Die Rapha Festive 500 geht 2018 in ihr achtes Jahr. Die Herausforderung: zwischen Weihnachten und Neujahr 500 km Rad fahren. Das Vielfahren gehört für manche schon zum Fest wie der Weihnachtsbaum. Wie schafft man das? In einem Rutsch oder an vielen Tagen? Wie motiviert man sich? Das haben wir Festive 500-Fahrer gefragt. Außerdem nennen wir Treffpunkte für gemeinsames Kilometer- statt Kaloriensammeln.

Rapha Festive 500, das steht für ein Fest, das so gar nichts mit der Festlichkeit von Christstollen, Glühwein, Sekt, Flammlachs auf dem Weihnachtsmarkt und langen Abenden auf dem Sofa zu tun hat. Es steht für ein Fest des Rennradfahrens, Entbehrung mitten im Überfluss. Warum Bekleidungshersteller Rapha auf die Idee kam, ausgerechnet zwischen Weihnachten und Neujahr dazu aufzurufen 500 km mit dem Rad zu fahren, liegt einerseits auf der Hand: Zu keiner Zeit des Jahres dürfte die Trägheit der Masse im westlichen Kulturkreis größer sein. Andererseits könnte der Zeitpunkt kaum schlechter gewählt sein. Die Tage sind kurz, die Temperaturen niedrig, zumindest in der nördlichen Hemisphäre. Trotzdem tauschen auch dort jedes Jahr mehr Leute das Sofa gegen den Sattel. Warum?

Dass Rapha jeden erfolgreichen Festive 500-Fahrer mit einem Aufbügel-Abzeichen auszeichnet, kann nicht der Grund sein. „Für viele ist es einfach eine jährlich wiederkehrende Motivation“, sagt Steffen Weigold, Rapha Cycling Club Coordinator in Berlin. Die Clubhäuser der Kleidungsmarke sind rund um den Globus während des Aktionszeitraums vom 24.12. bis zum 31.12.2018 ein Treffpunkt für alle, die sich gemeinsam an die 500 wagen wollen. Dort gibt es auch sogenannte „Brevetkarten“, in denen man die gefahrenen Kilometer dokumentieren kann und später bei Rapha einreichen. „Die meisten nutzen den Festive 500 Strava Club, um ihre Fahrten zu dokumentieren, das ist am einfachsten. Aber es ist kein Muss, genauso wie die Brevet-Karte kein Muss ist. Ich gehe mal davon aus, dass Ehrlichkeit bei den Kilometern Ehrensache ist“, sagt Weigold.

Offizielle Rapha Ausfahrten und Strava

Das Berliner Clubhaus bietet 11 gemeinsame weihnachtliche Ausfahrten an. Gestartet wird meist morgens zwischen 08:30 Uhr und 10:00 Uhr. „Bei meinen persönlichen Festive500 im letzten Jahr habe ich einen Großteil bei einer Doppelpack-Fahrt des Clubhauses gemacht. Das sind zwei Fahrten hintereinander, bei denen man die Möglichkeit hat, sich zwischendurch aufzuwärmen“, erzählt Weigold. Am ersten Festive 500 im Jahr 2010 – ein verschneites – nahmen 94 Leute teil. 2018 haben sich allein 36.868 Mitglieder bei der entsprechenden Herausforderung auf Strava eingetragen.

Strava500Gent

Schon 652 Interessenten hat eine gemeinsame Ausfahrt in Gent: bei Facebook die „Strava 500 Gent“. In der belgischen Stadt lädt Transcontinental Race Finisher Rudy Rollenberg ein, die Kilometer gemeinsam zu sammeln. Das Besondere dort: Rollenberg fährt ab dem 26. Dezember morgens um 7:00 Uhr immer kurze Runden zwischen 75 und 160 km ab einem geheizten Zelt in seinem Garten und gibt Startzeiten an. So können sich Weihnachtsfahrer auch zu Teilstücken zusammen finden. „Es war unglaublich, wie viele Anfragen und SMS ich bekommen habe, als ich das 2016 zum ersten Mal angekündigt habe“, sagt Rollenberg. Die Teilnahme ist kostenlos. „Beim letzen Mal sind immer 15 Leute mitgefahren“, erinnert sich Rollenberg.

#Festive500 #InOneGo

Anhänger einer extremeren Art des Festive 500 sammeln sich unter dem Hashtag #InOneGo. Sie fahren die 500 km an einem Stück. Ein bekanntes In-One-Go-Brevet und fast schon eine Institution ist das Event mit Start in Hamburg. Bei der dritten Austragung in diesem Jahr geht es an einem Stück von Hamburg nach Berlin. Weil damit keine 500 km zusammenkommen, stehen auch Umwege an die Ostsee und durch Mecklenburg-Vorpommern auf dem Plan. Los geht es am 27.12. um 17:00 Uhr vor dem Hamburger Rathaus. Hier geht es zur Facebook-Seite des Events.

Auch im Südwesten Deutschlands versammelt sich eine Gruppe, die es #InOneGo versuchen will. Hier steht bisher nur die grobe Strecke schon fest – es geht von Presberg nach Straßburg und retour. Aber zu Startzeit und Rahmenbedingungen tauschen sich die potentiellen Teilnehmer noch aus in einer facebook-Veranstaltung.

Festive 500 Erfahrungen und Tipps

Harald Legner aus Hamburg hat mit #InOneGo schon Erfahrungen gesammelt. Der erfahrene Brevet-Fahrer – hier geht es zu seinem Bericht über London-Edinburgh-London – hat sich schon allein und mit anderen auf die Festive 500 begeben. Und zwar insgesamt acht mal. „Bislang habe ich jedes Mal mindestens 500 Kilometer geschafft. Mal habe ich mit 501 km abgeschlossen, mal mit 706“, resümiert er seine Fahrten. Gescheitert ist er nur einmal bei dem Versuch die ganze Distanz an einem Stück zu schaffen, letztes Jahr, bei Kilometer 450. Sein Tipp für Neu-Einsteiger: „Lieber an den ersten Tagen ein paar Kilometer mehr fahren, damit man nach hinten raus nicht unter Druck gerät“.

Boris „rajas“ Steinberg hat ebenfalls Erfahrungen mit dem Scheitern. Er ist der Long-Distance-Spezialist hinter der Süd-West-InOneGo. Drei Anläufe hat er genommen, irgendwas war immer. Einmal brach der Ladestecker des Navis, und Steinberg brach mangels Orientierung ab. Einmal brach er sich selbst den Ellbogen, weil er unglücklich über eine Kante gefahren war und vom Aero-Auflieger rutschte. Einmal versagte die Kurbel seines Rades – in dem Jahr stückelte er die fehlenden Kilometer einfach bei kleineren Fahrten an. „Erprobtes Material, auf das man sich verlassen kann, ist enorm wichtig“, ist sein erster Tipp. Die Hamburger haben eine Packliste als Empfehlung für ihr Event zusammengestellt, die auch eine Richtschnur für eigene Versuche an der Distanz in der Kälte sein kann. Hier findet ihr die Festive 500 Packliste als Google Doc. Aber: „Generelle Empfehlungen sind schwierig, wenn es um das richtige Mittel gegen die Kälte geht“, schränkt Boris Steinberg ein. Was für den einen schön warm ist, empfinden andere als schwitzig. Auch hier gilt: vorher probieren.

Zur Streckenwahl: Er würde niemandem empfehlen, für die ersten Fahrversuche bei den Festive 500 unbekanntes Terrain aufzusuchen, meint Boris Steinberg, der wie Legner und Rollenberg auch schon Brevets über 1.000 km und mehr alleine gefahren ist. Auch viele Höhenmeter seien im Winter keine gute Idee: „Wenn man auf dem Berg ankommt, ist man warm und verschwitzt und wenn man wieder unten ankommt, wieder sehr kalt“.

Wo nehmen Rollenberg, Steinberg und Legner die Motivation für ihre Fahrten durch die Winternacht her? „Wenn ich mit einer Verbissenheit losfahre, geht es nicht gut“, sagt Steinberg. Besser sei es, das Fahren als Option zu sehen. „Jeder Kilometer unter diesen Bedingungen ist ein Gewinn, besonders für Neulinge“, so Steinberg. „Ich glaube für Rapha 500 sind in unseren Breitengeraden vor allem die persönliche Motivation, das zu schaffen entscheidend. Ich habe Bekannte, die versuchen wirklich jede einzelne Strecke während dieser Zeit mit dem Rad zu bestreiten: die Brötchen Holen, die Familie Besuchen, eben alles“, erzählt Thorben Kriener. Der Marketing-Mann macht selbst auch gelegentlich bei der Rapha Festive 500 mit und will mit dem Vertrieb Sprintroyal Ausfahrten in der Gegend von Tübingen anbieten.

Auch der erste Festive-Versuch scheiterte übrigens. Denn geplant waren eigentlich 1.000 km, die der Rapha-Designer Graeme Raeburn „zwischen den Tagen“ zurücklegen wollte. Er machte schließlich auf der Hälfte Schluss (zur Geschichte).

Festive 500 und die Familie

500 km Strecke, das entspricht grob 25 Stunden Fahrtzeit bei einem 20er Schnitt. 25 Stunden, die von der Familienzeit während und nach den Festtagen abgeknapst werden wollen. „Die Familie unterstützt mich bestens bei meinen Touren – sie lassen mich einfach machen, was ich will“, sagt Harald Legner. Steffen Weigold verbrachte bei seinen Festive 500 die Weihnachtsfeiertage bei der Familie und fuhr die Distanz in einem „Last Minute 500“, wie er es selbst nennt, an den verbleibenden Tagen. Kriener, der zwei Kinder hat, plant das Vorhaben detailliert mit der Familie durch: „An welchem Tag passt es, an welchen Tagen nicht? Wann kann ich lange fahren, wann eher nur kurz? So habe ich jetzt schon einen groben Plan, mit dem ich ca. 550km abspulen könnte in der Woche“. Sein Plan:

  • 24.12 – 140km
  • 25.12 – Pause
  • 26.12 – 80km
  • 27.12 – 100km
  • 28.12. – 100km
  • 29.12 – Pause
  • 30.12 – 80km
  • 31.12. – 50km

Kriener weiß auch: „Ohne das Verständnis meiner Frau, würde das ganze sowieso nicht funktionieren. Deshalb haben wir die Abmachung, dass ich versuche morgens relativ früh zu starten und dann am Mittag oder frühen Nachmittag wieder daheim zu sein und Zeit für die Kids zu haben“.

-> Im Rennrad-News Forum könnt ihr euch im Brevet-Unterforum zur Rapha Festive 500 austauschen.

Nochmal Gent

Wem BeNeLux nicht zu weit ist, der findet in der Heimat der Flandriens noch einen Treffpunkt für Festive 500 Abenteuer. Unter dem Stichwort Magistrale 500 werden verschiedene Cycling Cafés in den Nachbarländern angesteuert. Los geht es in Eindhoven am 26. Dezember. Nächster Stop ist Gent bei Pedaleur de Flandres am 27. Dezember. Von jedem Café wird einzeln gestartet, zur Belohnung gibt es einen Kaffee umsonst. Hier geht zur Magistrale 500 auf facebook.

Übrigens: Im Rennrad-News Winterpokal bringt allein die erfolgreiche Teilnahme bei den Rapha Festive 500 je nach Fahrtzeit um die 100 Punkte.

Foto: Rapha
  1. benutzerbild

    JNL

    dabei seit 09/2017

    Die Rapha Festive 500 geht 2018 in ihr achtes Jahr. Die Herausforderung: zwischen Weihnachten und Neujahr 500 km Rad fahren. Das Vielfahren gehört für manche schon zum Fest wie der Weihnachtsbaum. Wie schafft man das? Das haben wir Festive 500-Fahrer gefragt, außerdem nennen wir Treffpunkte für gemeinsames Kilometer- statt Kaloriensammeln.


    → Den vollständigen Artikel „[url=https://www.rennrad-news.de/news/2018/12/12/rapha-festive-500-tipps/?utm_source=forum&utm_medium=teaser&utm_campaign=news]Rapha Festive 500: Mitfahrgelegenheiten und Tipps von Vielfahrern[/url]“ im Newsbereich lesen


    [url=https://www.rennrad-news.de/news/2018/12/12/rapha-festive-500-tipps/?utm_source=forum&utm_medium=teaser&utm_campaign=news][img]https://fthumb0.mtb-news.de/cache/750_auto_1_1_0/98/aHR0cHM6Ly93d3cucmVubnJhZC1uZXdzLmRlL25ld3Mvd3AtY29udGVudC91cGxvYWRzLzIwMTgvMTIvcmFwaGFmZXN0aXZlNTAwLmpwZw.jpg[/img][/url]
  2. benutzerbild

    rajas

    dabei seit 11/2011

    Die Division Süd-West hat noch Plätze frei...
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  4. benutzerbild

    Ivo

    dabei seit 10/2008

    Die verschiedenen Veranstaltungen sind auch gut zu benützen bei einen Festive 500 an einem Stück. Ich plane rund Mitternacht in Gent vorbeizufahren und dann auf den Rückweg die Mittagspause veim Velosoof in Eindhoven. Mein Startpunkt wird Maastricht sein.

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