Anfang März ist einem Canyon Profi im Rennen der Lenker gebrochen. Besitzer des neuen Canyon Aeroad CFR und CF SLX sollen ihr Bike aktuell deshalb nicht fahren. Canyon hat nun bestätigt, dass die Lösung des Problems erst ab Anfang Juli zur Verfügung stehen wird. Bis dahin sollen die betroffenen Räder in der Garage bleiben, die Besitzer werden finanziell entschädigt.

Update vom 22. März 2021: Seit einigen Tagen geistern vermeintliche Neuigkeiten und Gerüchte zur Problematik rund um Lenker und Sattelstütze des neuen Canyon Aeroad durchs Netz. Canyon hat sich heute auf Nachfrage gegenüber Rennrad-News.de zu dem Thema geäußert und die Situation erläutert.

Aeroad CFR und CF SLX sollen stehen bleiben

Aktuell nichts geändert hat sich an dem Aufruf von Canyon die Modelle Aeroad CFR und CF SLX derzeit nicht zu fahren. Dabei handelt es sich um eine Sicherheitsmaßnahme, zu der sich Canyon nach dem Lenkerbruch am Aeroad von Radprofi Mathieu van der Poel im Rennen Grand Prix le Samyn in Belgien entschlossen hat. Canyon hat dabei sehr schnell klargestellt, dass sie keinerlei Risiko für die Kunden in Kauf nehmen werden und deshalb darauf gedrängt, die Räder mit dem betroffenen Lenker-Typ nicht mehr zu fahren. Die Aeroad Modelle CF SL sind davon nicht betroffen.

Der Lenker am neuen Canyon Aeroad CFR und CF SLX sorgt für Probleme.
# Der Lenker am neuen Canyon Aeroad CFR und CF SLX sorgt für Probleme. - Fotocredit Rene Zieger

Neue Lenker angekündigt

Canyon hat alle betroffenen Besitzer eines entsprechenden Aeroads in der vergangenen Woche angeschrieben und das weitere Vorgehen erläutert. Erst danach wurden auch offizielle Stellungnahmen von Canyon in Sozialen Netzwerken veröffentlicht.

Ab Juli sollen neue Lenkerdrops verfügbar sein, mit denen die derzeit verbauten Teile ersetzt werden. Wie die neuen Teile montiert werden, ist derzeit noch nicht geklärt. Infrage kommen das Einschicken des kompletten Rades an Canyon oder ein Vor-Ort-Service durch Partnerfirmen, lokale Bikeshops oder Dienstleister. Unter Umständen kann der Austausch auch auf Wunsch vom Kunden selbst vorgenommen werden. Klar ist auf jeden Fall, dass die Räder bis zum Austausch der Lenkerkomponenten nicht gefahren werden sollen.

Da der Lenker aus drei Teilen besteht, ist es möglich nur die beiden Drops zu ersetzen.
# Da der Lenker aus drei Teilen besteht, ist es möglich nur die beiden Drops zu ersetzen.

Getauscht wird voraussichtlich nicht die komplette Vorbau-Lenker-Einheit, sondern nur die beiden Lenkerdrops, die beim neuen Aeroad erstmals angeschraubt sind, um eine Breitenverstellung des Lenkers zu erlauben. Diese Mechanik habe jedoch explizit nichts mit dem aufgetretenen Schaden zu tun, versichert Canyon. Der Bruch ist im Bereich der Klemmung des Schaltgriffes aufgetreten. An den neuen Lenkerdrops wird deshalb in diesem Bereich das Material verstärkt sein.

Profilösung nicht für Serie

Canyon hat sich auch dazu geäußert, dass einige Teamfahrer aktuell mit umgebauten Aeroad Modellen mit modifiziertem Rahmen unterwegs sind. Dazu wurde an den Teamrennern eine andere Vorbau-Lenker-Einheit verbaut und die Bremsleitung sowie das Di2-Kabel über eingebohrte Löcher in den Rahmen geführt. Diese Lösung entspräche natürlich den UCI Regularien, sei aber selbstverständlich keine Option für die Serienmodelle.

Finanzieller Ausgleich: Ausgleichszahlung per Überweisung

„Wir sind uns vollkommen bewusst wie ärgerlich die Situation für unsere Kunden ist“, versichert Thorsten Lewandowski, Global Communications Manager bei Canyon, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wer ein neues Rad zu Hause stehen hat, möchte natürlich auch damit fahren. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, den betroffenen Besitzern als Ausgleich für die Standzeit eine finanzielle Entschädigung zu zahlen.“

Kunden, die ein Aeroad CF SLX besitzen, sollen eine Entschädigung von 1.000 Euro erhalten, Eigner des teureren CFR Modells bekommen 1.300 Euro Ausgleichszahlung. Die Entschädigung wird dabei nicht als Gutschein gewährt, sondern an den Kunden überwiesen. Allerdings erst, nachdem die betroffenen Teile am Lenker getauscht wurden. „Es geht dabei nicht darum, dass wir das Geld erst später auszahlen möchten“, erklärt Lewandowski. „Vielmehr wollen wir damit sicherstellen, dass die neuen Teile auch tatsächlich an allen Rädern, die verkauft wurden, verbaut werden.“

Lösung für Sattelstütze ebenfalls in Aussicht

Ein weiteres Problem am neuen Canyon Aeroad betrifft die Sattelstütze, die im Gegensatz zum neuen Cockpit auch in den günstigeren CF SL Modellen verbaut ist. Deshalb ist die komplette Modellreihe betroffen. Die Sattelstütze weist eine spezielle Konstruktion auf, die den Komfort am Sattel durch einen gewissen Flex in der Stütze erhöhen soll. Zudem soll die Bauweise Gewicht sparen.

Von manchen Kunden wurden Probleme mit Materialabnutzung an der Kontaktstelle von Sattelstütze und Rahmen berichtet. Lewandowski bestätigte gegenüber Rennrad-News.de, dass Canyon an einer Lösung dieses Problems arbeite. Derzeit seien noch verschiedene Optionen in der Diskussion, mit der Verfügbarkeit der endgültigen Lösung sei im Herbst zu rechnen.

Auch die Sattelstütze am neuen Canyon Aeroad ist Grund für Kundenbeschwerden. Canyon kündigt eine Lösung des Problems für Herbst an.
# Auch die Sattelstütze am neuen Canyon Aeroad ist Grund für Kundenbeschwerden. Canyon kündigt eine Lösung des Problems für Herbst an.

Obwohl das Problem nicht sicherheitsrelevant sei, arbeite Canyon selbstverständlich an einer technischen Lösung, die alle Kunden hundertprozentig zufriedenstelle. Die Besitzer der entsprechenden Modelle sollen angeschrieben werden, sobald klar ist wie man vorgehen wird, um das Problem endgültig zu beheben.

Aeroad Verkauf aktuell gestoppt

Derzeit ist der Verkauf sämtlicher Aeroad Modelle auf der Homepage von Canyon gestoppt. Voraussichtlich kann die Auslieferung, auch für bereits bestellte Aeroad-Modelle, erst im Herbst wieder starten.

Was sagt ihr zur aktuellen Reaktion von Canyon und der finanziellen Entschädigung der Kunden?

 

Text: Harald Englert / Fotos: Canyon

Originalmeldung: Lenkerbruch an Mathieu van der Poels Aeroad

4. März 2021: Nach einem Lenkerbruch an Mathieu van der Poels Aeroad beim Rennen Grand Prix Le Samyn in Belgien reagiert Canyon. Der Direktanbieter bittet Fahrer des aktuellen Aeroad CFR und CF SLX, das Rad nicht mehr zu nutzen.

Beim belgischen Grand Prix Le Samyn, direkt nach dem Eröffnungswochenende der Klassikersaison, war zu sehen, wie Mathieu van der Poel sein Aeroad mit einem gebrochenen Lenker ins Ziel steuerte. Den Bildern zufolge war das Cockpit seines Canyon Aeroad Teambikes etwa auf Höhe der Klemmschelle des STI-Hebels entzweigegangen. Hier sieht man die entsprechende Sequenz in der Zusammenfassung von Eurosport.

Nach vielen Spekulationen über den Vorfall im Netz reagierte Canyon gestern mit der Bitte, das Fahren der Modelle Aeraod CFR und Aeroad CF SLX einzustellen, bei denen das betreffende Cockpit CP0018 sowie CP0015 verbaut ist. Nicht betroffen ist das Modell Aeroad CF. Hier die Mitteilung von Canyon:

Experten der Canyon Entwicklungsabteilung sowie des Qualitätsmanagements haben daraufhin (auf den Vorfall bei Le Samyn, Anm. der Redaktion) umgehend begonnen, den Ursachen dieses Vorfalls auf den Grund zu gehen. Das betroffene Cockpit (CP0018 sowie CP0015) ist ausschließlich in den aktuellen Aeroad Modellen CF SLX sowie CFR verbaut. Nicht betroffen ist das Modell Aeroad CF SL.

„Mathieu ist glücklicherweise nicht gestürzt. Wir wollen mit absoluter Sicherheit gewährleisten, dass niemand zu Schaden kommt, ehe wir vollkommen verstanden haben, was zu diesem Phänomen führt“, sagt Roman Arnold, Gründer von Canyon Bicycles. Daher informiert Canyon alle betroffenen Aeroad Kundinnen und Kunden und bittet sie, das Fahrrad vorerst nicht weiter zu nutzen.

„Wir setzen alles daran, die betroffenen Aeroad Modelle schnellstmöglich mit einem Cockpit auszustatten, das sowohl unseren als auch den Ansprüchen unserer Kundinnen und Kunden an Qualität und Sicherheit zu 100 Prozent entspricht“, betont Armin Landgraf, CEO von Canyon Bicycles. Bereits beschlossen ist außerdem, dass sämtliche Profiteams ab sofort auf andere Bikes ausweichen werden: Bis auf Weiteres werden die Prosport-Athleten deshalb auf ihr Aeroad aus der vergangenen Saison beziehungsweise auf das aktuelle Ultimate zurückgreifen.

Canyon reagiert schnell auf den Vorfall – was denkt ihr über den Lenkerbruch?

Infos: Redaktion, Pressemitteilung Canyon / Foto: Canyon
  1. benutzerbild

    usr

    dabei seit 11/2011

    Das ist einfach eine schlechte Konstruktion. Carbon bzw. Laminat ist nicht für direkte Reibungen geeignet.
    PS: kurzfristig klappt das beängstigend gut, hatte mal das Problem dass mir das untere Steuersatzlager falschherum eingebaut wurde. In die Richtung hält es dummerweise null Axiallast aus, so dass ich ca 100 Kilometer Alu-Steuerrohr auf Carbongabel gefahren bin (bis ich es gemerkt habe und dann noch die Strecke zum nächsten Bahnhof). Das Ergebnis der allein hätte ich mir viel schlimmer vorgestellt.
  2. benutzerbild

    hugo

    dabei seit 08/2004

    PS: kurzfristig klappt das beängstigend gut, hatte mal das Problem dass mir das untere Steuersatzlager falschherum eingebaut wurde. In die Richtung hält es dummerweise null Axiallast aus, so dass ich ca 100 Kilometer Alu-Steuerrohr auf Carbongabel gefahren bin (bis ich es gemerkt habe und dann noch die Strecke zum nächsten Bahnhof). Das Ergebnis der allein hätte ich mir viel schlimmer vorgestellt.
    Naja...Carbon Bremsflanken funktionieren ja auch ganz gut. Die Faser selbst ist schon recht abriebfest.
    Ist halt blöd, wenn beide Reibpartner ähnliche Festigkeiten bieten. Ne optimale Konstruktion ist das sicher nicht 👎🏻
  3. benutzerbild

    Flat Eric

    dabei seit 08/2012

    Naja...Carbon Bremsflanken funktionieren ja auch ganz gut. Die Faser selbst ist schon recht abriebfest.
    Ist halt blöd, wenn beide Reibpartner ähnliche Festigkeiten bieten. Ne optimale Konstruktion ist das sicher nicht 👎🏻
    Es ist ja nicht Carbon worauf man bremst sonder vorwiegend der Kleber der das ganze fixiert , und der ist m.E. als Reibpartner an einer Bremse völlig daneben ,das ist doch nur Kunststoff .
    Eine Alufelge oder sogar Stahlfelge halte ich bei entsprechender Belagauswahl noch für gut beherrschbar .
    Eine Carbonfelge schreit doch nach einer Scheibenbremse .
  4. benutzerbild

    solution85

    dabei seit 09/2017

    Es ist ja nicht Carbon worauf man bremst sonder vorwiegend der Kleber der das ganze fixiert , und der ist m.E. als Reibpartner an einer Bremse völlig daneben ,das ist doch nur Kunststoff .
    Eine Alufelge oder sogar Stahlfelge halte ich bei entsprechender Belagauswahl noch für gut beherrschbar .
    Eine Carbonfelge schreit doch nach einer Scheibenbremse .
    Verschwindet nicht recht schnell, also in mikroskopischen Bereich, der Kleber, sodass die oberste Schicht der Fasern frei liegt? Bei Verbrennungsmotoren gibt es zum Beispiel Alusil. Das wird extra das Aluminium der Zylinderlaufbahnen weg geätzt, damit hauchdünn die Siliziumkristalle stehen bleiben, worauf dann der Zylinder läuft.
  5. benutzerbild

    Flat Eric

    dabei seit 08/2012

    Verschwindet nicht recht schnell, also in mikroskopischen Bereich, der Kleber, sodass die oberste Schicht der Fasern frei liegt? Bei Verbrennungsmotoren gibt es zum Beispiel Alusil. Das wird extra das Aluminium der Zylinderlaufbahnen weg geätzt, damit hauchdünn die Siliziumkristalle stehen bleiben, worauf dann der Zylinder läuft.
    Man kann damit aber nur Metalle bearbeiten .
    Nebenbei : Eine Bremse ist ja eine Einrichtung die Bewegungsenergie im Wärme umwandelt , keine Ahnung wie so eine Carbonfelge damit umgeht....

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