Insolvenz beim Reifendruck-Pionier Das Aus für Gravaa?

Erst der Triumph in der „Hölle des Nordens“, jetzt das finanzielle Aus: Das niederländische Unternehmen Gravaa, dessen Technologie Pauline Ferrand-Prévot zum Sieg bei Paris-Roubaix verhalf, ist zahlungsunfähig. Besonders bitter: Das System war gerade erst dabei, sich im Profi-Peloton zu etablieren.
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Das Gericht in Eindhoven hat den Konkurs am Mittwoch bestätigt. Das berichtet das britische Magazin road.cc, dem gegenüber ein Sprecher die schwierigen Marktbedingungen als Hauptgrund nannte. Zwar sei die Serienproduktion angelaufen, doch fehlte es an ausreichend Bestellungen, um im aktuellen, post-pandemischen Marktumfeld kostendeckend zu arbeiten. Auch Pläne, 2026 den Commuter-Markt zu erschließen, liegen damit auf Eis.

Weltmeistertitel und Klassiker-Siege: Die sportliche Bilanz

Die Insolvenz kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Technologie sportlich ihre größten Erfolge feierte. Noch im Oktober 2024 holte sich Marianne Vos ihr 14. Regenbogen-Trikot bei der Gravel-Weltmeisterschaft auf Gravaa-Laufrädern und Pauline Ferrand-Prévot nutzte die Technik für ihren spektakulären Solo-Sieg bei Paris-Roubaix. Die Möglichkeit, den Reifendruck zwischen den brutalen Pavé-Sektoren und den glatten Asphaltstücken anzupassen, galt hierbei als taktischer Schlüsselvorteil.

Technik: Ambitioniert, aber nicht ohne Risiko

Das Herzstück der Gravaa-Laufräder ist das sogenannte KAPS (Kinetic Air Pressure System). Eine in die Nabe integrierte, 450 g schwere Einheit nutzt die Rotation des Rades, um eine Miniaturpumpe anzutreiben. Die technischen Daten, die Gravaa zum Marktstart nannte, waren vielversprechend und wurden von uns hier schon vorgestellt Gravaa KAPS-System: Reifendruck bald automatisch anpassen?

Während Ferrand-Prévot und Vos triumphierten, zeigte sich in der Testphase auch eine Kehrseite der komplexen Technik. So stürzte Wout van Aert fast bei einem Recon-Ride im Wald von Arenberg, nachdem er bei hoher Geschwindigkeit einen Defekt hatte, während er das Gravaa-System testete.

Wie geht es weiter?

Trotz der Insolvenz ist das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen. Laut dem Sprecher gibt es Interesse aus der Industrie, die Vermögenswerte zu übernehmen. Für bestehende Nutzer – und die Profis von Visma-Lease a Bike – gibt es eine Gnadenfrist: Die App und das Backend sollen vorerst betriebsbereit bleiben. Ob die Laufradsätze, die zuletzt für umgerechnet rund 3.800 Euro (3.200 GBP) angeboten wurden, wieder regulär in den Handel kommen, ist jedoch offen.

Gravaa insolvent: War das System schlicht zu nischig und teuer?

Info: road.cc | Titelbild: Graava

10 Kommentare

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  1. ... Gravel-Rennen sieht man das Teil quasi nicht.
    Bei der Gravel WM der Damen ein paar Damen von Jumbo damit am Start
  2. War es nicht so, das die Naben/Laufräder Visma oder Cervelo exklusiv waren? Falls ja, wohl nicht die beste Idee...

  3. War es nicht so, das die Naben/Laufräder Visma oder Cervelo exklusiv waren? Falls ja, wohl nicht die beste Idee...
    Ne, die konnte man regulär als Händler kaufen.
    Wir haben auch ein Set, weil uns die Technik interessierte.

    Das projekt scheitert an der nötigen Skalierung. Sie kommen halt mit so kleinen interessierten Experten nicht auf die nötigen Stückzahlen um überhaupt erstmal Produktion und Entwicklung wirtschaftlich zum laufen zu bringen. Der Große Sprung in den OEM-Markt oder den breiten Profizirkus ist halt in der Kürze der Zeit nicht geschafft wurden. Offenbar ist hier einem Finanzier sehr früh das Geld ausgegangen.

    Gruss, Felix
  4. Nette Idee für bestimmte Rennen, wenn es auf jeden kleinen Vorteil ankommt, aber überflüssig für den normalen Radsportler. Technik-Freaks verlieren sich gerne in der Idee und stellen sich nicht die Frage, wieviele Leute das Produkt überhaupt kaufen würden. Gilt auch für andere Dinge, die bei RRN vorgestellt werden.

  5. Ne, die konnte man regulär als Händler kaufen.
    Danke für die Info.
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