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Sattelbau

Johnny B. Goode

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Hallo allerseits!
Ich bin ganz neu hier, habe mich bisher ausschließlich im Radforum getummelt. Bin also nicht nur auf Rennräder fixiert. Aber auf meinem diesjährigen Mallorca Urlaub reifte nach 20 Jahren des häufig-aus-dem-Sattel-Steigens der Entschluss, endlich etwas gegen Schmerzen bei längeren Touren im Gesäßbereich zu unternehmen und einen komfortablen Sattel selbst zu bauen. Mit GFK und CFK (Kohlefaser) kann ich umgehen, nachdem ich jahrelang Surfboards und später Motorradteile gebaut hatte und immer noch tue. Anfänglich hatte ich reichlich Lehrgeld bezahlt, nicht bei der Konstruktion der federnden bzw. flexenden Sitzschale. Die funktionierte von Anfang an perfekt. Bei meiner ersten Runde mit dem neuen Sattel war ich absolut begeistert. Aber mangels vorhandener Rails hab ich auch die Gestelle aus Carbon gefertigt, und da gabs zu Beginn Probleme. Sie knacksten bei hoher Belastung. Ärgerlich, aber besser, es passiert mir, als wenn ich einen Sattel einem Fremden verkaufe. Denn mir macht das Bauen Spaß, und ich hab inzwischen auf Halde produziert. Meine Sättel haben eine Schale aus drei Gewebearten, wobei Carbon für die Festigkeit sorgt. Sie sind federleicht, je nach Rails, die ich drunter baue. Einige liegen unter 100 Gramm, aber diesen Ehrgeiz hab ich inzwischen nicht mehr. Da ist mir die Dauerfestigkeit der Rails wichtiger. Leider hab ich bisher nur einen Rail-Liefernaten gefunden, und da sollen die Titan-Gestelle € 100 plus Mwst. kosten. Das zahlt mir niemand. Momentan geb ich die Sättel für'n Hunni her und nehme sie bei Nichtgefallen wieder zurück. Es stecken - leider - 10 bis 12 Stunden Arbeit in jedem Sattel, die Materialkosten liegen etwa bei 20 €. Kaufmännsich ein Wahnsinn, aber mir macht das Bauen Spaß, und ich hab Zeit (Ruhestand). Wer sich die Zeit nehmen will, der kann sich die Entstehung meines Sattelprojekts im Radforum durchlesen. https://www.radforum.de/threads/3124648-sattelbau
Gern verarbeite ich vorhandene Gestelle, wenn jemand einen alten Sattel mit guten Rails nicht mehr braucht - immer her damit! Die Rails zu bauen erfordert nach wie vor einen extrem großen Aufwand. Das können die Chinesen besser und viel billiger. Aber ich will keine billigen China-Carbonsättel ordern, um dann die Sitzschalen in die Tonne zu schmeißen.
So, das muss erst mal reichen. Genug gebabbelt. Auf das Echo bin ich gespannt.

Grüße aus Hamburg
Johnny, alias Max (Max war bereits vergeben als Nick)
 
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Phonosophie

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Welche Breite und Länge haben denn Deine Sättel? Und was wiegt jetzt ein Sattel? Hast Du verschiedene Sättel designt oder nur ein Modell?
 

Johnny B. Goode

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Breite:15 cm
Länge: 27 cm
Gewicht zwischen 100 und 120 Gramm.
Die Sättel sind gepolstert mit 3 mm Zellgummi (Moosgummi) und mit Leder bezogen.
Passend für einen Sitzknochenabstand von ~ 12 cm.
Im Prinzip ist es bisher nur ein Modell, bei dem ich allerdings kleine Abweichungen vorgenommen habe.
Ursprünglich war nur der Sitzbereich gepolstert, aus Gewichtsgründen.
Inzwischen ist die gesamte Sitzschale gepolstert.
Gebaut wurden die Sättel ursprünglich nur aus Komfortgründen. Die Leichtigkeit ist ein zusätzlicher Vorteil gegenüber herkömmlichen Sätteln von der Stange. Die 100 €, die ich derzeit für einen Sattel haben will, sind ein 'Einführungspreis'. Ich denke, die Qualität und der Komfort werden sich rumsprechen. Mein Fernziel sind € 200. Immer noch ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, wieviel Arbeit in jedem einzelnen Sattel steckt.
 
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Ragnar

Lightening Speed
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Da sich seit Jahrzehnten der Rennrad Sport der Individualisierung des Materials verschrieben hat ( zu Recht ), sprich optimierte Rahmengeometrien nach Maß, Radschuhe in unterschiedlicher Breite und Spannhöhe etc., finde ich die Idee von selbsthergestellten Sätteln per se nicht schlecht.
Die Sättel der unterschiedlichen Hersteller decken ja schon mehr als nur den Markt ab. Hier wäre die Chance groß, persönliche, orthopädisch korrekte auf die ermittelten Maße angepaßte Sättel anzubieten. Das sprengt aber die Möglichkeiten eines einzelnen privaten Anbieters, sowohl vom Aufwand als auch vom Preis her.
Du gibst Dir sehr viel Mühe, am Ende kommt aber auch " nur " ein Standardsattel zustande. Brotlose Kunst.
Die Chance alten Sätteln durch überarbeiten ein neues Leben einzuhauchen sehe ich allerdings - gibt es aber auch schon. Wer wie heutzutage Räder im Preisbereich von 5.000,- bis 10.000,- Euro kauft, schaut beim Sattel sicher nicht auf einen Hunderter Unterschied.
Wünsche trotzdem viel Erfolg, und Hut ab vor der handwerklichen Leistung !
 

Johnny B. Goode

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Danke für deine Einschätzung, Ragnar. Natürlich ist es brotlose Kunst, wenn man Aufwand und Preis betrachtet. Andererseits weiß ich nicht, ob es vergleichbare Seriensättel gibt, die diesen Komfort bieten. Der erste, der den Mut oder das Vertrauen hatte, einen meiner Sättel zu kaufen (natürlich mit meinem Angebot, ihn wieder zurückzunehmen) schrieb: Der beste Rennradsattel der Welt. Und jetzt wird er für sein neuestes Radprojekt einen zweiten bestellen, mit speziellen Lederwünschen. Kein Problem.
Das Bauen macht mir Spaß. Geld muss ich keins mehr verdienen. Aber verschenken will ich die Sättel natürlich auch nicht, bzw. nur an gute Freunde.
 

Johnny B. Goode

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Das ist mit 124 Gramm einer der schwereren Sorte. Dickes Leder und die Carbon Rails aus Fernost sind schwerer als meine. Mich stört das 'Gewicht' ja überhaupt nicht. Ich leiste mir den Luxus von drei Rennrädern, allerdings an drei verschiedenen Standorten. Das sind alles keine Leichtgewichte. Der Malle Renner ist jetzt 22 Jahre jung - still going strong. Ich hab allerdings das Glück, selbst in Relation zur Größe ein Leichtgewicht zu sein.
 
G

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Nach welchem Poppes wird denn die Form genommen? Von Superlativen halte ich immer nichts.
 

Johnny B. Goode

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Von Superlativen halte ich immer nichts.

Das kann ich verstehen. Ich auch nicht. Aber soll ich deshalb lügen?
Wie zitiert man hier? Ein entsprechendes Symbol hab ich nicht gefunden.
Der Werdegang ist ausführlich dokumentiert, aber ich kann gern noch mal eine Kurzform geben.
Ich hab meinen Sitzknochenabstand gemessen. Auf Mallorca hatte ich begonnen, Zeichnungen zu machen (bin Architekt im (Un-)Ruhestand).
Dann hab ich aber statt nach meinen Zeichnungen ein Modell zu bauen, einen billigen China- oder zumindest Fernost Sattel geordert und den nach meinen Vorstellungen umgestrickt. Der war lange die Grundlage für meine Sitzschalen. Da ich meine Sättel allerdings polstere würde die Nase zu dick werden, deshalb hatte ich anfänglich die Nase beim Polstern ausgespart und den Übergang gespachtelt. Inzwischen hab ich ein Modell gebaut, bei dem die Nase schmaler ist, so dass ich ganzflächig die 3 mm Zellgummi aufkleben kann. Mehr Polster, dafür fällt der Spachtel weg. Aufs Gewicht hab ich schon immer geachtet. Passen tut der Sattel bzw. die Sättel für Radler mit ähnlichem Sitzknochenabstand. Die Federwirkung kann ich beeinflussen, je nach Fahrergewicht. Aber die Zielgruppe liegt bei 60 bis maximal 90 kg. Ob meine Sättel auch für Frauen taugen, das weiß ich leider noch nicht. Interessant wäre es schon. Die Sitzschalen sind unzerbrechlich, bei hohem Fahrergewicht müssen die Rails entsprechend solide sein. Einem 90-Kilo-Interessenten würde ich keinen < 100-Gramm-Sattel verkaufen.
 

Johnny B. Goode

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Heute kam ein Paket mit edlen Materialien. Gestern erst bestellt, so muss das ... :)
Hochfestes Epoxidharz - bisher hatte ich immer Standard-Harz verwendet. Aber für die Rails ist das Beste gerade gut genug.
Und Carbongelege, da liegen die einzelnen Carbonfasern nebeneinander, nur in einer Richtung. Im Gegensatz zu Gewebe.
Das Gelege ist für die Herstellung der Rails ideal. Ich will nicht auf weitere Rails-Spender warten und muss in den sauren Apfel beißen und die Rails selbst fertigen. Zumal ich dadurch das Gesamtgewicht des Sattels drücken kann. 36 Gramm wiegt übrigens eine Sattelschale. Plus die Rails, plus das Polster, plus das Leder und Klebmaterial zum Verbinden von Rails mit der Schale. Drücken kann ich das Gewicht inzwischen nur noch durch sehr feines, dünnes Leder.
 

Johnny B. Goode

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Jeder Jeck ist anders. Ich hatte - auch wegen der edlen Optik - einen nackten Sattel gebaut, nur Klarlack drauf. Mir war er erstens zu hart, die 3 mm Zellgummi empfinde ich als sehr angenehm, trotz gepolsterter Radhose. Und mir war der Sattel zu rutschig. Das Gegenteil war ein Bezug mit Wildleder, da konnte man so gut wie gar nicht rutschen, um seine Position zu verändern. Leder hab ich reichlich, das ist ein Hobby von mir. Bin in einer Lederstadt geboren und hab Gerbsäure im Blut. Für die Sättel musste ich mich aber mit speziellem dünnem Leder eindecken, vor allem des Gewichts wegen. Wer will, der kann natürlich einen ungepolsterten Sattel in Sichtcarbon bekommen. Das spart Arbeit.
 

doctor.s

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Leichte bequeme und sehr flexende Sättel gibt es doch mittlerweile zu hauf! Zb Berk oder Björn oder oder oder
Dennoch Hut ab vor deiner Passion
Für mich sind sie aber nichts
 

Johnny B. Goode

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Das mag sein, ich hab mich mit dem Markt nicht auseinandergesetzt. Natürlich hätte ich mich in einem Radforum beraten lassen können. Mich hats aber gejuckt, die Idee des Selbstbaus umzusetzen. Ein Vergleich der von dir genannten Sättel mit meinen wäre mal interessant. Obwohl vermutlich jeder Hintern und jedes Empfinden unterschiedlich ist.
 

doctor.s

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Jepp jedes Empfinden ist unterschiedlich
Dennoch chapeau vor deiner Leistung
 

Johnny B. Goode

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Danke, doctor.s!
Na ja, chapeau? Wenn ich mir wirklich die Arbeit mache, einen für mich perfekten Sattel zu bauen, und es gibt so einen Sattel bereits zu kaufen, dann könnte ich meine Zeit vielleicht sinnvoller verbringen. Aber warten wir erst mal ab, ob weitere Kunden ebenfalls meine Begeisterung teilen, so wie der erste. Der kennt sich übrigens aus in der Szene, ich werde ihn mal fragen, was er von den von dir genannten Sätteln hält.
 

Phonosophie

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Das mag sein, ich hab mich mit dem Markt nicht auseinandergesetzt. Natürlich hätte ich mich in einem Radforum beraten lassen können. Mich hats aber gejuckt, die Idee des Selbstbaus umzusetzen. Ein Vergleich der von dir genannten Sättel mit meinen wäre mal interessant. Obwohl vermutlich jeder Hintern und jedes Empfinden unterschiedlich ist.
Mein Lieblingssattel ist der SLR XP den es leider nicht mehr gibt. Der hat aber ne ganz andere Form als Dein Sattel. Ich komme aber auch mit anderen Modellen zurecht. Auf meinem neuen Renner ist der neue Concor drauf. Der sieht Deinem schon ähnlich, aber ohne die Aussparung.
 

Johnny B. Goode

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Ich hab mal einen ohne Aussparung gebaut. Ist natürlich einfacher, die muss erst ausgesägt werden, und das Leder sauber um die Ecken bzw. kleinen Radien zu kleben ist schwierig. Die Sattelbezeichnungen sagen mir alle nix. Müsste ich erst gugeln.
Phonosophie klingt nach einer Frau. Fährst du auf normalen (Männer-) Sätteln?
 

Phonosophie

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Die Sattelbezeichnungen sagen mir alle nix. Müsste ich erst gugeln.
Sind klassische Rennsättel. SLR XP ist von Selle Italia und Concor von Selle San Marco. Ich hab noch andere Sättel hier liegen die noch ungebraucht sind. Nen teuren Prologo Scratch Pro mit Carbongestell und nen Fizik Aliante.
Und nein. Nix Frau.
 
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