Continental Terra Competition – kurz und knapp
Ein echter Unbekannter ist der neue Continental Terra Competition-Gravelreifen nicht mehr. Wir haben ihn als breiten Gravel-Race-Pneu bei der Gravel WM 2025 am Hinterrad von Rosa Klösers Bike gesehen. Und Matej Mohorič fuhr auf einer schmaleren Variante des Race-Reifens an seinem Merida Mission aufs Podium. Die typische europäische Gravel WM 2025 mit trockenen festen Böden, einigem Asphaltanteil und hohen Geschwindigkeiten ist genau der Sweet-Spot, den der neue Comntinenal Terra Competition anvisiert. Nicht zufällig hat der Highend-Reifen den Beinamen des Straßen-Schlauchreifens für die Profis geerbt. Er soll vor allem schnell machen und dennoch sicher genug für die Unberechenbarkeiten unbefestigter Wege sein. Dafür setzt er neben einer Mischung mit dem bekannt schnellen Black Chili Compound auch auf ein neues Casing und ein Aero-Profil ohne echte Schulterstollen. Es soll sogar etwas mehr als die berühmten Marginal Gains herauskitzeln. Die weiteren Herstellerdaten:
- Schneller Gravel-/Allroad-Reifen für Light Gravel, verdichtete Böden und miese Straßen
- Aerodynamisch optimiertes Profil soll 2 bis 3 Watt bei 37,5 km/h sparen (mindestens 5 Watt bei 45 km/h)
- Rollwiderstand gegenüber Terra Speed 17 % geringer (bei 3 bar 9 %)
- Gewichtsvorteil zu Terra Speed bei 68 g in 35 mm
- Hergestellt im Continental Werk Korbach
- 2 Karkassen/Varianten: Race Casing mit Rapid Compound oder Trail Casing mit Grip Compound
- Typ tubeless-ready, hookless-kompatibel
- Größen 35-622, 40-622, 45-622
- Gewichte: Race/Rapid: 345 g (35), 420 g (40), 470 g (45); Trail/Grip: 410 g (35), 465–470 g (40), 530 g (45)
- Preis UVP 68,95 €
Details
Landauf, landab sieht man bei Gravelrennen häufig den Schwalbe G-One RS als schnellen Gravelreifen im Einsatz. Ein vergleichbarer Hit in der Rennszene fehlte in der Continental Gravel-Reifenserie namens „Terra“ bisher. Und das, obwohl die deutsche Firma mit dem Conti Race King in einen ebenfalls äußerst beliebten und schnellen Pneu für schwierigere Bedingungen im Portfolio hat. Und der schnelle Continental Terra Speed war für harte Böden und Apshalt offenkundig noch einen Tick zu profiliert.
Auftritt: der neue Continental Terra Competition. Er rundet die Terra Linie sozusagen als Highspeed Gravel-Reifen Richtung Asphalt ab. Oder in Contis Worten: Er schließt die Lücke zwischen Continental Terra Speed und Continental Grand Prix 5000 S TR.
Gewicht
In Sachen Leichtgewicht prescht der Terra Competition ordentlich vor. Satte 68 g spart er in Größe 35 mm gegenüber dem Terra Speed. Und auch verglichen mit den Grand Prix Road-Reifen der Marke in 35 mm hat der Terra Speed die Nase leicht vorn. Dabei ist die Race Casing Variante mit 365 g gemittelt auf unserer Waage auch satte 60 g pro Stück leichter als der ebenfalls neue Schwalbe Pro One Allroad, den wir kurz zuvor auf der Waage hatten.
Rollwiderstand
Natürlich soll der Terra Competition vor allem auch leichter rollen als der bisher schnellste Conti-Gravelreifen, der Terra Speed. Als Angabe für den Rollwiderstand haben wir Werte von Continental aus Trommeltests, also einer simulierten harten Oberfläche. Conti beziffert den Vorteil auf 17 % gegenüber dem Terra Speed bei einem Luftdruck-Mix von 3 bar, 4 bar und 5 bar. Bei 3 bar sollen es 9 % weniger Widerstand sein. In absoluten Zahlen: 27,3 Watt bei 30 km/h gegenüber 30,1 Watt beim Terra Speed.
Aero-Profil
Ein fast geschlossener Mittelbereich des Reifenprofils soll für für leichten und leisen Lauf sorgen. Zur Seite hin vertiefen sich die pfeilförmmigen Profil-Rinnen. Ziel des Profil-Designs war laut Conti auch eine Aero-Optimierung, die in Windkanal-Tests validiert wurde. Demnach spart der Terra Competition in 35 mm allein aerodynamisch rund 2 bis 3 Watt bei 37 km/h gegenüber dem Terra Speed – ein typischer Schnitt bei einer Gravel WM. Bei 45 km/h sollen es 5 Watt sein (über +20° bis -20° Anströmwinkel).
Gummimischung und Casing in 2 Varianten
Continental bietet den Reifen in zwei Varianten mit verschiedenen Karkassen und Mischungen an. Gemeinsam ist beiden, dass sie auf dem Black Chili Compound als Bestandteil setzen. Beide sind zudem tubeless-ready und hookless-kompatibel, mit Faltwulst (Aramid) und optimiertem Wulstbereich. Das Race Casing setzt auf ein schnelles Rapid Compound. Das Trail Casing mit Grip Compound ist robuster. Die dazugehörige Mischung aus dem MTB-Bereich besitzt eine bessere Nasshaftung und Dämpfung, rollt aber auch etwas langsamer.
Beide Karkassen sind technisch ähnlich aufgebaut und besitzen jeweils drei Lagen Gewebe plus Pannenschutzlage direkt unter der Lauffläche. Hinzu kommt ein Flankenschutz. Der Unterschied: Beim Competition Trail überlappen die Lagen in einem größeren Bereich, die Pannenschutzlage ist breiter und der Seitenwandschutz schließt direkt daran an. Beim Race Casing dagegen ist ein Bereich zwischen Breaker und (dünnerem) Seitenwandschutz frei. Hier liegen nur zwei Gewebelagen übereinander, was für geringere Walkverluste sorgt und damit den Widerstand verringert.
Montage
In der Praxis fiel die Montage bei uns kinderleicht aus: Alle vier Reifen ließen sich per Hand auf die Felge ziehen. Das Setzen gelang jeweils mit einer normalen Standpumpe – ohne Kompressor, ohne Drama, einfach aufziehen, aufpumpen, fertig.
Interessant: Die reale Breite fällt eher schmaler aus. Auf einer innen 21 mm breiten Felge maßen wir beim 35er rund 34 mm. Auf einer Zipp 303 S (25 mm innen) waren es beim 45er-Reifen rund 44 mm. Der Terra Competition ist offenbar – anders als viele Continental-Reifen der Vergangenheit – schon mit deutlich breiteren Felgen im Kopf bemaßt worden. Es erklärt auch einen Teil des Gewichtsvorsprungs.
Auf dem Kurs
Ich konnte den Continental Terra Comnpetition mit Race Casing über mehrere Wochen in der kleinsten und größten Größe mit schwarzer Seitenwand fahren – die naturfarbene Flanke gibt es nur am Trail Casing.
Bei beiden Varianten fällt der leichte Lauf sofort auf. Dabei macht sich der Unterschied beim 45-mm-Reifen zu anderen guten Leichtläufern wie dem Terra Speed oder G-One RX aus stärker bemerkbar. Der Reifen fühlt sich im Prinzip an wie ein überdimensionierter Straßenreifen, wenn es über harte Böden geht. Auf dem Test-Laufradsatz wirkte er trotz niedrigem Druck um 2 bar hinten und vorne nicht besonders geschmeidig.
Solange es über trockene Untergründe mit feinem Gravelbelag geht (man denke an Parkwege), spurt der Reifen auch so, dass alle nötige Kontrolle und Sicherheit in der Lenkung bleibt. Auch auf trockenen und etwas tieferen oder weicheren Böden funktioniert das Negativ-Profil noch gut. Auf feuchten oder gar matschigen Wegen geht aber soviel Haftung verloren, dass man unwillkürlich deutlich vorsichtiger in die Kurven geht. Allerdings: Der Conti Terra Speed, den ich im Gravelbike Test parallel gefahren bin, liefert unter diesen Bedingungen nicht so viel mehr Kontrolle, sodass ich im Zweifel den Competition für den absehbar gemischten Einsatz wegen seiner Überlegenheit auf Asphalt und Hardpack vorziehen würde.
Tatsächlich lief der Terra Competition in 35 mm am Rennrad so gut, dass er in Sachen Leichtlauf gefühlt auf Augenhöhe mit dem ebenfalls im Testzeitraum auf dem Laufradsatz gefahrenen Schwalbe Pro One Allroad liegt. Obwohl er leichter ist, fühlt sich der Competition dabei für mich recht firm an und tastet den Untergrund nicht so geschmeidig ab wie der Pro One. Aber sobald es auf leichten Gravel oder gute Waldwege geht, vermittelt der Terra Competition mehr Sicherheit und liefert auch bergauf und auf leicht feuchten Deckschichten spürbar mehr Traktion. Unterm Strich erfüllt er damit für mich den Allroad-Anspruch stärker.
Bei hohen Geschwindigkeiten über 35 km/h auf der Straße erzeugt der Terra Competition ein helles Surren, das Slicks nicht eigen ist. Ansonsten fährt er sich auf Asphalt wie ein Straßenreifen und es würde mich nicht wundern, wenn er demnächst in Rollwiderstandstests den einen oder anderen Straßenreifen hinter sich lässt.
Fazit Conti Terra Competition Test
Der neue Conti Terra Competition bringt Bewegung in die Riege der schnellen Reifen für den Einsatz auf Champagner-Gravel. Er ist nicht nur leicht, sondern gibt sich auch beim Tempomachen keine Blöße und kann sogar das Bisschen mehr Traktion liefern, dass den Unterschied zum Slick macht. Seine Domäne ist damit der Allroad-Einsatz, wo er das Zeug zu einem Grand Prix 5000-Pendant mitbringt. Allerdings dürfte der Preis etwas abschreckend wirken für alle, deren Seelenheil nicht an Bestzeiten hängt.
Pro / Contra
Stärken
- Tempo
- Gewicht
- Traktionsplus gegenüber Slicks
Schwächen
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60 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumVielleicht ist es halt für viele auch einfach ein Hobby und wenn sie sich mit marginal gains besser auf dem Rad fühlen, dann geben sie dafür was aus. Letztendlich klappt ne Gravel-Transalp mit 10-fach Tiagra und 08/15-Reifen genauso wie mit RED XPLR 1x13 und 75 Euro-Schlappen von Conti oder Schwalbe. Und jeder macht's halt anders.
Fahrspaß der sportlichen Art dürfte so aber definitiv auf der Strecke bleiben.
Mein Favorit für Trekking mit nicht hölzernen Reifen, aka Gravel-Feeling: G-One Overland Pro und G-Overland 365. (Andere Hersteller haben vielleicht ähnliches)
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