Die Brevetserie 2026 und 2027 - Der harte Weg nach Paris
300 km Brevet rund um Osnabrück
18.04.2026
An einem Samstag Mitte April stand ich freiwillig früh auf, um mit dem Randonneur im Kofferraum nach Dorsten zu fahren. Um 8:40 Uhr sollte der Start zum 300 km Brevet durch den Teutoburger Wald und rund um Osnabrück sein.
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Ich hatte wieder mein bewährtes Koga Miyata Traveller dabei. Allerdings bemerkte ich beim Einbau des Vorderrades, dass sich der Bremszug der vorderen Bremse am Bremsgriff ausgehängt hatte. War ne ziemliche Fummelei den wieder einzuhängen, ohne den Zug zu lösen. Anscheinend entspannt die
Tektro Bremse bei ausgespannten Vorderrad so stark, dass der Zug sich einfach aushakt. Da müsste ich also bei einem Plattfuß vorne echt aufpassen. Memo an mich: andere Bremsgriffe besorgen, wo der Zug durchgeschoben und nicht eingehängt wird. Habe ich zum Beispiel an meinem Reiserad. Auch dieses Mal hatte ich wieder einiges an Verpflegung dabei: Gummibärchen, Schokoriegel, Salzbrezeln, Waffeln und Pfefferbeißer (eine Art geräucherte Mettwürstchen).
Start war an der Zeche Fürst Leopold in Dorsten, am Das Leo. Ich meldete mich zum ersten Mal mit eBrevet an. Ich traf einige Fahrer, die ich schon länger nicht mehr gesehen hatte. War echt schön wieder dabei zu sein. Es gab noch ein zweites Frühstück mit Kaffee und Zuckerkuchen. Um 8:40 lud ich mein Startfoto in eBrevet hoch, bestimmte die Position und los ging es.
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Ich fuhr alleine, nicht in einer Gruppe, hatte aber immer mal wieder Fahrer/innen vor mir. Über Lippramsdorf fuhr ich nach Haltern am See. Vorbei am See ging es durch die Borkenberge und über den Dortmund-Ems-Kanal. Bis Ottmansbocholt kamen keine nennenswerten Ansiedlungen mehr.
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Nach 52 km machte ich dann vor Davensberg meine erste Pause auf einer Bank neben dem Radweg. Mein Schnitt betrug zu der Zeit bereits über 23 km/h. Ich war also dabei Zeit herauszufahren. Es lief deutlich besser als noch beim 200er Brevet. Allerdings war es dieses Mal auch trocken und sonnig. Die Temperaturen bewegten sich Vormittags aber noch im einstelligen Bereich. Nach ein paar Minuten Pause mit Schinkenbeißer und Salzbrezeln fuhr ich weiter.
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Immer wieder wurde ich überholt, aber auch ich lief ab und zu auf etwas langsamere Randonneure auf. Entweder blieb ich mit Abstand dahinter, oder ich überholte. Eine langsame Gruppe bildete sich nicht.
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Ich kam durch Rinkerode und Albersloh. Mein Schnitt bewegte sich konstant zwischen 23,2 und 23,4 km/h. Nach 77 km erreichte ich die erste Kontrolle in Everswinkel. Vor dem Radhaus Merker traf ich noch einige Randonneure. Ich loggte mich in eBrevet ein, machte ein Foto vor dem Radhaus und bestätigte meine Position. Ich hatte trotz Pause bereits gut eine Stunde auf die langsamste Zeit gut gemacht. Bevor ich weiter fuhr, machte ich eine kurze Trinkpause auf dem Marktplatz. Ich hatte zwei Trinkflaschen a 750 ml dabei und 0,5 Liter Kakao in der Arschrakete. Nächste Orte nach der Kontrolle waren Müssingen und Einen. Durch die Hörster Heide ging es über Schwege nach Lienen.
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Hier wartete bereits der erste längere Anstieg des Teutoburger Waldes auf mich. Bis dahin lag ich nach 110 km immer noch bei einem 23 km/h Schnitt. Jetzt galt es an der Steigung meinen Rhythmus zu finden. In Serpentinen wand sich die Straße nach oben. Ich konnte den Scheitelpunkt schon fast sehen, als es rechts in den Wald zur nächsten Kontrolle ging. Nach 112 km erreichte ich gegen Mittag das Restaurant Malepartus mitten im Wald. Hier hatte ich bereits 1,5 Stunden Vorsprung auf die langsamste Zeit. Aber die meisten Höhenmeter kamen natürlich jetzt noch. Ich quälte mich bergauf zurück zur Passstraße und erreichte kurz darauf den zweithöchsten Punkt des Brevet. In Bad Iburg erwartete mich dann die höchste Steigung der Tour mit 213 Metern. Jemand der im richtigen Gebirge fährt, schüttelt da wahrscheinlich den Kopf, aber für mich war das schon echt eine Hausnummer.
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Natürlich ging es munter so weiter, hoch und runter. An einem Supermarkt mit Bäckerei in Wellendorf hielt ich an und füllte meine Trinkflaschen auf und kaufte für die nächste Pause ein belegtes Brötchen und ein Teilchen. In Borgloh erreichte ich dann nach 131 km die dritte Kontrolle gegen 16 Uhr an einer Pizzaria. Hier lag ich tatsächlich immer noch knapp 1,5 Stunden vor der langsamsten Zeit. Dafür hatte ich eine Pause dringen nötig.
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Doch ich fuhr zunächst weiter und verschob die Pause. Dann kamen irgendwie keine geeigneten Gelegenheiten und ich fuhr immer weiter, über Bissendorf und Lüstringen. Nach etwas über 147 km fand ich dann am Rande von Belm eine Bushaltestelle mit Sitzbank. Ich hatte mich noch nie so auf ein belegtes Brötchen gefreut. Während der Pause zog sich der Himmel immer mehr zu. Und ich musste genau in die Richtung, wo es dunkler wurde. Es frischte auch etwas auf und wurde windiger. Aber es half ja nichts, ich musste weiter.
Hinter Belm fuhr ich weiter Richtung Wallenhorst. Auf dem Weg dorthin fing es am späten Nachmittag dann an zu regnen. Also Regenjacke an und weiter. Anfangs war der Regen noch nicht so stark und ich hatte die Hoffnung nicht so nass zu werden. In Wallenhorst wartete dann nach 162 km die 4. Kontrolle auf mich. Ich traf gegen 18:30 Uhr dort ein und hatte noch knapp 1 Stunde Vorsprung auf die langsamste Zeit.
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Allerdings warteten hinter Westerkappeln noch zwei längere Steigungen auf mich. Dafür hatte ich bisher nicht so viel Zeit im Teutoburger Wald verloren, wie befürchtet. Die letzte Steigung im Hellen zu fahren, würde allerdings knapp.
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Mein Pech war es dann allerdings, dass ich nach der vorletzten Steigung noch vor Ibbenbüren, mitten auf dem Land in einen längeren Wolkenbruch kam und keine Möglichkeit zum Unterstellen fand. Ich war innerhalb kurzer Zeit komplett durchnässt, trotz Regenjacke. Überall lief mir das Wasser rein. Auch die Radschuhe sogen sich mit den Neoprenüberziehern voll. Dazu wurde es dunkel. Ein Stück hinter dem Aasee fand ich endlich im Wald an einer Kreuzung eine überdachte Pausenmöglichkeit. Leider pfiff der Wind durch die seitlich offene Überdachung. Aber wenigstens regnete es nicht rein. Ich setzte mich auf die Bank und machte ein paar Minuten die Augen zu. Die Müdigkeit siegte über die Kälte. Lang schlief ich noch nicht, als ich zitternd vor Kälte wieder aufwachte. Ich aß und trank etwas und beschloss weiter zu fahren. Das hieß aber auch, ich fuhr im Dunklen in die letzte große Steigung hinter Ibbenbüren. Dazu kam, dass die Steigung von allem am steilsten war. Ich klapperte vor Kälte regelrecht mit den Zähnen und quälte mich die schmale, steile Straße hoch. Während ich alle Anstiege vorher relativ problemlos und in einem Stück gefahren war, musste ich hier immer wieder anhalten und verschnaufen. Dazu kam relativ viel Autoverkehr. Es kam mir gefühlt ewig vor, bis ich oben war.
Auch die Abfahrt im Dunklen war, so entkräftet, nicht einfach. Ich brauchte dringend schon wieder eine Pause. Nach 217 km kam ich in Rheine am Bahnhof an. Die letzte Kontrollzeit wäre 23:08 Uhr gewesen und ich war um 0:04 Uhr an dem Kontrollpunkt Radstation. Ich war also bereits knapp 1 Stunde zu spät. Seit der Kontrolle in Wallenhorst hatte ich fast zwei Stunden verloren. Ich wärmte mich kurz im Bahnhof auf und überlegte meine Optionen. Die Stunde wieder aufholen schien mir in meinem Zustand unmöglich. Ich brauchte auf jeden Fall auf dem weiteren Weg eine längere Pause mit etwas Schlaf und würde noch mehr Zeit verlieren. Mit dem Zug zurück ging auch nicht. Ich hätte bis Morgens kurz vor 8 Uhr warten müssen und dann mehrfach umsteigen müssen. Also weiter fahren und irgendwo nochmal Pause machen. Ich teilte dem Veranstalter mit, dass ich abbrach und machte mich wieder auf den Weg. Ab jetzt fuhr ich zwar an den Kontrollpunkten vorbei, loggte mich aber nicht mehr in eBrevet ein. Die nächsten Orte waren Wettringen, Metelen und Schöppingen. Mit kurzen Pausen ging es weiter. Morgens um 4:10 Uhr kam ich nach 270 km an der Kontrolle in Coesfeld, einer Star Tankstelle vorbei. Hier hätte ich spätestens um 2:40 Uhr sein müssen. Ich lag jetzt also 1:30 Stunde hinter der Zeit. Mittlerweile hatte ich mich auch ein wenig erholt und nur noch die Füße waren nass. Hundemüde war ich aber immer noch.
Kurz vor Stevede wurde es dann hell. Am Ortsende von Maria Veen fand ich eine Bushaltestelle mit Wartehäuschen. Ich setzte mich in das windgeschützte Häuschen, lehnte mich an und war direkt eingeschlafen. Nach fast einer Stunde wachte ich auf, weil mir wieder kalt wurde. Ich aß und trank etwas und dann ging es weiter. Hülste und Surendorf wurden passiert. Es war immer noch recht kühl, aber die Sonne zeigte sich langsam. Kurz vor Bahnhof Reken bog ich nach Klein Reken ab. Nach 304 km erreichte ich um 8:04 Uhr die Zielkontrolle, eine Packstation in Wulfen. Dort hätte ich spätestens um 4:40 Uhr sein müssen. Ich war also 3:24 Stunden zu spät. Aber ich hatte das Ziel erreicht. Jetzt waren es noch 7 km bis zurück zum Auto an der Zeche Fürst Leopold in Dorsten. Dort kam ich um 8:36 Uhr nach insgesamt 311 km an und freute mich auf trockene Socken und Schuhe. Meine Füße waren immer noch nass.
Mein Fazit: Ich wusste, dass ich wenig Vorlaufzeit hatte, um wieder fit genug für Brevets zu werden. Aber ich wollte es wenigstens versuchen. Die Strecke habe ich tatsächlich geschafft, wenn auch nicht in der Zeit. Hätte ich es ohne den Regen schaffen können? Ich glaube, für die komprimierten Höhenmeter im Teutoburger Wald war es einfach noch zu früh für mich. Ich bin noch lange nicht wieder in der Form wie 2018 oder 2019. Die Konsequenzen: Den 600er Brevet im Juni habe ich abgesagt. Das sind einfach noch zu viele Kilometer dieses Jahr. Den flachen 400er am nächsten Samstag ums Markermeer in den Niederlanden werde ich fahren. Mal schauen wie ich mich dort schlage. Dann möglichst noch 2 oder 3 200er-Strecken dieses Jahr. Und nächstes Jahr dann, mit Vorlauf, die komplette Serie. Ich werde mir aber definitiv flache Brevets aussuchen. Und nächstes Jahr Paris-Brest-Paris? Rückt für mich immer weiter weg. Kann mir momentan nicht vorstellen wie ich nächstes Jahr über 11.000 Höhenmeter schaffen soll. Da brauche ich mit Sicherheit mehrere Jahre Training für, wenn ich es überhaupt jemals schaffe. Nächste Chance für PBP wäre 2031. Dann bin ich 66 Jahre alt. Keine Ahnung wie ich dann drauf bin. Ich konzentriere mich jetzt erstmal auf die Serie 200, 300, 400 und 600 km nächstes Jahr. Das scheint mir dann machbar. Und vielleicht 2028 einen flachen 1.000er. Steigungen werde ich natürlich weiter trainieren. Mal sehen, wo ich da noch hinkomme. Selbst wenn PBP nicht klappt, habe ich noch genug Träume die mich motivieren.