Ein selbstgebautes Maß-Rennrad zum Preis eines Direktversender-Roadbikes von der Stange? Geht. Und in jeder Hinsicht besser angepasst an die eigenen Bedürfnisse, als es sonst möglich wäre, geht es auch noch. Das beweist der Renner der Woche von heute. Der Selbstbau aus einem Kurs von Big Forest Frame Works wirkt unscheinbar, aber ist in jeder Hinsicht mit Bedacht gewählt. Und weil nichts an diesem Rad laut „seht her“ schreit, musste diesmal das Redaktionsvotum den Ausschlag geben. Viel Spaß damit!

Renner der Woche

Selbstbau, 54er Rahmen, Stahl, Nordish

Rennrad-News.de: Hallo Nordish. Wie bist Du zu dem Rad gekommen, das wir heute als Renner der Woche vorstellen? Warum hast Du Dich für genau diesen Aufbau entschieden?

Ich habe den Rahmen selbst gebaut im Rahmen eines Kurses bei Big Forest Frameworks. Die Anbauteile sind aufgrund guter Erfahrungen an einem anderen Rad gewählt worden. Grundsätzlich nur mechanisch und alles außenliegend, da alle Wartungsarbeiten und Reparaturen selbst durchgeführt werden, bzw. auch unterwegs mit möglichst geringem Aufwand erledigt werden können. Auch sollte ein gesundes Preis-Leistungsverhältnis erreicht werden. Gesamtpreis ca. 2400 Euro. Die Tiagra hat für mich mittlerweile die gleiche Qualität wie früher die 105er. Außerdem sollte es 10-fach sein, 46/36 und 12-28. Reicht für alles, was ich fahre.

Was zeichnet das Rad für Dich besonders aus? Wenn es ein Selbstaufbau oder Tuning ist: Worauf hast Du besonders geachtet?

Stahl ist seit Jahrzehnten erste Wahl ( Maßbau, Fixie, Trekkingbike). Keine Elektronik, kein Carbon, die gute Umweltbilanz ist für mich auch wichtig. Außerdem wollte ich mal einen Rahmen selbst bauen, als klassischen Rahmen in Muffenbauweise, die Gabel ist natürlich auch aus Stahl. Die Farbe ist ein RAL-Ton, falls mal was nachgearbeitet werden muss. Die Geometrie lehnt sich an Wendigkeit verbunden mit Komfort an, Stack-to-Reach-Wert ist 1,48. Möglichkeiten für Schutzbleche, Gepäckträger bestehen.

Nachhaltigkeit und ein gewachsenes Vertrauen in die Vorzüge des Werkstoffes Stahl
# Nachhaltigkeit und ein gewachsenes Vertrauen in die Vorzüge des Werkstoffes Stahl - Beides spielte eine Rolle bei der Entstehung des Renners der Woche von Nordish aus dem Forum

Bleibt jetzt alles so oder wird es weitere Ausbaustufen geben?

Bleibt erstmal, gegebenenfalls kommt ein höherwertiger Laufradsatz dazu oder die Umrüstung auf Conti 4Season-Reifen oder Hardshell.

Was wiegt Dein Renner der Woche?

„Nackt“ ca. 9kg.

Wo fährst Du mit diesem Rennrad? Welche Rennen, RTF oder andere Veranstaltungen hat es schon bestritten?

Ausschließlich Touren, Urlaubsfahrten.

Wie würdest Du das Fahrverhalten des Rades charakterisieren?

Wendig mit gutem Komfort, sehr spurstabil für Stahl, auch auf schlechten Wegen, fahre ab und an auch Gravel.

Wie und wann bist Du zum Rennradfahren gekommen?

Über Kinderrad, Mountainbike und Trekkingbike, vor circa 15 Jahren das erste Rennrad mit einem Stahlmaßrahmen. Ich bin an sich schon immer Rad gefahren.

Der Stahlrahmen wurde in der Schmiede von Big Forest Frameworks...
# Der Stahlrahmen wurde in der Schmiede von Big Forest Frameworks...
...von eigener Hand gefügt und gelötet
# ...von eigener Hand gefügt und gelötet

Wie würdest Du Dich jetzt selbst als Rennradfahrer charakterisieren?

Tourenfahrer, meistens alleine, ab und zu mit einem Kumpel. Gerne auch Urlaubsfahrten im Norden, keine Berge, deshalb ist auch keine Disc an diesem Rad.

Wie bist Du zum Forum von Rennrad-News gekommen?

Über die Zeitung „Rennrad“.

Was macht für Dich den Reiz des Rennradfahrens aus?

Die Unabhängigkeit, die unkomplizierte Fortbewegung mit Gesundheitsaspekten, Spaß an der Technik gerade bei klassischen Rädern. Ich bastel auch gerne.

Dein Verhältnis zur Radbranche – immer das neuste oder am liebsten noch mit Rahmenschalthebel?

Unkomplizierte Funktion und Wartungsfreundlichkeit stehen an erster Stelle. Eine Rahmenschaltung ist nicht ausgeschlossen.

Was ist deine persönliche Lieblings-Trainingsrunde?

Alles im Wendland, beziehungsweise im Großraum Hamburg ohne große Planung, fahre ohne Tacho, oder andere Geräte, einfach zum Spaß. Länge, Route, Vergleiche interessieren mich nicht. Schon gar nicht Strava oder andere. Wenn überhaupt, wird mal was im Urlaub, Dänemark etc. mit Karte grob vorgeplant.

Der Renner der Woche #3 in 2021
# Der Renner der Woche #3 in 2021 - Ein 9 kg leichter Selbstbau mit Shimano Tiagra

Technische Daten: Selbstbau, 54er Rahmen, Stahl

Rahmen: Selbstbau, 54er Rahmen, Stahl
Gabel: Selbstbau, Stahl
Schalthebel: Tiagra
Umwerfer: Tiagra
Ritzelkassette / Abstufung: Shimano CS-HG500, 12-28
Tretkurbel / Abstufung / Innenlager: Tiagra, Spécialités TA 46/36
Pedale: MKS mit Pedalhaken
Kette: Shimano
Bremsen: Shimano Tiagra
Laufräder: Fulcrum Racing 6
Reifen: Continental Gatorskin 622-28
Sattel / Sattelstütze: Fizik Aliante / XLC Antishock
Vorbau / Lenker: Deda Zero 1 100mm / 42 cm
Lenkerband: Deda Polyurethan
Sonstiges (Licht, Gepäckträger, Dynamo, integrierte Funktionen): Nichts, ab und an Lampe an der Satteltasche.

Über den Renner der Woche

Ihr habt auch ein Rad, dass sich bestens in die ehrenhafte Riege der „Renner der Woche“ einfügen kann? Dann lest euch die Regeln für folgendes Album durch und ladet ein Bild in selbiges hoch. Viel Erfolg! Hier zu den Regeln: fotos.rennrad-news.de/p/455915 / Das Album findet ihr hier: Renner der Woche Fotoalbum.

Die letzten Renner der Woche findet ihr hier:

Hier findest du alle Renner der Woche!

Wie gefällt euch der Renner der Woche?

Fragen: Jan Gathmann / Fotos: privat
  1. benutzerbild

    TilmanMB

    dabei seit 12/2019

    Ein selbstgelöteter gemuffter Stahlrahmen wäre auch mein Traum von einem Rad bzw ein Traum von einem Rad. Wenn ich mal dazu komme wir der dann sicher in einigen Details anders sein aber es kommt ja drauf an , daß das Rad dem gefällt und passt der es sich gebaut hat.
    Ein Nachbar mit dem ich ab und an rennradfahre und ich haben neulich mal durchgezählt wie viele verschiedene Räder man braucht - er ist auf 12 verschiedene gekommen und da war glaub ich noch kein Stahl Eigenbau dabei.
    (ok die Liste war HALB im Scherz)
  2. benutzerbild

    Knobi

    dabei seit 05/2004

    Das kann man durchaus sehr unterschiedlich betrachten.

    Zuerst einmal gefällt mir, dass jemand "seine Sachen selbst macht" und bereit ist, dafür eine Menge Lern- und Arbeitszeit außerhalb seines normalen Berufs aufzubringen. Das ist nicht selbstverständlich und erst recht nicht immer möglich, aber der Grundanspruch gehört für mich zum großen Themenkomplex der Eigenverantwortlichkeit:
    "Ich kenne und verstehe, was ich nutze. Ich kann es ohne fremde Hilfe weitgehend reparieren und instandhalten. Vielleicht kann ich es sogar bauen."

    Das alles wird nochmals interessanter, aber eben auch kontroverser, wenn dafür ein "Handwerk" erlernt wird und am Ende ein Ergebnis steht, das in vielerlei Hinsicht nicht auf dem aktuellen Stand ist (Material, Arbeitsweise). Ich selbst sage dazu gern mal: "Ich habe also eine Gabel auf dem Stand der 80er Jahre gebaut und sie ist sogar gerade, aber in der dreifachen Zeit, die ein Profi dafür gebraucht hätte." Ob sinnvoll oder nicht, muss hier also jeder für sich selbst abwägen.

    Das Argument der Nachhaltigkeit sehe ich bei einem einzelnen, selbstgebauten Stahlrahmen im Vergleich zu industriell produzierten Kohlefaserrahmen nicht, bzw. nicht eindeutig.
    Dabei geht es mir weniger um den Werkstoff, als um den nötigen Energieaufwand (Gase, Lot und Flussmittel müssen ja auch hergestellt und vorgehalten werden und der Neuling braucht sicher erstmal deutlich mehr davon), die Nachbehandlung (Lösen von Rückständen im Wasserbad; Entsorgung desselben in kleinem Maßstab fragwürdig, wenn auch nicht eindeutig reglementiert oder verboten) und die Lackierung (Lösemittel, Absauganlage, Filterung, Entsorgung von Resten und Schleifstaub).
    Vieles davon kann ein Industriebetrieb koordinierter, sachgerechter, umweltfreundlicher und aufs Stück bezogen billiger erledigen. In der Gesamtbetrachtung müsste eigentlich sogar der Energieaufwand für Verbindungsfahrten abgewogen werden: Anreise zum Rahmenbaukurs und ggf. Fahrten zu einem Werkstattraum gegenüber Anreise der Mitarbeiter im Verhältnis zur Stückzahl.
    Ich vermute mal: Das geht nicht gut aus. Und genau darüber denke ich auch wirklich jedes Mal nach, wenn ich irgendwas lackiere oder alte Autos am Laufen halte.
    Auch dabei zählt wieder die persönliche Abwägung; pauschale Aussagen finde ich schwierig.

    Der vorgestellte Rahmen wirkt auf mich ordentlich gemacht. Das ist auf jeden Fall ein großer Pluspunkt und kann beim ersten Versuch auch ganz anders ausgehen - mein Kompliment dazu.
    Bei der Geometrie würde mich interessieren, warum @Nordish zur ausgezogenen Steuerrohrmuffe gegriffen hat, statt den Rahmen insgesamt 2-3 cm höher zu machen, was meiner Meinung nach noch gut gepasst hätte. Mit der selben Muffe wäre dann der Spacerturm kleiner und die Gesamtansicht harmonischer. Eine gute Alternative zum Spacerturm wäre auch ein selbstgebauter Vorbau in "Wagenfarbe". Der kann natürlich zu einem beliebigen Zeitpunkt folgen.
    Die Möglichkeit, stattdessen andere Muffen zu verwenden und einen Komfort-Slopingrahmen zu bauen, ist wieder eine sehr persönliche Sache. Das muss nicht jedem gefallen, und ein passender Muffensatz ist auch nicht unbedingt immer überall vorrätig oder überhaupt bekannt. Muffenlos wäre die interessante Alternative, aber eben auch ein völlig anderes Thema.
    Die Gabelbeine eines Langstrecken-Genussrades hätte ich allerdings gebogen. Oder vorgebogene besorgt.

    Aber ich könnte wetten, dass es nicht bei diesem einen Rahmen bleibt, also ist das alles nicht so wichtig.
    So läuft es dann nämlich fast immer. smilie
  3. benutzerbild

    Linda_Bln

    dabei seit 06/2016

    Glückwunsch @Nordish zum selbst gelöteten Maßrahmen!smilieIch kenne Robert ein wenig, insofern kann ich mir bestens vorstellen, dass das alles auch jede Menge Spaß gemacht hat. Allerdings hätte auch ich dem Rahmen eine etwas hochwertigere Gruppe gewünscht, aber das muss jeder selbst für sich entscheiden. Und außerdem kann man das ja später immer noch mal ändern. Was mich noch interessieren würde, ist der Rahmen etwa auch selbst lackiert? Wünsche ganz viel Freude mit dem ureigenen Maßrahmen...
  4. benutzerbild

    Nordish

    dabei seit 11/2020

    Zum Lackieren weg gegeben, bzw. hat Robert organisiert.
    Mir kam es nur auf den Bau an (ob ich so was überhaupt hinkriege).
    Löterfahrungen bestanden nur aus dem Elektronischen Bereich.
  5. benutzerbild

    Nordish

    dabei seit 11/2020

    Das kann man durchaus sehr unterschiedlich betrachten.

    Zuerst einmal gefällt mir, dass jemand "seine Sachen selbst macht" und bereit ist, dafür eine Menge Lern- und Arbeitszeit außerhalb seines normalen Berufs aufzubringen. Das ist nicht selbstverständlich und erst recht nicht immer möglich, aber der Grundanspruch gehört für mich zum großen Themenkomplex der Eigenverantwortlichkeit:
    "Ich kenne und verstehe, was ich nutze. Ich kann es ohne fremde Hilfe weitgehend reparieren und instandhalten. Vielleicht kann ich es sogar bauen."

    Das alles wird nochmals interessanter, aber eben auch kontroverser, wenn dafür ein "Handwerk" erlernt wird und am Ende ein Ergebnis steht, das in vielerlei Hinsicht nicht auf dem aktuellen Stand ist (Material, Arbeitsweise). Ich selbst sage dazu gern mal: "Ich habe also eine Gabel auf dem Stand der 80er Jahre gebaut und sie ist sogar gerade, aber in der dreifachen Zeit, die ein Profi dafür gebraucht hätte." Ob sinnvoll oder nicht, muss hier also jeder für sich selbst abwägen.

    Das Argument der Nachhaltigkeit sehe ich bei einem einzelnen, selbstgebauten Stahlrahmen im Vergleich zu industriell produzierten Kohlefaserrahmen nicht, bzw. nicht eindeutig.
    Dabei geht es mir weniger um den Werkstoff, als um den nötigen Energieaufwand (Gase, Lot und Flussmittel müssen ja auch hergestellt und vorgehalten werden und der Neuling braucht sicher erstmal deutlich mehr davon), die Nachbehandlung (Lösen von Rückständen im Wasserbad; Entsorgung desselben in kleinem Maßstab fragwürdig, wenn auch nicht eindeutig reglementiert oder verboten) und die Lackierung (Lösemittel, Absauganlage, Filterung, Entsorgung von Resten und Schleifstaub).
    Vieles davon kann ein Industriebetrieb koordinierter, sachgerechter, umweltfreundlicher und aufs Stück bezogen billiger erledigen. In der Gesamtbetrachtung müsste eigentlich sogar der Energieaufwand für Verbindungsfahrten abgewogen werden: Anreise zum Rahmenbaukurs und ggf. Fahrten zu einem Werkstattraum gegenüber Anreise der Mitarbeiter im Verhältnis zur Stückzahl.
    Ich vermute mal: Das geht nicht gut aus. Und genau darüber denke ich auch wirklich jedes Mal nach, wenn ich irgendwas lackiere oder alte Autos am Laufen halte.
    Auch dabei zählt wieder die persönliche Abwägung; pauschale Aussagen finde ich schwierig.

    Der vorgestellte Rahmen wirkt auf mich ordentlich gemacht. Das ist auf jeden Fall ein großer Pluspunkt und kann beim ersten Versuch auch ganz anders ausgehen - mein Kompliment dazu.
    Bei der Geometrie würde mich interessieren, warum @Nordish zur ausgezogenen Steuerrohrmuffe gegriffen hat, statt den Rahmen insgesamt 2-3 cm höher zu machen, was meiner Meinung nach noch gut gepasst hätte. Mit der selben Muffe wäre dann der Spacerturm kleiner und die Gesamtansicht harmonischer. Eine gute Alternative zum Spacerturm wäre auch ein selbstgebauter Vorbau in "Wagenfarbe". Der kann natürlich zu einem beliebigen Zeitpunkt folgen.
    Die Möglichkeit, stattdessen andere Muffen zu verwenden und einen Komfort-Slopingrahmen zu bauen, ist wieder eine sehr persönliche Sache. Das muss nicht jedem gefallen, und ein passender Muffensatz ist auch nicht unbedingt immer überall vorrätig oder überhaupt bekannt. Muffenlos wäre die interessante Alternative, aber eben auch ein völlig anderes Thema.
    Die Gabelbeine eines Langstrecken-Genussrades hätte ich allerdings gebogen. Oder vorgebogene besorgt.

    Aber ich könnte wetten, dass es nicht bei diesem einen Rahmen bleibt, also ist das alles nicht so wichtig.
    So läuft es dann nämlich fast immer. smilie
    Du hast Recht, obwohl ich nach ein paar tausend km doch sehr zufrieden bin.
    Besonders war für mich die Spurstabilität bei Abfahrten, schlechte Strassen, ein Indikator, ob ich da genug Vertrauen in meine "Künste" habe. Es wird natürlich einen Nachfolger geben.

Was meinst du?

Wir laden dich ein, jeden Artikel bei uns im Forum zu kommentieren und diskutieren. Schau dir die bisherige Diskussion an oder kommentiere einfach im folgenden Formular:

Verpasse keine Neuheit. Trag dich für den MTB-News-Newsletter ein!