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Neues Ridley Kanzo Adventure im Test
Breiter fährt weiter

Das Ridley Kanzo Adventure im Test: Wenn es um Offroad-Rennräder geht, hat Ridley aus der Crossnation Belgien einen reichen Erfahrungsschatz. Jetzt stellt die Marke ihr bisher offroad-tauglichstes Gravel Bike vor: Mit dem Kanzo Adventure 2022 öffnet sich ein Himmel voller Bikepacking-Möglichkeiten. Wir haben es durchs Gelände geschickt.

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Ridley Kanzo Adventure 2022 Infos und Preise

Die stark im Cyclocross engagierten Belgier*innen von Ridley haben den Gravel-Trend früh erkannt. Und sie legen großen Wert auf die Geometrie ihrer Geländerennräder. Als einer der wenigen Hersteller haben sie gleich vier verschiedene Gravel Bikes im Programm: das schnelle Aero Gravel Bike Kanzo Fast, das eher Allroad-Bike orientierte Kanzo Speed und das Kanzo A als vielseitiges Einstiegs-Gravel Bike mit Aluminiumrahmen sowie das Kanzo Adventure, das Richtung Bikepacking tendiert, aber nicht alle Ansprüche von Tourenliebhaber*innen bedient. Mit dem neuen Kanzo Adventure 2022 stellt Ridley jetzt sein bislang offroad- und bikepacking-tauglichstes Gravel Bike vor, das darauf konsequent bis ins Detail abgestimmt wurde. Die Eckdaten:

Preise
Ridley Kanzo Adventure SRAM Rival 1×11 – 3.475 €
Ridley Kanzo Adventure Shimano GRX 800 1×11 – 3.999 €
Ridley Kanzo Adventure SRAM Rival XPLR 1×12 – 4.899 €

# Das neue Ridley Kanzo Adventure 2022 - aus dem Stand fertig für anspruchsvolle Bikepacking-Touren oder noch Optimierungsbedarf? Das haben wir getestet.

Diashow: Neues Ridley Kanzo Adventure im Test: Breiter fährt weiter
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# Zum Test rollte das Top-Modell an - es bringt eine SRAM Rival eTap AXS XPLR 1x12-Funkschaltung mit und kostet 4.899 €.
# In das von Grund auf neu entwickelte Carbonrahmen-Set passen Reifen bis 2,1″ in 700c - in Sachen Montagemöglichkeiten ist es sehr vielseitig aufgestellt.

Steckbrief

EinsatzbereichTour, Gravel, Reise
RahmenmaterialCarbon
GabelCarbon
Gewicht (o. Pedale)9,1 kg
Stack591 mm
RahmengrößenXS, S, M, L; XL (im Test: M)
Websitewww.ridley-bikes.com
Preis: 4.899 €

Unser Ridley Kanzo Adventure XPLR Testrad ist das Top-Modell der neuen Baureihe und rollt mit einer SRAM Rival AXS XPLR 1×12-Funkschaltungs-Gruppe vor. Innerhalb des Ridley Gravel Bike-Spektrums ist es das Gravelbike mit den besten Voraussetzungen für ausdauernde Touren mit vollen Bikepackingtaschen über gröberes Gelände und macht dafür Anleihen bei Hardtail-Mountainbikes. Wem die Lackierung mit einem Anstrich von Adventure Tarn-Look nicht zusagt, wird sich freuen, dass das Design und die Lackierung im Ridley-Konfigurator frei wählbar sind. Unser Kanzo Adventure-Testrad ist mit 47 mm breiten Reifen und Carbon-Gravel-Laufrädern der Haus-Komponentenmarke 4ZA ausgestattet. Das Einstiegsmodell mit SRAM Rival 1×11-Gruppe kostet 3.475 €. Das bedeutet im Vergleich zu Angeboten bekannter Direktanbieter, wo es in dem Bereich die Rival AXS XPLR-Gruppe gibt, einen Aufpreis. Angesichts der breiten Reifen und der Bikepacking-Möglichkeiten des Carbonrahmens ist das Gewicht des Testrades an der Waage mit 9,1 kg in Ordnung.

# Kanzo ist die Gravel Bike-Serie der Belgier*innen - so viele Bikepacking-Montagemöglichkeiten wie das Adventure hat kein anderes Bike der Serie. Unter der Abdeckung kann ein „Hundeknochen“-Einsatz montiert werden zum Festzurren von Dingen.
# Auch unter dieser Abdeckung verbirgt sich ein cleveres Detail.
# Dort sitzt eine Aufnahme für einen Scheinwerfer. Die Bohrung für das Lichtkabel mündet in einem Kanal zur Verlegung.
# Auf dem Unterrohr lassen sich bis zu 2 Flaschenhalter anbringen - oder ein besonders tief platzierter, damit Raum für die Oberrohrtasche bleibt.
# An der Carbongabel können Cages ebenso wie ein Lowrider andocken - bis zu 3 kg pro Seite darf die Gabel tragen, laut Ridley nach MTB-Standards getestet.

Ausstattung: ein Rahmen, alle Möglichkeiten

Kanzo Adventure SRAM Rival 1Kanzo Adventure GRX 800 1xKanzo Adventure SRAM Rival XPLR
Preis 3.475 €3.999 €4.899 €
RahmenCarbon, Geometrie für Federgabel geeignet, 12 mm-Steckachsen, Flat-Mount
Carbon, Geometrie für Federgabel geeignet, 12 mm-Steckachsen, Flat-Mount
Carbon, Geometrie für Federgabel geeignet, 12 mm-Steckachsen, Flat-Mount
Gabel4ZA Gravel Vollcarbon, 12x100 mm Steckachse4ZA Gravel Vollcarbon, 12x100 mm Steckachse4ZA Gravel Vollcarbon, 12x100 mm Steckachse
Schalt- und AntriebsgruppeSRAM Rival 1x11Shimano GRX 800 1x11SRAM Rival 1x12
Schaltwerk / UmwerferSRAM Rival 1x11 / –Shimano GRX 810 GS / –SRAM Rival XPLR
Kurbel / ZähneSRAM Rival 1 / 42TRotor Vegast / 42TSRAM Rival AXS / 42T
Ritzel / ZähneSRAM PG 1130 / 11-42TShimano CS-M8000 / 11-42tSRAM XG-1251 / 10-44T
Bremsen SRAM Rival 1 Disc Shimano GRX 800 Disc SRAM Rival Disc
LaufradsatzForza Norte Gravel, Alu, Tubeless Ready, 24 mm MaulweiteOrbea Ready GR /
Forza Norte Gravel, Alu, Tubeless Ready, 24 mm Maulweite
Forza Levanto Gravel Carbon, Tubeless Ready, 23 mm Maulweite
ReifenVittoria Mezcal TNT, 44-62Vittoria Terreno Dry TLR G2.0 TNT, 47-622Vittoria Terreno Dry TLR G2.0 TNT, 47-622
LenkerRitchey Butano II COMP, AluRitchey Butano II COMP, AluRitchey Venturemax, Carbon
VorbauForza Stratos, AluForza Stratos, AluForza Stratos, Alu
SattelSelle Italia Model X SuperflowSelle Italia X-LRSelle Italia X-LR
SattelstützeForza Stratos, AluForza Cirrus, Alu-CarbonForza Cirrus, Alu-Carbon
BesonderheitenLichtkabelverlegung vorbereitet, Lowrider und Gepäckträger möglich, Vielzahl an Bikepacking-Montagemöglichkeiten Lichtkabelverlegung vorbereitet, Lowrider und Gepäckträger möglich, Vielzahl an Bikepacking-Montagemöglichkeiten Lichtkabelverlegung vorbereitet, Lowrider und Gepäckträger möglich, Vielzahl an Bikepacking-Montagemöglichkeiten

Die Basis des Ridley Kanzo Adventure XPLR bildet das voluminös wirkende Carbonrahmen-Set. Es bleibt in allen 3 Ausstattungsvarianten identisch. Ridley betont, dass es nach dem Lastenheft eines potenten Adventure Gravel Bikes von Grund auf neu entwickelt wurde. Als Beispiel für die Liebe zum Detail nennen die Belgier*innen die Montagepunkte. Ihre Anordnung wurde am 3D-Druck-Modell von Rahmen und Gabel mit verschiedensten Bikepacking-Taschen und Trinkflaschen praktisch erprobt. Bis man zur jetzigen Lösung gelangte. Und die sieht wie folgt aus:

Geradezu gespickt mit Anschraubpunkten für Flaschenhalter, Bikepackingtaschen und Zubehör ist das Hauptrahmendreieck: Sattelrohr 3x, Unterrohr 4x, unter dem Tretlagerbereich 3x – so lautet die Formel für Vielseitigkeit hier. Ein cleveres Detail findet sich am Oberrohr: Wahlweise kann dort die bekannte „Fuel-Tank“-Oberrohrtasche befestigt werden. Alternativ kann über ein „Hundeknochen-Inlay“ eine mitgelieferte Werkzeug-Rolltasche verzurrt werden. Das gefällt uns sehr gut.

An der Carbongabel des Ridley Kanzo Adventure setzt sich die Bikepacking-Offensive fort. So stehen je Gabelscheide 3 Punkte für anschraubbares Zubehör wie Cages zur Verfügung. Schutzblech-Montagepunkte: ja! Auch ein Lowrider passt.

Ein echter Bonus für ein Gravel Bike dieser Klasse ist aber die Lichtvorbereitung. Lichtkabel können von einem Nabendynamo durch die Gabel zum Scheinwerfer gelegt werden, wobei eine Führung im Inneren das Ziehen der Stromleitung einfach macht. Und auch am Oberrohr wandert das Lichtkabel für das optionale Rücklicht nach innen, ist damit bei der Montage einer Framebag nicht im Weg. Ein Gepäckträger kann selbstverständlich auch montiert werden.

# Die massive Reifenfreiheit des Kanzo Adventure erweitert den Fahrspielraum erheblich - schon mit den 47 mm breiten, leicht profilierten Vittoria Terreno Dry waren trockene Trails kein Problem.
# In der Gabel ist erkennbar viel Raum - so muss man auch bei nassen Bedingungen, die es im Testzeitraum nicht gab, keine Dreckansammlung fürchten.
# Auch am Hinterbau ist viel Platz - das breite, abgeflachte Sitzrohr kann zum Komfort beitragen (und schützt etwas vor Dreck).
# Tief angesetzte Sitzstreben sollen Sattelstütze und -rohr Raum zum Flexen geben - und das gelingt hervorragend, wie wir im Test erfuhren.
# Das Innenlager ist als BB86 ausgeführt - der Rahmen wirkt insgesamt sehr verwindungssteif.
# Eine praktische Einteilung an der Sattelklemmung - so kann man die Neigung des Sattels nach Verschieben replizieren.

Bei so viel Transportkapazität und Randonneur-Potenzial wundert es uns etwas, dass Ridley dem Kanzo Adventure mit 110 kg einen recht engen Beladungsrahmen setzt. Bikepacking Light lautet die Devise. Immerhin: Mit 3 kg je Gabelscheide kann das Gepäck gut verteilt werden. Dabei legen die Belgier*innen Wert auf die Feststellung, dass sie die Gewichtszulassung nach MTB-Standards getestet haben.

Noch ein Blick auf die Rohrformen und Verarbeitung: Die Sattelstreben sind tief angesetzt. Das gibt dem Sattelrohr und der Sattelstütze mehr Raum zum Flexen, was spürbar ist. Dazu später mehr. Alle Leitungen verlaufen innen. Aber auch, wenn es aero aussieht – im vorhandenen eigenen Windkanal war Ridley mit dem Kanzo Adventure 2022 nicht.

Das Rolling-Chassis wird komplettiert von Forza Levanto G-Carbonlaufrädern mit einer 23-mm-Innenmaulweite und einem 40 mm hohen Aeroprofil. Ausgestattet ist der Laufradsatz mit einem Satz relativ leicht rollender Vittoria Terreno Dry (hier zum Vittoria Terreno Dry im Gravel-Reifen-Test) in der neuen Breite von 47 mm.

Ein flüchtiger Blick auf die Forza-Anbauteile offenbart dem*der Betrachter*in klassische Standards und Dimensionierungen, jedoch fallen spätestens beim zweiten Blick die gänzlich fehlenden Züge am Cockpit auf. Diese werden von den Schalt-Bremshebeln in den Lenker, direkt in den Vorbau und den Gabelschaft geleitet. Das Ergebnis ist eine extrem saubere Optik an der Front, welche jedoch wegen der proprietären Teile die Individualisierung einschränkt. Die Wahl des Lenkers mit einem 130 mm Drop und leichter Ausstellung ist jedoch für den Einsatzzweck gelungen. Die Forza Cirrus-Sattelstütze dagegen ist genau so, wie sie zu sein scheint: rund, gerade, 27,2 mm dick und, wir nehmen es vorweg, saukomfortabel.

# Die SRAM Rival AXS XPLR-Schaltgruppe macht ihre Sache perfekt - das Kettenblatt könnte fürs Fahren mit Gepäck aber ruhig kleiner gewählt sein.
# Das per Funk angesteuerte E-Schaltwerk arbeitet exakt und schnell - Ersatzakkus und Ladegerät sind klein, leicht und transportabel.
# Die 10-44-Kassette kann das Rival XPLR-Schaltwerk noch bedienen - größer geht offiziell nicht.
# Der 4ZA Levanto-Carbonlaufradsatz mit 23 mm Maulweite stützt die Reifen gut ab - er wirkte auch sehr seitensteif.

Geschaltet wird mit der SRAM Rival XPLR eTap AXS Wide-Schaltgruppe. Ausgestattet mit einem 42 Zähne zählenden Kettenblatt und der XPLR XG-1251-Kassette mit 10-44 Zähnen wird eine Bandbreite von 440 % geboten. In Entfaltung ausgedrückt ergeben sich im Set-up ab Werk Werte von 2,15 m im leichtesten bis 9,45 m im schwersten Gang. Hier findet ihr die Ridley Kanzo Adventure XPLR-Schaltung im Ritzelrechner.

Die weiteren Ausstattungsvarianten des Ridley Kanzo Adventure unterscheiden sich vorrangig in der Antriebsgruppe und den Laufrädern. Günstigere Varianten schalten alle mechanisch: entweder mit der SRAM Rival 1 oder mit der der Shimano GRX 800 1x. Beide Varianten teilen sich die Forza Norte Gravel-Laufräder. Es handelt sich um Aluminium-Laufräder mit niedrigem Profil in der Größe 622-24 und sind auch in Sachen Übersetzung gleich aufgestellt, nämlich etwas weniger bergtauglich als das Top-Modell in unserem Test. Auch auf den Flex der Carbonsattelstütze muss man bei den günstigeren Kanzo Adventure verzichten.

Geometrie: lang, länger, Adventure

An der Geometrie des neuen Kanzo Adventure lässt sich gut ablesen, dass Ridley dank der breiten Modellpalette keine halben Sachen bei der Gelände-Tauglichkeit machen muss. Das Kanzo Adventure besitzt das, was sich in der Gravel Bike-Kategorie gerne progressive Geometrie getauft wird. Man macht Anleihen beim MTB: mit einem flacheren Lenkwinkel, einer größere Tretlagerabsenkung, einem langen Radstand und einem steileren Sitzwinkel. Dazu ein kürzerer Vorbau und ein leicht verlängerter Reach, um die Lenkung dennoch agil zu halten.

# Cleanes Cockpit - alle Leitungen verlaufen im Rahmen. Das erleichtert die Taschenmontage, aber erschwert das nachträgliche Anpassen von Vorbau und Lenker erheblich.
# Einer der bequemsten Sitzorte derzeit an Gravel Bikes - das liegt nicht (nur) am Sattel, sondern am herausragenden Komfort am Heck des Ridley Kanzo Adventure.
# Dagegen hätte der Griff an den Oberlenker noch einen Tick komfortabler ausfallen können, finden wir - der leichte Flare des Lenkers bringt bessere Kontrolle bergab im Unterlenker.

Aber das Kanzo Adventure ist sogar noch etwas progressiver als das Gros der bikepacking-orientierten Gravel Bikes. Imposant ist ein Vergleich mit dem Canyon Grizl CF. Satte 5 cm länger fällt der Radstand des Kanzo Adventure aus als beim Grizl in Größe M. Dabei kommt die Länge vor allem an der Front zu Stande, bei gleich langen Kettenstreben.

Ein Blick auf den Lenkwinkel erklärt den Längengewinn. Der ist beim Kanzo Adventure so flach wie bei wenigen Gravel Bikes. Das lässt stark beruhigtes Lenkverhalten und Spurtreue auf Trails und sehr grobem Gravel-Geläuf erwarten.

Apropos grobes Terrain: Ridley hat die Geometrie bereits für den Einbau einer Gravel-Federgabel à la RockShox Rudy XPLR ausgelegt. Auch als Option im Konfigurator sollen Federgabeln später erhältlich sein. Zugleich verspricht ein vergleichsweise großer Stack eine aufrechtere Sitzposition. Die verschafft bergab Überblick und entlastet auf langen Touren die Haltemuskulatur.

Rahmengröße XS S M L XL
Laufradgröße 28″ / 700C 28″ / 700C 28″ / 700C 28″ / 700C 28″ / 700C
Reach 379 mm 387 mm 401 mm 415 mm 426 mm
Stack 546 mm 569 mm 591 mm 617 mm 639 mm
STR 1,44 1,47 1,47 1,49 1,50
Lenkwinkel 70,8° 70,8° 70,5° 70,5° 70,5°
Sitzwinkel, real 74,5° 74° 74° 74° 73,5°
Oberrohr (horiz.) 530 mm 550 mm 570 mm 592 mm 615 mm
Steuerrohr 115 mm 140 mm 165 mm 192 mm 215 mm
Sitzrohr 470 mm 495 mm 520 mm 545 mm 570 mm
Kettenstreben 435 mm 435 mm 435 mm 435 mm 435 mm
Radstand 1.024 mm 1.041 mm 1.065 mm 1.088 mm 1.107 mm
Tretlagerabsenkung 75 mm 75 mm 75 mm 75 mm 75 mm
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Ridley Kanzo Adventure – Test auf dem Kurs

Der Boden für den harten Einsatz in unwegsamem Terrain ist also konsequent bereitet. Doch wie übersetzt sich das auf den Kiesweg? Nun, das Kanzo Adventure lädt zum Genussgraveln ein. Die Reifen wollen für maximalen Komfort mit niedrigem Druck gefahren werden und rollen dennoch gut. In der Ebene und auf Asphalt erreicht das Rad spielerisch die 30-km/h-Grenze. Wer lange deutlich schneller fahren will, muss aber auch mit deutlichem zusätzlichem Leistungseinsatz rechnen. Denn sowohl die 47 mm dicken Reifen, als auch die breite Griffhaltung am Lenker bremsen den Tempodrang. Aber Asphalt oder ebener Untergrund taugen dem Ridley Kanzo Adventure ohnehin nicht so gut. Auf der Straße ist man klar „overbiked“. Das Ridley Kanzo Adventure will im Gelände bewegt werden.

Auf der Straße ist man klar „overbiked“

Also, runter von der Straße, rein ins Vergnügen. Erster Eindruck: Was für ein gelungenes Komfort-Set-up! Hastig genommene Kopfsteinpflasterpassagen oder mit Wurzelbuckeln garnierte Waldwege werden ohne große Schockmomente bewältigt. Neben den Reifen ist der zweite maßgebliche Punkt hierfür die Sattelstütze mit ihrer großen freien Länge zum Flexen. Das abfallende Oberrohr und die tief angesetzten Kettenstreben machen es möglich.

# Wenn es schnell und steil bergab geht, ist das Ridley Kanzo Adventure in seinem Element und vermittelt viel Sicherheit.
# ridley-kanzo-adventure-2022-63
# ridley-kanzo-adventure-2022-61

Der Komfort am Lenker ist leider nicht ganz so überragend wie am Sattel. Der Lenker ist zwar deutlich abgeflacht, der Komfort in Oberlenkerhaltung passt für uns aber dennoch nicht ganz ins Bild des sonst so konsequent auf Komfort getrimmten Kanzo Adventure. Besser wäre hier vielleicht noch komfortableres Lenkerband. Das Graveln in der ausgestellten Unterlenkerposition gefällt dagegen auch auf ruppigen Untergrund sehr gut. Hier flext der Lenker ohne zu flattern.

Auf dem Trail lässt sich das Kanzo Adventure gut bei den Hörnern/Hoods packen und willig um Hindernisse manövrieren. Die breiten Reifen auf den 23 mm breiten Felgen schaffen Vertrauen und genug Bodenhaftung. Enge, langsame Kurven bringen bei geringem Reifendruck etwas Kippeln in die Lenkung – für solche Aufgaben gibt es bessere Bikes.

# In Sachen Kraftübertragung bei Spurts lassen Rahmen und Räder keine Wünsche offen - aber natürlich wirken die hohen Felgen und die schweren Reifen träger im Antritt.

Je schneller es geradeaus und um die Kurven oder bergab geht, desto lieber hat man das Kanzo Adventure. Wir haben das Rad sowohl auf mit Steinen übersäten als auch auf wurzeligen Trails bewegt und können der Kombination aus Rad und Reifen, zumindest für die zum Zeitpunkt des Tests trockene Wetterlage, einen guten und zuverlässigen Grip bescheinigen. Der Vittoria Terreno Dry-Reifen mit seinen kurzen und dicht gesetzten Stollen im Zentrum der Lauffläche verzahnt sich gut mit sämtlichen Untergründen und auch die gröberen Seitenstollen haben uns im mäßigen Geländeeinsatz nicht die Bodenhaftung versagt.

Das Kanzo Adventure klettert mit den langen Kettenstreben und dem steilen Sitzwinkel auch an Steilstücken wie eine Bergziege. Aber schon im Bergischen Städtedreieck Wuppertal-Remscheid-Solingen haben wir noch im unbeladenen Zustand auf Waldwegen den leichtesten Gang der Schaltung bemühen müssen. Für Bikepackingtouren hätten wir uns hier eine größere Untersetzung gewünscht. In unseren Augen wäre ein 38er-Kettenblatt die beste Wahl angesichts der Ausrichtung des Rads. Auch das Ziehen der eingebauten Classified-Option erscheint als attraktive Variante für den vollgepackten Hardcore-Bikepacking Einsatz.

# Der hohe Komfort und die Sitzposition sind für lange Tage im Sattel wie gemacht.
# So kann es auch schon mal ...
# ... spät werden.

Das ist uns aufgefallen

Alternativen zum Ridley Kanzo Adventure

Welche Gravel Bikes sind dem neuen Ridley Kanzo Adventure ähnlich oder kommen nahe? Ein Kriterium bei der folgenden Auswahl war die Reifenfreiheit.

 

 

 

# Individuelles Bikepacking Komfort-Paket

Ridley Kanzo Adventure Test-Fazit

Ridley setzt mit dem Kanzo Adventure XPLR ein sehr gelungenes Bikepacking-Rad neu auf. Bereits in der Werksausstattung bereitet es viel Spaß im Gelände und spendet einen überragenden Komfort für lange Touren auf schlechten Wegen. Mit kleinen gezielten Optimierungen kann das Rad zur Bikepacking-Bergziege oder Trail-Rakete werden (immer in Gravel Bike-Maßstäben). Beide Charaktere schlummern in diesem Rad. Das Einstiegsmodell kann sich angesichts der gebotenen individuellen Optionen auch preislich noch sehen lassen, ein Schnäppchen ist das Kanzo Adventure 2022 aber nicht.

Pro / Contra

Pro

  • Eingebaute Optionen fürs Bikepacking und Commuten
  • Komfort
  • Reifenfreiheit
  • Fahrsicherheit
  • Preis/Leistung

Contra

  • Gewichtszulassung
  • Nachträgliche Anpassung der Sitzhaltung
  • Etwas träge

Wie seht ihr das neue Ridley Kanzo Adventure im Kreis der Adventure Gravel Bikes?


Testablauf

Hier haben wir unsere Fahreindrücke gesammelt:


Testräder werden bei den Herstellern für den Test in der beschriebenen Kategorie angefragt. Die Hersteller stellen das Rad kostenlos in der Art und Weise zur Verfügung, wie es der Fachhandel erhält; bei Testrädern von Direktanbietern, wie sie der Endkunde erhält, also vormontiert. Testräder werden in der Redaktions-Werkstatt endmontiert. Für den Test werden die Räder gewogen, die Sitzposition wird bei identischer Sattelhöhe (bezogen auf die Tretlagermitte) vermessen und die Reifen auf den mittleren empfohlenen Reifendruck befüllt. Für eventuelle Geländefahrten wird der Reifendruck zusätzlich auf den unteren empfohlenen Wert gesenkt. Nach Testende erhalten die Hersteller die Testräder zurück.
Tester-Profil: Jan Gathmann
Körpergröße 180 cm
Schrittlänge 86 cm
Oberkörperlänge 51 cm
Armlänge 62 cm
Gewicht 75 kg
Jan fährt vom Bahnrad über den Stahl-Klassiker bis zum Cyclocross- und Gravelbike alles, was einen Rennlenker hat – nur mit den Unterarmen auf dem Auflieger sieht man ihn selten. Bewunderte Pro-Fahrer: Klassikerspezialisten. Meistgemiedenes Terrain: lange flache Geraden.
Fahrvorlieben
Lieber kurz und schnell als lang und erschöpfend
Bevorzugtes Terrain
Mittelgebirge, Flandern, kurvig, gerne auch mit Flatterband auf Wiesen
Vorlieben bei der Sitzposition
Kompromiss zwischen Endurance und Race
Sprinter, Rouleur oder Kletterer?
Am ehesten wohl Rouleur. Für den Sprinter fehlen die Ellenbogen und die Watt, für den Kletterer zu schwer
Tester-Profil: Ingo Hoffmann
Körpergröße 191 cm
Schrittlänge 91 cm
Oberkörperlänge 64 cm
Armlänge 68 cm
Gewicht 70 kg
Ingo, 1985 geboren, ist studierter Maschinenbauingenieur mit dem Fokus auf Werkstofftechnik und arbeitet eigentlich in einer Freiformschmiede im Bergischen Land. Zum Abschalten fährt er Fahrrad und hat seit frühster Kindheit an seine Fahrräder selbst zusammengestellt. Ingo fährt vom Aero-Rennrad bis zum XC-Hardtail alles, jedoch maximal der goldenen Ananas hinterher. Strava: https://www.strava.com/athletes/.
Ich fahre hauptsächlich
Rennradtouren, CX-Rennen, Gravelrides
Vorlieben bei der Geometrie
Gemäßigt sportlich, eher lang

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Text: Ingo Hoffmann, Jan Gathmann / Fotos: Jan Gathmann
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