Und manchmal steht das Objekt der Begierde plötzlich vor einem, der Preis passt und es kommt einem unweigerlich Oscar Wilde in den Sinn.
Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, ob sie wiederkommen
Exakt so war es hier vor 21 Jahren als ich ganz unverhofft zu meinen Traumwagen kam. Ein Fiat nur aber für mich stellt genau der bereits die automobile Erfüllung in jeder Hinsicht dar und war ein lang gehegter Traum, der schliesslich irgendwann in solide finanzielle Reichweite geriet. (Ich muss ein Auto+Fixkosten aus der Hosentasche bezahlen können, irgendwelche Klimmzüge oder Kredit wegen eines Kfz war noch nie mein Fall. Wird es zu teuer, kann oder will ichs mir halt nicht leisten.)
Wie es dazu kam-eine kleine Geschichte: Zu der Zeit um 2005 war schon klar, dass ich mir irgendwann in Zukunft ein Fiat Coupe in Maximalausstattung gönnen will aber in dem Moment war die Zeit eigentlich noch nicht reif dafür. Kein wirklicher Bedarf, keine Unterstellmöglichkeit im Großstadtghetto und es passte auch nicht wirklich in die gerade aktuellen Lebensumstände. Aber wie es der Zufall wollte, tauchte das Auto eines Tages in Autoscout24 auf und ein paar Kumpels die schon ein Coupe hatten und ich hatten ihn längst auf dem Kieker, da er zufällig sogar in unserem Kaff stand. Drei Wochen lang ging Andi mir dann auf den Senkel, dass wir doch dort mal hinfahren und den Wagen mal anschauen und probefahren sollten. Damit endlich Ruhe ist, gab ich irgendwann nach, nahm mit dem Verkäufer Kontakt auf und dann fuhren wir eben mal ganz unbefangen raus zum Corpus Delicti, ans andere Ende der Stadt.
In dem Moment als der (72 jährige) Erstbesitzer dann sein Garagentor öffnete, den Wagen langsam rückwärts heraus fuhr und dieser dann in absoluten Prachtzustand wie geleckt vor uns stand, war es vorbei mit der Vernunft und plötzlich war glasklar: Der isses! Das ist Schicksal, jetzt oder nie

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Die Gelegenheit war günstig und wird in der Form so schnell nicht wieder kommen. Selbst die Farbe passte mir total in den Kram und das Ganze auch noch am Wohnort ohne große Umstände. Auch Monetär standen die Sterne günstig, da gerade ein Bausparer ausgelaufen war also was solls. An Ort und Stelle wurden gleich Nägel mit Köpfen gemacht und die fehlende Unterstellmöglichkeit usw erstmal taktisch verdrängt, wird sich schon irgendwie geben später

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Zwei Wochen gingen noch ins Land bis alle Modalitäten fertig waren und dann konnte der Wagen endlich glücklich und stolz wie Oskar in die eigene Homebase überführt werden.
Die Sache mit der nicht vorhandenen Unterstellmöglichkeit für das Auto (gleich als Saisonfahrzeug angemeldet) sollte sich die ersten drei Jahre allerdings tatsächlich einigermaßen abenteuerlich und schwierig gestalten. Über Bekannte von Bekannten um drei Ecken konnte ich kurzfristig temporär ungenutzte Garagen oder Stellplätze anmieten, jeden Winter woanders, teilweise sehr weit weg. 2008 ergab sich durch Umzug ins Ländlichere dann endlich eine eigene Garage fürs Gehegtegepflegte.
Etliche Jahre später erst wurde mir in Hinblick auf die Preisentwicklung der Fiat Coupes bewusst, dass der Kauf damals eigentlich zum bestmöglichen Zeitpunkt statt fand, nämlich als der Gebrauchtwagenmarkt gerade mit diesen Fahrzeugen geflutet wurde, gleichzeitig aber kaum Nachfrage bestand und die Preise ins bodenlose fielen. So konnte ich das Coupe 5,5 Jahre alt mit 30tkm für nur 13,8k€ heim fahren, die ich wegen anstehenden Zahnriemenwechsel und fälligen neuen
Reifen einvernehmlich noch auf 12,5k€ runter handelte.
Nicht viel für so einen Apparat in nahezu jungfräulichen Zustand. Dafür bekam man seinerzeit höchstens einen Kleinstwagen mit 50, 60 PS in Neu und heute werden für mindestens 25 Jahre alte Fiat Coupes in guten Zustand mit 100tkm oder mehr bereits 20k€ aufwärts aufgerufen.
Der Neupreis für die Maximalausstattung+Motorisierung wie hier war 64 000 DM, Grundpreis fürs nackte Basismodell ging bei ca. 39 000 DM los.
Ein altes Bildchen aus 2004, ein halbes Jahr vor dem Coupe-Kauf.
Der Links ist schuld, dass ich den Karton jetzt an der Backe hab
