Peddinghaus Matador Schraubstock aus den 1970ern
Nachdem ich mich hier vor ein paar
Wochen gefragt hatte, wie man denn mit einem lädierten Stopper am Ende des Knebels eines Schraubstockes umgehen könnte, hatte
@toddio die eine Idee, die mir am meisten zusagte:
eine Abschlusskugel aus Metall.
Er selbst hatte
Anfang März einen überholten Peddinghaus Matador Schraubstock zu Verkauf gestellt. Meiner ist auch ein solcher, mit 135 mm Backenbreite, das wusste ich bis dahin bloß nicht. Mit meinem Schraubstock hatte ich mich noch nie beschäftigt, von meinem Vater vor ca. 15-20 Jahren bekommen, verrostet ohne Markenaufkleber o.ä., lange bevor ich meine Werkstatt überhaupt eingerichtet hatte. Ich dachte, dass das ein Noname-Teil sei. Dank @toddios Fotos wusste ich nun, dass das ein Markenschraubstock von Peddinghaus war.
Beim Googeln fand ich ein paar Fotos mit den Peddinghaus-Markenaufklebern. Solche Aufkleber kannte ich, von früher. Da wusste ich, dass das der Schraubstock war, den mein Vater Mitte der 70er für unseren Hof gekauft hat, an dem ich schon als kleiner Junge gestanden hatte. Die Verbindung war mir im Laufe der Jahrzehnte ganz entfallen. 1990 sind wir auf einen anderen Hof gezogen, dort gab es schon einen Schraubstock. Als 1995 der alte Hof verkauft wurde, muss mein Vater den Schraubstock extra geholt haben, für mich zu Seite gelegt haben. Fragen kann ich ihn nicht mehr, er ist lange verstorben.
Beim geplanten Ersatz des Stoppers gegen eine Kugel allein sollte es nun nicht bleiben. Der Schraubstock sollte nach 50 Jahren erstmalig eine "Generalsanierung" bekommen (mein Vater hätte sowas nie gemacht, er war Landwirt, kein Schlosser).
Nachdem der Schraubstock die ersten 20 Winter seines Daseins in Stallluft und -staub gestanden hatte, aber nicht in einer Schlosserwerkstatt, waren Verschleiß oder Gebrauchsspuren kaum zu finden, dafür umso mehr Rost. Und natürlich Dreck überall:
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Peddinghaus Schraubstöcke haben eine sehr starke Feder, die Spindel und Schlitten spielfrei zueinander hält. Für die komplette Demontage muss man den Sicherungsstift rausziehen, austreiben kann man den nicht, weil er gegen den Schlitten stößt. Der Stift saß hier sehr fest, mit Knipex ging's.
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Entrostung mit CSD-Scheibe, verschiedenen Bürsten auf Bohrmaschinen und Dremel, Reinigung mit Bremsenreiniger und Silikonentferner.
Peddinghaus Matador Schraubstöcke haben eine Einstellung der Schlittenführung, ein Merkmal, das die anderen beiden Platzhirsche der deutschen Schraubstöcke Brockhaus Heuer und Leinen in den 70ern nicht hatten. Der Arretierungmechanismus gegen ungewolltes Lösen lässt sich schwer beschreiben, deshalb ein paar Fotos und die Anleitung und
Werkzeug von früher.
Ein Blick in den Fuß, rechts oben die verstellbaren Führungselemente:
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Der eigentliche Mechanismus mit Arretierungen, M24 Schrauben, 1 mm Gewindesteigung, 6 Positionen.
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Die Anleitung mit Originalschlüssel, aus Kunststoff (habe ich auf Kleinanzeigen gefunden). Den Schlüssel braucht man nicht, es geht auch mit einem Inbusschlüssel, oder besser mit einem langen Sechskantbit, den man normalerweise in 8 mm eher nicht hat. Mit einem überzähligen 8 mm Inbusschlüssel kann man sich was basteln (unten).
"Achtung: Zuerst muß die eingebaute Sperre durch Eindrücken mit dem Spezialschlüssel geöffnet werden. Erst dann wied die Führung durch Rechtsdrehung enger oder durch Linksdrehung weiter gestellt"
6 Raststufen pro Umdrehung der Einstellschraube, wenn es ungünstig ausgeht, hat man 0,16 mm Luft. Das ist nicht spielfrei. Wenn man die beiden Stellschrauben gegeneinander austauscht, wird das sehr wahrscheinlich besser, bei mir war das so.
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"Ihr neuer Matador ist stahlgeschmiedet und damit
unbegrenzt haltbar." Na denn...
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Die neue Knebelabschluss-Kugel, 25 mm Durchmesser, 12 mm Bohrung, Edelstahl. Der Kleber ist nicht optimal, normalerweise für ganz kleine Spaltmaße vorgesehen, Loctite 638 wäre der richtigere gewesen. Hält wohl hoffentlich trotzdem.
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Neue Schonbacken noch, es sollten welche ohne Magnetstreifen werden, diese sind mit Neodym Magneten in der Mitte, Erfahrungen muss ich noch sammeln, 135 mm Backenbreite sind ein Peddinghaus Sondermaß von damals, solche Schonbacken gibt es in der Breite nicht, also 140 mm breite zurechtgestutzt.
Fertig:
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Oberflächenschutz:
- von unten und innen: Brunox Epoxy
- an den Seiten Owatrol
- oben stilecht Atlantic Radglanz, muss ich sicher regelmäßig erneuern, vermutlich auch hin und wieder Flugrost abwischen.
Alles was gegeneinander gleitet, wurde porentief gereinigt und wieder geschmiert. Trotzdem dreht sich die Spindel nicht leicht im Schlitten, die Federkraft der eingebauten Feder ist zu groß. Alles ordentlich eingestellt. Der Schlitten läuft jetzt spielfrei und der Schraubstock lässt sich gut mit einem Finger öffnen, das war beides vorher nicht so.
Eine Küchenarbeitsplatte ist nicht optimal in der Werkstatt. Aber das hier ist keine Schlosserwerkstatt, und der Baumarkt hatte diese damals genau passend in der Resteecke für ein paar Euro. Solche runden Metallplatten bekommt man auf Maß bei
Ebay, Ronde nennt man die.
Den nächsten Serviceintervall 2076 macht dann ein Enkel von mir.