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Roberto Formigoni, der charismatische Leader der CL, wird Präsident des Radfahrerteams. Mit Fanini zusammen gründet er eine im Steuerparadies der Vatikanstadt registrierte Stiftung, die das Team betreibt und «moralische Projekte unterstützt». So nennen Fundamentalisten ein durch Spenden finanziertes buntes Leben.
Doch worum gehts überhaupt? Die Rede ist von Amore & Vita, dem Radfahrerteam des Vatikans, als dessen Direktor Ivano Fanini amtiert und an dem der Papst höchstpersönlich beteiligt ist, vor allem spirituell, spendet doch der Heilige Vater den Rennfahrern vor Saisonbeginn seinen Segen.
Die Mannschaft ist so beliebt, dass sie immer wieder um die Lizenz bangen muss. Der italienische Verband hatte das Team bereits im Jahr 1995 ausgeschlossen, weil Fanini schon wieder gepetzt hatte. Die Polizei hatte eine Dopingkontrolle beim Giro d’Italia geplant, um zu schauen, wer was zu sich nimmt. Die Leitung des Giro hatte davon Wind bekommen und es allen Mannschaften mitgeteilt. Die Apotheken verschwanden, erwischt wurde niemand. Amore & Vita protestierte. Fanini versuchte, die anderen Teams polizeilich verfolgen zu lassen, mit der Begründung, dass alle - ausgenommen seine Mannschaft - bis zu den Ohren mit Dopingmitteln voll gepumpt herumlaufen würden.
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In jenem Jahr hatten Johannes Paul II., Formigoni und Fanini eine tolle Idee: Sie liessen auf den Trikots der Mannschaft die Aufschrift «No Aborto» (Nein zur Abtreibung) anbringen, und es passierte Folgendes: Beim Rennen Mailand-Sanremo bewarf «eine Gruppe sexbesessener Frauen» - wir nennen sie besser glorreiche und witzige Feministinnen - die Mannschaftsmitglieder mit Eiern, Schlamm und verfaulten Tomaten. Also beschloss Fanini, den Slogan zu ändern.
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Berlusconi hingegen liess die Vatikanradler im Stich, als er an die Macht kam. Der Regierungschef verhalf Amore & Vita nicht zu einer Teilnahme am Giro d’Italia. Für all jene, die es nicht wissen: Bei solchen Veranstaltungen dürfen nur jene Teams mittun, die eingeladen werden, und das geschieht, wie Fanini immer wieder klagt, wirklich unter «mafiosen Verhältnissen».
Playmate und TV-Po-Schüttlerin
Mittlerweile hatte aber der Amore-&-Vita-Präsident seine Unschuld verloren: Es wurde nämlich bekannt, dass Roberto Formigoni - er hatte jahrelang mit seiner Jungfräulichkeit in aller Öffentlichkeit geprotzt - seit einer gewissen Zeit mit einer Playmate und TV-Po-Schüttlerin aktiven Samenerguss erlebte. Ausgeplaudert wurde diese Geschichte diesmal nicht von Fanini, sondern durch eine Boulevard-Sendung in einem von Berlusconis TV-Kanälen. Formigoni ist dementsprechend nicht mehr der Chef der CL, sondern nur noch Präsident der Sektion Lombardei.