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Stadtfeine Lackierung
Stadtfeine Lackierung - Das Gittermuster auf dem Rahmen reflektiert Licht ebenso wie der Schriftzug
Shimano Nexus 8-Gang-Nabe
Shimano Nexus 8-Gang-Nabe - Großer Übersetzungsbereich, aber auch große Gangsprünge zu den leichten und schweren Gängen hin
Das vordere Schutzblech ist weit Richtung Boden gezogen
Das vordere Schutzblech ist weit Richtung Boden gezogen - Gut für die Beinkleider
Die Schutzblech-Strebe muss weit außen um den Bremskörper geführt werden
Die Schutzblech-Strebe muss weit außen um den Bremskörper geführt werden
Tubus Cargo Gepäckträger
Tubus Cargo Gepäckträger - Mit 40 kg zugelassener Ladung fast schon eine Überdosis Gepäckträger für einen schnellen Commuter
Für kleine Hände etwas zu viel Abstand zum Lenker
Für kleine Hände etwas zu viel Abstand zum Lenker - Bremsgriffe für die mechanische Disc-Bremse
Der b+m Luxos U Scheinwerfer ist ein großes Ausstattungsplus
Der b+m Luxos U Scheinwerfer ist ein großes Ausstattungsplus - Er leuchtet hell, Fernlicht kann am Lenkertaster eingeschaltet werden, der auch eine USB-Ladebuchse fürs Smartphone besitzt
Lenkerendschalthebel von Microshift
Lenkerendschalthebel von Microshift - Sie harmonierten sehr gut mit der Shimano Nexus 8-Gang-Nabe
Genesis Day One Ltd
Genesis Day One Ltd - Sitzen und Lenken wie beim Endurance-Roadbike, sauber bleiben und Licht haben wie am Trekkingbike
Gut sichtbar: die reflektierende Beschichtung unter dem Lack
Gut sichtbar: die reflektierende Beschichtung unter dem Lack
Reflektierendes Markenemblem unter Pulverlack und Gusset zum Steuerrohr
Reflektierendes Markenemblem unter Pulverlack und Gusset zum Steuerrohr
Beim Schnellfahren mit Gepäck ist das Genesis Day One Ltd in seinem Element
Beim Schnellfahren mit Gepäck ist das Genesis Day One Ltd in seinem Element
Aber auch für langsameres Fahren ist die Sitzhaltung entspannt genug
Aber auch für langsameres Fahren ist die Sitzhaltung entspannt genug
Schwache Scheibenbremse
Schwache Scheibenbremse - Die Promax Render R konnte im Test nicht überzeugen. Schwammiger Druckpunkt und mäßige Verzögerung wurden ihr angelastet. Ebenfalls nicht optimal: Verschiebt man die Achse zur Kettenspannung, muss der Bremkörper separat neu ausgerichtet werden
Taster für Fernlicht und USB-Ladebuchse
Taster für Fernlicht und USB-Ladebuchse - Das Original-Befestigungsgummi ging schnell verloren. Für häufiges Abstellen in der Stadt nimmt ohnehin besser Kabelbinder: Diebstahlgefahr.
CST Sensamo Speed Reifen
CST Sensamo Speed Reifen - Machten ihrem Namen keine Ehre und wirkten eher behäbig, Protection Level 2 reicht für den Pendeleinsatz scheinbar nicht aus
Etwas improvisiert
Etwas improvisiert - Für die Verlegung des Lichtkabels zum Scheinwerfer gibt es haltbarere Lösungen

Mancher, der vom idealen Pendler-Rennrad träumt, denkt auch an eine Nabenschaltung. Genesis ist einer der wenigen Hersteller, der so ein Commuter-Roadbike in Serie baut. Beim Genesis Day One Ltd ist für 1.579 Euro noch ein Alltagspaket mit Schutzblechen, Nabendynamo und USB-Lader am Stahlrahmen montiert. Wir haben den britischen Race-Commuter im Pendelverkehr getestet.

Steckbrief: Genesis Day One Ltd

EinsatzbereichTour, Commute
RahmenmaterialStahl
GabelStahl
Gewicht (o. Pedale)14,3 kg
Websitewww.genesisbikes.co.uk
Preis: 1.579 Euro

Neben rassigen Traumrädern mit bis zu fünfstelligen Preisen tut sich auch am anderen Ende der Preisskala so einiges. Nicht zuletzt durch die wachsende Schar an Pendlern stehen “Daily-Driver” mit einem guten Preis-/Leistungsverhältnis hoch im Kurs. Das merkt man insbesondere dem Sortiment von Marken aus Großbritannien an, wo es flächendeckend “cycleschemes” gibt, um Räder kostengünstig zu finanzieren. Das Genesis Day One ist ein Vertreter der wachsenden Gattung von Commuter-Rennrädern. Genesis hat sich anfangs mit universellen, aber nicht nach Brot-und-Butter Art gestalteten und nicht teuren Stahlrahmen einen Namen gemacht. Inzwischen sind die Briten Rennrad-Vollsortimenter und sponsern sogar mit Madison-Genesis ein eigenes Radsportteam. Das Genesis Day One Ltd verspricht eine Komplettausstattung mit Nabenschaltung, Scheibenbremsen, Schutzblechen und Lichtanlage zum fairen Preis von 1579,99 Euro. Es ist das am besten ausgestattete Modell der Day One-Reihe, zu der auch ein Singlespeed-Rennrad mit Schutzblechen für 899 Euro gehört. Um dem Rad artgerecht auf den Zahn zu fühlen, haben wir es in gut 2 Wochen knapp 1.100 km auf dem Weg zur Arbeit und in der Freizeit bewegt.

Stadtfeine Lackierung
# Stadtfeine Lackierung - Das Gittermuster auf dem Rahmen reflektiert Licht ebenso wie der Schriftzug

Ausstattung: einfachst bis luxuriös

Eines fällt sofort auf: Der Aufbau mit den 32 mm breiten Reifen von CST, dem starken Tubus Cargo Gepäckträger (40 kg Zuladung) und der IQ Luxos Lichtanlage mit integriertem USB-Lader ist konsequent auf regelmäßiges Pendeln und entspannte Radtouren ausgerichtet. Durch Ösen für die Befestigung eines Lowrider-Gepäckträgers an der Stahlgabel taugt der Rahmen auch für den Reiserad-Aufbau.

Basis für den Alltags- und Tourenaufbau ist ein solider, aber natürlich nicht ganz leichter Stahlrahmen aus CrMo-Rohr mit vielen ansehnlichen Details. Die Rohre sind auf Stoß geschweißt, ein Gusset verstärkt das Steuerrohr, das Oberrohr ist für Freiheit im Schritt abfallend ausgeführt. Ein besonderes Plus im Alltag ist die reflektierende Lackierung unter der Pulverbeschichtung von Schriftzug und Kreuzmuster. Die Kettenspannung stellt der Day One-Fahrer über ein verschiebbares Ausfallende ein. Das ist nicht die konstruktiv beste Lösung, da bei einem Reifendefekt das Hinterad immer wieder neu ausgerichtet werden muss. Die IS-Disc-Aufnahme kann mit verschoben werden, sie sitzt aber auch nicht auf einem Schlitten, der das Verschieben einfacher macht. Gut: Alle Lichtkabel-Eingänge sind mit Auflötteilen verstärkt.

Shimano Nexus 8-Gang-Nabe
# Shimano Nexus 8-Gang-Nabe - Großer Übersetzungsbereich, aber auch große Gangsprünge zu den leichten und schweren Gängen hin

Das vordere Schutzblech ist weit Richtung Boden gezogen
# Das vordere Schutzblech ist weit Richtung Boden gezogen - Gut für die Beinkleider
Die Schutzblech-Strebe muss weit außen um den Bremskörper geführt werden
# Die Schutzblech-Strebe muss weit außen um den Bremskörper geführt werden

RahmenCrMo-Stahl, verschiebbare Ausfall-Enden, 2x Flaschenhalter     
GabelCrMo-Stahl, 1 1/8 Zoll A-Head, Lowrider-Ösen
Gewicht14,3 kg (gewogen ohne Pedale)
Entfaltung2,28 - 6,98 m pro Kurbelumdrehung
Zulässiges Gesamtgewicht (Rad & Fahrer)keine Angabe
Schalthebel1x8 Microshift Lenkerendschalthebel
Umwerfer / Schaltwerk – / –
Kurbel / ZähneAlu, Vierkant, 170 mm / 42 T
Ritzel / ZähneShimano Nexus Inter 8 Getriebenabe / 20 T
InnenlagerBSA / Vierkant
KetteKMC-X1
Bremsen Promax Render R mech. Scheibenbremse, v./h.: 160 mm
LaufradsatzShimano Nabendynamo DH-T4050 + Shimano Nexus Inter 8 / Alu-Felgen, 32 Speichen
Reifen / GrößeCST Sensamo Speed, 32-622, Reflex
LenkerGenesis, Alu, oben 400 / unten 460 mm
VorbauGenesis, 105 mm
SattelGenesis
SattelstützeGenesis, Alu, Jochklemmung
BesonderheitenSKS-Schutzbleche lang, b+m IQ Luxos Scheinwerfer mit Fernlicht und USB-Lader, b+m Secula Plus Rücklicht, Tubus Cargo Gepäckträger (max. 40 kg)
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Zu dem Konzept des wartungsarmen Alltagsrenners passt die Shimano Nexus Inter8 Nabenschaltung. Die Vorteile einer Nabenschaltung im Pendelverkehr liegen auf der Hand: Der größte Pluspunkt ist das gekapselte Getriebe. Nach der Fahrt Kette abwischen, fertig. Laufleistungen von 10.000 km und mehr mit einer Kette sind bei Nabenschaltungen nicht die Ausnahme. Außerdem kann die Nabe an der Ampel im Stand geschaltet werden. Anfahren im zu dicken Gang adé! Genesis steuert die Shimano-Nexus-Nabe über einen Lenkerendschalthebel an, für die mechanischen Scheibenbremsen Typ Render R von Promax braucht es daher nur einfache Bremshebel, die im Falle eines Sturzes kostengünstig ausgetauscht werden können.

Tubus Cargo Gepäckträger
# Tubus Cargo Gepäckträger - Mit 40 kg zugelassener Ladung fast schon eine Überdosis Gepäckträger für einen schnellen Commuter
Für kleine Hände etwas zu viel Abstand zum Lenker
# Für kleine Hände etwas zu viel Abstand zum Lenker - Bremsgriffe für die mechanische Disc-Bremse
Der b+m Luxos U Scheinwerfer ist ein großes Ausstattungsplus
# Der b+m Luxos U Scheinwerfer ist ein großes Ausstattungsplus - Er leuchtet hell, Fernlicht kann am Lenkertaster eingeschaltet werden, der auch eine USB-Ladebuchse fürs Smartphone besitzt
Lenkerendschalthebel von Microshift
# Lenkerendschalthebel von Microshift - Sie harmonierten sehr gut mit der Shimano Nexus 8-Gang-Nabe

Etwas unschön ist die Schutzblechbefestigung vorne. Da die Scheibenbremse (IS-Standard) im Weg ist, wurde die Strebe mit ca. 3 cm Spacern linksseitig versetzt, was im Ergebnis dazu führt, dass das Schutzblech nie wirklich gerade sitzt. Mit einer besseren Ösen-Anordnung und einem anderem Disc-Montagestandard sind heute solidere und aufgeräumtere Lösungen Standard.

Geometrie: Ein paar Ungereimtheiten

Die Tretlagerachse liegt beim Genesis Day One rund 2 cm über dem, was bei Rennrädern üblich ist. Das bedingt eine eher hohe Sitzposition. Zugleich erschwert es dem Fahrer, bei korrekter Sattelhöhe im Stand mit dem Fuß auf den Boden zu kommen – für ein Stadtrad, mit dem man oft anhält, eigentlich keine wünschenswerte Eigenschaft.

Genesis Day One Ltd
# Genesis Day One Ltd - Sitzen und Lenken wie beim Endurance-Roadbike, sauber bleiben und Licht haben wie am Trekkingbike
Gut sichtbar: die reflektierende Beschichtung unter dem Lack
# Gut sichtbar: die reflektierende Beschichtung unter dem Lack
Reflektierendes Markenemblem unter Pulverlack und Gusset zum Steuerrohr
# Reflektierendes Markenemblem unter Pulverlack und Gusset zum Steuerrohr

Das Testrad mit 52er Rahmenhöhe (M) hat ein virtuelles waagerechtes Oberrohr von 561 mm. Das entspricht einem 56er Rahmen in traditioneller Rennrad-Geometrie, das Sattelrohr steht mit 73,5 Grad allerdings einige Grad steiler als das Steuerrohr. So nimmt die virtuelle Oberrohrlänge ab, je weiter oben man den Sattel positioniert. Liegt man zwischen zwei Größen, sollte man also eher die größere Rahmenhöhe nehmen. Unser Testrad kam mit 170 mm-Kurbel, was für Größe M gerade noch angemessen ist. Größeren Menschen stellt Genesis leider keine längeren Kurbeln zur Verfügung, da wird es dann schnell grenzwertig. Dass die Vorbaulänge ebenfalls nicht den verschiedenen Rahmengrößen angepasst wird, ist ergonomisch auch nicht vorteilhaft. Das Verhältnis von Stack zu Reach bleibt immerhin über alle Rahmenhöhen hinweg annähernd identisch.

Mit einem Radstand von 1.035 mm liegt das Testrad in Größe M etwas über dem, was bei Gravelbikes üblich ist. Für ein langstreckentaugliches Rennrad ist das Genesis Day One Ltd damit eher wendig ausgerichtet, gemessen an sportlichen Rennrädern aber eher ein „Dickschiff“. Doch dazu mehr bei den Fahreigenschaften.

RahmenhöhenXSSMLXL
Sitzrohr mm470500530550580
Oberrohr horizontal (virtuell) mm524544561582605
Steuerrrohr mm115135155175195
Steuerrohrwinkel Grad717171,571,572
Sitzrohrwinkel7473,573,57372,5
Kettenstrebe mm430430430430430
Tretlagerabsenkung mm7373737373
Radstand mm10071023103510521063
Gabelnachlauf mm6969666663
Vorbau mm100100100100100
Lenkerbreite mm400420420440440
Kurbellänge1651701170170170
Stack553572593612633
Reach365375385395405
STR1,521,531,541,551,56
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Auf dem Kurs: Überraschend schnell

Liegen die Hände auf dem recht bequemen Oberlenker, nimmt man eine leicht aufrechte Sitzposition ein, vergleichbar mit einem Endurance-Rennrad. Da der Lenker mit dem angenehm griffigen Lenkerband etwas Flare – also nach außen weisende Lenkerenden – aufweist, ist er unten mit rund 46 cm breiter als am 41 cm breiten Oberlenker. Das ermöglicht in Unterlenkerposition ein entspanntes Fahren und macht den Lenkerendschalthebel rechts gut erreichbar. Der Sattel der Hausmarke ist zweckmäßig, in der Breite der Sitzposition angemessen, bietet aber nur wenig Komfort und durch die abgerundete Form kaum Seitenhalt.

„Ich muss gestehen, dass ich nach dem Wiegen skeptisch war, was das tägliche Pendeln mit dem Genesis angeht, aber Radtests sind ja nicht immer nur Vergnügen. Nach minimalen Anpassungen der Sattelpostion ging es auf die Straße, und der beim Anheben des Rades entstandene Eindruck verflüchtigte sich schnell.“

Beim Schnellfahren mit Gepäck ist das Genesis Day One Ltd in seinem Element
# Beim Schnellfahren mit Gepäck ist das Genesis Day One Ltd in seinem Element
Aber auch für langsameres Fahren ist die Sitzhaltung entspannt genug
# Aber auch für langsameres Fahren ist die Sitzhaltung entspannt genug

Das Day One ist natürlich kein Renner, aber es fühlt sich flotter an, als man es bei dem Gewicht von 14,3 kg erwartet hätte. Die Sitzposition ist entspannt und kontrolliert, man fühlt sich sofort wohl auf dem Rad. Der lange Radstand macht das Day One Ltd auch mit einseitiger Beladung zu einem Geradeausläufer par excellence. Man findet den Arbeitsweg quasi im Halbschlaf. Doch selbst Kurven nimmt es willig und wirkt dabei manchmal geradezu agil. Die Reifen machen das alles mit und kommen beim täglichen Pendeln nicht ans Limit, tragen aber definitiv nicht zum Leichtlauf bei; der Zusatz „Speed“ auf den CST Sensamo-Pneus ist mehr Wunschdenken. Hier gibt es bessere, vermutlich allerdings teurere Alternativen.

Die Shimano Nexus Inter8 Nabenschaltung bietet, wie die Typenbezeichnung schon sagt, 8 Gänge. Ihr Übersetzungsbereich von über 300 % klingt zwar erstmal gut, wird aber mit teilweise (zu) großen Gangsprüngen erkauft. Wenn man mit 8 Gängen das Spektrum einer 2×10 Kompaktkurbel von ungefähr 34-30 bis 50-14 abbildet, ist das auch kein Wunder. Es fährt sich aber in vielen Situationen nicht gut, oder: nicht rennradtypisch. In den Gängen 1 – 5 tritt es sich noch flüssig, wenn man jedoch flotter unterwegs ist, leidet man als Rennradfahrer zwischen den Gängen 5 und 6 sowie 6 und 7 gewaltig. Insbesondere auf langen Geraden ist man ständig auf der Suche nach dem richtigen Gang. Bei Gegenwind zum Beispiel wird es nervig, wenn man sich im 7. Gang stampfend in die Ermüdung tritt und im 6. Gang noch gefühlt als kleine Nähmaschine unterwegs ist. Das ist sicher zum Teil auch von den Tretvorlieben des Fahrers abhängig. Die Bedienung über den Lenkerendschalthebel hingegen war überraschend angenehm und funktionierte durch die Indexierung problemlos. Nur die Gewöhnung an die kurze Unterbrechung des Tretens zum flüssigen Schalten kann sich nicht jeder gewöhnen.

Kann man die Nabenschaltung noch unter Geschmacksfrage verbuchen, sind die Promax Bremsen einer der wenigen echten Schwachpunkte am Rad

Schwache Scheibenbremse
# Schwache Scheibenbremse - Die Promax Render R konnte im Test nicht überzeugen. Schwammiger Druckpunkt und mäßige Verzögerung wurden ihr angelastet. Ebenfalls nicht optimal: Verschiebt man die Achse zur Kettenspannung, muss der Bremkörper separat neu ausgerichtet werden
Taster für Fernlicht und USB-Ladebuchse
# Taster für Fernlicht und USB-Ladebuchse - Das Original-Befestigungsgummi ging schnell verloren. Für häufiges Abstellen in der Stadt nimmt ohnehin besser Kabelbinder: Diebstahlgefahr.

Die Bremshebel sind für große Hände in allen Positionen gut erreichbar, bei kleinen Händen gibt es aber im Unterlenker Probleme. Wenn man einmal verstanden hat, dass die Vorderradbremse typisch englisch rechts montiert ist (und vom Händler ggf. umgebaut werden sollte), bremst es sich dank der druckstabilen Jagwire Bremsaußenhüllen zwar einigermaßen, aber Sicherheitsreserven bietet die mechanische Render R nicht. Der Druckpunkt ist schwammig, die Bremsleistung bei trockenen Bedingungen noch ausreichend, auch im Nassen passiert zu wenig und dazu neigt sie zum Quietschen. Hier wurde vermutlich dem Budget Rechnung getragen. Ein glasklarer Tuning-Tipp!

In Sachen Taschentransport und Ganzjahresfahren ist das Genesis Day One Ltd in seinem Element. Der für ein Rennrad geradezu übermäßig tragfähige Tubus Cargo-Gepäckträger nimmt es mit einseitigen Office-Bags ebenso locker auf wie mit beidseitig angehängten Taschen voller Einkäufe. Die 40 kg Tragkraft sind kaum auszuschöpfen. Mit normaler Last im Rahmen von 5 bis 15 kg auf dem Träger lässt sich das Day One dabei sicher bewegen. Nicht zu wünschen übrig lässt auch das Lichtbild des b+m Luxos U Scheinwerfers: Es reicht auch für Abfahrten in der Dunkelheit auf schlechten Straßen. Bei den Schutzblechen hat Genesis an des Pendlers Füße gedacht und sie so weit Richtung Boden ausgelegt, dass die Schuhe halbwegs trocken bleiben.

Haltbarkeit: Achillesferse Reifen

Auf ein Rad mit dem Einsatzzweck „Alltag“ sollte man sich verlassen können. In der Regel muss man pünktlich morgens am Arbeitsort erscheinen und nachmittags erst recht stressfrei und zuverlässig zu Hause ankommen.Wir waren mit dem Genesis Day One Ltd auf kurzen Stadtstrecken in Wuppertal und im täglichen, längeren Pendelverkehr zwischen Köln und Bonn über rund 1.100 km unterwegs.

Das Day One ist nach unseren Testerfahrungen eine gute Basis für genau diesen Einsatzbereich, was die Verarbeitung, den Aufbau und den Antrieb angeht. Einschränkungen gibt es allerdings, wie oben beschrieben, bei den verwendeten Bremsen, die neben der Funktion bauartbedingt recht fummelig einzustellen sind und für den Ganzjahresbetrieb nicht zuverlässig genug erscheinen.

CST Sensamo Speed Reifen
# CST Sensamo Speed Reifen - Machten ihrem Namen keine Ehre und wirkten eher behäbig, Protection Level 2 reicht für den Pendeleinsatz scheinbar nicht aus
Etwas improvisiert
# Etwas improvisiert - Für die Verlegung des Lichtkabels zum Scheinwerfer gibt es haltbarere Lösungen

Die Reifen sind ebenfalls ein Tauschkandidat. Sie laufen gut, bieten aber keinen ausreichenden Pannenschutz. Genau 3 Platten auf knapp 1000 km sind mit neuen Reifen einfach zu viel. Scharfe Sachen wie kleine Glassplitter oder Drähte drückten sich schnell durchs Gummi und punktieren den Schlauch. Das ist noch dazu lästig, weil am Hinterrad das Handling beim Schlauchwechsel in einem Rad mit fest verschraubter Nabenschaltung deutlich umständlicher ist. Wenn man das Loch im Schlauch nicht findet und im eingebauten Zustand flicken kann, muss man das gesamte Rad ausbauen und sollte dafür extra einen 15er Maulschlüssel dabeihaben. Da dauert ein Schlauchwechsel schnell mal doppelt so lang wie beim Rennrad mit Schnellspannern.

Abgesehen von diesen beiden Ausstattungs-Kritikpunkten erhält man mit dem Genesis Day One viel Rad fürs Geld. Es ist robust, uneingeschränkt reisetauglich, ausbaufähig und fährt sich sehr entspannt. Noch dazu kann man während der Fahrt seine elektrischen Geräte laden.

Fazit

Das Genesis Day One Ltd ist schon allein durch die Nabenschaltung und die komplette Vielfahrer-Ausstattung zum fairen Preis ein attraktives Commuter-Rennrad – und hat ein gewisses Etwas beim Design. Mit dem vielseitigen soliden Stahlrahmen kann man nichts falsch machen und es wirkt agiler, als es das hohe Gewicht vermuten lässt. Dass es kein ausgesprochenes Kletterer-Rad ist, versteht sich; die Rouleur-Qualitäten könnten höher sein. Nicht ganz schlüssig ist die Kombination von Top-Teilen beim Licht und Träger mit eher mäßigen Bremsen und Reifen – beide sind klare Tuning-Tipps.

Pro
  • Rennrad-Geometrie und Nabenschaltung
  • ab Werk fast perfekt für Alltag gerüstet
  • wartungsarm
  • Top-Lichtanlage
  • USB-Lader integriert
  • überraschend agil
  • ausbaufähig zum Reiserad
  • recht günstig
Contra
  • Reifen mit mäßigem Pannenschutz
  • eher schwache Promax Scheibenbremse
  • große Gangsprünge zu den leichtesten und schwersten Gängen
  • hoher Sitz auf dem Rad

Über den Autor

Hokmann

Michael Hokkeler lebt in Köln und hält als “Präsident” des “Racing Team Cölle - dasimmerdabei” die Fahne für den klassischen Radsportverein hoch. Michael fährt alles, was einen Dropbar-Lenker und keinen Motor hat. Er ist unter der Woche als Allwetterpendler zwischen Köln und Bonn unterwegs und Träger des selbstverliehenen goldenen Kleiderbügels. Da er auf seinem täglichen Arbeitsweg viel Zeit zum Nachdenken hat, ist er mit seiner großen Klappe vor allem für den Bike Beef auf Rennrad-News verantwortlich. Ansonsten fährt Michael gerne Langstrecke, in seinen Palmares stehen neben dem klassischen Marathons auch Ötztaler, Vätternrunde und mehrfach Trondheim-Oslo. In letzter Zeit setzt er den Fokus mehr auf schnelle, lange Bikepackingtouren. Dank Jahresumfängen von deutlich über 20.000 KM ist er auch Dauertester für Rennrad-News.

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

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  2. benutzerbild

    floville

    dabei seit 08/2009

    Die Lowriderösen bieten sich für die Schutzblechbefestigung an. Als ich noch nicht wusste wofür ich ein Fahrrad mit Dropbar brauche, hatte ich mal mit so einem Commuter angefangen und das mit dem Schutzblech so gelöst: https://www.rennrad-news.de/forum/t...passende-kettenschaltung.143988/#post-3958940 ... sieht IMHO sogar schnittiger aus!

    Ansonsten gefällt mir das getestete Commuterbike in einigen Details sehr gut. Echtes Habenwill kommt aber nicht auf, schade. Mit einer Alfine 11 Nabenschaltung, TRP Hy/Rd und paar wertigere Komponenten sähe es schon wieder anders aus.
  3. benutzerbild

    hokmann

    dabei seit 02/2004

    floville
    Die Lowriderösen bieten sich für die Schutzblechbefestigung an. Als ich noch nicht wusste wofür ich ein Fahrrad mit Dropbar brauche, hatte ich mal mit so einem Commuter angefangen und das mit dem Schutzblech so gelöst: https://www.rennrad-news.de/forum/threads/tipps-für-1-crossrad-inkl-für-mich-passende-kettenschaltung.143988/#post-3958940 ... sieht IMHO sogar schnittiger aus!

    Ansonsten gefällt mir das getestete Commuterbike in einigen Details sehr gut. Echtes Habenwill kommt aber nicht auf, schade. Mit einer Alfine 11 Nabenschaltung, TRP Hy/Rd und paar wertigere Komponenten sähe es schon wieder anders aus.
    Hab ich an meinem VPACE auch so gelöst, nur mit einer anderen Biegung der Streben. Sieht deutlich besser aus und ist stabiler weil symmetrisch.

    Die Alfine bringt Dich übrigens nicht weiter. Die Spreizung über die gesamte Bandbreite ist zwar größer, die Sprünge sind aber ähnlich. TRP Spyre mit vernünftigen Belägen wären schon eine deutliche Verbesserung gegenüber den Promax. 170er Kurbellänge finde ich allerdings problematisch.

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