Prinzipiell noch dazu, da du ja (vorgibst) in der Materie sehr versiert zu sein. Dann erläutere gerne mal warum das zusammenbricht. Mit Reviews meinst du vermutlich Meta Studien oder?
Zitiere mir gerne die Stellen aus den vorher verlinkten Quellen die deiner Meinung und Erkenntnis keine Argumentation zulassen.
Die Behauptung, dass ich vorgebe, in dem Thema sehr versiert ist falsch. Ich bediene mich vielmehr lediglich allgemein akzeptierten wissenschaftlicher Methodiken. Zu denen gehört z.B. dass bestimmte Quellen eine höhere Zuverlässigkeit aufweisen als andere. Wenn man wissenschaftliche Quellen nach Aussagekraft listet, ergibt sich tendenziell (beachte das Wort tendeziell!) folgende Rangfolge
1. Empirische Beobachtungsstudien
2. Kontrollierte Experimente/Interventionsstudien
3. Meta-Analysen/Reviews
Empirische Beobachtungsstudien haben einen großen Wert, unterliegen aber bestimmte Restriktionen, u.a. kann es zu Fehlschlüssen über Zusammenhänge kommen, weil man Einflussvariablen nicht gemessen hat.
In vielen Fällen sind daher Interventionsstudien zuverlässigere Quellen. Wir wissen sehr genau, dass gerade sportwissenschaftliche Interventionsstudien häufig methodische Probleme aufweisen. Z.B. ist die Zahl der Probanden so klein ist, dass die Effekte bestimmter Interventionen erheblich überschätzt werden. Zudem fehlt es im Studiendesign an Analysen, wie groß die Zahl der Probanden überhaupt sein muss, um belastbare Aussagen zu bekommen (Das schreibe ich hier seit Jahren - mehr dazu hier
https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/02640414.2020.1776002)
Reviews haben, sofern sie methodisch gut gemacht sind, daher in der Regel eine höhere Aussagekraft als einzelne Studien. Sie fassen die Ergebnisse mehrere Studien zusammen (was das Problem der zu kleinen Probandenzahl in den Einzelstudien abmildert) zeigen, ob Studien von Design her einen "Bias" haben und wie belastbar bestimmte Aussagen sind.
Aus den skizzierten Gründen stütze ich mich lieber auf Reviews, wenn es denn zu einem Thema welche gibt, als auf einzelne Interventionsstudien und das habe ich auch hier getan. In vielen Fällen zeigt sich beim Blick in solche Reviews, das viele Zusammenhänge und Wirkungen keineswegs so unverbrüchlich gesichert sind, wie von manchen behauptet. Das gilt offenkundig auch hier, wenn man die von mir verlinkte Review von Schumann et. al 2021 heranzieht. Mir wurde vorgehalten, ich würde mit einzelnen Studien argumentieren, und zwar von jemand, der rund ein halbes Dutzend älterer Quellen aufgeführt hat. Eine relativ aktuelle Review, wie die von Schumann, in der 43 (!) andere Studien ausgewertet wurden, als "beliebige" Einzelquelle hinzustellen, ist eine mehr als fragwürdige Argumentation, die eben ganz schnell in sich zusammenbricht. Sie zeigt entweder, dass da jemand das Konzept Review nicht versteht, oder es ist eine bewusste, persönlich motivierte Falschbehauptung.
Ich bin im übrigen gar kein Proponent von Krafttraining für Radsportler. Wenn man aber die Quellenlage dazu studiert, lautet die Schlussfolgerung derzeit, wie groß die Interferenzen zwischen beiden Trainingsformen ist, ist nicht abschließend beantwortet. Wer sich dadurch persönlich getriggert fühlt, dem kann ich leider auch nicht helfen.