Zugegebenermaßen war ich lange Zeit der Ansicht, dass man Carbon nicht braucht bzw. keinen Sinn macht. Ich dachte, dass dies einfach nur leichter und teurer ist. Daher fahre ich einen recht leichten Alurahmen, der sehr gut verarbeitet ist und mit dem ich auch überaus zufrieden bin.
Dann jedoch verantaltete minibarista am 22. Juli ein Sommerfest, bei dem man Carbonräder von Look testen durfte. Auf einer ca. 50 km langen Tour mit dem Ex-Gerolsteiner-Profi Jörg Scherf durften ein Kumpel und ich jeweils ein Look 486 testen. Andere hatten entweder dieses Modell oder ein 585.
Seit diesem Tag verstehe ich, was die Carbonliebhaber reizt und was dieses Material ausmacht. Ich hätte nie gedacht, wie komfortabel sich Carbon fährt. Man hört ja immer nur, wie steif ein Rahmen ist und dass Carbon bretthart sei. Das stimmt jedoch nur an bestimmten Punkten des Rahmens. Das ist der große Vorteil von Carbon, dass man das Material so einsetzen kann, dass eben nur an bestimmten Punkten Steifigkeit erzielt wird und an anderen Stellen mehr Wert auf Komfort gelegt wird. Viele behaupten, dass ein Rahmen, um wettbewerbstauglich sein zu können, bocksteif sein muss. Auch diese Legende gehört in das Reich der Mythen! Die Schläge, die man bei Alurahmen mitbekommt, kosten den Körper ebenso Kraft und je länger eine Etappe ist, desto eher macht sich dieser Effekt bemerkbar.
Aber Carbon ist ein Material, welches auf viele verschiedene Weisen verbaut wird. Daher muss man mehrere Modelle von verschiedenen Herstellern Probe fahren und sich über Haltbarkeit/Garantie informieren, bevor man sich für ein Rad entscheidet. Look beispielsweise bietet mit dem 486 einen Rahmen in Monocoque-Bauweise an und bei dem 585/585 Ultra/595 verwenden sie filigrane Carbon-Rohre, welche mittels Carbon-Muffen verbunden (geklebt) werden. Ich persönlich kann mich mit jenen Muffen-Rohr-Verbindungen verschiedenen Materials nicht so recht anfreunden, da verschiedene Materialien schließlich auch verschieden arbeiten und verschiedene Steifigkeitswerte haben. (siehe Cannondale six 13, etc.)
Daher favorisiere ich eher die Monocoque-Bauweise. Die Muffen bewirken zwar noch mehr Komfort, ein filigraner anmutendes Erscheinungsbild und ein noch geringeres Gewicht, erstere Bauart erscheint mir jedoch als der vernünftigste Kompromiss aus Steifigkeit, Komfort und Gewicht. Hier wirken die Übergänge von z.B. Oberrohr-Steuerrohr-Unterrohr wie aus einem Guss. Ich bilde mir ein, dass solche Bögen einfach am stabilsten sind, da so die Spannungsbögen perfekt durch das Material geleitet und die Kräfte dadurch homogener verteilt werden. Somit ermüdet das Material deutlich langsamer.
Meiner Ansicht nach macht Carbon nur dann Sinn, wenn man tatsächlich auch längere Touren fährt und ein gewisses Jahrespensum abtrainiert. Aber wer`s unbedingt haben will und nicht über den Preis nachdenken muss, der soll`s sich halt holen. Sobald ich es mit leisten kann/will, werde ich mich wohl auch nach einem solchen Kohle-Renner umsehen.
Tja... kommt Zeit, kommt Ra(d)t!
Gruß,
fear