Moin,
also ich lese dein Thread fleißig mit und macht mir dazu so meine Gedanken. Ein bisschen geht es bestimmt allen so wie dir, aber ich habe immer mehr das Gefühl, dass du dich zu sehr unter Druck setzt.
Irgendwie wirkst du gedanklich nicht "frei". Weißt du was ich meine?
Ich stelle mir gerade vor, wenn dir wirklich im Frühjahr/Sommer mal Rückschläge passieren (Drücke dir fest die Daumen, dass diese nicht passieren!!!), ob du da wieder rauskommst bzw. es dich zu sehr runterziehst und sofort alles in Frage stellst... Oder, wenn es mal bei deinen Vorhaben/Rennen nicht so wie gewünscht läuft!?
Bei deinen Vorhaben ist der Kopf ein großer Schlüssel zum Erfolg. Da kann Material/Körper noch so gut in Schuss sein... Was aber passiert, wenn du an Tag A mal einen Platten hast, der nicht so möchte und du 30/40min verlierst, steigst du denn wieder aufs Rad und fährst weiter? Irgendwie sehe ich das gerade nicht so bei dir... Ist wirklich nicht böse gemeint, aber mein Eindruck im Moment.
Moin und danke, dass du dir Gedanken machst. Das ehrt dich, aber ich kann dich beruhigen: Ich bin ganz weit weg davon, mir einen "krankhaften" oder ungesunden Druck zu machen.
Ganz im Gegenteil: Aufgrund meiner medizinischen Vorgeschichte darf ich gar nicht mit kurzfristigem Druck arbeiten. Ich muss zwingend langfristig und vorausschauend agieren. Genau das ist ja oft der Punkt, mit dem ich hier anecke: Dass ich gewisse "Hau-Ruck-Aktionen" nicht machen kann, will oder darf. Das hat aber rationale Gründe, keine psychischen Blockaden.
In meinen Ambitionen (deswegen heißt der Thread so) ist das Scheitern oder ein "Nicht-Antritt" als Option immer fest eingeplant. Ich habe kein Problem damit, etwas NICHT zu tun, wenn es mir gesundheitlich nicht zuträglich ist. Das ist kein Versagen, das ist Management.
Vielleicht kommt es hier im Text manchmal anders rüber, aber wenn ich eines nicht habe, dann ist es blinder, übertriebener Ehrgeiz. Was ich habe, ist Zielstrebigkeit und einen starken Antrieb.
Was den "Platten" angeht: Wer sich – wie ich – durch lange Reha-Phasen, massive Gewichtsabnahme und gesundheitliche Rückschläge zurück ins Leben gekämpft hat, der wirft das Rad sicher nicht wegen eines Schlauchwechsels in den Graben. Da habe ich schon ganz andere Stürme abgewettert.
Was mich allerdings nervt – und da ist irgendwann auch die stärkste Resilienz mal erschöpft – ist, dass mein Weg leider oft durch externe Rückschläge geprägt ist. Ich mache zwei Schritte vorwärts und das Leben zwingt mich wieder einen Schritt zurück. Das zu akzeptieren und immer wieder neu anzulaufen, ist das eigentliche, harte mentale Training. Dagegen ist ein Rennen pillepalle.
Und genau deswegen nervt mich auch mal eine Deload-Woche. Nicht wegen des "Drucks", sondern weil sie meine geliebte Struktur unterbricht. Ich liebe den Rhythmus des Trainings. Wenn der wegfällt, fehlt mir schlicht etwas im Alltag.
Tief in mir ist einfach die Liebe zum Radfahren. Ob kurz oder lang ist mir dabei fast egal, solange ich es überhaupt machen kann. Diese Liebe lasse ich mir von keinem Rückschlag nehmen, denn das Rad bedeutet mir mehr als nur Sport.
Auch beschissenstes Wetter bei Sturm und Regen kann man sich im Kopf drehen, von "Ich arme Sau muss jetzt trainieren" zu "ich harter Hund trainiere jetzt!" (inklusive extra abwarten, dass es anfängt zu schütten). Soviel weiß ich noch aus meinen Allwetter-Zeiten, bevor ich entspannter Rollen-Überwinterer wurde.
Für Außenstehende mag das manchmal wie Selbstgeißelung aussehen, aber für mich ist es der eigene Beleg, dass man eben nicht aus Zucker ist. Ich sehe das durchaus als Metapher und als eine Art Selbstbehauptung für den Alltag.
Ich kenne das aus meiner MdRzA-Zeit nur zu gut: Wenn es mich morgens wettertechnisch so richtig zerlegt hat und ich diesen Sturm besiegt habe... dann kann mir die schlechte Laune der Menschen im Büro nichts mehr anhaben. Ich habe meinen ersten Erfolg des Tages – die Selbstüberwindung – längst im Kasten. Und auf dem Rückweg genieße ich dann den Kopfwind (oder die Sonne), bin mental entspannt und grinse innerlich, während andere sich über den Stau ärgern.
Aktuell hole ich mir dieses Gefühl der Selbstwirksamkeit über meine morgendliche Mobility-Yoga-Session. Damit habe ich mein persönliches Tagwerk für den Körper erledigt, noch bevor der Tag richtig anfängt.
Und genau das verstehen viele falsch: Das hat nichts mit Druck zu tun, sondern mit dem Gegenteil: Absolute Entspannung. Gerade weil ich das Pendeln mit dem Rad gerade pausieren muss, merke ich, wie sehr mir das fehlt. Diese knapp 60-90 Minuten am Tag, je nach Fahrweise, waren keine tote Zeit, sondern absolute Me-Time und Quality Time. Das fehlt mir als Ventil massiv.
Und es gibt für mich persönlich einen perfekten Moment: Der erste Sonnenaufgang des Jahres. Morgens, 06:15 Uhr aufs Rad, und wenn dann die Sonne hochkommt... ahhh... dann kann der Tag mit mir machen was er will, ich grinse trotzdem im Kreis

Kurz vor der Arbeit beim Lieblingsbäcker anbremsen, ein geiles Lachs-Eibrötchen und einen Kaffee... herrlich.
Im Sommer, also richtig im Sommer, fahre ich auch oft um 05:30 Uhr los und gehe vorher noch im Baggersee schwimmen. Ich habe ja das Glück, dass ich da eine absolut perfekte Pendelroute habe. Und dafür nehme ich eigentlich Sturm und Regen gerne in Kauf. Oder Hitze, die ist mir auch egal.