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Warum werden (wurden) Speichen gelötet?

AW: Warum werden (wurden) Speichen gelötet?

Wie sollen Bewegungen am Kreuzungspunkt die Lebensdauer der Speiche beeinflussen? Die schubbern sich doch nicht durch, Speichen brechen immer noch meist im Speichenbogen.

Das Material arbeitet ja nicht nur am Kreuzungspunkt sondern entlang der kompletten Speiche. Das binden dient dazu das die Speichen mehr gestützt werden, so wie ein Stützpfeiler an einer Brücke. Da sich die Speichen auseinander und zusammenschieben dient das als Stabilisierungsmaßnahme.
 
AW: Warum werden (wurden) Speichen gelötet?

Das Rad ist bei gekreuzter Speichung ein sehr stabiles Gebilde, bei dem die Last auf mehrere Speichen verteilt ist und somit die "Entlastung" des gerade auf der Fahrbahn abrollenden Teiles praktisch nicht stattfindet.

Wenn du das Buch vom Schraner hast, dann schau doch mal auf Seite 41 und 44. Auch Smolik schreibt dergleichen. Und auch die Felge verformt sich dadurch. Sapim gibt die Lebensdauer sogar bis zur vollständigen Entlastung an.

Verflechten ist die Praxis, die Speichen an der letzten Kreuzung nicht aneinander vorbei zu führen, sondern "umeinander zu schlingen", verflechten halt. Auf diese Weise haben sie immer Kontakt und werden somit akustisch in zwei Teilspeichen mit jeweils höherer Eigenfrequenz als eine Einzelspeiche getrennt, so wie es Ingmar vorhin völlig korrekt erklärt hat. So gespeichte Räder halten wesentlich länger als unverflochtene, das steht auch so bei Schraner (den ich auf Deutsch gelesen habe,

Also "Twisted Spoking" ?
Zitat: The twisting of spokes, insead of the classic crossing work, is a waste of time for road use. Tests have shown that it results in a very unstable wheel. The lateral stability is about the same as a normally spoked wheel, but radially, the wheel reacts so sluggishy that encounters with momentary overloads (bumps in the road) the highly praised damping effect is delayed. The exercise is only useful for trial sport, where the bike is momentarily held at standstill after hard landings and hopping tricks.

Twisted spoking patters are not only unaestetic but are an additional mechanical disadvantage resulting from the extreme angle of the spoke directly at the nipple.

ich hoffe doch, er hat dasselbe geschrieben, als er dein Buch verfasste).

mein Buch oder sein Buch :p

Wie du vielleicht auch an meiner Seite erkennen kannst, beschäftige ich mich mit der Sache schon eine ganze Weile und über solche Schwingungen wie du sie im Zusammenhang bringst, habe ich noch nie etwas gelesen.
 
AW: Warum werden (wurden) Speichen gelötet?

Wie du vielleicht auch an meiner Seite erkennen kannst, beschäftige ich mich mit der Sache schon eine ganze Weile und über solche Schwingungen wie du sie im Zusammenhang bringst, habe ich noch nie etwas gelesen.

Naja, das mit den Schwingungen hab ich aus dem Kapitel Schwingungslehre im Fach Technischen Mechanik (Resonanzverhalten) aus meinem Studium auf das Laufrad herüberpantographiert. Die Randbedingungen sind da ja identisch, also hab ich mal kurzerhand Materialermüdung durch Resonanz angenommen. Diese zu vermeiden, sollte das Rad möglichst unterkritisch schwingen, so dass der Resonanzbereich nicht durchfahren wird und zu schleichender Ermüdung führen kann. Dazu ist ja eine Erhöhung der Eigenfrequenz ganz brauchbar, da rückt die Eigenfrequenz des längeren Stüx Speiche eine ganze Ecke höher und der kritische Bereich somit auch.
Das mit den Eigenfrequenzen kannst du aber auch ganz einfach selber herausfinden, und zwar, indem du die gespannte Speiche anschnippst und den Ton abhorchst. Das ist ja die Eigenfrequenz der Speiche bzw. des Speichenteils.
 
AW: Warum werden (wurden) Speichen gelötet?

Ja, so kontrolliere ich meine Laufräder. Hast du darüber mehr Material?

Hier noch was:
http://www.smolik-velotech.de/laufrad/05speich.htm

... Entlastung im Bodenbereich, eine kurze Mehrbelastung an der hinteren "Ecke" der Abflachung, eine leichte Mehrbelastung für den Großteil eines Radumlaufes und wieder eine kurze Mehrbelastung an der vorderen "Ecke" der Abflachung, bevor erneut die Entlastung im Bodenbereich einsetzt. Diese ständige Schwell-Belastungen, zu denen sich dann noch Belastungsspitzen durch Seiten- und Antriebskräfte sowie herbe Schlaglochrumpler hinzu gesellen, setzen den Speichen auf Dauer erheblich zu, ja sie "zerrütten" regelrecht die innere Materialstruktur der Speichen.

Unterstützt wird die Zerrüttung der Speichen noch durch Schwingungen, die beim Durchfahren von Bodenwellen entstehen. Dabei treten dann so hohe Kräfte auf, daß die Speichen teilweise sogar ganz entspannt wird. Steigt dann die Speichenspannung wieder schlagartig an, so schwingen die Speichen wie die Seiten einer Hawaii-Gitarre. Weitgehend vermeiden können wir solche Schwingungen übrigens durch das Unterkreuzen oder Binden der Speichen, worauf wir im Kapitel Einspeichen noch intensiver eingehen.

... bilden sich zunächst in Nähe der Werkstoffoberfläche Microbereiche, in denen es zu minimalen Verschiebungen der metallischen Strukturen kommt, die auch Gleitverfestigung genannt werden. Das nun hat mit der Zeit ein Nachlassen der molekularen Bindungskräfte zur Folge (der Techniker spricht von Kohäsions-Entfestigung), die schließlich zur Bildung von Microrissen führt. Die Risse werden nach und nach größer und eines Tages reißt die Speiche.

Die bruchgefährdete Stelle einer Speiche ist der Speichenbogen, da hier die Kräfte "um die Ecke" geleitet werden und nun nicht mehr homogen über den gesamten Speichenquerschnitt verlaufen. Es kommt vielmehr zu einer Anhäufung der in der Skizze dargestellten Kraftverlauflinien auf der Innenseite des Bogens. Hier nun wird das Material sehr hoch belastet, während die Bogenaußenbereiche kaum noch beansprucht werden. Der Bogenbereich aber wurde, wie oben ausgeführt bereits beim Anstauchen des Speichenkopfes plastisch verformt, so daß die Stauchzone bis in den späteren Bogenbereich hinein reicht. Durch die anschließende Biegung erfolgt eine weitere plastische Verformung: Das Speichenmaterial wird auf der Bogenaußenseite gestreckt und auf der Innenseite gestaucht, was dort übrigens bisweilen eine leicht körnige Oberflächen-Ausbildung zur Folge hat.

Die Anhäufung der plastischen Verformungen des Bogen- und Kopfbereiches der Speichen erfolgen ja im kalten Zustand an einem bereits kalt verfestigten Draht. Folge: Während der Herstellung sind eventuelle Vorschädigungen des Speichenmateriales in Form winzigster Microrisse nicht auszuschließen. Und es kann für die Speiche sogar noch schlimmer kommen: Bei dünnen Speichenflanschen zieht sich der unter hoher Spannung stehenden Speichenbogen wieder ein Stück auf und es passiert das gleiche wie mit einem verbogenen Schraubenzieher: Im verbogenen Zustand durchaus noch belastbar, bricht der Schraubenzieher ab, wenn er wieder gerade gebogen wird.

Da Speichenbogen und Speichengewinde die bruchgefährdeten Stellen der Speichen sind, kann das Speichenmittelteil dünner ausgeführt werden. Das hat einen interessanten Nebeneffekt zur Folge: Dünne Speichen längen sich bei gleicher Belastung mehr als dicke. Es handelt sich hierbei um sogenannte elastische Dehnungen, also um solche, die (wie bei einer Feder) nach Wegnehme der Belastung ohne bleibende Verformung wieder auf die Ausgangslänge zurück federt. Für die Schwell-Belastung der Speichen nun ist die Umkehrung dieses physikalischen Effektes wichtig: Werden die Speichen durch die Abflachung der Felge im Bodenbereich entlastet, geht die durch die Speichenspannung erfolgte Dehnung zurück. Bei dicken und damit unelastischeren Speichen nimmt dadurch die Speichenspannung stärker ab als bei dünnen Speichen. Hierzu wieder ein Zahlenbeispiel zur Veranschaulichung:

Flacht eine Felge bei größeren Fahrbahnstößen im Bodenbereich um 0,41 mm ab, so geht damit bei einer Speiche mit einem Durchmesser von 2 mm unsere wieder einmal angenommene Speichenspannung von 900 N auf Null zurück, die Speiche entspannt sich also völlig. Eine Speiche von 1,8 mm Durchmesser verliert bei 0,41 mm Abflachung hingegen nur 733 N der Vorspannung und eine Speiche mit 1,5 mm entsprechend gar nur 506 N. Die Schwellbelastung wird also für die dünnere Speiche geringer und sie kann länger dem Auf und Ab der Belastungen widerstehen.

Speichenbrüche treten im übrigen häufiger an den Speichen auf, deren Speichenbogen innen an der Nabe anliegt. Die Erklärung: Bei Seitenbelastung des Laufrades biegt sich hier der Speichenbogen leicht auf - die Folgen hatten wir bereits weiter oben beschrieben. Liegt der Bogen hingegen an der Außenseite der Nabe, so biegt er sich entsprechen zu und erhöht damit seinen Druck auf den Nabenflansch.
 
AW: Warum werden (wurden) Speichen gelötet?

Das mit den Eigenfrequenzen kannst du aber auch ganz einfach selber herausfinden, und zwar, indem du die gespannte Speiche anschnippst und den Ton abhorchst. Das ist ja die Eigenfrequenz der Speiche bzw. des Speichenteils.

Die ist bei einem gut gebauten LR schon ziemlich hoch. BTW, hast du mal gelesen, was Jobst Brand zu dem Thema schreibt?
 
AW: Warum werden (wurden) Speichen gelötet?

Die ist bei einem gut gebauten LR schon ziemlich hoch. BTW, hast du mal gelesen, was Jobst Brand zu dem Thema schreibt?

http://www.bikexprt.com/bicycle/tension.htm
Den hier kennt Ihr noch nicht?
Womit auch klar wäre, daß Ingmar entweder:
-zu schlapp spannt, oder
-dicke Speichen verwendet
-oder radial einspeicht:D

N.B.: für die Nichtmusiker: 1/2 Ton entspricht dem Verhältnis 1 zu 12te Wurzel 2
 
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