Rennrad-News

WTB Protective Gravelreifen – Ausprobiert
Defektsicher, aber schnell?

WTB hat den Gravelreifen sozusagen salonfähig gemacht. Jetzt kommen die Amerikaner mit einer neuen Pannenschutztechnik für ihre inzwischen riesige Gravelreifen-Vielfalt. Sie soll leicht, besonders luftdicht und flexibel sein. Für unsere Artikelserie „Ausprobiert“ haben wir Modelle mit der neuen Technik in der Paxiserprobung. Hier unser erster Eindruck.

Vollständigen Artikel lesen …

WTB Protected Gravelreifen: Kurz und knapp

# Die neuen WTB Protective Gravelreifen besitzen eine andere Karkasse - Ein feineres Gewebe mit 120 tpi und eine umlaufende Pannenschutzlage zeichnen sie aus

# WTB bietet eine Vielzahl von Modellen mit der neuen Technik an - Mit dem WTB Raddler in 44x700 konnten wir bereits eine Tubeless-Testrunde fahren
# Auch der WTB Byway in 40x700 befindet sich im Testeinsatz - Der Fahreindruck folgt, wenn genug Testkilometer für eine Beurteilung des Pannenschutzes beisammen sind

Technikdetails

WTB will den Pannenschutz der Gravelreifen auf ein neues Niveau heben, ohne bei Gewicht und Rolleigenschaften Abstriche zu machen. Dazu statten die Erfinder des Road Plus-Reifens viele Modelle mit dem Slash Guard 2-Pannenschutz aus, kurz „SG2“. Letzteres Kürzel ist auch auf der Flanke ausgewiesen. Das Prinzip ist nicht neu: Ein dünner Nyloneinsatz erstreckt sich von Reifenwulst zu Reifenwulst. Das soll den Schutz vor Schnitten und Durchstichen erhöhen und andererseits den Lufteinschluss verbessern – im Testalltag fielen die leichten WTB-Gravelreifen bisweilen damit auf, dass anfänglich Dichtmilch durch die Flanken drang, bevor der Mantel ganz dicht wurde.

Der Slash Guard 2 soll maximal 10 g bis 20 g Mehrgewicht bringen. Ein flaches Fadenprofil soll die Menge an Gummi zwischen den Fasern des Gewebes im Vergleich zu herkömmlichen runden Fasern verringern. Alle WTB-Gravelreifen mit SG2-Pannenschutz verfügen außerdem über ein 120-tpi-Casing, um das Gewicht und die Gesamtdicke des Reifens zu minimieren und gleichzeitig die Flexibilität des Reifens zu erhöhen. Die neuen SG2-Gravelreifen ergänzen das Modellprogramm. Sie sind nur in den Größen ab 37 mm Breite zu haben.

WTB Gravelreifen mit SG2 im Überblick

ModellGrößenTechnologie
Horizon 650 x 47cTCS Dual DNA, Slash Guard 2
Nano 700 x 40cTCS Dual DNA, Slash Guard 2
Raddler700 x 40c, 700 x 44c TCS Dual DNA, Slash Guard 2
Resolute 650 x 42c, 700 x 42c TCS Dual DNA, Slash Guard 2
Riddler 700 x 37c, 700 x 45cTCS Dual DNA, Slash Guard 2
Sendero 650 x 47c TCS Dual DNA, Slash Guard 2
Venture700 x 40c , 700 x 50c , 650 x 47cTCS Dual DNA, Slash Guard 2
Byway700 x 40c, 700 x 44c, 650 x 47c TCS Dual DNA, Slash Guard 2

# Den WTB Byway wird es in 700c und...
# ...in 650b geben

# Der WTB Sendero...
# ...mit offenem grobstolligem Profil

# Der WTB Venture ist ein klassischer Gravelreifen...
# ...mit stark geschlossener Mittellauffläche

# Der WTB Riddler mit vielen eher flachen Rechteckstollen ist für eher feine Schotterwege...
# ...während der von uns getestete Raddler mit weiter auseinander stehenden Stollen auch für gröbere Pisten gedacht ist

# Schon ein Klassiker...
# ...der grob profiliierte Nano mit durchgehendem Laufstreifen in der Mitte

# Auch den Slick Horizon...
# ...und den Resolute gibt es in SG2-Version

In der Hand

Für einen ersten Fahreindruck haben wir aus der Vielfalt der neuen Reifen den WTB Raddler SG2 in 700c und 44 mm Breite sowie den WTB Byway SG2 in 40 mm und 700c in der Redaktion. Auf dem Raddler SG2 konnten wir bereits einen ersten Tubeless-Fahreindruck sammeln. Auf unserer Waage liegt das Raddler Testreifenpaar im Schnitt bei 540 g und damit etwa auf dem Niveau eines vom Offroad-Anspruch vergleichbaren Schwalbe G-One Bite. Kein schlechter Wert angesichts des angehobenen Pannenschutzes.

# Auf der Ryde Yura Testfelge ließ sich der Raddler mit der Standpumpe setzen - Am Horn der "gebrauchten" Felge trat nur anfangs etwas Dichtmilch aus

# Das Reifenpaar...
# ...auf der Waage

Die Flanken fühlen sich trotz der zusätzlichen Lage sehr geschmeidig an – mit naturfarbener Flanke gibt es die SG2-Technik laut WTB übrigens nicht, weil die schwarzen Gummimischungen etwas widerstandsfähiger sein sollen. Bei der Tubeless-Montage verspricht der SG2-Reifen ein einfacheres Set-up, weil er theoretisch schneller dichten müsste. Montageversuche auf einer WTB Frequency i19 Team TCS-Felge blieben jedoch trotz Kompressionskammmer-Pumpe und reichlich Dichtmilch zunächst erfolglos. Die Paarung mit Felgen mit tiefem Tiefbett, wie es die ältere Frequency besitzt, scheint nicht ideal zu sein.

Anstandslos dagegen setzte sich der WTB Raddler Protective schon beim ersten Versuch mit einer Standpumpe bei zwei anderen Felgentypen: einer Ryde Yura Felge in 622-28c mit eher flachem Tiefbett und einer neueren WTB-Felge in einem Laufradsatz eines Komplettrades – in Sachen Tubeless-Kompatibilität ist auch 2020 also noch nicht das letzte Wort gesprochen. Etwas überraschend erreicht der Raddler auf der Felge, die mit 28 mm Maulweite sehr breit für den Graveleinsatz ist, eine gemessene Breite von 44 mm bei 2,5 bar. Entscheidender: Die Flanken sind vom ersten Moment an dicht und halten die Luft.

# Die Seitenwände des Raddler mit SG2 hielten sofort dicht

Fahreindruck

Der WTB Raddler mit SG2 läuft nach der Montage schön rund und ohne jede Unwucht. Wie WTB im neuen Video zu den SG2-Reifen zeigt, soll der Reifen eher für gröberes Terrain auf dem Gravelride gemacht sein und auch Steinkanten auf dem Trail gut wegstecken. Das lässt sich auch am Profil ausmachen, das mit ausgeprägten, gut abgestützten Seitenstollen und zunehmend kleiner und enger stehenden Blöcken der Mitte Traktion verspricht.

Umso überraschender ist der erste Eindruck auf der Straße, wo der Reifen leiser rollt als einige Gravelreifen mit weniger Profil und auch die meisten mit mehr Profil in Sachen Abrollgeräusch aussticht. Ein ausgeprägter Leichtläufer auf Asphalt ist er gefühlt nicht, aber auch kein Bremser. Dennoch: Wer Gravel zu mehr als 50 % auf der Straße fährt, für den gibt es eindeutig bessere Pneus.

# Das Profil läuft auf der Straße überraschend leise - Man fühlt sich nicht ausgebremst

# Nicht zur Nachahmung: testweise senkten wir den Druck ab bis auf 1,86 bar - Das mündete aber keineswegs in eine schwammigen Fahrgefühl
# Wie auf Schienen - Offroad war der Seitenhalt in Kurven eine Bank

# Auf solchen typischen Gravelwegen ist der Raddler eher überdosiert
# Das ist schon eher das passende Terrain für den Reifen

Auf unserer bisher einzigen Testrunde über 40 km sind wir mit abnehmenden Druck gefahren. Von 2,5 bar für die Straße bis 1,9 bar für die Schotterwege und Waldwege. Auf typisch festen Gravelwegen läuft der Raddler leicht und spurt erwartbar in den Kurven besser als die meisten anderen Gravelreifen. In der Kombi wie gefahren fiel uns außerdem ein geschmeidiger Komfort auf, auch im Vergleich zu anderen Reifen auf der Felge. Aber tatsächlich ist der Raddler mit klassischen Kieswegen eigentlich unterfordert. Ein echter Vorteil hat er auf trockenem, losen Waldboden und gröberem Schotter. Bergauf gab es immer satte Traktion. Der Seitenhalt in Kurven ist mit „fast auf MTB-Niveau“ gut umschrieben. Übrigens war das Verhalten in Kurven auch auf Asphalt absolut berechenbar.

Zum Pannenschutz in der Praxis lässt sich nach der kurzen Runde leider noch nichts Belastbares sagen, auch wenn einige gröbere Trail-Passagen dabei waren. Wir werden den Artikel um unseren Eindruck der Defektsicherheit später ergänzen.

Fazit von Rennrad-News.de

Der WTB Raddler mit SG2 besticht bei unserem ersten kurzen Fahrtest erwartbar als hervorragender Gravelreifen für grobes Terrain. Was eigentlich überrascht ist, wie angenehm leise und berechenbar er trotzdem auf der Straße unterwegs ist. Der spürbare Komfortgewinn bei niedrigem Druck kann aufs Konto der neuen, vielfadigen Karkasse gehen, muss aber nicht. In jedem Fall löst die SG2-Technik bisher das Versprechen guter Dichtigkeit ein. Für ein Urteil über den Pannenschutz ist es noch zu früh.

Pro / Contra

Pro

  • Traktion auf festen bis leicht losen Böden
  • Hervorragende Seitenführung
  • Geschmeidiges Abrollverhalten
  • Leiser Lauf auf der Straße

Contra

  • Kein Leichtläufer auf der Straße

Weiterlesen

Weitere kurze Tests aus der Serie Ausprobiert findest du auf dieser Übersichtsseite. Wenn du ein Produkt für einen ersten Test vorschlagen möchtest, schreibe uns einfach hier eine Nachricht!

Zum Weiterstöbern empfehlen wir dir die fünf neuesten Beiträge in unserer Serie Ausprobiert.

Text: Jan Gathmann / Fotos: Gathmann, Paatz
Die mobile Version verlassen