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Brevetberichte

Vor zwei Wochen habe ich meinen ersten 600er beendet - hier habe ich meine Erlebnisse aufgeschrieben. Obwohl ich dieses Jahr nur den 200er gefahren bin, war die Vorfreude aufgrund der sommerlichen Wettervorhersage unermesslich. Dass die Hitze dann auch problematisch werden kann, war eine große Lektion für mich.
 
Vor zwei Wochen habe ich meinen ersten 600er beendet - hier habe ich meine Erlebnisse aufgeschrieben. Obwohl ich dieses Jahr nur den 200er gefahren bin, war die Vorfreude aufgrund der sommerlichen Wettervorhersage unermesslich. Dass die Hitze dann auch problematisch werden kann, war eine große Lektion für mich.
Schön, wenn man 600 Kilometer so anschaulich erzählen kann, dass man mit Dir mitfühlt. :daumen:
 
Vor zwei Wochen habe ich meinen ersten 600er beendet - hier habe ich meine Erlebnisse aufgeschrieben. Obwohl ich dieses Jahr nur den 200er gefahren bin, war die Vorfreude aufgrund der sommerlichen Wettervorhersage unermesslich. Dass die Hitze dann auch problematisch werden kann, war eine große Lektion für mich.


Der Bericht hat mir auch gut gefallen. Schön zu lesen, dass man nicht der einzige ist der Probleme hat. Ich hatte Pfingsten auf dem 600er auch gut zu kämpfen. Glückwunsch, dass Du es geschafft hast und nicht aufgegeben hast.
 
Danke euch beiden! Neben dem Fahren macht mir auch das Schreiben Spaß :)

Übrigens hatte ich nie das Zeitlimit im Nacken, obwohl dann am Ende nicht mehr so viel Puffer war. Kräftemäßig war es kein Problem. Bin gespannt, wie ich meine Erfahrungen beim zweiten Mal umsetzen kann.
 
BRM 600km, Carces, Provence, Frankreich, 21./22.06.2014

Ums kurz zu machen: Ich habe nicht bestanden. (o;

Jetzt die lange Version:
Anreise - Mit dem TGV bin ich von Frankfurt nach Aix-en-Provence TGV gefahren. Das ging hervorragend, das Rad in einer Tasche verpackt hat problemlos in die größte verfügbare Gepäckablage gepasst (liegend, im Abteil). Zusätzlich hatte ich noch eine große Tasche mit Rucksackgurten die sich eigentlich überhaupt nicht fürs Radfahren eignet, darin waren Helm, Wechselklamotten usw. verstaut.


Nach dem Aussteigen habe ich auf dem Parkplatz vor dem Bahnhof (Typ Schnelltrasse außerhalb der Stadt; wie z.B. Kassel Wilhelmshöhe) mein Rad zusammengebaut, mich umgezogen und die Fahrradtasche in die gelbe Tasche gepackt. Mit dem riesigen Monstrum auf dem Rücken bin ich dann die ca. 85km vom Bahnhof nach Carces gefahren, leider hat mich Bikeroutetoaster eine Schotterpiste erst rauf und anschließend einen Single-Trail wieder runter geschickt - nie wieder automatisches Routing ohne Kontrolle!


Um 4:00 Uhr morgens war ich da und habe direkt neben den Startplatz (Bürgerhaus/Dorfgemeinschaftshaus/Mehrzweckhalle) unter freiem Himmel geschlafen.

Morgens, 9:00 Uhr, aufstehen, Ort erkundigen, einkaufen. Die Tasche mit meinem Plunder lasse ich der Einfachkeit halber hinter der Halle liegen - die klaut hier kein Mensch.


Mir ist langweilig, ich fahre zum Lac Carces, leider darf man da nicht baden.


Bei der örtlichen Gemüsehändlerin frage ich nach einem öffentlichen Schwimmbad - das scheint in der Provence keine gängige Freizeitbeschäftigung zu sein und man schickt mich an den Lac du St. Croix - das wären so, hmm, ca. 20km... (Hinweg, Rückweg (fehlt ein Stück))
88km und 1200hm später bin ich wieder in Carces, blöde Kuh.
 
Zuletzt bearbeitet:
Am Vorabend dann nettes Geplauder im Wohnwagen dreier Franzosen und morgens um 5 dann die Eröffnung der Registrierung.


6:00 Uhr, Start. Es starten 13 Mann (9 Franzosen, 3 Italiener und ich). 8 werden das Brevet bestehen, 4 brauchen zu lange, einer (ich) bricht ab.

Ich fahre alleine, immer. Naja, fast. Ein paar mal sehe ich einen Mitfahrer, ein kurzes Stück fahre ich sogar mit 2 ein paar hundert Meter bergauf. Aber eigentlich fahre ich die 550km die ich bis zum Ende auf der Uhr habe (bzw. 701km incl. An- und Abfahrt) komplett alleine.

Die ersten 165km sind toll. Es ist hügelig, alles riecht total anders als zu Hause (ich bin ja auch >1000km weiter südlich), die Straße ist rau aber fahrbar, die Sonne ist stark aber nicht brutal. In Sisteron ist die erste Kontrolle.


Dann der erste "richtige" Col - der Col de Carabès mit einem Anstieg von 524hm über knapp 10km. Den Franzosen und den Italiener die ich im Pass erst ein- und dann überhole muss ich kurz vor dem Gipfel wieder an mir vorbei ziehen lassen - ich muss absteigen und schieben. Es ist zu heiß, die Sonne brennt, kein Lüftchen geht. Am Gipfel beantworte ich die Prüfungsfrage, vergesse aber wegen der agressiven Mücken ein Foto zu schießen und drehe desshalb nach ca. 700m Abfahrt nochmal um. Schnell ein Foto, noch mehr Mückenbisse, abwärts.


Bis Die geht die Fahrt schnell weiter, alles halb so wild. Es ist immer noch heiß, aber das passt schon.
Weil ich zwischenzeitlich mein Handy laden will klemme ich es samt USB-Kabel zwischen mein GPS und meinen Tacho - wie sich gleich herausstellen wird eine total beschissene Idee denn, im Stadttrubel von Die fällt mir das GPS bei ca. 30km/h auf die Straße. 2 oder 3 Autos fahren HAARSCHARF daran vorbei! Auf diesen Schreck brauche ich ersteinmal eine Pause, ich nehme sie mir vor der Tür eines Supermarktes. Nach anfänglichem Zweifel scheint das Gerät seinen Dienst zu tun. Die Nachmittagssonne brennt und ich muss in den Schatten einer engen Straße umziehen um nicht als Grill-Hähnchen zu enden.
Nachdem mir mein GPS ein zweites mal auf die Straße gefallen ist und nur durch das beherzte auf-die-Straße-treten einer Passantin vor dem Überfahren durch einen Pick-Up gerettet wurde reicht es mir - die Nerven sind am Ende. 2 Küchengummis halten ab sofort das GPS und mein Seelenheil zusammen.
Ich bin noch immer in Die. Irgendwie ist hier die Hölle los, Menschenmassen am Straßenrand, Polizei, alle warten auf irgendetwas. Später finde ich heraus das an diesem Abend aufgrund des Sommeranfangs / der Sommersonnenwende (21.06.) "die Schafe" erst durch die Stadt und anschließend den Berg hinauf getrieben werden. Ich radel derweil nichtsahnend weiter gen Norden.

Weiter gehts. Irgendwie zeigt mein Navi ziemlichen Käse an - es geht bergauf, aufgrund der Bäume sieht man aber nicht viel... ich ahne aber großes. Die Straße ist KOMPLETT leer; hinter mir ist abgesperrt, von vorne kommt auch nur ein einzelner Pick-Up den Berg runtergerollt...


Die nächsten 19,3km und 823hm werden mir ewig im Gedächtnis bleiben.
Scheiße. Ich sitze hier und schreibe diesen Bericht mit Tränen in den Augen und ich zittere am ganzen Körper. Das war der HAMMER. Ganz großes Tennis! Ich will das nochmal!!!


Als ich total geflasht oben aus dem Tunnel fahre steht einer der Franzosen da, fährt aber bei meiner Ankunft direkt weiter und im Hintergrund bollern die Harleys die inzwischen im Tal losfahren durften durch den Tunnel...
Anschließend geht es eeeewig bergab in die Nacht hinein. Rollen geht aber auch nicht, dazu ist es dann doch zu wellig.

Die Schlucht zwischen Saint-Julien-en-Vercors und Lans-en-Vercors kann ich nur erahnen. Hier gibt es nur "Licht an" oder "Licht aus", jegliche Form von Dämmerung wurde abgeschafft. Auch den reißenden Gebirgsbach kann ich nur hören... aber die Felsendecke über mir kann ich "nicht-hören". Sehr bedrückend, das.


Die dritte Kontrolle absolviere ich in einer total überfüllten Bar gegen 23:30 Uhr (1,5h vor Ende der Kontrollzeit), gegenüber steht ein Autoscooter mit HÖLLISCH lauter Musik. Franzosen haben defintiv ein anderes Lärmbewusstsein. In der Bar werde ich von einem Betrukenen ob meiner deutschen Sprache und meiner unzureichenden (schlicht nicht existierenden) Französischkenntnisse derbe rassistisch angeprollt... sein Opa, der Krieg, Hitler... blabla. Alle Anderen gucken zu und tun so als sei nichts dabei - ist es vielleicht aber auch nicht, wenn man kein Deutscher ist.


Bergab sieht man im Tal die Lichter von Grenoble, ich muss pausieren und haue mich, entgegen besseren Wissens, in einem Bushäuschen aufs Ohr.


3h später ist das Brevet für mich eigentlich gelaufen, ich werde wohl nicht mehr in der Zeit bleiben können. In Monteynard döse ich aus Frust eine weitere Stunde auf einer Bank und rufe anschließend bei Sophie an und melde meinen Abbruch.

Eigentlich plane ich zurück nach Grenoble zu fahren und den Zug zu nehmen, bei der Abfahrt treffe ich aber einen Franzosen der ebenfalls geschlafen hat - er fährt trotzdem weiter und will wenigstens die Strecke durchfahren. Ein paar Höhenmeter bergab später gebe ich mir einen Ruck, breche meinen Abbruch ab und drehe abermals um.
Kurz vor Corps ist es dann aber endgültig vorbei - nichts geht mehr. Ich stehe in einer 90°-Kurve in einem Tal, schön schattig, schaue mir die vorbeifliegenden getuneten britischen Autos an die wohl für ein Automagazin hier entlangrasen und finde einen netten Belgier der mich und mein Fahrrad in seinem VW Caddy bis nach Gap mitnimmt. In Gap esse ich ersteinmal was Richtiges (vietnamesich FTW!) und fahre erst nach Sisteron und von dort aus den Track des Brevet rückwärts bis zum Anfang zurück. Die Strecke zwischen Gap und Sisteron war mit bis zu 37°C und ständigem heißen und trocken Südwind (also von vorne) eine echte Herausvorderung. Ewig, flach, ewig, geradeaus, ewig, trocken, ewig, heiß, ewig.

Fazit: schreibe ich später, ich sitze gerade auf der Arbeit und muss mal was schaffen...
 
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Hallo rajas, danke für den anschaulichen Bericht. Da du dich so auf dieses Abenteuer gefreut hast, hoffe ich, dass Du trotz Abbruch des Brevet die Zeit in der Provence genießen konntest. Ansonsten: Mund abwischen und weiterfahren. Der nächste 600er kommt bestimmt. Und trotz des Abbruchs deine Erfolge in dieser Saison bloß nicht vergessen ! Grüße Henning
 
Hallo rajas!
Meine Anerkennung hast Du. Der Bericht ist Klasse. Ich bin sicher, irgendwann in nächster Zeit einen Bericht über einen abgeschlossenen 600er von dir zu lesen.
Am Montag nach deinem Brevetwochende war ich im Großraum Plateau de Valensole unterwegs und habe dabei auch einige Kilometer der Brevetstrecke zwischen Puimoisson und Carcès (mit dem Auto) erfahren.
Bei ca. Kilometer 530 hättest du diesen Anblick auf dem Weg nach Puimoisson genießen können:


Pausenzeichen #11 von Babaou auf Flickr

Dieses Foto ist mein Dankeschön an Dich für den Bericht :=)
Gruß Werner
 
Hallo rajas, danke für den anschaulichen Bericht. Da du dich so auf dieses Abenteuer gefreut hast, hoffe ich, dass Du trotz Abbruch des Brevet die Zeit in der Provence genießen konntest.
Meine Anerkennung hast Du. Der Bericht ist Klasse. Ich bin sicher, irgendwann in nächster Zeit einen Bericht über einen abgeschlossenen 600er von dir zu lesen.
Pausenzeichen #11Dieses Foto ist mein Dankeschön an Dich für den Bericht

Danke ihr beiden!

Ich habe die Zeit in der Provence extremst genossen. Klar, ein nicht bestandenenes Brevet ist scheiße, aber man muss auch mal bedenken WAS für ein Brevet ich da nicht bestanden habe. Zudem habe ich wahnsinnig viel gelernt: über Fahrtechnik, fahren im Hochgebirge, über Selbstdisziplin, Zeitmanagement, fahren in der Hitze, fahren in Frankreich, über die richtige Trinkwasserversorgung...

  • mein Rad war für diese Strecke definitiv suboptimal (zu sportliche Geometrie, aus Aluminium (schlecht dämpfend) und noch immer mit 23er Reifen)
  • zudem sind mein neues Lenkerband zu dünn (dämpft nicht mehr so viel wie das Alte) und meine Handschuhe fertig. Ich bin z.B. 200km mit den Armlingen um den Oberlenker gewickelt gefahren, um so die Schläge der schlechten Straßen zu dämpfen, an Unterlenkerhaltung oder lockeres Umfassen der Bremsgriffe war da gar nicht mehr zu denken - nachts hieß das entweder mit nackten Armen fahren und frieren oder Schmerzen in den Händen...

    beides sind eher Probleme die sich bergab bemerkbar gemacht haben, denn durch die Geschwindigkeit waren die Stöße in die Hände extra hart; ich habe bis jetzt an beiden Händen Taube Finger (Ring- und kleine Finger) und ich hatte bis Vorgestern wunde Handflächen (im Sinne von blauen Flecken)

  • wenn einem beim ersten richtigen Pass der Kopf weg fliegt ist das recht aufreibend für die noch kommenden Vier, so eine Strecke meistert man nur mit einer gewissen Nonchalance - seit den Navi-Stürzen in Die war ich mental aber relativ verkrampft

  • die Angst irgendwo ohne Wasser stehen zu bleiben hat mich zu viel Wasser mitschleppen lassen (bis zu 4ltr.), das war Gewicht das ich die Berge hochfahren musste
  • ich hatte zu viel "Ernährungsplunder" dabei den ich in der Hitze nicht gebraucht habe (Maltose-Pulver, Nussmischungen, 1 Energieriegel, 1 Stück Focaccia...), vieles davon habe ich entweder in Carces weggeworfen oder wieder mit nach Hause gebracht

  • mein innerer Schweinehund um 1:00 Uhr war zu groß - und die aus dem Schlafen resultierende Aussichtslosigkeit im Zeitfenster zu finischen hat mich meine vorletzte Motivation gekostet

  • es ist hilfreich zu wissen das es zwischen Tag und Nacht Temperaturstürze von mehr als 20°C geben kann, dann kann man sich mental darauf einstellen
  • das Gleiche für die Hell/Dunkel-Zyklen - Dämmerung gibt es aufgrund der Berge eigentlich nicht, zudem ist dunkel dunkel

  • man sollte am Vortag eines solchen Brevet keine 100km mit 1700hm fahren (zuzüglich der Anfahrt in der Nacht vorher)

  • ich habe definitiv zu viele und zu lange Pausen gemacht
Alles das sind nicht die Gründe für mein Scheitern - aber es sind Faktoren die zusammenspielten. Heute weiß ich (etwas) mehr und bilde mir ein, das ich mit diesem Wissen das Brevet eigentlich geschafft hätte. Letztendlich ist das auch was Sophie und Bernhard sagten (die Veranstalter).

Meine Signatur sagte bis eben: "Carcès <-> Grenoble und dann weitersehen" - und mein oben fehlendes Fazit lautet genau so: "Weitersehen!"

Ich habe nichts verloren, nur extrem viel gewonnen - über den Tag nach dem Brevet habe ich z.B. noch gar nichts geschrieben (wäre auch eher ein Reisebericht als ein Brevet-Bericht).
Ich habe nichts erwartet und ALLES bekommen. Freundschaft inklusive.
 
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Was du auch gewinnst von es regelmässig im Auland fahren wirst du bei PBP bemerken. Du kennst dann auch mehrere Fahrer aus andere Fahrerlager. Das kann bei PBP sehr nützlich sein.
 
Auch wenn es heiß ist musst du energie aufnehmen!

Kh drink muss finde ich immer in der Flasche sein.. und rein damit ohne ende! :)

das gibt ordentlich energie und hebt die Stimmung.
 
Hallo,

auch von meiner Seite gilt: DNF, aber happy. :)

Da auch ich gerne in anderen Gegenden fahre, habe ich mich für den 600er in Linz eingeschrieben. Die große Frage war, mit welchem Fahrrad. Rennrad oder Liegerad. Mein Liegerad hatte erst 450 km auf dem Tacho, meine Muskeln waren noch nicht ganz umgewöhnt. Auf der anderen Seite wird es mit auf dem Rennrad ab 350 km unbequem und ich war schon jetzt mit dem Liegerad deutlich schneller als mit dem Rennrad. Auch im Hügelland. Schnell bergauf bin ich aber mit keinem Fahrrad.

Hin ging es mit dem Nachtzug von Köln, der fährt in knapp 13 Stunden bis Wien. Wegen der langen Fahrtzeit habe ich mich für den Schlafwagen entschieden, der recht komfortabel ist und einen Abend-Snack sowie ein richtiges Frühstück enthält. Dank Ohrenstöpsel war die Fahrt recht ruhig, aber speziell der österreichische Lokführer (ab Frankfurt) bremste recht hart, sodass ich jedes Mal das Gefühl hatte, aus dem Bett zu fallen.
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Mit wenigen Minuten Verspätung kam der Zug in Wien an, wo mich zwei Mitglieder des Radreise-Forums in Empfang nahmen. Mein verpacktes Liegerad und mein Gepäck konnte ich am Bahnhof verstauen. Die beiden hatten sich die Zeit genommen, mir die Innenstadt zu zeigen, denn ich war noch nie in Wien. Dabei haben sie mir noch gleich ein Faltrad geliehen.
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Am Nachmittag hat mich dann Gerold aus Wien eingesammelt, der sich ebenfalls für den Brevet angemeldet hat. Zusammen fuhren wir im Auto nach Linz, wo am nächsten Morgen der Brevet mit rund 80 Teilnehmern startete:
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Zum Einrollen ging es erstmal 25 km auf dem Donauradweg, der am Samstag um 6 Uhr natürlich wunderbar leer war. Dann bogen wir ab nach Norden, wo die erste Steigung zu erklimmen war. 35 Kilometer leicht bergauf, von 250 auf 780 Meter. Mein Gesamtschnitt bis dahin (mit Standzeit) knapp über 20, für mich ein guter Wert. Und ohne, dass ich zu hart getreten habe. Das war schon beim 300er in Grenoble (wo ich mit dem Rennrad fuhr) meine Taktik, immer etwas ruhiger fahren als ich kann, damit am Ende noch Reserven da sind. So konnte ich in Grenoble einen Endspurt fahren, für die letzten (flachen) 28 km brauchte ich nur eine Stunde.

Dann folgten 175 hügelige Kilometer, wobei der höchste Punkt auf immerhin 980 Meter lag. Landschaftlich war dieser Abschnitt ein Höhepunkt, denn es ging durch das Waldviertel. Während man in Deutschland unter "Viertel" doch eher etwas kleines meint, meint er in Österreich ungefähr 1/4 des (gar nicht so kleinen) Bundeslandes Niederösterreich. Wie der Name sagt, hier gibt es eine Menge Wald, und auch Wälder mit richtig hohen Tannen. Zum Teil ging es nur wenige hundert Meter an der Grenze zu Tschechien entlang; hin und wieder konnte man auch rübergucken. Tschechische Bäume sehen allerdings nicht anders aus als österreichische.
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Im Waldviertel war die zweite Kontrolle. Und zwar in einem Privathaus, wo in der Garage jedem Randonneur ein Teller Spaghetti gereicht wurde und Getränke standen. Klasse Service. Die Spaghetti haben mir wirklich gut getan, weil inzwischen mein Magen leer war und mit knurrendem Magen fährt es sich nicht gut. Gleich bei der Abfahrt hatte ich einen Platten. Einen besseren Zeitpunkt dafür gibt es nicht, denn da konnte ich die Standpumpe benutzen. Ursache für den Platten war vermutlich die Kombination aus dem dünnen Ultrasonic-Schlauch und dem dünnen, selbstklebendem Schwalbe-Felgenband. Gut, dass der Ersatzschlauch ein normaler Conti Race war.
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Das Waldviertel hat mir so gut gefallen, dass ich eine kleine Extrarunde gefahren bin. Erst habe ich ein Abbiegen übersehen. Gemerkt habe ich es nach 4,5 Kilometern im nächsten Ort. Ein schneller Blick auf das GPS, wie ich wieder zum Track komme, und weiter gings. Nach weiteren 5,5 km war ich wieder auf dem Track – aber ich war in die falsche Richtung gefahren, also quasi wieder zurück. Der schnelle Blick auf das GPS war doch etwas zu schnell. Nochmal durch Litschau, die nördlichste Stadt Österreichs, wo auch die Schrammel-Musik herkommt. Immerhin. Nochmal 7,5 km bis zu dem Punkt, wo ich beim ersten Mal nicht abgebogen war, und so standen 17,5 Zusatzkilometer auf dem Tacho. Die sollten aber nicht zum Problem werden.

Immer eine hübsche Abwechslung waren die Ortsdurchfahrten. Oftmals mit ganz breiten Straßen oder Plätzen, wie in der Ex-DDR, aber viel bunter und nicht so ausgestorben. Auch viele pittoreske Kirchen.
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Nach (meinen) 235 km ging es bis zur vierten Kontrolle leicht bergab, auf 100 km von 530 auf 339 Meter. Das klingt nicht viel, aber für das Liegerad ist so ein Profil optimal. Für die 100 km habe ich 4:15 gebraucht, einschließlich 34 Minuten Pause. An der dritten Kontrolle, einer kombinierten Pizzeria und Dönerbude, habe ich eine halbe Pizza gegessen, weil mein Magen knurrte. So langsam wurde es kühl, speziell an den Armen. Aber ich habe mir nichts angezogen, weil ich ungern anhalte, wenn es gut rollt. Unterwegs gab es noch eine Verpflegungsstelle durch die Familie eines Mitfahrers, der genau an der Strecke wohnt. Die habe ich leider ausgelassen, weil es gut rollte. Natürlich fing eine Stunde später mein Magen an zu knurren und ich habe 13 km vor der vierten Kontrolle bei McDonald's etwas gegessen.

Um 22:30 habe ich dann die vierte Kontrolle erreicht. Diese war in einem Hotel, und die meisten Randonneure schliefen dort ein paar Stunden. Auch ich habe das so gemacht. Zwar hätte ich noch weiterfahren können, aber irgendwann hätte ich ja doch eine Schlafpause gebraucht und hier war die perfekte Gelegenheit. Mit so wenig Gepäck war ich noch nie in einem Hotelzimmer – Zahnbürste, Zahnpasta, Telefon, GPS. Mein Fazit bis dahin: 335 Kilometer, 3.600 Höhenmeter, Gesamtschnitt 20,3, in Bewegung 22,3, Fahrzeit 15:00, Pausenzeit 1:28. Unter 90 Minuten Pause halte ich für einen sehr guten Wert.
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Wirklich toll übrigens der Service: Die Frau des Veranstalters hat mit dem Auto Gepäckstücke vom Startort zur Nachtkontrolle gebracht. Ebenso konnte man dort ein Tasche ins Auto legen und am Ziel in Empfang nehmen.

WEITER IM NÄCHSTEN BEITRAG
 
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Am nächsten Morgen ging es um 4:30 weiter. Ankunft am Ziel sollte bis 22:00 Uhr sein. Die zweite Hälfte würde mehr Höhenmeter haben, es ging in die Voralpen. Meine Rechnung war: Am ersten Tag habe ich mit Pausen 16:30 für 335 km gebraucht. Der zweite Tag hat 55 km weniger (minus zwei Stunden), dafür würde ich langsamer sein (weil ich ja schon am Vortag gefahren bin, eine Stunde dazu) und es gibt mehr Höhenmeter, also noch eine Stunde dazu. Plus eine Stunde Reserve, ergibt 17,5 Stunden bis zum Ziel. Leider funktionierte das überhaupt nicht.

Die ersten 20 km waren minimal ansteigend, von 180 auf 250 Meter. Das konnte ich flüssig fahren. Gesamtschnitt bis dahin von 22, völlig in Ordnung. Dann kam der erste Buckel. 15 km und auf 570 Meter. Der hat mich 90 Minuten gekostet. Denselben Effekt hatte ich letztes Jahr bei einer Zweitagestour durch die Alpen (mit dem Rennrad). Der erste Tag lief gut, am zweiten war die Luft raus. Letztes Jahr musste ich zum Pass (Timmelsjoch) große Abschnitte schieben. Ich konnte einfach keine hohe Leistung mehr bringen. Aber ich fühlte mich überhaupt nicht fertig oder schlapp. Im Etschtal sind wir dann völlig problemlos noch 140 mit 29 km/h gefahren, auch der harmlose Buckel zwischen Rovereto und Gardasee war kein Problem.

Mir war also klar, es würde knapp werden. Zumal noch einige Steigungen vor mir lagen. Erstmal ging es runter auf 400 Meter und dann kam der 820 Meter hohe Ochsattel. Die Aussicht in den Voralpen war toll. Viel hügeliger als bei uns im Bergischen Land, dabei aber genauso grün. Wirklich toll.
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Für die 31 km bis zur Ochsattel-Passhöhe habe ich 3:32 gebraucht. Das war einfach zu langsam. Es war schon 10:30 Uhr. Für den Rest hätte ich einen Gesamtschnitt von 22,4 fahren müssen. Und es wäre noch einmal von 550 auf 970 Meter gegangen. Auch der Rest der Strecke ist nicht gerade flach, es gab noch einige Buckel. Ich habe dann kurz vor Sankt Aegyd beschlossen, dass ich es nicht innerhalb des Limits packen kann.

Also bin ich in Richtung St. Pölten abgebogen, erstmal 40 km leicht bergab, von 550 auf 300 Meter. Da ich nicht fertig war, sondern "nur" zu langsam, bin ich dann noch weitere 60 km nach Wien gefahren, auf leicht hügeliger und schöner Strecke. Die Hauptstadt habe ich um ziemlich genau 15 Uhr erreicht, nach insgesamt 501 km. Die quasi noch fehlenden 120 km hätte ich durchaus in den verbleibenden 5 Stunden schaffen können, aber eben nur flach.

Die Rückreise mit der Bahn am nächsten Tag (diesmal kein Nachtzug) war stressfrei, alle Anschlüsse haben geklappt, sogar der knappe (4 Minuten) in Frankfurt.

Insgesamt ein ganz tolles Wochenende. Viel gesehen, viel gefahren. Neue, sympatische Menschen kennengelernt.

Mein Fazit - Was lief gut? Was habe ich falsch gemacht, was kann ich besser machen?

Wirklich große Fehler habe ich nicht gemacht. Der Abstand der Kontrollstelle (80-90 km) war ideal, zumal es an allen Kontrollstellen auch richtiges Essen gab. Das hat enorm geholfen, die Pausenzeiten gering zu halten. Wenn ich solche hügeligen Brevets schaffen will, muss ich einfach schneller fahren. Training und abnehmen. Oder 35 Stunden am Stück wachbleiben bzw. mit einer kurzen Schlafpause auskommen. Aber das halte ich nicht für realistisch. Das will ich auch gar nicht. Müde fahren macht mir keine Spaß.

Außerdem muss ich unterwegs mehr essen. Vielleicht hilft das, damit ich am nächsten Tag mehr Leistung bringen kann.
 
80 Teilnehmer, dann hat sich die Szene doch eundeutig entwickelt. Ich kann mich noch am Wiener 600-er von 2006 erinneren wo es nur etwa 6 Teilnehmer gab.
 
The Highlands, Glens and Western Isles

Nachdem ich jetzt schon ein paar Tage wieder aus Schottland daheim bin, ist es mir endlich gelungen, eine erste Version meines Berichts fertigzustellen. Es war eines der spektakulärsten Brevets, die ich je gefahren bin. Phantastische Landschaften und herrliches Wetter.

http://www.misc-pictures.de/?p=214#more-214

Ist trotz aller Anstrengungen leider wieder etwas randonneurmäßig im Erzählstil geworden, das ist aber wohl nicht zu vermeiden.

PS: Vielen Dank auch noch an den alten Mann für die sehr lange Laufradsession, die diesen Ausflug erst ermöglicht hat.









 
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Wow, eindrucksvolle Bilder. Wie ich sehe, warst du wieder mit John unterwegs. ;)

Gemäß Eintrag bei Audax UK hat die Strecke 1300 km bei knapp 18000 HM. Alle Achtung! Und das Ganze für lausige 10 £.

Wäre schön, wenn du von deiner Teilnahme noch etwas mehr berichtest. :)
 
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