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Stahlrahmen reparieren

JoMei

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Hallo,
mein Schwiegervater hatte mit seinem Zweitrad (Stahlrenner Marke Titan) einen Unfall. Ein Rentner hat ihm die Vorfahrt genommen und an der Seite erwischt.
Sowohl Fahrer als auch Rad haben Schaden genommen.
Dem Fahrer geht`s wieder gut.
Das Rad hat einen Riß im Rahmen an der rechten Kettenstrebe zum Ausfallende hin.
Auch ansonsten müsste man den Rahmen noch auf andere Schäden prüfen.
Wenn möglich soll der Rahmen hergerichtet werden.
Ich würde ihn ihm dann mit neuen Teilen wieder aufbauen.
Kennt Ihr Leute, die sich mit der Reparatur von Stahlrahmen auskennen?
Danke und Gruß
JoMei
 
AW: Stahlrahmen reparieren

Du solltest Dir einen Rahmenbauer in Deiner Nähe suchen. In der Regel bieten die auch die Reparatur an.
 
AW: Stahlrahmen reparieren

Hallo und Danke für die bisherige Antwort.
Ich habe mich mal durchgeklickt. Aber leider ist kein Rahmenbauer in der Nähe, der auch repariert.
Kennt denn niemand einen Fachmann der in der Lage ist, den Schaden zu beurteilen und eventuell zu reparieren?
Umkreis 150 km um Worms.
Gruß
JoMei
 
AW: Stahlrahmen reparieren

Mach doch mal ein aussagekräftiges Foto!
Hier in Kiel ist auch ein Rahmenbauer dem ich ich das Bild zeigen würde.

Und frag´mal im Bremer Unterforum an, einer von denen ist Metallbauer und hat mir mal fachgerecht einen Rahmen geschweisst!
Warum 150km um Worms herum? Es gibt doch Möglichkeiten ein Rad zu verschicken.
 
AW: Stahlrahmen reparieren

Hallo,
ja, ich stelle in ein paar Tagen mal ein Foto rein .. muss es erst in Auftrag geben.
Verschicken geht natürlich auch ...
Bis bald
JoMei
 
AW: Stahlrahmen reparieren

So, hier mal die Fotos .. vielleicht kann da jemand was sagen.
Danke udn Gruß
JoMei
 

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AW: Stahlrahmen reparieren

Ich weiß nicht, ob das mit Hitze wieder in Position gebogen werden kann:o

Sieht sehr übel aus.
 
AW: Stahlrahmen reparieren

Ausfallende absägen, Reste aus den beiden Hinterbaurohren rausfeilen und ein neues einlöten.
Hartlöten ist kein großes Geheimnis, das bekommst Du mit ein wenig Übung auch selbst hin, den nötigen Brenner dafür kannst Du Dir mit etwas Glück in einer gut sortierten Schlosserei/Klempnerei oder Autowerkstatt ausleihen (eine normale Lötlampe reicht notfalls auch, macht es aber unnötig kompliziert). Vielleicht kann man Dir dort sogar die Reparatur erledigen; lass Dir aber nichts von "Schweißen" erzählen, dieser Rahmen ist eindeutig hartgelötet. Ein passendes Ausfallende, etwas Silberlot und Flussmittel sollte Dir jeder Rahmenbauer zur Verfügung stellen können.

Falls der Rahmen ansonsten noch "gerade" ist, würde als Lehre zum Ausrichten des neuen Ausfallendes ein altes Hinterrad ausreichen, das allerdings wirklich mittig zentriert sein muss.
Du kannst den Hinterbau übrigens ganz einfach mit einer stabilen Schnur vermessen:
- Schnur um den Lenkkopf wickeln, so dass sie an der zu vermessenden Seite jeweils außen liegt
- Schnur zum Ausfallende führen, straff ziehen
- Abstand der Schnur vom Sitzrohr messen
- Höhe der Schnur über dem Tretlager messen
- beide Maße müssen auf beiden Seiten gleich sein, während der Abstand zwischen den Ausfallenden 130 mm beträgt
- ein anschließend eingebautes Hinterrad ohne Reifen muss parallel zum Sitzrohr stehen (einfach nach Augenmaß über die Felge peilen)


Edit: http://www.sheldonbrown.com/frame-spacing.html
 
AW: Stahlrahmen reparieren

Selbst, wenn das Ausfallende noch einigermaßen gerichtet werden kann. Auf jeden Fall bleibt dort eine Sollbruchstelle, zumal durch die Bohrung auch weniger Material an der Stelle ist.
 
AW: Stahlrahmen reparieren

Für mich stellt sich die Frage der Wirtschaftlichkeit:
Ausfallende und ev. auzutauschendes Rohr werden jetzt nicht so das riesen Loch ins Budget schlagen, aber ich denke, daß der Arbeitsaufwand vom Auswechseln der Rohre und des Neulackierens des Rahmens den Zeitwert des Rahmens deutlich übersteigt, zumal ja Titan nicht die Edelhobel schlechthin hergestellt haben. Und es ist auch die Frage, ob nur der Hinterbau betroffen ist. Wenn ev. die Gabel oder das Steuerrohr einen Schlag abbekommen haben, wäre es für mich ein wirtschaftlicher Totalschaden. Da muß dann die emotionale Bindung an den Rahmen schon sehr groß gewesen sein, daß man eine Reparatur der Neubeschaffung vorzieht (ja, ich kann da auch bei mir durchaus Tendenzen erkennen, auch wenn ich mich in meiner Schlosserei sträube, Teesiebe (ev. Marktwert von 5 € ) zu reparieren)

@Knobi: Hartlöten an sich mag zwar nicht so schwierig sein, das Problem ist aber die Wärmeeinbringung, in das Rahmenmaterial. Und wir sprechen hier von Vergütungsstählen, die ihre Festigkeit durch eine Wärmebehandlung erhalten haben. Da ist dann jede zusätzliche Wärmeeinbringung, noch dazu von einem, der das nicht täglich macht und die entsprechende Fertigkeit entwickelt hat, eher kontraproduktiv.... sagt der Schweißfachingenieur.
 
AW: Stahlrahmen reparieren

Nun ja, ein wenig üben sollte man vorher natürlich schon, am besten auch eine Verbindung zweier Teile mit deutlich unterschiedlicher Wandstärke. Mit Silberlot bekommt man den Dreh aber recht schnell raus - wäre halt die Frage, ob die Ausfallenden original mit Messing eingelötet und die Rohre dabei ohnehin schon verhunzt wurden, aber deshalb würde ich das kaputte Ausfallende auch rausfeilen und nicht auslöten (-> Lötbruch).
 
AW: Stahlrahmen reparieren

Messing eingelötet und die Rohre dabei ohnehin schon verhunzt wurden, aber deshalb würde ich das kaputte Ausfallende auch rausfeilen und nicht auslöten (-> Lötbruch).

Hallo Knobi,

ich habe keinen kaputten Rahmen, aber könntest du bitte deine Aussage mal erläutern.

Danke Mathias
 
AW: Stahlrahmen reparieren

Ich versuche mal, das kurz zu machen.
Höherfester Stahl, im Falle von Rahmenrohren meistens "vergütet" (http://de.wikipedia.org/wiki/Vergüten), verliert oberhalb von bestimmten Temperaturen einen Teil seiner Eigenschaften. Ab ca. 500 °C verändert sich das Gefüge allmählich, und zwar abhängig sowohl von der zeitlichen Dauer der Erhitzung als auch von der Höhe der Temperatur.
Ab ca. 800 °C baut sich die molekulare Struktur des Stahls dann tatsächlich um (von kubisch raumzentriert zu kubisch flächenzentriert), was je nach Dauer zum völligen Verlust der durch das Vergüten erreichten Vorteile führen kann - der Stahl ist dann praktisch "weichgekocht".
Bringt man dabei noch das Lot ins Spiel, kommt ggf. das Problem hinzu, dass der Stahl beim Erkalten wiederum seine Struktur verändern "will", dabei Spannungen aufbaut und Bestandteile der Lotlegierung (Kupfer, Nickel) wie kleine Keile in den Stahl eindringen. Beachte dabei, dass Silberlot nicht aus reinem Silber und Messinglot nicht nur aus Messing besteht. Lässt Du dann auch noch eine Kraft einwirken, z.B. um die glühenden Teile mit dem (mehr oder weniger) flüssigen Lot einfach auseinanderzuziehen, reicht eventuell schon leichtes Ziehen, um die Verbindung in ungeordnete Stücke aus Rohr und Muffe zerbröckeln zu lassen. Das nennt man dann Lötbruch.

Das im Rahmenbau typische Silberlot mit ca. 40 - 60 % Silberanteil schmilzt bei ca. 610 - 720 °C und wird dabei ziemlich dünnflüssig, lässt sich also sehr schnell verarbeiten.
Messinglot schmilzt erst bei knapp über 900 °C und bleibt dabei recht dickflüssig, neben höheren Temperatur braucht der Löter also obendrein noch mehr Zeit. Wenn man Pech hat, ist ein messinggelöteter Rahmen also bereits ab Werk mausetot, war dafür aber ein wenig billiger in der Herstellung.

Deshalb würde ich bei Reparaturen und Umbauten das zu ersetzende Teil lieber "kalt" entfernen, also sägen/feilen/schleifen, statt es wieder auszulöten.
Beim Ausfallende, wie es hier zu sehen ist, also direkt hinter den Rohren absägen und die "Zungen", die in den Schlitzen der Rohre stecken, Stück für Stück rausfeilen, bis die Schlitze wieder offen sind.
 
AW: Stahlrahmen reparieren

@knobi,

sehr schön beschrieben, das versteht (hoffentlich) jeder.
Aber gerade am Fahrradrahmen, insbesonders Rennrädern, wo sehr dünnes Rohr verarbeitet wird, ist es natürlich eine Kunst, den richtigen Zeit und Temperaturpunkt zu finden, wann denn die Lötung erfolgen soll und anschloeißend auch halten wird.

Ist nix für Anfänger. Ein Rahmenbauer wäre hier meine Empfehlung.

Und so wie das verbogene Ausfallende aussieht und auch noch von einem Riss in der Kettenstrebe die Rede ist, müssen da schon wirklich Kräfte eingewirkt haben, die mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr angerichtet haben, als sich so vermuten lässt.

Wenn das meinem klassischen Rahmen (>35 Jahre) passiert wäre, käm der mit Trauer im Herzen in die Schrottpresse. Will mich schließlich noch mit vollem Vertrauen die Baumberge runterstürzen.;) können.
 
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