Oh, Vorsicht

Dem ausgebildeten Statistiker sträuben sich die Haare bei diesen Argumentationen... Wahrscheinlichkeit ist im Prinzip das Verhältnis von erwartbaren "günstigen" Fällen zu möglichen Fällen . Also wenn ich mit dem Würfel 1x würfele, dann ist die Chance auf eine Sechs "1 Ausgang = 6 gewürfelt" zu "6 Möglichen Ausgängen = 1, 2, 3, 4, 5, oder 6 gewürfelt", somit 1/6. Wenn ich 2x würfele, dann habe ich 36 Möglichkeiten (erst die 2, dann die 1 ist etwas anders als erst die 1, dann die 2) und 11 "günstige Fälle", nämlich erst die 6 und dann mit dem zweiten Würfel eine andere Zahl (5 Möglichkeiten), Zahl 1-5 im ersten Wurf und dann die 6 (5 Möglichkeiten) und dann die 2x6 hintereinander (1 Möglichkeit) , somit eine Wahrscheinlichkeit von ca. 30,5%, Für Matheschüler: einfacher wäre es hier, über die Gegenwahrscheinlichkeit zu gehen, d.h. die Wkt KEINE 6 zu werfen ist 5/6 * 5/6 =0,694, dann rechnet man 1 - 0,694 , denn Wkt. Ereignis + Wkt. Gegenereignis gibt immer 1.
D.h. als Radfahrer muss ich die Chance auf einen Defekt dann ins Verhältnis setzen, wie lange ich fahre bzw. auf welche Nutzung ich die ausrechnen möchte. Ich kann also überlegen, mit welcher Wahrscheinlichkeit habe ich je Fahrt einen Defekt oder irgendwann übers Jahr verteilt. Das wird dann komplexer, weil man davon ausgehen muss, dass die Anfälligkeit für einen Kettenriss mit der Abnutzung steigt. Daher kann man diese Wkt. keinesfalls ohne weitere Einordnung mit 1:110 angeben und auch nicht sagen, dass die 1x im Jahr reißt.
Was man aber sagen kann: wenn man davon ausgehen kann, dass das
Kettenschloss genauso stabil ist wie alle anderen Glieder, dann ist die Chance bei einer 110-gliedrigen Kette wenn ich ein
Kettenschloss habe, dass bei einem Defekt das Schloss betroffen ist eben 1:110, bei zwei Kettenschlössern aber 2:110 und damit in der Tat doppelt so hoch. D.h. man könnte nun sagen "dann sind 2 Kettenschlösser gefährlich, weil die Chance dass eines kaputt geht doppelt so hoch ist" - das ist aber ein wunderschönes Beispiel, wie eine korrekte statistische Aussage (Wkt ist doppelt so hoch) praktisch nicht relevant ist und sogar irreführend, wenn man sie nicht im Kontext betrachtet bzw. richtig interpretiert. Denn relevant ist ja, dass die Kette überhaupt kaputt geht und nicht ob es das
Kettenschloss ist das reißt wenn irgendwas kaputt geht. Deswegen muss man bei solchen Aussagen immer sehr vorsichtig sein und in der öffentlichen Diskussion werden statistische Aussagen gerne auch falsch eingesetzt bzw. interpretiert.
So, das war jetzt zugegebenermaßen komplett OT - neudeutsch würde man sagen "ich fühlte mich getriggert"

Und ja, liebe Schüler und Studenten, Statistik ist toll und kann auch begeistern und man wundert sich immer wieder über Ergebnisse, die man so erhält!