Wenn man zB bei einem Profiteam bei der einen Hälfte ein komplett neues Training ausprobiert, ansonsten aber einen identischen Tagesablauf hat und nach 4 Wochen steigt ein wichtiger Indexwert bei dieser Hälfte bei jedem einzelnen Fahrer zwischen 7 und 13%, bei der anderen Hälfte aber nur um 2 bis 5 %, dann sind Zufälle oder Bias eher unwahrscheinlich.
"Schade" ist nur, dass es sowas m.W. nicht wirklich gibt. Weder würde man millionenschwere Investitionen (Fahrer) für Experimente mit ungewissem Ausgang hergeben, noch würde man (game changende) Ergebnisse preisgeben. Bei den Fahrern verlässt man sich auf Coaches, wechselt da vielleicht mal was rum, ändert das Konzept, der Fahrer wechselt das Team.. aber hat letztlich auch nur wieder Einzelfälle. Und 1-2jahres-Verträge.
Was (damit meine ich absolut nicht dich!) aber häufig mit Wissenschaftlich & Wissenschaft gleichgesetzt wird, ist Wahrheit.
Ich mag es persönlich, an Studien so ranzugehen, wie es Physiker (bei Experimenten) machen: Erstmal gucken, wo der Wurm drin sein könnte, statt aufgrund des Ergebnisses sein Training/Leben umzukrempeln. Und da hab ich schon viel Erschreckendes gesehen, was dort als "Elite" oder gar "professionell" bezeichnet wurde, siehe Kleinstgedrucktes. Ob VO2max oder Jahreskilometer.. da bekommt man oft den (wohl nicht sehr weit hergeholten) Eindruck, dass was veröffentlicht werden muss, und nicht wirklich mit Hingabe ein Sachverhalt untersucht wurde. Was man mit den well- oder untrained Students dann so treibt, ist nochmal ein anderes Thema. Eine Kategorie über den täglichen Bachelor-Umfragen hier im Forum.
Natürlich kann man daraus letztlich auch mal was ableiten (..auch ich, ich schwör!), aber man muss, ich schrieb es mehrfach, die Kirche manchmal im Dorf lassen. Und zu fast allen Erkenntnissen gibt es irgendwann Gegen-Erkenntnisse: Polarisiert vs. Sweet Spot, Nüchterntraining sinnvoll oder nicht, HIIT oder Grundlage wichtiger, Ketogen vs. High Carb, Kurze oder lange Intervalle.. ganz abgesehen davon, dass man sich, wie hier bei dem Krafttraining, manchmal fragen muss, von was ich eigentlich rede. Wenn ich morgens 50 Liegestütze mache und ein paar SitUps, dann darf ich abends auch gern auf dem Rad sitzen.
Manchmal sind die echten Gamechanger dann übrigens das, was Mutti schon immer sagte: "Iss was, Junge!". Hätte man vielleicht auch selbst drauf kommen können. Kam aber jahrzehntelang keiner drauf. Andere Weisheit (könnte auch von Mutti sein), "
was Du können willst, musst Du machen". Trotzdem versucht jeder, mit Workarounds seine FTP zu erhöhen, ohne seine FTP zu fahren. Und ärgert sich, wenn der quartalsweise Test mal wieder nicht das gewünschte Ergebnis ausgeworfen hat.
Keine Studie (sondern Ohren) braucht man, um mitzubekommen, dass quasi alle Profis aus momentan erfolgreichen Teams berichten, wie hart mittlerweile das Training geworden ist. Bei weniger Umfang. Dass die Ausfahrt im Trainingslager so hart war wie normalerweise die Ronde. Was macht man mit solchen Erkenntnissen, bis es irgendwann in 10 Jahren vielleicht mal in einer wissenschaftlichen Arbeit reflektiert wird? Einfach weiterhin 80:20 trainieren, und 2mal die Woche "90% VO2max", wo man noch nicht mal imstande ist, es zu messen.