Video: Schlauch, Tubeless oder TPU-Schlauch?
Schlauch, Tubeless oder TPU-Schlauch: Was ist die beste Lösung für Rennrad oder Gravel Bike?
Was verbirgt sich im Inneren deiner Rennrad-Reifen oder Gravel-Reifen? Ein klassischer Schlauch? Dichtmilch? Oder sogar ein TPU-Schlauch? Das viel diskutierte Thema Schlauch vs. Tubeless ist sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Radler interessant und oft noch mit Unklarheiten versehen. Durch die rasante Verbreitung der neuen TPU-Schläuche bekommt die Grundsatzfrage zudem auch im Performance-Bereich jede Menge frischen Wind.
Welches System ist das beste? Welche Vorurteile gehören ins Reich der Märchen und welche treffen in der Praxis wirklich zu? Wir sind tief in das Thema eingetaucht, um diese Fragen zu klären. Neben ausführlichen Praxistests auf Asphalt und Gravel haben wir alle drei Systeme auch bei Schwalbe auf dem Prüfstand getestet, um Rollwiderstand und Haltbarkeit präzise zu quantifizieren. Außerdem beleuchten wir natürlich den Montage- und Wartungsaufwand sowie die Reparaturmöglichkeiten unterwegs.
Kurzfazit: Für wen ist welches System die beste Wahl?
Wer einfach nur die schnelle Antwort will, bekommt sie direkt hier:
- Für sportliche Rennradfahrer sind Tubeless oder TPU die beste Wahl. Beide Systeme bieten eine hervorragende Kombination aus Performance, Pannenschutz und Fahrgefühl.
- Für sportliche Gravel Biker ist Tubeless die beste Wahl. Hier werden Performance und Fahrgefühl am besten mit hohem Pannenschutz vereint. Der TPU-Schlauch schneidet jedoch nicht viel schlechter ab.
- TPU ist die bessere Schlauchlösung. TPU-Schläuche sind deutlich leichter und schneller als Butyl. Damit eignen sie sich auch hervorragend als Ersatzschlauch in der Trikottasche.
- Butyl ist vor allem günstig und unkompliziert – im Hinblick auf die Performance ist der Butyl-Schlauch den anderen Systemen aber klar unterlegen.
Test-Setup: So haben wir getestet
Um vergleichbare und belastbare Testbedingungen zu schaffen, haben wir für alle drei Systeme Produkte von Schwalbe verwendet. Das sorgt für ein einheitliches Testumfeld, auch wenn klar ist: Absolute Werte können je nach Hersteller, Reifen und Karkasse variieren. Die grundsätzlichen Tendenzen der drei Systeme lassen sich so aber sauber vergleichen. Zum Einsatz kamen:
- Butyl Schwalbe Schlauch Nr. SV15
- TPU Schwalbe Aerothan Tube (aktuelle Version SCV 17-AE, SCV 15-AE)
- Tubeless Schwalbe Doc Blue Dichtmilch + Schwalbe Tubeless-Ventile
Alle drei Kandidaten wurden jeweils auf den gleichen Felgen, mit gleichem Felgenband und identischen Reifen montiert. Hierbei haben wir uns im Gravel-Segment für den Schwalbe G-One RS Pro TLR in 45 mm Breite und beim Rennrad-Setup für den Schwalbe Pro One Evo TLE in 28 mm Breite entschieden. Für ein weiteres Szenario haben wir den Schwalbe Pro One Evo Tube Type Reifen verwendet, der nicht tubeless tauglich ist. Dieser wurde entsprechend auch nur mit den beiden Schlauch-Varianten gemessen.
Die Schläuche und das Tubeless-Setup wurden jeweils mit 6,5 bar (RR) und 2,5 bar (GR) befüllt.
- RR-Setup 1: Schwalbe Pro One, Tubeless, Super Race, V-Guard, 28-622
- RR-Setup 2: Schwalbe Pro One, Tube Type, Super Race, V-Guard, 28-622
- Gravel-Setup: Schwalbe G-One RS Pro, V-Guard, 45-622
Prüfstand Teil 1 – Rollwiderstand: Welches System ist das schnellste?
Als Erstes mussten sich die drei unterschiedlichen Schlauch/Tubeless-Setups auf dem Schwalbe-Rollwiderstand-Prüfstand beweisen. Hier wird der Rollwiderstand in Watt auf ebenem Untergrund bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h (RR) bzw. 20 km/h (GR) gemessen. Dafür wurden alle Rennrad-Varianten mit einem Luftdruck von 6,5 bar und das Gravel-Setup mit 2,5 bar befüllt. Das Laufrad wird in die Prüfmaschine eingespannt und anschließend mit einem Gewicht von 50 kg auf die rotierende Prüffläche gedrückt. Alle Kombinationen wurden jeweils zweifach getestet, um fehlerhafte Messungen oder krasse Ausreißer ausschließen zu können. Wir präsentieren hier den Mittelwert aus beiden Testdurchläufen als Ergebnis.
Ergebnisse Rennrad-Setup Schwalbe Pro One Tubeless
Beim Rennrad-Tubeless-Setup zeigt sich ein klares Bild. Die Kombination mit Butyl-Schlauch ist deutlich am langsamsten und weist einen Rollwiderstand von 14,0 Watt auf. Entscheidend schneller präsentiert sich der TPU-Schlauch mit einem Rollwiderstand von 11,7 Watt. Um lediglich 0,2 Watt langsamer ist das Tubeless-Setup mit 11,9 Watt. Die Werte beziehen sich auf einen Reifen. Da man beim Fahrradfahren natürlich auf zwei Reifen unterwegs ist, muss man den hier angegebenen Rollwiderstand für die Praxisabstraktion selbstverständlich verdoppeln.
- Das Setup mit TPU-Schlauch ist 4,6 Watt schneller als mit Butyl-Schlauch
- Tubeless ist mit lediglich 0,4 Watt Unterschied fast gleich schnell wie TPU
Damit wird deutlich, dass der Butyl-Schlauch wie eine Bremse wirkt. TPU und Dichtmilch sind hingegen nahezu gleich schnell. Dass ausgerechnet bei unserem Test das TPU-Setup geringfügig schneller als Tubeless war, ist laut Schwalbe klar eine Ausnahme anstatt die Regel. Bei Messungen, die Schwalbe regelmäßig macht, sei das Tubeless-Setup in 9 von zehn Fällen schneller als die Varianten mit TPU-Schlauch.
Ergebnisse Rennrad-Setup Schwalbe Pro One Tube Type
Um uns nicht nur auf einen Tubeless-Reifen zu beschränken, haben wir zum Vergleich auch einen Tube Type Reifen testen lassen, der nicht tubeless tauglich ist. Dadurch kann er auch etwas leichter und zumindest theoretisch auch schneller rollend gebaut werden. Im Labor hat sich das jedoch nicht bestätigt. Die Messwerte für beide Schlauch-Typen sind fast identisch mit denen beim Tubeless-Reifen.
- TPU-Setup ist 5 Watt schneller als Butyl
- Der Tube Type Reifen ist minimal (0,3 bzw. 0,1 Watt) langsamer als der Tubeless-Reifen
Somit ist zumindest beim Schwalbe Pro One ziemlich egal, ob man den Tubeless- oder den Tube Type Reifen wählt. Da letzterer jedoch deutlich leichter ist, sollte er auch für „Schlauch-Fahrer“ die klar bessere Wahl sein. Allerdings ist auch der Pannenschutz etwas schlechter. Doch dazu später mehr.
Ergebnisse Gravel-Setup Schwalbe G One RS
Die Labor-Ergebnisse beim Gravel-Setup sind glasklar und entsprechen den Erwartungen aus der Praxis. Das Tubeless-Setup ist mit 11,6 Watt pro Reifen klar das schnellste System und spart gegenüber einem mit Butyl-Schläuchen ausgerüsteten Gravel Bike insgesamt 6,8 Watt! Gegenüber dem TPU-Schlauch ist der Abstand mit lediglich 2 Watt deutlich geringer.
- Tubeless-Setup ist 11,6 Watt schneller als Butyl
- TPU-Setup rollt gegenüber Tubeless 2 Watt langsamer
Damit dürfte die Auswahl beim Gravel Bike nicht schwer fallen, zumal Tubeless hier auch in Sachen Gewicht kaum gegenüber TPU abfällt.
Prüfstand Teil 2 – Durchstich: Wer gewinnt in der Dornenhecke
Im nächsten Test ging es um den Durchstichschutz. Simuliert wurden Defekte durch Dornen, Nägel, Äste und andere spitze Gegenstände. Dafür wird ein Metall-Dorn mit einer kugelförmigen Spitze von 1 mm Durchmesser mit steigender Kraft auf das Material gedrückt, bis es zum Durchstich kommt. Gemessen werden die benötigte Kraft und der Weg, den der Dorn bis zum Defekt zurücklegt.
Wichtig: Dieser Prüfstand testet nicht den kompletten Reifen, sondern ausschließlich den Schlauch alleine. Deshalb gibt es hier nur Werte für Butyl und TPU. Das Tubeless-Setup lässt sich in diesem Aufbau nicht direkt vergleichen, weil es als Gesamtsystem mit Reifen und Dichtmilch funktioniert.
Ergebnisse Durchstichtest
Beim Durchstichtest zeigt sich ebenso wie beim Rollwiderstand ein sehr klares Bild. Der TPU-Schlauch wird bei einer Krafteinwirkung von 35,17 Newton durchstochen, während für ein Loch im Butyl-Schlauch lediglich 12,10 Newton nötig sind. Entsprechend verformt sich der TPU-Schlauch auch ganze 12,39 mm, bis er nachgibt, während Butyl bei 6,12 mm die Segel streicht. Damit bleibt festzuhalten: Der TPU-Schlauch ist gegenüber Durchstichen über 2,5-mal stabiler als das Butyl-Äquivalent. Das im Prüfstand nicht getestete Tubeless-Setup kann hier dank Dichtmilch und Selbstreparatur natürlich auf ganz andere Art und Weise glänzen.
Prüfstand Teil 3 – Durchschlagsschutz
Den Abschluss macht der martialischste Test unserer Prüfreihe: der Durchschlagstest. Hier werden Reifen und das gewählte Setup auf einer sehr robusten Stahlfelge mit 19 mm Innenweite (RR) und 23 mm Innenweite (GR) montiert. Diese wird dann in den entsprechenden Prüfstand eingesetzt. Hier wird nun ein 14 kg schweres Gewicht mit keilförmiger Spitze aus einer definierten Höhe auf den Reifen fallen gelassen. Die Fallhöhe wird Schritt für Schritt erhöht, bis es zum Defekt kommt. Zwischen den Schlägen wird der Reifen weitergedreht, damit jeweils eine frische Stelle getroffen wird. Die Reifen wurden mit einem Luftdruck von 6,5 bar (RR) bzw. 2,5 bar (GR) befüllt. Dieser Luftdruck wurde über die gesamte Testdauer konstant gehalten. Auch hier wurden jeweils zwei Testdurchläufe pro Setup durchgeführt und die Ergebnisse gemittelt.
Ergebnisse Rennrad-Tubeless-Setup
Während bei den anderen beiden Prüfstand-Tests Butyl weit abgeschlagen auf dem letzten Rang landete, sieht es hier anders aus. Der Schwalbe Pro One mit Butyl-Setup strich im Test die Segel, nachdem das Gewicht aus einer Höhe von 220 mm fallen gelassen wurde, und ist damit der Sieger. Auf dem zweiten Rang folgt das Tubeless-Setup mit 210 mm. Der TPU-Schlauch hingegen zeigte bereits bei 180 mm Fallhöhe einen Defekt.
- Butyl zeigt sich auf dem Prüfstand am stabilsten, gefolgt von Tubeless und TPU
Ergebnisse Rennrad Tube Type-Setup
Bestätigt wird das Labor-Ergebnis beim Tube Type Reifen. Hier zeigt sich, dass der Tubeless-Reifen einen besseren Pannenschutz hat, und der Tube Type Reifen bereits bei niedrigeren Fallhöhen die Segel streicht. Mit Butyl-Schlauch geht das System bei einer Fallhöhe von 140 mm in die Knie. Mit TPU-Schlauch schon nach 125 mm.
- Auch beim Tube Type Reifen ist Butyl auf dem Prüfstand am stabilsten
Ergebnisse Gravel-Setup Schwalbe G One RS
Etwas anders sind die Ergebnisse beim Gravel-Reifen. Hier spielt das Tubeless-System seine Stärken aus und liefert mit 280 mm Fallhöhe die größte Widerstandskraft gegen Durchschläge. Mit 250 mm zu 240 mm ist auch hier der Butyl-Schlauch etwas stabiler als die TPU-Variante.
Praxistest
Neben den im Prüflabor ermittelten harten Fakten haben wir Tubeless, TPU-Schlauch und Butyl-Schlauch natürlich auch auf Schotter und Asphalt in der Praxis getestet. Dabei mussten sich die Systeme in der gleichen Konfiguration unter Beweis stellen. In diesem subjektiven Vergleich haben für uns ganz klar Tubeless und TPU die Nase vorn. Zwar würde ich mich keineswegs zur Aussage hinreißen lassen, dass ich etwa den Rollwiderstandsunterschied eines TPU-Schlauchs gegenüber dem Tubeless-Setup erfühlen könnte. Allerdings kann man bei einem Butyl-Schlauch schon auch fühlen, dass der Systemwiderstand einfach etwas höher ist. Zudem können feinfühlige Naturen auch das deutlich höhere Gewicht außen am Laufrad im Handling spüren.
Auf Gravel punktet das Tubeless-System noch mehr als auf der Straße, denn man kann mit dem Reifendruck noch etwas heruntergehen, ohne zu viel Pannensicherheit aufzugeben und somit ein noch geschmeidigeres Abrollverhalten erzeugen. Überhaupt hängt viel mit dem Reifendruck zusammen, der natürlich immer in Relation zur Reifenbreite, Gewicht des Gesamtsystems und der Felgenbreite gewählt werden sollte. Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, die Reifendruckrechner von SRAM oder Silca als Ausgangsbasis zu nutzen und dann gegebenenfalls noch ein wenig nach oben oder unten zu korrigieren.
Beim Rennrad hängt die Wahl von Tubeless oder TPU nicht zuletzt auch vom Gewicht sowie der Reifen- und Felgenbreite ab. Als Faustregel gilt hier: Je geringer der gefahrene Luftdruck, desto besser eignet sich das System für Tubeless. Ich fahre sehr oft Drücke rund um 4 bar und habe damit sehr gute Erfahrungen mit Tubeless und Dichtmilch gemacht. Wer schwerer ist und höhere Drücke fahren muss, wird eventuell mit einem TPU-Schlauch besser zurechtkommen.
In Sachen Pannenschutz würde ich in den meisten Fällen dem Tubeless-System den Vorzug geben, denn es kann kleine Beschädigungen im Reifen in der Regel zuverlässig und dauerhaft abdichten. Dafür hält es jedoch auf Dauer gesehen die Luft nicht so gut und erfordert häufigeres Nachpumpen nach längeren Standzeiten. Dass Butyl-Schläuche im Test die höchsten Widerstandswerte gegen Snakebites zeigten, sollte man nicht überbewerten. Zum einen deckt sich das nicht unbedingt mit unserer Praxis-Erfahrung, zum anderen beschäftigt dieses Schadensbild eher Mountainbiker als Rennradler oder Gravel-Biker.
Montage & Wartung
Tubeless
Der nächste Punkt ist gerade für viele Einsteiger die große Achillesferse des Tubeless-Setups: Montage & Wartung. Sauerei durch Dichtmilch, verstopfte Ventile, undichtes Felgenband, eingetrocknete Dichtmilch und vieles mehr sind für den ein oder anderen Abschreckung genug.
Mittlerweile ist das erfolgreiche Aufsetzen eines Tubeless-Systems aber bei weitem kein Hexenwerk mehr. Meist werden Laufräder ab Werk bereits mit Tubeless-Tape ausgeliefert und moderne Reifen springen oft willig mit der Standpumpe ins Felgenhorn, wodurch kein Kompressor nötig ist. Also: Wenn du noch zögerst und den Aufwand scheust, dein Bike auf Tubeless umzurüsten, probier es doch einfach mal aus!
Dennoch ist das Tubeless-Setup ganz klar aufwendiger als ein Schlauch und kann seine Fallstricke haben. Zudem ist eine regelmäßige Wartung nötig. Denn eingetrocknete Milch kann selbstverständlich keine neuen Löcher abdichten. Auch kann das Tubeless-System so über die Zeit mehr Luft verlieren. Systemunabhängig sollte man allerdings sowieso vor jeder Fahrt den Luftdruck überprüfen.
Butyl
Zur Montage des Butyl-Schlauchs muss man eigentlich nicht viele Worte verlieren. Hier muss man lediglich aufpassen, dass der Schlauch bei der Montage nicht zwischen Reifenflansch und Felge geklemmt und dadurch beim Aufpumpen beschädigt wird. Ansonsten ist die Montage problemlos, denn die Schläuche sind recht robust in der Handhabung und können zudem auch nacheinander in verschieden großen Reifen genutzt werden.
TPU
Anders sieht es beim TPU-Schlauch aus. Dieser kann aufgrund der dünnen Wandstärke und der Ausgangsform bei der Montage leicht geklemmt werden. Zudem muss man hier ein paar weitere Faktoren berücksichtigen. Der Schlauch sollte vor der Montage vorsichtig ein wenig aufgepumpt werden. Damit kommt er in eine runde Form und man senkt das Risiko, ihn bei der Reifenmontage einzuklemmen.
Außerdem behält der Schlauch nach einmaliger Montage seine Form bei und zieht sich nicht wieder zusammen, wenn die Luft abgelassen wird. Dementsprechend passt ein TPU-Schlauch nach der Erstmontage in einem breiteren Reifen im Anschluss nicht mehr in einen schmaleren Reifen. Dann würde er Falten werfen, die zu Problemen führen können. Eine Wiedermontage in schmaleren Reifen ist deshalb nicht zugelassen.
Reparatur
Doch wie sieht es aus, wenn mal was richtig schiefgeht und man plötzlich ohne Luft im Reifen dasteht? Die klassische Kombi aus Flicken, Schmirgelpapier und Vulkanisier-Flüssigkeit kennt vermutlich jeder. Damit bekommt man kaputte Butyl-Schläuche in aller Regel wieder fit. Aber auch für TPU-Schläuche gibt es spezifische Flicken. Diese Klebepads brauchen kein Schmirgeln oder zusätzliche Vulkanisierflüssigkeit, sondern sind selbstklebend. Allerdings sollte der Schlauch an der defekten Stelle zuvor gründlich mit Isopropylalkohol gereinigt werden. Hierfür empfiehlt es sich, separat verpackte, in Isopropyl getränkte Tücher mitzuführen. Ganz so zuverlässig wie bei Butyl-Schläuchen funktioniert die Reparatur bei der TPU-Variante unserer Erfahrung nach allerdings nicht. Hier kann es auch zu undichten Flicken kommen. Auch muss man hier gründlicher vorgehen und noch besser aufpassen, dass kein Schmutz zwischen Schlauch und Reifen landet, da dieser den Schlauch langfristig beschädigen könnte.
Ganz anders sieht die Reparatur beim Tubeless-Setup aus. Kleinere Löcher schließt die Dichtmilch im besten Fall direkt von allein und ohne Zutun ab. Bei größeren Löchern schaffen klebrige Flickwürste meist effektiv und schnell Abhilfe. Ein großer Vorteil gegenüber dem Schlauch-Setup ist dabei, dass der Reifen hierfür nicht abgezogen werden muss und somit deutlich schneller repariert ist. Auf lange Sicht können sich diese Würste allerdings auch wieder aus dem Reifen herausziehen. Unsere Kollegen aus der MTB-News-Redaktion sind allerdings schon monatelang absolut problemlos mit derart geflickten Reifen gefahren. Größere Löcher und vor allem Risse in der Seitenwand können es allerdings erforderlich machen, einen Schlauch einzuziehen. Eine ebenfalls funktionale Lösung ist es, die Löcher im Reifen von innen mit einem klassischen Fahrradflicken zu flicken.
- Butyl-Schlauch: gut und klassisch reparierbar mit herkömmlichen Flicken
- TPU-Schlauch: separater Flicken nötig, etwas geringere Erfolgsquote, empfindlicher
- Tubeless: kleine Löcher werden selbst abgedichtet, größere Schäden per Flickwurst von außen, große Risse können einen Schlauch erforderlich machen
Gewicht
Kommen wir zu einem weiteren viel diskutierten Punkt: dem Gewicht. Hier schlägt eine der großen Stunden des TPU-Schlauchs. Dieser fällt bei gleicher Größe nämlich deutlich leichter aus als die Butyl-Variante. Genauer gesagt ist der Butyl-Schlauch in allen Konstellationen mehr als doppelt so schwer. Dies ist bei der fürs Radfahren sehr relevanten rotierenden Masse ein wahrlich nicht zu vernachlässigender Faktor. Hier lassen sich schnell 200 g oder mehr pro Fahrrad einsparen.
Doch wie sieht das Ganze im Vergleich mit Tubeless aus? Dies kommt natürlich stark auf die Menge der Dichtmilch an. Wir haben uns für den Test für eine Menge von 50 ml (RR) und 60 ml (GR) pro Reifen entschieden. Zusammen mit dem rund 8 g schweren Schwalbe Tubeless-Ventil ergibt das ein Gesamtgewicht von 58 g bzw. 68 g. Je nach Reifengröße, Vorlieben und Einsatzbereich kann die Menge an Dichtmilch natürlich variiert werden, was das Gewicht maßgeblich beeinflusst.
- Butyl-Schlauch 111 g (RR), 159 g (GR)
- TPU-Schlauch 51 g (RR), 60 g (GR)
- Tubeless 58 g (Ventil 8 g + 50 ml Dichtmilch im Rennrad), 68 g (Ventil 8 g + 60 ml Dichtmilch im Gravel Bike)
Noch leichter wird es, wenn ihr euch beim Rennrad für einen Tube Type Reifen entscheidet. Diese bringen in der Regel bis zu 50 g weniger Gewicht auf die Waage, haben dann aber oft auch einen etwas schlechteren Pannenschutz.
Preis
Im Hinblick auf den Preis zeichnet sich ein klarer Gewinner ab. Der Butyl-Schlauch ist mit einem Anschaffungspreis von 8,90 € deutlich günstiger als der 32,90 € teure Schwalbe Aerothan TPU-Schlauch und steckt auch das Tubeless-System in die Tasche. Bewertet man allerdings das Preis-Leistungs-Verhältnis, dann sieht das Ganze schon anders aus. So günstig wie durch einen Wechsel von Butyl- zu TPU-Schlauch kann man am Dropbar-Bike sonst nur schwer Gewicht einsparen.
Sparfüchse können zudem auf bekannten Online-Plattformen sehr preiswerte TPU-Schläuche erstehen. Die gebotene Qualität ist allerdings in vielen Fällen fragwürdig oder zumindest unbekannt.
Zu Bedenken ist auch, dass man die Tubeless-Ventile in der Regel nur einmal anschaffen muss. Danach wird jeweils nur noch neue Dichtmilch fällig, was die Kosten-Bilanz des Tubeless-Setups klar verbessert.
- Butyl-Schlauch 8,90 €
- TPU-Schlauch 32,90 €
- Tubeless 26,90 € (Tubeless-Ventile) + 5 € (Dichtmilch aus Großgebinde)
Fazit – Tubeless vs. Butyl vs. TPU: Wer gewinnt beim Gravel Bike?
Unser Testfazit ist klar: Für die meisten sportlich fahrenden Gravel Biker ist Tubeless die beste Lösung. Das System rollt am schnellsten, bietet den besten Pannenschutz im Gelände und überzeugt im Praxistest am meisten. Gerade auf Schotter und ruppigem Untergrund bietet Tubeless für uns das stimmigste Gesamtpaket. Wer allerdings keine Lust auf die erhöhte Wartung und Montage hat, für den sind TPU-Schläuche eine herausragende Alternative. Hier muss man in vielen Performance-Punkten kaum Abstriche gegenüber dem Tubeless-System machen und kann gegenüber dem klassischen Butyl-Schlauch nicht nur jede Menge Gewicht, sondern auch enorm viel Rollwiderstand einsparen. Zudem ist ein TPU-Setup in der Regel minimal leichter als ein Tubeless-Aufbau.
Für Butyl sprechen der niedrige Preis und die Simplizität. Im performanten Gravel-Bike-Einsatz ist das System den moderneren Alternativen aber klar unterlegen.
Gewinner nach Kategorien:
- Du willst das schnellste System: Tubeless
- Du willst das leichteste System: TPU & Tubeless
- Du willst das robusteste System: Tubeless
- Du willst das günstigste System: Butyl
- Du willst das einfachste System: Butyl & TPU
Fazit – Tubeless vs. Butyl vs. TPU: Wer gewinnt beim Rennrad?
Auch beim Rennrad ist das Testfazit klar: Wer möglichst schnell unterwegs sein will, fährt Tubeless oder mit TPU-Schlauch. Die Erkenntnisse aus dem Labortest decken sich weitestgehend mit unseren Praxiserfahrungen und sprechen dafür, dass die Performance-Unterschiede zwischen TPU und Tubeless sehr gering sind. Wir würden so weit gehen und sagen, dass sie für die meisten Amateure und Freizeitfahrer sogar vernachlässigbar sind.
Butyl-Schläuche sind im Gegensatz dazu deutlich schwerer und erheblich langsamer. Für performance-orientierte Rennradler sind sie deshalb eine schlechte Wahl.
Gewinner nach Kategorien:
- Du willst das schnellste System: Tubeless oder TPU
- Du willst das leichteste System: TPU + leichte Tube Type Reifen
- Du willst das robusteste System: Tubeless
- Du willst das günstigste System: Butyl
- Du willst das einfachste System: Butyl oder TPU
Welche Lösung passt zu dir? Unsere Kaufberatung
Am Ende geht es nicht nur darum, welches System irgendwo den Bestwert erzielt – sondern welches am besten zu dir und deinem Fahrstil passt.
- Rennrad Tubeless oder TPU. Wer maximale Performance und Pannenschutz will, fährt Tubeless. Wer Gewicht sparen will und ein einfacheres Setup bevorzugt, findet in TPU eine starke Alternative. Auch in Kombination mit leichteren Tube Type Reifen.
- Gravel Bike Tubeless. Gerade bei niedrigen Drücken und höherem Pannenrisiko ist Tubeless die beste Wahl. TPU bedingt nur geringe Performance-Verluste, erhöht aber das Pannenrisiko.
- Tour / Reise: TPU spart Gewicht und ist schneller. Das spart auf langen Strecken Körner. Außerdem ist das System genauso wartungsarm wie ein klassischer Butyl-Schlauch.
- Als Ersatzschlauch im Trikot: TPU. Spart signifikant Platz und Gewicht.
- Pendeln: Butyl oder TPU. Wenn die Performance eine untergeordnete Rolle spielt, punktet der gute alte Butyl-Schlauch durch den günstigen Anschaffungspreis. Wer auch hier schnelle Reifen fährt, greift zur TPU-Variante.
Butyl-Schlauch, TPU-Schlauch oder Tubeless – mit welchem System bist du unterwegs?
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135 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumIch bin TPU's selbst am Gravel über Jahre gefahren, nie ein Problem gehabt.
Druck verwende ich 1:1 die Tubeless Rechner, RR wie Gravel, sprich Hooked wie Hookless, ebenfalls Problemlos...
Nachdem ich einen 32er Vittoria Corsa nicht von der DXC Felge ohne spezielles Werkzeug bekommen habe, habe ich mich gefragt, was machst Du in so einem Fall bei einer Panne 60 km von zuhause entfernt?
Das hat mir einiges Kopf zerbrechen gekostet - ich habe mich nach der Zerstörung von zwei TPU Schläuchen bei der Montage der 32er Vittoria für tubeless entschieden - vorne hält der Reifen die Luft, nachdem ich mindestens 300 ml Dichtmilch eingefüllt hatte. Wie viel Gramm sind 300 ml Dichtmilch eigentlich?
Hinten ist die Dichtmilch bei der ersten Ausfahrt seitlich aus der Karkasse geströmt - bin nach 4 Kilometer Ausfahrt heim gelaufen, geschoben auf Felge geeiert. Vittoria Corsa 32 samt Dichtmilch in der Tonne entsorgt.
Dann habe ich einen Pirelli 30 mm hinten montiert, mit AMAZON TPU Schlauch. Bei meiner Ausfahrt in Belgien hatte ich das Phänomen, dass die Luft ständig entwichen ist (zuhause unter Wasser kein Loch im TPU gefunden). Nach 3 maligem Wechseln in Belgien habe ich von einer belgischen Radrennfahrerin einen BUTYL Schlauch erhalten.
Dieser Schlauch ist immer noch montiert, ist dicht und hält - vorne den tubeless muss ich vor jeder Ausfahrt aufpumpen. Das System fliegt auch bald in die Tonne. Dann montiere ich 30er Pirelli (wegen der leichten Montage) und einen BUTYL Schlauch.
Ausgehend davon, das Dichtmilch eine ähnliche Dicke wie Wasser hat, dann hat tubeless mit Dichtmilch keinen oder nur geringen Gewichtsvorteil vor Butyl, abhängig von der Menge Dichtmilch, Conti Schlauch bei 130gr? (bei expotential gestiegener Sauerei im Pannenfall).
Tubeless am Rennrad ist für mich keine Option. Ich sehe für mich keinen Vorteil, die Nachteile überwiegen für mich - wenn wären es nur der Komfortgewinn (wegen Reifendruck-Reduzierung) bei fast gleichem Gewicht. Das hilft aber alles nix, wenn ich draußen fern der Heimat die Panne habe (großer Cut im Reifen).
TPU könnte es bei funktionierendem Schlauch sein. Aber am sichersten und am einfachsten zu händeln sind nach meiner Erfahrung immer noch klassische Butyl Schläuche.
Tubeless auf dem MTB funktioniert dagegen zu 100% einwandfrei - fahre alle meine MTB so - da gibt es selten ein Problem.
Falls du Tubeless nutzen willst, würde ich andere Reifen und dann andere Dichtmilch ausprobieren. Was wirklich ärgerlich ist: man gibt schnell eine Menge Geld aus, bevor man ein funktionierendes Setup hat - das habe ich gerade auch durch. Wenn die Reifen noch neu sind, hättest du sicher etwas dafür bekommen können.
Und vielleicht sind deine Laufräder da auch problematisch; dann würde ich wohl auch keine Experimente mehr machen.
Hier mal ein Extrembeispiel: Tufo Comtura Prima TT 28 mm (viel Lauffläche, wird breiter), 200 Gramm + 30 ml Dichtmilch. Für den Dauereinsatz und mittelguten Straßenbelag + Großstadtmüll zu empfindlich, dann sind es 50 Gramm mehr für die Version mit Pannenschutz. Ich finde das ziemlich leicht, der normale Prima TR kommt bei mir als nächstes drauf.
Das war auch bisher das, was mich von TL abgehalten hatte. Die Erfahrung mit einem großen Cut habe ich jetzt auch schon, aber eben mit einem sehr dünnen, empfindlichen Reifen. Mit einer (oder mehreren) Pannenschutzlagen ein eher unwahrscheinliches Szenario, ich rechne dann eher wie bei diversen Reifen mit Schlauch damit, dass die Schnitte nur die Lauffläche verunstalten und nicht tiefer gehen.
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