AW: Theoriefrage: Woher kommt der Vorteil leichterer Laufräder?
Da ihr vermutlich nicht im Vakuum fahren werdet, bist Du dem springenden Punkt beim Rennradeln bereits auf der Spur: Aerodynamik.
In einem alten Buch von Meister Smolik war mal aufgedröselt, dass bei Tempo 40 auf der Ebene der Luftwiderstand etwa 80 % des erforderlichen Kraftaufwandes ausmacht.
Bei niedrigerem Tempo verändert sich das und die anderen Widerstände (Rollwiderstand, Lagereibung) gewinnen an Bedeutung, bei noch höherem Tempo regiert der Luftwiderstand praktisch allein.
Ein Fahrer von 120 Kilo Gewicht ist vermutlich nicht nur wesentlich größer als sein 90-Kilo-Kollege, sondern auch breiter und handelt sich damit ausgerechnet im tonangebenden Bereich der Aerodynamik zusätzliche Nachteile ein.
Das kann er eventuell teilweise durch windschlüpfrige Räder kompensieren, also Hochprofilfelgen mit (sehr) wenigen Messerspeichen, sofern die halt mit dem Fahrergewicht noch klarkommen (dazu mal in den letzten Tour-Jahrgängen nach entsprechenden Testergebnissen stöbern). Einfacher wäre es freilich, möglichst oft und lange am Unterlenker zu fahren, die Arme nah am Körper und die Knie nah am Oberrohr zu führen.
Smolik ging damals von folgender Widerstandsverteilung aus:
Radler bei Tempo 40 in der Ebene = 400 Watt
Lagerreibung = 4 - 5 W
Kette = 6 - 8 W
Reifen = 60 - 90 W
Rest = Luftwiderstand
Der Hobbyradler wird dieses Tempo nur selten erreichen und fährt meistens eher zwischen 20 und 30 Klamotten, wobei der Luftwiderstand im Verhältnis zu den anderen Widerständen ein wenig (!) an Bedeutung verliert. Da kann es sich also lohnen, möglichst leichtlaufende
Reifen und
Schläuche zu montieren - was obendrein, für die Augenwischerei, meistens auch einen ordentlichen Gewichtsvorteil am äußersten Umfang der Räder mit sich bringt und den Nachteil einer schweren Profilfelge mindestens kompensiert.
Die aktuellen Conti
Grand Prix sind eine sehr gute Wahl, Veloflex noch einen Tick besser (aber auch anfälliger). Wenn es Dich nicht stört, täglich nachzupumpen, fahre sie mit Latexschläuchen.
Weil man nicht dauernd nur bergauf fährt und auch nicht pausenlos beschleunigt, ist der reine Gewichtsnachteil beim Radfahren übrigens gar nicht sooo schlimm. Ein Freund von mir war jahrelang immer der "speckigste", aber auch nach Belieben der schnellste in der Gruppe, auch bergauf. Ich selbst habe auch schon mal 8 Kilo mehr und 6 Kilo weniger gewogen und merke da ehrlich gesagt keinen riesigen Unterschied. Allerdings bin ich auch kein Rennfahrer.