AW: Campagnolo Zonda selbst schmieren??
Ergänzung zum Campa-Video
Das Austreib- und das Einpreßwerkzeug braucht man tatsächlich nicht, da gebe ich Flanschbob recht, aber tolle Werkzeuge sind das auf alle Fälle, und ich bin nach wie vor sehr froh, daß ich sie mir zugelegt hab.
Gut, aber nochmal zurück zu den Fragen:
1. Wie kriege ich das alte Fett am besten raus? Muss das unbedingt raus?
Keine Frage, es soll raus. Du zerlegst die Nabe, wie gezeigt, und wischt mit einem fusselfreien Lappen oder ein paar Blättern einer Küchenrolle das alte Fett weg. Sobald der gröbste Schmutz ab ist, reinigst du die Einzelteile mit einer geeigneten Flüssigkeit. Weil mein aus meiner Zeit als Zippo-Träger stammender Vorrat an Feuerzeugbenzin nach wie vor besteht, verwende ich eben Feuerzeugbenzin, mit dem ich vor allem die Kugeln sowie die Laufflächen an den Konen und Lagerschalen, aber auch die anderen Teile reinige, wobei erneut die Haushaltrolle zum Einsatz kommt. Damit ich die Kugeln samt Ring wirklich sauber bekomme, drücke ich sie vorsichtig aus dem Ring und achte dabei darauf, daß sie mir nicht sonst wohin hüpfen (was sie, sobald sie ein Lüftchen Freiheit wittern, gerne tun).
Bei matten oder angelaufenen Kugeln sollte der betreffende Kugelring dringend gegen einen neuen ersetzt werden.
2. Wo kaufe ich mir welches Fett, das für die Zondas geeignet ist? Am besten übers Internet?
Es gibt vermutlich unzählige geeignete Fette. Am offensichtlichsten zu verwenden ist das
Originalfett von Campa, was allerdings preislich ein wenig aus dem Rahmen des Üblichen fällt. Ich selber verwende derzeit
Galli-Kugellagerfett, hab aber auch gute Erfahrungen mit
Hanseline... da saust die Maschine und Castrol LM.
3. Nach wievielen Kilometern empfiehlt sich das Nachfetten (5000?)?
Ich mach' das üblicherweise frei Schnauze. Ab und zu und vor allem nach Regen- oder Schmutzfahrten fühle ich zwischendrin aber den Lauf der Lager und erneuere die Schmierung, wenn ich meine, etwas zu erfühlen.
Zwei Anmerkungen zur Lagerwartung habe ich aber noch:
- Die Membrandichtringe
Wenn man sich zum ersten Mal an die Wartung einer solchen Campa-Nabe macht, sollte man mit einem der Dichtringe einmal eine Trockenübung machen, bevor man versucht den Dichtring in gefettete Lagerschale mit dem gefetteten Kugelring einzusetzen, denn sonst macht man's vielleicht falsch, weil man nichts mehr sieht und nichts genaues weiß.
Also, die Lagerschalen haben am obersten Rand, genau da, wo man den Dichtring einsetzt bzw. eindrückt - ja, er wird in die Lagerschale eingedrückt und sitzt, wenn alles richtig ist, dort gerade und auch fest -, über die gesamte Rundung eine klein wenig dünnere Wand, quasi eine kleine Stufe. Wie gesagt, genau da drückt man den Membrandichtring ein und das kann man am besten ausprobieren, wenn der Kugelring nicht eingelegt und das neue Fett noch nicht aufgetragen ist.
Falsch ist es auf alle Fälle, die Dichtringe einfach nur einzulegen oder sie in einer nicht geraden Lage zu belassen, denn so kommt garantiert Schmutz in das Lager.
- Die Lager im Freilaufkörper
Um an die beiden Industrielager im Freilaufkörper bzw. an deren Schmierung heranzukommen, muß man den Freilaufköper zunächst von der Achse nehmen. Dazu schraubt man die Achsabschlußmutter, welche ein Linksgewinde hat, auf der Freilaufseite mit einem 17er Schlüssel auf und hält dabei mit dem im Video gezeigten Inbusschlüssel, der auf der Freilaufseite in die Achse gesteckt wird, die Achse in Position (am besten steckt dabei die Achse im Nabenkörper).
Danach kann man den Freilauf einfach abnehmen, allerdings muß man neuere Freilaufkörper (Bora-Variante) leicht verdrehen, damit man sie von der Achse ziehen kann.
Anmerkung: Ältere Freilaufköper der höherwertigen Naben hatten, ich glaube, bis 2006 eine Abschmierbohrung in der Profilwand. Diese Öffnung ist mit einer Inbusschraube gegen Verschmutzung gesichert, was bedeutet, daß man die Schraube herausschrauben muß, wenn man durch diese Öffnung neues Fett einpressen möchte (nachher gehört sie selbstverständlich wieder reingeschraubt, die Schraube).
Der Freilaufkörper enthält, wie gesagt, zwei Industrielager, welche nach außen gedichtet, nach innen jedoch ungedichtet sind. Das eine Lager befindet sich auf der zum Nabenkörper gerichteten Seite des Freilaufs, das andere am äußeren Ende. Zwischen beiden Lagern befindet sich ein kurzer Metallzylinder, dessen beide Enden auf den Lagern aufliegen. Der Raum zwischen der Zylinderwand und der Wand des Freilaufkörpers ist mit Fett gefüllt, wodurch die Industrielager von innen nachgefettet werden. Das äußere dieser Industrielager kann im Notfall übrigens relativ einfach ersetzt werden, das innere hingegen ist durch einen Sicherungsring, der in einer durchgehenden Nut auf der Innenseite der Freilaufwand verläuft, gesichert und kann nicht ohne Entfernen dieses Rings ausgebaut werden.
Anmerkung: Leider habe ich bisher keine Technik gefunden, mit der ich den Sicherungsring ausbauen kann. An diesem Thema arbeite ich von Zeit zu Zeit... bisher eben ohne Erfolg.
Da nun aber auch das Fett im Freilaufkörper verschmutzen oder durch falsche Behandlung, beispielsweise durch Verwendung scharfer Reinigungsmittel zum Putzen einer montierten Kassette, ausgewaschen werden kann, sollte man es von Zeit zu Zeit erneuern, denn ohne ausreichende Schmierung gehen sonst selbst die besten Industrielager irgendwann kaputt. Das Nachfetten ist durchaus auch ohne Abschmieröffnung möglich und gar nicht besonders schwer, allerdings ist's ein bisserl eine Sauerei. Es geht so: Man drückt mit einem Finger oder einem
Werkzeug den Metallzylinder im Freilaufkörper in eine schräge Lage (soviel Spiel hat er). Dadurch entstehen auf der Innen- wie auch auf der Außenseite des Freilaufs Schlitze, durch die man Fett einpressen bzw. durch die altes Fett ausgedrückt werden kann. Ich verwende zum Einpressen an dieser Stelle, aber eigentlich für alle Schmierungen an Naben eine ganz normale Einwegspritze aus der Apotheke.
So, das war's glaub ich, oder hab ich etwas vergessen?
Viele Grüße
Franz
P.S. Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie nicht behalten, sondern soll sie mir (am liebsten per PN) melden. Ich werde dann nach einem Weg suchen, sie zu korrigieren.