens spekuliert wird. Tatsächlich wird er jedoch ausschließlich für Cinelli gefertigt.

Hier ist noch Platz.
# Hier ist noch Platz. – Cinelli gibt das Aeroscoop für Reifen bis 34 mm frei. Die montierten Vittorias in 28 mm bauen eher schmal.

Eindeutig Cinelli ist der Mix aus strengen Farbblöcken und verspielten Details wie dem Smiley, das hinter der Gabelkrone hervorlugt, wenn man den Lenker einschlägt – dessen Einschlag übrigens nicht begrenzt ist.

Die gesamte Verarbeitung macht einen guten Eindruck, die proprietäre Aero-Sattelstütze wird sicher geklemmt. Allerdings ist bei der Demontage aufmerksames Handeln gefragt, wenn man vermeiden will, dass das Klemmsegment im Rahmen verschwindet.

Die Klemmung der Sattelstütze ist effektiv.
# Die Klemmung der Sattelstütze ist effektiv. – Allerdings kann sie leicht in den Rahmen fallen, bei unachtsamer Demontage der Sattelstütze.
Langlebig und leichtlaufend: Keramiklager ab Werk.
# Langlebig und leichtlaufend: Keramiklager ab Werk.
Auch UDH ist an Bord – gute Nachrichten für alle 1x-Fans.
# Auch UDH ist an Bord – gute Nachrichten für alle 1x-Fans.

Sehr löblich ist, dass Cinelli gleich in der Serie Keramiklager im T47-Tretlager verbaut, das damit auch hoher Leistung dauerhaft knackfrei gewachsen sein dürfte.

  • Reifenfreiheit bis 34 mm in 700c
  • Innenlager-Bauart T-47, Keramiklager
  • Steuerlager IS52/28,6 – IS52/40
  • Bremsaufnahme Flat-Mount 160 mm / 140 mm
  • Antrieb- / Schaltungs-Kompatibilität 1-fach und 2-fach, nur elektronische Schaltungen
  • Gewichtszulassung 120 kg

Mit Platz für Reifen bis 34 mm nach Norm ist das Cinelli Aeroscoop zudem vielseitig genug, um passende Bereifung für schlechte Straßen oder Abstecher über glatte und feste Gravelwege einzubauen, wenn es sich anbietet.

Ausstattung: gut im Griff

Cinelli baut das Aeroscoop in verschiedenen Ausstattungsniveaus ab Shimano 105 Di2 für 6.000 Euro aufwärts auf. Getreu der italienischen Tradition ist auch eine Variante mit der neuen Campagnolo Super Record 2×13 WRL Gruppe darunter, für die 10.700 Euro aufgerufen sind. Zum gleichen Preis gibt es das Aeroscoop mit SRAM Red AXS. Wer Shimano Dura-Ace Di2 fahren will, kommt mit 9.900 Euro etwas günstiger weg.

Unser Cinelli Aeroscoop Testrad kommt mit Shimano Ultegra Di2.
# Unser Cinelli Aeroscoop Testrad kommt mit Shimano Ultegra Di2. – Die Übersetzung ist mit 52/36 zu 11-30 Speed orientiert.

An allen Top-Specs des Aeroscoop setzt Cinelli auf Fulcrum Wind 57 Laufräder, die mit 57 mm Felgenhöhe schon nah an der maximal durch die UCI erlaubten Grenze liegen, aber nicht ganz das Limit ausschöpfen. Mit 23 mm Innenweite (29 mm außen) sind die Fulcrums zudem keine ausgesprochenen Trendsetter, was die Kombination mit breiten Reifen angeht, um das an sich gute Reifenfreiheits-Limit des Aeroscoop zu nutzen.

Die Option auf Fulcrum-Wind-Laufräder mit 57 mm hoher Felge kostet 1.100 Euro Aufpreis gegenüber dem 6.900 Euro Ultegra Di2-Modell.
# Die Option auf Fulcrum-Wind-Laufräder mit 57 mm hoher Felge kostet 1.100 Euro Aufpreis gegenüber dem 6.900 Euro Ultegra Di2-Modell. – Im italophilen Stil eine passende Wahl, aber im Test etwas seitenwindanfälliger als manche vergleichbar hohe Laufräder.
Der Vittoria Rubino-Reifen in 28 mm bot viel Grip…
# Der Vittoria Rubino-Reifen in 28 mm bot viel Grip…
…passt aber nicht so recht ins sonstige Highend-Bild.
# …passt aber nicht so recht ins sonstige Highend-Bild.

Auch am Testrad-Modell mit Shimano Ultegra Di2 Spec lassen sich die Fulcrum Wind 57 als Option wählen. So kam es auch in die Redaktion, wobei der Preis dann bei 8.000 Euro liegt. Mit weniger leichten und aerodynamisch schlechteren Alu-Laufrädern werden 6.900 Euro fällig.

Die Aero-Sattelstütze, die vollständige Integration über das Columbus-ACR-System und das Spirit-Cockpit sind bei allen Modellen identisch. Unterschiede ergeben sich primär aus Gruppenwahl, Laufradsatz, Kassettenabstufung und Bremsen.

Kleiner Einschub zu den Reifen: Hier sollte in der Preisklasse ein Top-Reifen montiert sein – die gewählten Vittoria Rubino erzielen keine Rollwiderstandswerte, die der Aero-Leistung des Rades gerecht werden. Zudem fallen sie trotz 28 mm Größe recht schmal aus, vermitteln aber satten Grip.

Super Record WRLRed Etap AXSDura-Ace Di2Ultegra Di2105 Di2
Antrieb / GruppeCampagnolo Super Record WRLSRAM Red Etap AXSShimano Dura-Ace 9270Shimano Ultegra 8150Shimano 105 7170
LenkerCC Spirit Integrated HandlebarCC Spirit Integrated HandlebarCC Spirit Integrated HandlebarCC Spirit Integrated HandlebarCC Spirit Integrated Handlebar
Vorbau/////
SattelstützeIntegrated CarbonIntegrated CarbonIntegrated CarbonIntegrated CarbonIntegrated Carbon
SchalthebelCampagnolo Super Record WRLSRAM Red Etap AXSShimano Dura-Ace R9270Shimano Ultegra R8170Shimano 105 R7170
BremsenCampagnolo Super Record WRLSRAM RedShimano Dura-Ace R9270Shimano Ultegra R8170Shimano 105 R7170
BremsscheibenCampagnolo 160–140 mmSRAM Paceline X 160–140 mmShimano 160–140 mmShimano 160–140 mmShimano 160–140 mm
UmwerferCampagnolo Super Record WRLSRAM Red Etap AXSShimano Dura-Ace R9250Shimano Ultegra R8150Shimano 105 R7150
SchaltwerkCampagnolo Super Record WRLSRAM Red Etap AXSShimano Dura-Ace R9250Shimano Ultegra R8150Shimano 105 R7150
KurbelCampagnolo Super Record WRL 52/36TSRAM Red Etap AXS 48/35TShimano Dura-Ace R9200 52/36TShimano Ultegra R8100 52/36TShimano 105 R7100 52/36T
KassetteCampagnolo Super Record WRL 13sp 11/32TSRAM Red Etap AXS 10/30TShimano Dura-Ace R9200 11/30TShimano Ultegra R8101 11/30TShimano 105 R7101 11/34T
KetteCampagnolo Super Record 13spSRAM Red FlatheadShimano M8100Shimano M8100Shimano M7100
LaufräderFulcrum Wind 57Fulcrum Wind 57Fulcrum Wind 57Fulcrum Soniq ALFulcrum Soniq AL
ReifenVittoria Rubino 700×28Vittoria Rubino 700×28Vittoria Rubino 700×28Vittoria Zaffiro Pro 700×28Vittoria Zaffiro Pro 700×28
SattelFi’zi:k Antares R7Fi’zi:k Antares R7Fi’zi:k Antares R7Fi’zi:k Antares R7Fi’zi:k Antares R7
Preis10.700 €10.700 €9.900 €6.900 €6.000 €

Ein Ausstattungs-Highlight ist das Columbus Spirit Cockpit. Hintergrund: Cinelli gehört zur Columbus-Gruppe, die ihr Komponentenprogramm gezielt ausbaut. Das Carboncockpit entpuppte sich während der Testfahrten als echter Handschmeichler, so bequem lagen meine Hände selten an Aero-Cockpits. Für meine Belange hat Columbus hier vom Oberlenker bis zum Unterlenker Formen gefunden, die der Handhaltung perfekt entgegenkommen. Der Oberlenker bringt die Unterarme schön zusammen, ist flach, hat aber genug Rundung für bequeme Handauflage. Im Unterlenker erleichtern Mulden den Griff zu den Bremshebeln. Und die Biegung und der Übergang zu den Hoods sind so harmonisch, dass die „Griffel“ leicht drübergleiten. Selbst die Verbreiterung des Unterlenkers zum Ende hin – eigentlich ein Tribut an den Einbau einer Di2-Junction – ist ein ergonomisches Plus. Nicht zuletzt trifft der 110er Drop die Goldene Mitte aus sportlicher Position und Langestrecken-Tauglichkeit.

Das Columbus Spirit Cockpit ist ein echtes Highlight der Ausstattung.
# Das Columbus Spirit Cockpit ist ein echtes Highlight der Ausstattung. – Jede Biegung und alle Proportionen wirkten durchdacht und dem Einsatzbereich angepasst.
Der Griff an den Oberlenker ist auch auf langen Strecken dauerhaft bequem.
# Der Griff an den Oberlenker ist auch auf langen Strecken dauerhaft bequem.
Mit 110 mm Drop ist ein passender Kompromiss zwischen Rennen- und Distanzfahren gefunden.
# Mit 110 mm Drop ist ein passender Kompromiss zwischen Rennen- und Distanzfahren gefunden.
Die Griffweite an den Hoods macht mit 34 cm das Schnellfahren leichter.
# Die Griffweite an den Hoods macht mit 34 cm das Schnellfahren leichter.

Keinen Mittelweg geht Cinelli bei der Übersetzung. Hier sind mit 52-36 und 11-30er Kassette schon Drückerqualitäten am Berg gefragt. Definitiv kein Set-up für Giro-Bergetappen mit den Beinen von Münsterland-Giro-Hobbyracern.

Geometrie: race ready

Die Geometrie des Aeroscoop ist klar auf einen sportlichen, tiefen Race-Fit ausgelegt. Über die fünf Größen XS bis XL bleiben die Proportionen weitgehend konstant, Stack und Reach wachsen linear mit: Der Stack reicht von 512 mm (XS) bis 581 mm (XL), während der Reach zwischen 366 mm und 403 mm liegt. In Testradgröße L liegt der Stack bei 560 mm und der Reach beträgt 394 mm, was ein Verhältnis von etwa 1,42 ergibt. Das weist das Aeroscoop klar als Race ready aus. Nahezu identische Stack- und Reachwerte hat zum Beispiel das Canyon Aeroad.

Rahmengröße XS S M L XL
Laufradgröße 28″ / 700C 28″ / 700C 28″ / 700C 28″ / 700C 28″ / 700C
Reach 366 mm 374 mm 385 mm 394 mm 403 mm
Stack 512 mm 528 mm 539 mm 560 mm 581 mm
STR 1,40 1,41 1,40 1,42 1,44
Lenkwinkel 71° 71,5° 72° 72,5° 73°
Sitzwinkel, effektiv 73,5° 73,5° 73,5° 73,5° 73,5°
Oberrohr (horiz.) 518 mm 530 mm 545 mm 560 mm 575 mm
Steuerrohr 117 mm 132 mm 143 mm 162 mm 182 mm
Sitzrohr 460 mm 490 mm 520 mm 540 mm 560 mm
Kettenstreben 410 mm 410 mm 410 mm 410 mm 410 mm
Radstand 971 mm 979 mm 990 mm 1.000 mm 1.011 mm
Tretlagerabsenkung 68 mm 68 mm 68 mm 68 mm 68 mm
Einbauhöhe Gabel 368 mm 368 mm 368 mm 368 mm 368 mm
Gabel-Offset 45 mm 45 mm 45 mm 45 mm 45 mm

In unserer Geometrie-Datenbank könnt ihr das Cinelli Aeroscoop mit anderen Aero-Rennrädern ganz einfach vergleichen. Einfach auf die Links in der Tabelle unten klicken. Hier ein Vergleich mit Specialized Tarmac SL8, Scott Foil und Canyon Aeroad.

Was Cinelli als Pure Race Geometry versteht, weicht jedoch an der Radbasis leicht ab von den üblichen Race-Geometrien. Vor allem die Front ist dank eines leicht flacheren Lenkwinkels etwas länger, was auch zu einem moderat längeren Radstand führt, während die Kettenstreben gewohnt kompakt ausfallen und über alle Größen hinweg identisch 410 mm lang sind.

Der Stack-Wert von 560 mm ist für die Rahmengröße und Radtyp im typischen Bereich.
# Der Stack-Wert von 560 mm ist für die Rahmengröße und Radtyp im typischen Bereich.
Das Testrad kam mit 2 cm Spacern.
# Das Testrad kam mit 2 cm Spacern.
Der Sattel erwies sich als Komfortspender, die Sattelstütze weniger.
# Der Sattel erwies sich als Komfortspender, die Sattelstütze weniger.

Fit auf dem Cinelli Aeroscoop

Die Sitzposition am Testrad lässt sich als rennfertig in Maßen kennzeichnen und trifft genau meine Vorlieben, wenn die 2,5 cm Spacer wie am Testrad montiert sind. Mit meinen Körpermaßen erziele ich auf dem Aeroscoop eine Überhöhung von 9 cm zwischen Sattel (76 cm Sitzhöhe) und Oberlenker.

Auch ein GPS-Mount gehört zum Cockpit.
# Auch ein GPS-Mount gehört zum Cockpit.

Dabei fällt auch der Griff an die Hoods so schmal aus, wie ich es bevorzuge, nur 34 cm liegen zwischen den Handauflage-Flächen, so wie die Bremshebel auf den Fotos montiert sind. Alles in allem war der Fit des Testrades für mich perfekt. Nach Fahrversuchen mit dem Endurace CF SLX mit kürzeren Kurbeln würde ich allerdings an jedem Rennrad in meiner Größe gerne kürzere Kurbeln sehen – und das ist sicher keine rein persönliche Sache.

Auf dem Kurs

Die schmale Optik der Reifen, die klassischen Aero-Formen des Rahmens und die flache Sattelstütze, all das weckt nicht nur Gedanken an einfaches Tempobolzen, sondern auch an „Härte am Sattel“. Insofern ist es eine kleine Überraschung, dass das Cinelli Aeroscoop auf den ersten Standard-Testkilometern, die immer auch einen Kopfsteinpflaster-Abschnitt enthalten, dann doch vergleichsweise komfortabel wirkt – zumindest komfortabler, als erwartet. Es läuft ohne ganz grobe Härte, aber liegt Lichtjahre entfernt von einem guten Endurance- oder Allroad-Rennrad und auch einigen neueren Aero-Rennrädern.

Sprinten macht mit dem Aeroscoop Spaß.
# Sprinten macht mit dem Aeroscoop Spaß.

Optisch lässt sich das Komfortplus durch Mitfahrer auf den guten Flex des Fizik Antares R7 Sattels zurückverfolgen, der für meine Gesäßform ohnehin gut passt und daraufhin eine Vormerkung bekam (zur Orientierung: Fabric Scoop Shallow, Specialized Power sind weitere Sattelformen, die mir entgegenkommen).

Auf langen Geraden und in langen, leicht abfallenden Abfahrten fühlt sich das Aeroscoop erwartbar schnell an, fühlen lassen sich in dieser Hinsicht Unterschiede zu Aero-Testrädern aus dem gleichen Segment wie dem Rose Shave FF nicht.

In Abfahrten liegt das Rad ausgesprochen sicher.
# In Abfahrten liegt das Rad ausgesprochen sicher. – Auch Lastwechsel quittiert es gelassen – das macht es auch für weniger erfahrene Piloten interessant.

Wohl aber im Handling. Denn das Aeroscoop läuft merklich sturer geradeaus und reagiert weniger aufgeregt auf geringe Änderungen am Lenker oder der Gewichtsverteilung über dem Rad. Ein Fahrverhalten, das für meinen Geschmack hervorragend zu einem Aero-Rennrad passt. Interessant für Crit-Racer in dem Zusammenhang ist die relativ geringe Tretlagerabsenkung, die mehr Schräglage beim Pedalieren erlaubt (auch der Look passt zur Szene und Cinelli hat dort ohnehin einen Namen).

Nur fürs Foto – sonst waltete die gebotene Vorsicht.
# Nur fürs Foto – sonst waltete die gebotene Vorsicht.

In Kurvenlage ist das Aeroscoop spurtreu und folgt sauber den eingeschlagenen Linien, quittiert auch Unruhe, die durch schlechten Straßenbelag ins Gefährt gebracht wird, mit Gelassenheit, auch wenn ich mir persönlich für solche Verhältnisse breitere Reifen gewünscht hätte. Insgesamt macht das Handling das Aeroscoop zu einem guten Sprint-Partner – zumindest in meiner Gewichtsklasse.

Die hohen Laufräder präsentieren sich relativ unempfindlich für Seitenwind-Einflüsse, aber ich hatte sowohl bereits stärker beeinflussbare Set-ups mit ähnlicher Felgenhöhe als auch solche, die weniger empfindlich auf Turbulenzen reagieren. Der Freilauf arbeitet nahezu geräuschlos und ist immer direkt im Eingriff.

Unterm Strich schält sich das Cinelli Aeroscoop im Test als ein Aero-Rennrad heraus, das seine Vorteile auf längeren Strecken ausspielt, diese kommen seinem Fahrcharakter und der sehr gelungenen Ergonomie entgegen – allerdings wäre alles noch schlüssiger mit breiteren Reifen. Ein guter Freund, wenn du einfach nur schnell Kilometer machen willst. Fahren, fahren, fahren.

Mailand, Düsseldorf, egal, Hauptsache raus aus der Stadt.
# Mailand, Düsseldorf, egal, Hauptsache raus aus der Stadt.

Das ist uns aufgefallen

Columbus Spirit Carboncockpit Die Komponentenmarke von Cinelli beweist eine ausgesprochen gute Hand für Proportionen, Übergänge und Konstruktion. Das Cockpit würde ich auch an anderen Bikes fahren.
Unpassende Reifenwahl Dass an einem 6.000-Euro-Rennrad andere Reifen als die besten der jeweiligen Marken montiert sind, ist heute nicht mehr oft anzutreffen.
Klemmung des Sattelgestells Der Sattel verstellte sich trotz Montage nach Lehrbuch bei der ersten Testfahrt in der Neigung. Um das zu korrigieren, benötigt man zwei Innensechskant-Schlüssel, was mit einem Mini-Tool eine unmögliche Operation ist. Punktabzug dafür.
Geometrie Etwas mehr Länge vorne tut einem äußerst schnellen Rad gut. Das kleine Plus an der Front erzeugt deutlich mehr Ruhe in der Lenkung und lässt das Aeroscoop wie auf Schienen fahren, ohne unlebendig zu wirken.
Für wen? Rasen und Ballern mit der Gewissheit, keine überflüssigen Watt zu verschenken, aber nicht wie alle anderen aussehen, die das Gleiche denken. Denk an das Aeroscoop! Eher an Langstrecken als an Bergen orientiert, noch ein Grund mehr, das Rad zu erwägen.
Für wen besser nicht? Schnellfahren, aber bitte auch mit viel Komfort und in den Bergen willst du auch ganz vorne mitmischen? Da gibt es für so viel Geld bei einigen Herstellern Besseres. Um nur ein paar Namen in den Ring zu werfen: Giant, Specialized, Cannondale, Rose.

Fazit Test Cinelli Aeroscoop

Ein Aero-Rennrad der Vernunft ist das Cinelli Aeroscoop nicht. Dafür sieht es schon zu gewagt aus. Und auch der Preis – Mittelklasse-Spec zu Highend-Spec Kosten – ist nicht rein rational zu rechtfertigen, denn die Leistung liegt aerodynamisch zwar nachgewiesen auf dem Niveau der besten Aero-Allrounder, aber beim Gewicht gibt es einen kleinen Aufschlag. Klare Argumente für das Aeroscoop sind das einfache Handling, das gut zu einem derart schnellen Aero-Renner passt und das herausragende Cockpit. Unterm Strich ein Aero-Rennrad mit dem man nichts falsch machen kann, aber den gewissen Kultfaktor mitbezahlen muss.

Artikelbild

Pro / Contra

Stärken

  • Speed
  • Design
  • Gutmütige Fahreigenschaften
  • Design

Schwächen

  • Reifen
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Was sagt ihr zum Cinelli Aeroscoop?


Testablauf

Hier haben wir unsere Fahreindrücke gesammelt:

  • Bergisches Land Circa 300 km auf Straßen, welligem Terrain mit kurzen Anstiegen bis 15 % und maximal 110 Hm am Stück, Sprints bis 50 km/h und Abfahrten bis circa 70 km/h. Auch Gran Fondos über 100 km.

Testräder werden bei den Herstellern für den Test in der beschriebenen Kategorie angefragt. Die Hersteller stellen das Rad kostenlos in der Art und Weise zur Verfügung, wie es der Fachhandel erhält; bei Testrädern von Direktanbietern, wie sie der Endkunde erhält, also vormontiert. Testräder werden in der Redaktions-Werkstatt endmontiert. Für den Test werden die Räder gewogen, die Sitzposition wird bei identischer Sattelhöhe (bezogen auf die Tretlagermitte) vermessen und die Reifen auf den mittleren empfohlenen Reifendruck befüllt. Für eventuelle Geländefahrten wird der Reifendruck zusätzlich auf den unteren empfohlenen Wert gesenkt. Nach Testende erhalten die Hersteller die Testräder zurück.

Tester-Profil: Jan Gathmann
64 cm75-76 kg86,5 cm58 cm180 cm
Jan fährt alles, was einen Rennbügel hat: Rennrad, Cyclocrossrad, Gravelbike, Bahnrad. Nach einem kurzen Ausflug in die Amateurrennen ohne nennenswerte Ergebnisse beschränken sich seine Renneinsätze auf Hobby-CX-Rennen und das eine oder andere Jedermannrennen. Lieber kurz und schmerzvoll als lang und schmerzreich, lieber Frühjahrsklassiker als Alpenmarathon. Längere Etappentouren mit Gepäck stehen zahlreich auf der Wunschliste und werden nach zeitlichen Möglichkeiten eingestreut. Strava: https://www.strava.com/athletes/3294693.
Ich fahre hauptsächlich
Rennradtouren, CX-Rennen, Gravelrides
Vorlieben bei der Geometrie
Gemäßigt sportlich, eher lang
Text: Jan Gathmann / Fotos: Zimmermann, Gathmann

31 Kommentare

» Alle Kommentare im Forum
  1. Mir gefällt’s durchaus, hatte aber irgendwie schon immer was über für die etwas lauteren Cinelli Designs...allerdings fällt mir wieder mal auf dass es ne eklatante Differenz zwischen meinem Geschmack und meinem Geldbeutel gibt 😂

  2. Das alte Cinelli Pressure war ja schon OpenMould, handelt es sich hier auch um einen Rahmen den ich direkt beim OEM kaufen kann?

  3. Das alte Cinelli Pressure war ja schon OpenMould, handelt es sich hier auch um einen Rahmen den ich direkt beim OEM kaufen kann?
    Steht im Text so:“Tatsächlich wird er jedoch ausschließlich für Cinelli gefertigt“. Also nein.
  4. Steht im Text so:“Tatsächlich wird er jedoch ausschließlich für Cinelli gefertigt“. Also nein.

    Nur so als Kontext: Bei den chinesischen Anbietern kann man sich ja auch quasi exklusiv eine Rahmenform sichern, die dann nirgendwo anders mehr angeboten wird. Würde dann der zitierten Aussage nicht widersprechen.

    Das war ja hier auch mal beim Pressure Thema. Aus der Zeit stammt auch dieses Zitat:

    “Regarding the open mould issue, our R&D department has been working on an aero frame project for quite a while but a full development on our own was not proportional to Cinelli’s size, in terms of investment and market. So Pressure is the result of a shared project, together with our supplier.”

    Quelle: https://www.cyclingweekly.com/news/...h-inspired-aero-bike-but-is-it-a-cover-486646

    Das ist ja auch durchaus nachvollziehbar und ich will das auch nicht verurteilen, das machen wohl einige kleinere Anbieter so.

    Beim Aeroscoop steht auf der Website, dass es in Mailand designt wurde. Allerdings weiß ich jetzt persönlich nicht, ob ich bei dem Preis und der Ähnlichkeit zu einem Lightcarbon LCR072 selbst zuschlagen würde. (Lightcarbon selbst sagt zum Beispiel zu dem LCG072, dass es 2024 von einer Marke aufgekauft und modifiziert wurde, was also durchaus üblich ist. Dafür gibt es jetzt das LCR018.)
  5. Top danke, der Rahmen kam mir doch sehr bekannt vor von der letzten Eurobike.

    Den drei bis vierfachen Preis zu zahlen um damit sowohl Cinelli als Importeur und Montagestation als auch den örtlichen Händler zu unterstützen ist am Ende immer eine persönliche Entscheidung, bei denen natürlich auch die Gewährleistungsabwicklung eine Rolle spielt.

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