Ausprobiert: Bianchi Oltre im RRN-Test

Bianchi. Der Name steht nicht nur für Tradition, sondern auch für Innovation. Vor wenigen Wochen haben die Italiener dies mit der Präsentation des Oltre XR erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Dessen Basis ist das Oltre, welches es in verschiedenen Ausführungen zu kaufen gibt. Das Rad, mit dem die Teams Vacansoleil-DCM und Androni-Giocattoli auf Erfolgsjagd gehen, haben wir im Test gehabt. Wie es sich geschlagen hat, erfahrt ihr hier.

[Rahmen und Gabel]

Der Rahmen des Oltre ist mittels der hauseigenen X-TeX Technologie aus Carbon gefertigt. Die besondere Faserverlegung trägt gleichermaßen zum geringen Gewicht wie auch der Steifigkeit des Rahmens bei.

Auf den ersten Blick wirkt das markant geformte Herzstück des Rades filigran und offenbart erst auf den zweiten Blick einige Besonderheiten. Zu diesen gehören die extrem schmalen Sitzstreben, das BB30-Innenlager sowie die interne Kabelverlegung. An der Front kommt zudem das konisch von 1 1/8″ auf 1.5″ zulaufende Steuerrohr hinzu. An der Gabel fallen die beidseitig angebrachten Flanken am Kopf auf, wodurch sich die Gabel perfekt an den Rahmen anpasst. Am Hinterbau weis die Bremsaufnahme Eindruck zu schinden. All diese Besonderheiten beruhen auf dem kompromisslos auf Aerodynamik optimierten Rahmendesign. Dies gilt auch für Sattelstützklemme, die zwar auf dem Sattelrohr sitzt, jedoch in die äußere Linienform des Rahmens eingepasst ist.

Die Gabelarme verlaufen relativ gerade und formen sich erst in Höhe der Ausfallenden. Neben einem angenehmen Nachlauf bietet die Front einen gewissen Komfort, ist aber ebenso steif genug, um schnelle Tempowechsel zuzulassen.

[Ausstattung]

Wir erhielten von Bianchi ein Testmodell in der Größe 55 und im typischen Celeste-Outfit. Als Gruppe war die weithin aus Carbon gefertigte Campagnolo Super Record verbaut. Die Kurbel verfügte dabei über Blätter mit der Abstufung 53/39 und die 11-fach Kassette über eine Abstufung von 11 auf 25 Zähnen.

An der Front war neben einem FSA Orbit C-40-CF-ACB Steuersatz auch ein FSA SLK Vorbau in der Länge 120 mm und ein FSA K-Force Compact Carbonlenker in der Breite 42 cm verbaut.

Die Sattelstütze stammt von Bianchi selbst und ist an die Rahmenform angepasst. Auf deren Ende befindet sich ein in Celeste bezogener Antares von Fi:zi:k. Aus dem gleichen Haus stammt auch das Lenkerband. Das weiße Microtex bietet nicht nur einen guten Halt, sondern auch ausreichend Komfort, besonders, wenn man ohne Handschuhe fährt.

Die Laufräder stammen aus dem Hause Fulcrum. Auf den extrem leichten Speed XLR, die über ein 50 mm hohes Felgenprofil verfügen, sind 23 mm breite Hutchinson Atom Comp aufgezogen.

[Fahreindruck]

Fast Forward! So lässt sich das Oltre vielleicht am Einfachsten beschreiben. Fertig auf die eigenen Bedürfnisse eingestellt, will das Rad vom ersten Tritt an nach vorn. Man merkt schnell, dass man es hier mit einem Profirenner zu tun hat. Kompromisse kennt das Oltre nicht. Schnell und ohne großen Tempoverlust kann man es durch Kurven manövrieren. Auch einem ordentlichen Sprint ist der italienische Adler nicht abgeneigt.

Seine Stärken beweist das Rad aber vor allem bergauf. Dank des geringen Gesamtgewichts von gerade einmal 6,5 kg, soviel brachte unser Testmodell auf die Waage, lässt es sich leicht bewegen. Dank des extrem steif wirkenden Tretlagerbereichs meistert es Tempowechsel spielerisch und vermittelt gleichzeitig ein hohes Maß an Sicherheit. Dies merkt man nicht zuletzt in spritzigen Abfahrten.

Im Flachen garantieren unter anderem die Fulcrum-Laufräder einen ordentlichen Vortrieb. Die Super Record arbeitet leise und zuverlässig, so, wie man es von Campagnolo gewohnt ist. Das Surren der Reifen auf dem Asphalt lässt Glücksgefühle zu.

Auch auf weniger komfortablem Untergrund leistet sich das Oltre keine Schwächen. Laufruhig und ausgeglichen lässt es sich über Pflaster und Unebenheiten steuern. Die angenehm flexende Carbonstütze trägt hier ein Übriges bei.

Das Oltre wirkt zu keiner Zeit unbequem, ganz gleich, ob man regenerative Fahrten unternimmt, oder sich im harten Trainings- und Rennalltag befindet.

[Plus/Minus]

Bianchis Oltre hat uns vom ersten Moment an überzeugt. Hochwertig verarbeitet und mit Top-Komponenten ausgerüstet ist das Rad einfach über jeden Zweifel erhaben. Ganz gleich, in welchem Gelände man sich bewegt, das Oltre wird es einem danken, dass man es ausführt.

Wer ein Rad sucht, mit dem man im Wettkampf und im Training gleichermaßen Spaß hat, der wird mit dem Oltre glücklich werden. Bianchi hat mit diesem Rad einen reinrassigen Profirenner geschaffen, der einem ein dauerhaftes Lächeln ins Gesicht zaubert.

Allerdings hat das Rad eine Schwachstelle, die wir euch trotz allen Lobes nicht vorenthalten möchten. Die integrierte Sattelstützklemme geht einher mit einer extremen Verjüngung des Sattelrohres. Mit einer Wandstärke von einem Millimeter und einer Klemmstärke von 5 Nm kann es hier im Ernstfall zu Komplikationen kommen, vor allem, wenn zu viel Flex auf der Sattelstütze ist. Eine vollkommen integrierte Lösung, wie sie beispielsweise Scott an seinem Foil bietet, wäre hier vielleicht die bessere Lösung.

[Preis und Geometrie]

Das Oltre ist freilich nicht das preiswerteste Rad. Unser Testmodell beläuft sich auf einen Preis von knapp 8000,00 EUR. Bianchi bietet den Rahmen jedoch auch mit anderen Komponenten zu wesentlich günstigeren Preisen an. Einen kompletten Überblick über die Modelle gibt es hier.

Um ein möglichst breites Angebot zu bieten, wird der Rahmen in den Größen 47, 50, 53, 55, 57, 59 und 61 ausgeliefert.


 

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