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Brevetberichte

Letzten Samstag bin ich zusammen mit Gernot (@Angstbrmsr) Karls 300er zum Kloster Andechs gefahren. Ich fahre ja schon immer gerne die Brevets so schnell und effizient wie es mir möglich ist. Nicht um irgendwem irgendetwas zu beweisen sondern einfach nur aus dem Grund weil es mir immer wieder große Freude bereitet meine persönlichen Grenzen auszuloten.

Das die schnelle Art einen Brevet zu fahren nicht "far from the audax spirit" sein muss, hat sich für mich gerade am Samstag gezeigt:
- Wir fuhren in Ortsdurchfahrten sehr gesittet und drängelten uns z.B. an roten Ampeln nicht vor die Autos
- Wir nutzten Radwege wo es uns bei unserem Tempo als sicher und sinnvoll erschien
- Bei meinem platten Vorderreifen warteten die Anderen
- Wir hatten auch für die Personen, die uns den Stempel in unsere Brevet Karte drückten, ein nettes "Dankeschön" und ein Lächeln übrig ;)

In diesem Sinne finde ich es toll, dass jeder einen Brevet so fahren kann wie es ihm Freude bereitet. Egal ob knapp am Zeitlimit oder im sportlichen Modus auf der Suche nach einer persönlichen Bestleistung. Der "Geist" der uns trägt ist der Gleiche!

In diesem Sinne "keep the spirit high" und viel Spaß mit meinem Bericht aus der ersten Gruppe:

http://larifari-safari.cc/post/143148548335/bericht-zum-300er-brevet-in-treuchtlingen-am
 
Das kann ja dann nur ein kleiner Anteil der Strecke gewesen sein ;-)

Das hast du gut erkannt. Bei einem Tempo im Flachen von deutlich über 30 in einer Gruppe sind Radwege mit vielen Einmündungen und Knicken nicht die sicherste Sache. Daher war sogar ich teilweise derjenige der die Gruppe zurück auf die Strasse führte. Was mir aber hängengeblieben ist, war die regelmässige Diskussion (in Wortfetzen...) ob Strasse oder Radweg. Da bin ich schon in anderen Gruppen unterwegs gewesen, wo Radwege generell gemieden wurden...

Persönlich wichtiger als die Radwege finde ich aber die Situation bei Ortsdurchfahrten in einer Gruppe. Dort an stehenden Autos vorbeizufahren führt meist zu einem großen Stress für die Nachfolger der Gruppe, die natürlich den Anschluss nicht verlieren wollen - ebenso natürlich für die Autofahrer. Sich dort einfach etwas besonnen und gechillt zu verhalten kostet nicht viel Gesamtzeit und entspannt die Nerven deutlich ;)
 
Bei den Ortsdurchfahrten würde ich mitunter eher Alternativstrecken bevorzugen - habe gerade Geldern-Kapellen (Lange Straße/OD Richtung Sonsbeck) vor Augen. Sonsbeck, wo ich es erwähne, ist auch ein Knüller, innerorts würde ich den Radweg tunlichst meiden, mit Selbstjustiz des im "Volk-ohne-Raum"-Modus befindlichen dt. Autofahrer aber auch kalkulieren. Aber den Vorteil der Ortskenntnis hat man ja nicht immer.

Was mir persönlich auf den Senkel geht, ist die mangelnde Kenntlichmachung von Gefahrenstellen, die Engstellen und Verschwenkungen spätestens bei Dunkelheit sind. In NL wird dann mal in Markierungen investiert oder werden gar Schilder aufgestellt, in Schland: Nix. Kognitive Verarmung in NRW?? Ansonsten wäre man auch als Ortsunkundiger ja vorgewarnt.
 
Der Regen war nicht so schlimm wie die Kälte. Bei der letzten Rast in Bremgarten habe ich nur noch gezittert.
 
Deswegen bin schnell weiter. Regen und Pausen vertragen sich nicht miteinander.
 
Die Pause bei McDonalds war Gold wert. Ich denke, die Erkältung danach hätte auch schlimmer ausfallen können...
 
Hier ein kleiner Bericht vom 300er in Münster:

Ein neuer Startort, Münster, Anfahrt 114km mit dem Auto. Auf der Höllenautobahn A1. Daher plante ich ein üppiges Zeitpolster ein, um nicht wegen Staus, Sperrungen oder sonstwas zu spät am Start zu sein. Es ging aber alles glatt, so dass ich fast 1 Stunde zu früh am Start war. Dementsprechend waren nur wenige Randonneure zugegen. Die Anmeldung vermutete ich zunächst im Nebengebäude, war halt noch früh am Morgen :). Nachdem ich Matti gefunden hatte, ging die Anmelderei zügig vonstatten. Mittlerweile waren auch ein paar mehr Randonneure da und man fachsimpelte herum und wartete auf den Start. Leider draußen, drinnen gibt es bei diesem Startort nicht. Egal, man will ja radeln und nicht herumlümmeln. Kurz vor 8 rief Matti die Meute zusammen und nach einem netten Briefing wurden wir auf die Strecke geschickt.
Es bildete sich recht schnell eine schnelle Gruppe, in der ich mich vorzugsweise am Ende aufhielt. Mir fehlt irgendwie die Praxis, in der Gruppe zu fahren, da ich in letzter Zeit fast nur MTB gefahren bin. Mit fortschreitender Streckenlänge wurde ich aber wieder sicherer. Das lag zum Großteil auch an der hervorragenden Führungsarbeit der vorne Fahrenden. Sehr gleichmäßig und gruppendienlich wurde gefahren. Auf die Art lag der Schnitt über 30km/h. Der erste Stempelstopp wurde auch nur zum Stempeln genutzt und es ging ohne Pause weiter, gut so. Irgendwann waren die Flaschen aber leer und so musste nachgebunkert werden. Ich hatte noch genug, da ich neben 2L Flaschen noch 2,5L im Rucksack dabei hatte. Es waren aber auch 2 Liter in der Blase. Ich habe die anderen einkaufen lassen und bin weiter zum nächsten Baum gefahren. Ein Blick aufs Navi zeigte, dass ich eine Straße zu früh abgebogen war. Ich bin schnell wieder zurück auf die Strecke und bin zügig weitergefahren. Nach einer halben Stunde wurde ich immer noch nicht überholt. Bei dem bisher angeschlagenden Gruppentempo sollten die längst wieder ran sein. Wahrscheinlich haben die überholt, als ich am Baum war? Was tun, warten oder versuchen, die anderen einzuholen? Ich entschied mich mal für letzteres, da ich bis auf den Rücken ganz gut drauf war. Ich spekulierte darauf, dass die Gruppe an den nächsten freien Kontrollen länger anhalten muss als ich als Einzelfahrer. Sonst käme ich ja nie wieder ran, alleine schaffe ich keinen Schnit 30+. Aber so sehr ich mich auch mühte, die anderen blieben verschollen. Oder ich blieb verschollen, wie mans sieht.
Die Strecke war bisher richtig gut. Wenig Verkehr und doch auch abwechslungsreich, was man im Münsterland erst mal schaffen muss. Es waren sogar ein paar Anstiege drin, was die Sache erleichterte. Auf dem Weg zur letzten Kontrolle war jedoch alles flach und der Wind ärgerte mich ganz schön. Immerhin habe ich den richtigen Wetterbericht gelesen, es blieb die ganze Zeit fast trocken. Manche Straßen gingen einfach 5km schnurgerade, die km zogen sich wie Kaugummi. Als Fixpunkt diente die letzte Kontrolle, eine Tankstelle. Hier musste ich erst mal erklären, weshalb ich einen Stempel bräuchte. Die anderen waren also noch nicht hier gewesen, merkwürdig. Da es nicht gerade warm war, habe ich nicht mehr gewartet, sondern habe den Rest alleine durchgezogen. Wobei die letzten 20km eher ein herumeiern waren. Ich wollte auch ganz korrekt die Radwege nutzen, was einige Male zu wilden Fahrmanövern führte, weil man zig mal die Straßenseite wechseln musste. Ist wirklich schlimm mit diesen Sonderwegen, auch ein Grund, weswegen ich lieber MTB fahre, im Wald gibt es sowas nicht. Dabei waren solche Stellen auf die ganzen 300km gesehen die Ausnahme.
Auf Strava habe ich die anderen dann doch noch wiedergefunden. 9h:48m ohne und 10h:57m mit Pausen brauchte die Gruppe, ich habe 10h:03m ohne und 10h:31m mit Pausen gebraucht. Da wurde anscheinend noch einmal irgendwo zu Mittag gegessen :D Oder vielleicht hatte jemand eine Panne..
Mir hat das Brevet sehr gut gefallen. Im nächsten Jahr bin ich gerne wieder dabei!
 
Rando Imperator, ein 650km-Brevet von München über Bozen nach Ferrara

Endlich mal ein Brevet von zu Hause starten, so war der Plan ... von Regen war nie die Rede.
Doch schon zur Abholung der Startunterlagen am Freitag schüttete es – ein vielversprechender Beginn... :(

Der Start um 4:30 Uhr war natürlich auch im Regen...
Wir wussten, dass es erstmal über den unbefestigten Isarradweg gehen soll, und den meiden wir mit dem Rennrad schon bei trockenen Wetter und Tageslicht - also in die entgegengesetzte Richtung losgefahren und über Grünwald auf der Straße durch den Regen. Gleich nach dem Start sprachen uns zwei Italiener an, ob wir die asphaltierte Alternativstrecke kennen, und bis ins Inntal ließen Selbige sich von uns führen.
Mein "bester Windschatten von allen" führte uns zuverlässig durchs Oberland, die B2 am frühen Morgen ersparte uns weitere Naturwege und wir kamen naß und leidlich sauber an der Kontrolle hinter Garmisch an. Es gab verschiedene Getränke geschmierte Brote und Süßkram - nur leider nix Warmes.



Der Fernpass hatte dichten Verkehr (war ja auch Ferienanfang), aber man kam mit dem Rad gut voran. Nach der Abfahrt folgten wir leider dem Track und landeten auf einem holprigen Waldweg, der nicht nur diverse Viehgatter mit verschieden zeitraubenden Öffnungsmechanismen zu bieten hatte, sondern auch ein kleines Touristenbähnchen (im Wald!), dass uns in den grünen Wegesrand trieb. Im Inntal verloren wir unsere italienischen Schatten, und wärmten uns erstmal in einem Supermarkt-Café mit viel Heißgetränk und noch warmen Nussschnecken auf. Durch das Fenster sahen wir einige andere Randonneure vorbeiziehen und begaben uns irgendwann auch widerwillig wieder in den Regen.
Nach Landeck ließ der Regen endlich nach und im Anstieg zum Reschen kam sogar die Sonne raus, so dass man endlich die Regenbekleidung ablegen konnte. Nach der Kontrolle am Reschenpass (mit Pizza und lecker Kuchen) ging es theoretisch nur noch bergab - zumindest bis Meran. Zuerst blieben wir auf der Hauptstraße, und nach diversen kleinen Gegenanstiegen ging es dann auf den Etschtalradweg (ohne Gegenanstiege, dafür mit 90° Verschwenkungen, Stoppschildern und Gegenwind), der uns ja noch lange begleiten sollte.

Um viertel nach Acht waren wir an der Kontrolle in Bozen. Der Angstbrmsr hatte die Nummern von uns bekannten Unterkünften in Auer abgespeichert und schon bei der ersten hatten wir Glück - also kurz die nassen Regenklamotten in den Bagdrop und nach Auer gestartet. Dort das Zimmer bezogen, ungläubiges Staunen ob unserer geplanten Abfahrt um 3:30 Uhr geerntet, Pizza gegessen, Bier getrunken, geduscht und 3 Stunden im warmen, weichen Bettchen geschlafen. So einen Luxus hatte ich noch nie auf einem Brevet.





Später als geplant ging es weiter auf dem Etschtalradweg, es war trocken, aber man merkte, dass der letzte Regen nicht lange her gewesen sein konnte. Der Morgen dämmerte, die Sonne kam raus, und ein "Bici Grill", der für die in Bozen startenden 300km-Fahrer als Kontrollstelle diente, gab uns nach etwa 80 km die Möglichkeit eines ausgiebigen Frühstücks. Der Track führte uns anschließend (zum Teil gefühlt senkrecht) auf eine Anhöhe und dann steil runter Richtung Gardasee. Dort war die Hölle los, überall Stau und genervte Touristen, und wir waren froh, als wir den See und die Urlauber endlich hinter uns lassen konnten.





Dann sonnig gen Süden und Osten. Zuerst am Mincio entlang. Anfangs etwas zäh wegen vieler Fernradlergruppen, Ausflugstruppen (u.a. mehrere in Rapha gekleidete Väter mit radelnden Nachwuchs – war da eine Veranstaltung?) und kreuzenden Anglern - danach rollte es endlich. Später ging es auf zum Teil arg löchrigen Sträßchen Richtung Mantua. Die beste Kontrolle des Brevets für mich, es gab lecker Risotto, Brot, Kuchen, Getränke und Schatten.
Die letzten hundert Kilometer führten uns auf den Damm des Po, der Radweg dort war zum Teil voller Schlaglöcher und die „Kontaktflächen“ zum Rad litten entsprechend. Wir fuhren direkt auf eine Gewitterfront zu und hatten mit üblen Gegen- und Seitenwind zu kämpfen. Zum Glück hatte ich den Angstbrmsr dabei, hinter dem ich mich, so gut es ging, zu verstecken versuchte.




Der große Fluß - ich muß dringend mal wieder Don Camillo ansehen...

Es ist beim Brevet immer ein blödes Gefühl in Richtung eines Unwetters zu fahren, aber wir hatten Glück, es zog vor uns her und wir blieben regenfrei. Als wir den Po verließen, ging es an einem Kanälchen Richtung Ferrara durch eine kleine Rad/Fußweg-Allee, die hatte leider unter dem vorherigen Unwetter sehr gelitten und wir mussten vorsichtig zwischen nassen Laub/Blütenresten, tiefen Pfützen und heruntergefallenen Ästen unseren Weg suchen - also die Füße wieder nass, diesmal nur von unten.

Die Navigation in Ferrara überließen wir einer Südtiroler Radlertruppe, an die wir uns hängen konnten, und kamen so in den Genuss der großzügigen Verkehrsregelauslegung von italienischen Rennradfahrern. Wie heißt es so schön: When in Rome, do as the Romans do.
Endlich im Ziel gab es noch eine böse Überraschung - die Organisatoren hatten die Dropbags im Regen draußen liegen gelassen, und da wir keine wasserdichten Taschen verwendet haben, war unsere Wechselbekleidung nässer als unsere Radklamotten. Der Haarfön im Hotel war im Dauereinsatz, damit wir nicht in Radklamotten zum Abendessen gehen müssen. (Sechs Euro für ein großes Bier, ein stolzer Preis - und natürlich auf dem Rückweg zum Hotel regnete es wieder und warm war es auch nicht.)



Am nächsten Morgen wurden die Räder in den Bus geladen (am Abend vorher wurde uns der falsche Abfahrtsort genannt, und wir warteten lange am falschen Platz - aber ein Anruf bei dem Veranstalter führte uns dann doch zum rechten Ort) und es ging über Bozen wieder nach Norden. Die Polizeikontrolle an der Grenze fiel nur kurz aus, und was tat es als wir in München ankamen? Es schüttete.

Fazit: Ein schöner Brevet, und ich bereue nicht, ihn gefahren zu sein, momentan plane ich aber keine weitere Teilnahme.
Ich bin kein Freund von Brevets mit Naturstraßen, mir ist gerade bei nassen Wetter der Verschleiß am Rad zu groß, und ich gestehe, dass meine Fahrkünste bei losen Untergrund zu wünschen übrig lassen. Das ist IMHO einer der Nachteile, wenn der Veranstalter so viele Rad(fern)wege einbaut. Auch empfinde ich das Vorwärtskommen auf Radwegen als zu mühsam für einen Brevet - an jeder Kreuzung ein Stoppschild gerne auch noch in Kombination mit 90° Verschwenkungen.

Ausrüstung für den Regen, die sich bei diesem Brevet bewährt hat:
Shimano Regenüberschuhe
Castelli Gabba Trikot und Ärmlinge
Vaude Regenshort
Duschhaube über dem Helm
Buff unter dem Helm

Hoffentlich war mein Bericht nicht zu lang,
Grüße Petra
 
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