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Vor dem Heidelberger Eisladen „OK KOOL“ traf man sich zum PARI Souplesse Ride.
Vor dem Heidelberger Eisladen „OK KOOL“ traf man sich zum PARI Souplesse Ride.
Neben Schwalbe-Goodies …
Neben Schwalbe-Goodies …
… wurde auch von Paul persönlich Eis für die begeisterten Teilnehmer ausgegeben.
… wurde auch von Paul persönlich Eis für die begeisterten Teilnehmer ausgegeben.
Kein Gravelreifen, aber brandneu – der Schwalbe One in der Farbe „Turqouise“
Kein Gravelreifen, aber brandneu – der Schwalbe One in der Farbe „Turqouise“ - vielleicht gibt's demnächst sogar ein Gewinnspiel dazu … seid gespannt!
Mit Focus zusammen hat Paul ein spannendes Bike gestaltet.
Mit Focus zusammen hat Paul ein spannendes Bike gestaltet. - Es handelt sich dabei um ein Focus Izalco Max.
Look Pro …
Look Pro …
… Go Slow!
… Go Slow! - So lautet Paul Ripkes Motto für ein weniger wettkampf-basiertes, entspanntes Rennradfahren.
Paul Ripke Interview-9
Paul Ripke Interview-9
Pauls schnelles Geschoss von Focus in Custom-Lackierung
Pauls schnelles Geschoss von Focus in Custom-Lackierung - zum Bike gibt es in Kürze noch ein paar Infos mehr.
Große Straßen gibt's in Deutschland genug – viele auch, wie hier, ohne viel Verkehr zum entspannten Fahren.
Große Straßen gibt's in Deutschland genug – viele auch, wie hier, ohne viel Verkehr zum entspannten Fahren.
Auto vs. Radfahrer – auch auf der Fahrt in Heidelberg war dies besonders auf Anstiegen durchaus mal immer ein Thema.
Auto vs. Radfahrer – auch auf der Fahrt in Heidelberg war dies besonders auf Anstiegen durchaus mal immer ein Thema.
Paul Ripke Interview-8
Paul Ripke Interview-8

Er war Fotograf für die Toten Hosen, Marteria, das Mercedes F1-Team und Lewis Hamilton, ist (nicht selbsternannter) Instagram-Papst und erfolgreicher Podcaster mit „Alle Wege führen nach Ruhm“ zusammen mit Joko Winterscheidt, um nur einige seiner beruflichen Stationen zu nennen – die Rede ist von Paul Ripke. Und was, werden sich nun manche Leser fragen, hat der Mann mit Bart und Strubbelfrisur jetzt mit Rennradfahren zu tun?

Mittlerweile ganz schön viel: Nach einem Fotojob bei der Tour de France und Austausch einiger Anekdoten mit Erik Zabel, mittlerweile dicker Freundschaft mit dessen Sohn Rick, ersten Geh- beziehungsweise Fahrversuchen in den USA auf einem Rennrad ist Paul mittlerweile voll im Rennradfahren angekommen. Im Rahmen der PARI Souplesse Rides vom PARI Souplesse Club, die er mit Schwalbe ins Leben gerufen hat, haben wir Paul auf einer 80-Kilometer-Runde rund um Heidelberg getroffen und versucht, mal die Ursprünge seiner Rennrad-Motivation herauszufinden. Warum Paul mittlerweile so gern Rad fährt, warum er dabei trotzdem nicht abnimmt und was nächtliche Rennrad-Wettbewerbe auf Formel 1-Strecken damit zu tun haben, erfahrt ihr im Interview. Look pro, go slow!

Paul Ripke Interview-9
# Paul Ripke Interview-9
Diashow: Vom Fotografen zum Rennradfahrer: „Ein bisschen Gelassenheit tut allen gut.“ Paul Ripke im Interview
Kein Gravelreifen, aber brandneu – der Schwalbe One in der Farbe „Turqouise“
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Rennrad-News: Wenn ich mich recht erinnere, bist du in Kalifornien über einen Bekannten zum Radfahren gekommen. Was genau hat dich am Rennradfahren fasziniert?

Paul Ripke: Erstmal gar nichts (lacht). Ich habe die letzten vier Jahre in der Formel 1 gearbeitet, und Donnerstag bis Samstag wird die Strecke nach dem Training abends und nachts für Läufer und Radfahrer geöffnet. Es gibt dort sogar Rundkurse mit Wertungen, dann fährt auch Ferrari gegen Mercedes …

Auf jeder Strecke?

Ne, in Monaco nicht, aber auf fast allen anderen Strecken. Und dann gibt es auch Wettbewerbe dort und dann fährt eben Ferrari gegen Mercedes auf dem Rennrad. Und der Typ, der die Trikots gemacht hat und die Räder dort, ist ein Australier, der wohnte ganz in der Nähe, und mit ihm habe ich mich erstmal als Typ angefreundet. Und wie das manchmal so ist – der macht „Pedal Mafia“, so eine australische Radbekleidungsfirma, – saß er dann irgendwann jeden Tag bei mir im Büro, und nachdem er zum siebzehnten Mal zu mir gesagt hat, „komm doch mal mit, hier hast du ein Rad“, hatte ich irgendwann keine Entschuldigung mehr. Dann bin ich am 3. Januar diesen Jahres das erste Mal Rad gefahren, und es ging dann relativ schnell, dass ich das ziemlich gut fand. Man kann ja auch sehr eintauchen in Klamotten, Equipment, Helme, was auch immer. Da gibt es genug Möglichkeiten, lustige Sachen zu machen – auch das hat mir Spaß gemacht.

Vor dem Heidelberger Eisladen „OK KOOL“ traf man sich zum PARI Souplesse Ride.
# Vor dem Heidelberger Eisladen „OK KOOL“ traf man sich zum PARI Souplesse Ride.
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Neben Schwalbe-Goodies …
# Neben Schwalbe-Goodies …
… wurde auch von Paul persönlich Eis für die begeisterten Teilnehmer ausgegeben.
# … wurde auch von Paul persönlich Eis für die begeisterten Teilnehmer ausgegeben.

Inzwischen habe ich letzte Woche auch nichts mehr gemacht außer Radfahren. So fühlt es sich zumindest an (lacht). Wenn es eine Blaupause für jemanden gibt, den das Radsportfieber gepackt hat, dann bin ich das dieses Jahr auf jeden Fall.

Ich hab‘ am Anfang des Jahres 110 Kilo gewogen und ich wiege immer noch 110 Kilo – obwohl ich knapp 7.000 Kilometer jetzt gefahren bin.

Und zum Sportlichen: Ich hab‘ am Anfang des Jahres 110 Kilo gewogen und ich wiege immer noch 110 Kilo – obwohl ich knapp 7.000 Kilometer jetzt gefahren bin. Das liegt vor allem daran, dass ich sehr gerne Bier danach trinke, sehr gerne esse und eher den sozialen Aspekt interessant finde. Ich habe das mal mit meinem Arzt besprochen, der auch mein Schwager ist, der sagte: „Naja, wenn man die gleichen Kalorien danach wieder zu sich nimmt, die man gerade verbrannt hat, dann darf man sich auch nicht wundern, dass man nicht abnimmt.“ Mir ist das Soziale aber so wichtig, ich habe da so viel Spaß dran, dass ich genau so weitermachen möchte.

Du fährst viel auf der Straße. Ein ganz anderes Thema: Hast du auch schonmal auf einem Gravelbike gesessen?

Nein, ich bin auch noch nie ein Rad mit Gravelreifen gefahren, aber ich sehe das die ganze Zeit und finde das hochinteressant. Ich habe jetzt von der Firma Focus, mit denen wir ein Fahrrad machen, ein Rad bekommen, mit dem das technisch geht und werde mit Sicherheit von Schwalbe einen Gravelreifen probieren, weil die ja die besten Gravelreifen der Welt machen. Ich weiß gar nicht, ob es dafür noch andere Anbieter gibt (grinst schelmisch) …

Kein Gravelreifen, aber brandneu – der Schwalbe One in der Farbe „Turqouise“
# Kein Gravelreifen, aber brandneu – der Schwalbe One in der Farbe „Turqouise“ - vielleicht gibt's demnächst sogar ein Gewinnspiel dazu … seid gespannt!
Mit Focus zusammen hat Paul ein spannendes Bike gestaltet.
# Mit Focus zusammen hat Paul ein spannendes Bike gestaltet. - Es handelt sich dabei um ein Focus Izalco Max.

Ich bin letzte Woche in Heidelberg das erste Mal ein bisschen im Wald gefahren, also einen Gravelweg sozusagen. Das hat mich jetzt so angefixt, dass ich wechseln will und ich das auch absolut faszinierend finde, aber noch nicht gemacht habe. Und fairerweise gibt es da, wo ich wohne, in Laguna Beach, sehr viele solche Hügel mit einer ultragroßen Gravelszene und coolen Wegen, die ich unbedingt ausprobieren will. Ich hab mir schon die Wege angeguckt, das aber noch nicht richtig gemacht.

Das Focus Paralane kriegst du dann vermutlich?

Genau, ja.

Mal ganz kurz zu der Vorgeschichte deiner eigenen Marke „PARI“. Wolltest du nur ein eigenes Trikot haben, weil du gerne dein PARI-Logo, die Technokatze, radsporttechnisch unterbringen wolltest oder weil du selber was Cooles auf die Beine stellen wolltest?

Was ich gerade mache, versuche ich auch irgendwie in Produkten umzusetzen, weil meine Interpretation vielleicht ein bisschen anders ist. Ich habe mir irgendwann mal gedacht: Ich designe jetzt ein Trikot. Das habe ich erstmal auf einer Skizze gemacht, dann haben wir es produziert und dann haben das Leute gekauft. Und das ist total lustig, wenn man Leute sieht, die das Trikot tragen. „PAR“ steht für meine Initialen Paul Ripke, ich habe das aus dem Spaß heraus gemacht, und jetzt ist auf einmal daraus eine ernstzunehmende Firma entstanden, die ernstzunehmende, ich würde es jetzt nicht Mode nennen, eher Textilien (lacht) herstellt. Das sind ja eher so Hoodies und Jogginghosen. Macht total Bock. Ich habe letzte Woche in Düsseldorf den ersten total Fremden auf der Straße gesehen, der meine Klamotten getragen hat! Das ist abgefahren, ich habe den ganz euphorisch gegrüßt, und der hat überhaupt nicht gecheckt, wer ich bin. Interessierte den gar nicht. Der kannte mich wahrscheinlich auch nicht.

https://www.instagram.com/p/CE9PuXNnq2_/

Das heißt, das geht mittlerweile auch schon aus der Szene heraus, dass das Leute kaufen?

Ich glaube es geht zumindest weg von mir, ja. Also PARI auf jeden Fall.

Was haben Fotografie und Radfahren gemeinsam? Gibt es da Schnittpunkte?

Also ich glaube schon, dass Radfahren ein gestalterisches Hobby ist. Ich habe noch nie so geschmackvolle Menschengruppen gesehen wie Radfahrer. Ich weiß nicht woher das kommt, vielleicht sind das auch nur die Leute, mit denen ich Rad fahre. Meist haben die ein Gespür für Design, die mögen Espresso, die mögen Architektur. Landschaften, Bauten, Design und Museum, Espresso und alle solche Dinge, die gehören ja irgendwie zusammen, finde ich. Ähnlich ist das in der Fotografie, in der Gestaltungssprache oder Geschmack wichtig sind. Das sehe ich schon sehr oft, dass viele Leute im Radsport das wieder sehen. Eine Marke wie Rapha zum Beispiel hat das wunderschön interpretiert. Rapha hat so tolle Sachen und so eine großartige Bildsprache seit zehn Jahren in Video, Ton, Foto, was auch immer … da glaube ich schon, dass es da Berührungspunkte gibt.

In eine ähnliche Richtung geht ja beispielsweise auch das Magazin Fahrstil …

Super, ja. Halt ein Lebensgefühl, das du transportierst. Ich brauche jetzt nicht erklären was Radsport ist, das wissen ja alle anderen viel besser als ich, ich mache das ja erst seit einem Jahr. Aber für mich ist es schon einfach ein großartiges Lebensgefühl, das ist ja ein bisschen mehr. Wenn ich jetzt Fitness mache, ist das jetzt nicht unbedingt immer ein Lebensgefühl, im Radsport identifiziert man sich schon ein bisschen mehr, als dass es nur ein Hobby ist.

Look Pro …
# Look Pro …
… Go Slow!
# … Go Slow! - So lautet Paul Ripkes Motto für ein weniger wettkampf-basiertes, entspanntes Rennradfahren.

Bist du schon richtig nerdy in der Technik-Thematik oder ist dir das genauso unwichtig wie KOMs und solche Geschichten?

Ich wüsste jetzt nicht, welche Gangschaltung ich habe (eine SRAM RED AXS, Anm. d. Red.). Ich habe, glaube ich, eine Scheibenbremse … mit jedem neuen Stecksystem für Laufräder scheitere ich erstmal 3 Tage. Ich bin null Techniker und habe gar kein Gefühl dafür. Da bin ich null drin, also das ist mir tatsächlich eher egal.

Pauls schnelles Geschoss von Focus in Custom-Lackierung
# Pauls schnelles Geschoss von Focus in Custom-Lackierung - zum Bike gibt es in Kürze noch ein paar Infos mehr.

Du bist die letzten Tage relativ oft mit Rick Zabel unterwegs gewesen. Woher kennst du ihn?

Der hatte mich irgendwann auf Instagram angeschrieben und mich zur Tour de France eingeladen, 2018. Dann bin ich da mit hin und wusste nicht, wie mir geschieht. In Paris hat mich irgendjemand abgeholt, glaube der Pressechef von Katusha damals, und am nächsten Tag saß ich dann den ganzen Tag mit Erik Zabel, seinem Vater, der dort für Canyon etwas gemacht hat, zusammen. Wir sind so die Schleichwege von einer Roubaix-ähnlichen Etappe gefahren. War natürlich total geil, Ete hat ja schon so ein paar Geschichten auf Lager! Und später habe ich mich mit dem Sohn angefreundet.

Auch mal ein Gespräch mit jemandem führen, der nicht weiß, was Radsport ist

Ich habe jetzt die letzten fünf Tage mit ihm verbracht und der ist tatsächlich mega cool. Er ist saulustig und nimmt sich selbst nicht so besonders ernst. Er ist jetzt ja auch nicht der nerdigste Radsportler und kann auch mal ein Gespräch mit jemandem führen, der nicht weiß, was Radsport ist. Es hat mich sehr beeindruckt, wie offen der zu anderen Dingen ist in der Welt und auch was für Interessen er hat. Sami Khedira war auch so ein Typ im Fußball – ich komme eigentlich aus dem Fußball – und mit Sami habe ich nie über Fußball geredet, sondern immer über Hiphop oder Kultur, über Städte, über Reisen … der hatte immer ein Interesse an anderen Sachen. Und so ähnlich ist es bei Rick Zabel.

https://www.instagram.com/p/CFVDaN-DKfk/

Ich habe die Straßen in Kalifornien als eher etwas ruppig in Erinnerung. Wie oft bist du schon in ein Schlagloch gefahren? Kam das schonmal vor?

Gar nicht tatsächlich! Ich bin die ersten 1.000 Kilometer ohne jede Begegnung mit auch nur einem Auto gefahren, weil ich nur auf Radwegen unterwegs war. Es gibt unfassbar viele Radwege in L.A., gerade in diesen ganzen ehemaligen Flüssen bauen sie überall Radwege gerade rein. Genau vor meiner Haustür geht zum Beispiel ein 210 Kilometer langer Radweg los, ohne eine Ampel, ohne ein Auto, ohne irgendwas. Alleine da kannst du einfach eine Stunde hoch, eine Stunde runterfahren und dabei den Kopf ausschalten. Ich bin dann von L.A. nach San Francisco gefahren mit dem Fahrrad, den „Highway One“. Da war ich mal wieder der Trottel, weil äh … ich sags mal so, man fährt eigentlich von oben nach unten und nicht andersrum …

Ich glaube, irgendjemand hatte dir das nachträglich noch gesagt …

Erik Zabel, genau … mit dem habe ich darüber geschrieben. Der hatte gesagt: „Hä, warum fährst du denn von unten nach oben, bist du bescheuert? Da ist man immer im Gegenwind von oben, du bist immer an der Wand und nicht am Wasser und hast kein tolles Licht…“. Und die eine Seite der Straße, das war das Frustrierendste: Über bestimmt 240 Kilometer war eine Seite der Straße, nämlich die von oben nach unten, perfekter Asphalt, nagelneu. Und meine Seite der Straße, die war wirklich Tschernobyl, kratergroße Löcher, völliger Horror. Das war nicht schön. Aber ansonsten versuche ich Verkehr zu vermeiden, fairerweise muss man sagen, der Amerikaner fährt ja dann doch Pickup Trucks, und ich habe keine Lust von einem Ford F-150 und jemandem, der ein Handy am Steuer hat, überfahren zu werden. Deswegen vermeide ich große Straßen.

Große Straßen gibt's in Deutschland genug – viele auch, wie hier, ohne viel Verkehr zum entspannten Fahren.
# Große Straßen gibt's in Deutschland genug – viele auch, wie hier, ohne viel Verkehr zum entspannten Fahren.

Kannst du kurz über die Intention von der krassen Tour nach San Francisco sprechen?

Also, erstens: So krass war die gar nicht. Das waren sieben Tage, 1200 Kilometer oder so was … easy, wir haben halt nichts anderes gemacht. Und wenn das so ein Trottel wie ich hinbekommt, mit 110 Kilogramm, dann kriegt das auch jeder andere hin. Aber mir war einfach langweilig, so doof wie es klingt (lacht). Ich war noch nie am „Highway One“, obwohl ich oft in Amerika war und jetzt seit einigen Jahren dort lebe. Unfassbar geil! Ich bin am Anfang auch alleine gefahren, und es war total geil, man war alleine unterwegs, hatte eine Ziel, eine Aufgabe, Kopf abschalten. Es war wirklich mal sehr, sehr, sehr befreiend. Ich habe Pakete an die einzelnen Stopps geschickt und wieder von dort wieder zurück und hatte daher kein Gepäck, sondern nur eine Tasche dabei mit Drohne, Fotoapparat und GoPro, sonst aber nix. Das war sehr angenehm und mega geil. Super Wetter gehabt, hat alles gepasst.

https://www.instagram.com/tv/CDoUyLlIkY0/

Hat auch, glaube ich, bis kurz vor Schluss super funktioniert, oder?

Genau, einen Einbruch, einen Platten mal. Aber ansonsten lief alles wirklich gut, ja.

In Deutschland haben wir momentan auch ganz groß diese Fahrradsicherheits-Diskussion. Du hast es schon kurz angesprochen – wie werden Rennradfahrer in den Staaten wahrgenommen? Gibt es da Unterschiede zu Deutschland? Fahren die gewissenloser? In Deutschland merkt man, dass Rennradfahrer für viele Autofahrer ein sehr großes Ärgernis sind. Ist das in Amerika auch so?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin jetzt letzte Woche hierher gekommen und wir sind am ersten Tag Fahrrad gefahren. Ich kam nach Hause und habe meine Frau angerufen und gesagt „alter Schwede, ich bin heute schon bepöbelt worden“. Dann sind wir eine Runde (zusammen mit dem Radsportclub in Heidelberg, Anm. d. Red.) gefahren, ich bin noch nie so viel bepöbelt worden in der ersten Stunde. Da waren wir halt auch 180 Leute. Das verstehe ich schon, aber dass sich Leute damit nicht abfinden … dann verlieren sie halt acht Minuten ihrer Zeit und fahren aber danach die gleichen acht Minuten neben mir her und haben mich beschimpft wie nochmal was, also … das ist ja schon eine deutsche Eigenschaft, richtig wütend zu werden.

Da sind die Amerikaner sehr viel gelassener. Ich sehe es auch andersrum, viele Leute haben mich besucht und sind bei mir gefahren und haben gesagt, „oh, das ist ja beeindruckend, wie respektvoll hier alle sind!“. Es gibt eben schon echt viele Radwege, und es ist auch alles größer, es ist mehr Platz. Ich glaube schon, dass deutsche Autofahrer im Speziellen schon oft richtige Wutbürger sind, das nervt natürlich höllisch. Was soll man machen.

Auto vs. Radfahrer – auch auf der Fahrt in Heidelberg war dies besonders auf Anstiegen durchaus mal immer ein Thema.
# Auto vs. Radfahrer – auch auf der Fahrt in Heidelberg war dies besonders auf Anstiegen durchaus mal immer ein Thema.

Ich hatte eine Instagram-Story gemacht, wo ich mit Rick Zabel und sieben Leuten gefahren bin, über die Orte. Wir fuhren auf der Straße, aber wir fuhren halt auch 32 km/h. Es gibt ja auch klare Rechtslagen dafür, dass du dann auf der Straße fahren musst. Da gab es nebenan so einen kleinen Fahrradweg und Fußgängerweg, aber ich habe ungefähr 140 Instagram-Nachrichten bekommen von Leuten, die gesagt haben „wegen euch haben wir so einen schlechten Ruf, warum gibt’s da den Fahrradweg denn …“. Keine Ahnung. Ich finde das schwer nachvollziehbar, ein bisschen Gelassenheit tut doch allen gut.

Viele Leser werden dich auch als Fotograf kennen. Hast du auch fotografische Berührungspunkte was Sport angeht, außer Formel 1 und Fußball? Also hast du schonmal im Radsport fotografiert?

Ja, Tour de France einmal zwei Tage. Das war super schwierig, ich hatte keine Ahnung von dem Sport, keine Ahnung wie schnell das geht und habe nur ganz schwer erkannt, wer da ist … und es ist sehr presserelevant. Ich versuche immer ein bisschen andere Fotos zu machen, das ist mir dort nicht so leicht gefallen. Aber da gibt es auch eine Fotostrecke drüber, zumindest im Bus und Backstage mit so ein paar anderen Blickwinkeln, das war schon gut.

Sonst habe ich vom Radsport nicht so viel fotografiert. Ich war früher richtig Fan. Aber grundlegend komme ich aus dem Hockey, habe daher auch nie ein Radrennen fotografiert. Ich habe ein paarmal Triathlon fotografiert, in Hamburg bei den Cyclassics, da war ich mal hier und da. Aber Radsport-Fotografie ist was Spezielles, da muss man schon drinstecken.

Du hast ja eigentlich zum richtigen Zeitpunkt aufgehört Formel 1 zu fotografieren, denn mit der Formel 1 ist es dieses Jahr eher schwierig gewesen. Ist der Mix aus PARI und Rennrad dein beruflicher und freizeitlicher Hauptbereich oder hast schon neue Ideen, die demnächst dann kommen?

Nein, also momentan ist es das, was ich machen will. Also: Ich lebe ja schon so ein Pippi Langstrumpf-Leben, wo ich mir die Welt mache, so wie sie mir gefällt. Das ist natürlich sehr viel Glück grundlegend, aber nichtsdestotrotz habe ich immer mal wieder Timing-Glück. Ich glaube aber trotzdem, dass, wenn man das macht, was man wirklich gut findet … und so blöd es klingt: Aber aus der Formel 1 rauszugehen war eine hochideologische Entscheidung.

Ich lebe ja schon so ein Pippi Langstrumpf-Leben, wo ich mir die Welt mache, so wie sie mir gefällt.

Ich hatte einen Vertrag, ich war super bezahlt, wir haben gewonnen, das war mit Lewis Hamilton und mit dem Mercedes-Team jetzt alles auch nicht scheiße! Trotzdem hatte ich persönlich jetzt, als tiefe persönliche Entscheidung, nicht mehr großartigen Spaß daran. Ich hatte nicht das Gefühl, dass das, was ich da mache, einen Unterschied macht. Dass ich was dazu beitrage, dass meine Arbeit einen relevanten Unterschied macht. Und deswegen habe ich da aufgehört.

https://www.instagram.com/p/BmG4TU3BYSQ/

Und wenn ich jetzt heute mit 50 Leuten Fahrrad fahren gehe und mir darüber nachdenke, dann denke ich, ja das macht schon einen Unterschied! Da sind ein paar Leute dabei, die fahren zum ersten Mal 80 Kilometer, sie haben ’nen guten Tag, ich erinnere mich daran. Das reicht mir schon als Unterschied. Da habe ich auf mein Bauchgefühl gehört, etwas zu machen, was zu mir in dem Zeitpunkt, mit 39 Jahren im Jahr 2019 oder 2020 besser passt. Und das zahlt sich jetzt gerade aus. Denn natürlich habe ich ein Schweineglück, denn mein Job existiert nicht mehr, den ich da gekündigt habe und Radfahren ist so groß wie noch nie, in meiner Wahrnehmung zumindest. Aber man sagt ja auch, „das Glück ist mit den Tüchtigen“ oder „luck is, when opportunity meets preparation“, also es gibt ja schon ein paar Sachen, die dann ein bisschen Wahrheit beinhalten. Ich glaube, ich werde auch schon belohnt dafür, die mutigere, unangenehmere Entscheidung zu treffen. Aber ja – ultraviel Glück.

Paul Ripke Interview-8
# Paul Ripke Interview-8

Ihr möchtet auch gerne mal bei einem der PARI Souplesse Rides dabei sein? Schaut am besten mal beim PARI Souplesse Club auf Instagram vorbei! Mehr Infos dazu gibt’s auch auf der Homepage: https://schwalbe.com/parisouplesseclub

Fotos: Johannes Herden, Michael Kull
  1. benutzerbild

    lakecyclist

    dabei seit 10/2018

    Schön, aber als nicht STRAVA-Nutzer und fernab asozialer Medien komm ich da nicht weiter.

    Gruß Didi
    Das ist nicht schlimm, keine Sorge 😉
  2. benutzerbild

    Recordfahrer

    dabei seit 02/2005

    Interessant fand ich das:

    "Ich hatte eine Instagram-Story gemacht, wo ich mit Rick Zabel und sieben Leuten gefahren bin, über die Orte. Wir fuhren auf der Straße, aber wir fuhren halt auch 32 km/h. Es gibt ja auch klare Rechtslagen dafür, dass du dann auf der Straße fahren musst." Nur blöd, wenn die Autofahrer davon keine Ahnung haben und dann gerne mal mit 70 km/h und 20 Zentimeter Abstand an einem vorbeisemmeln, um den bösen Radwegverweigerer zu "maßregeln". Gelegentlich muß man dann Umwege fahren, wenn man diese Danaer-Geschenke von ahnungslosen Verkehrsplanern nicht nutzen will.

    Außerdem ist es interessant, dass Formel-1-Strecken abends für Radfahrer geöffnet werden. Das hatte man ja bei der diesjährigen Zeitfahr-WM gesehen, dass es da-so breit die Straßen auch sein mögen- mitunter doch recht eng werden kann, wenn man entsprechend schnell unterwegs ist. Wer schonmal auf der Nordschleife unterwegs war, wird das ebenfalls bestätigen können. Reizvoll ist das allemal-gerade Monaco wäre schonmal interessant, aber da ist das Verletzungs-/Unfallrisiko wahrscheinlich zu hoch, um sowas offiziell zu machen.
  3. benutzerbild

    laidback

    dabei seit 09/2015

    Wir fuhren auf der Straße, aber wir fuhren halt auch 32 km/h. Es gibt ja auch klare Rechtslagen dafür, dass du dann auf der Straße fahren musst.

    Da fehlt aber das Fußnotensternchen: "*außer ein Radwegeschild schreibt etwas anderes vor." ;)

    Würde von dem Herrn Influenza gerne mal wissen, wo die einschlägigen Paragraphen oder die höchstrichterlichen Entscheidungen zu dieser Aussage zu finden sind.
  4. benutzerbild

    Recordfahrer

    dabei seit 02/2005

    Da fehlt aber das Fußnotensternchen: "*außer ein Radwegeschild schreibt etwas anderes vor." ;)

    Würde von dem Herrn Influenza gerne mal wissen, wo die einschlägigen Paragraphen oder die höchstrichterlichen Entscheidungen zu dieser Aussage zu finden sind.

    Da sind wir schon zwei. An einer Stelle (mit gaaaanz neuem aufwendig gebauten Radweg) konnte man immer so schön in eine Senke reinkacheln mit 60+x km/h-aber das ist mir einfach zu heikel geworden.
  5. benutzerbild

    lakecyclist

    dabei seit 10/2018

    Wir werden es wohl nicht final beantworten können.
    Vielleicht gab es an dieser Stelle kein entsprechendes Schild (das blaue runde mit Rad), dann hat er Recht. Vielleicht glaubte er, 9 Fahrer wären ein Verband (müssen aber mind. 16 sein, gilt auch nach der neuesten Novelle).
    Eine Grauzone wäre, dass der Radweg benutzungspflichtig, aber nicht zumutbar war (kaputt, Dreck,...)

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