In einem Video-Interview nimmt UCI-Präsident David Lappartient Stellung zur Aufgabe des Dopingverfahrens um Chris Froome. Er bezeichnet die extremen Reaktionen von Fans weltweit als „völlig inakzeptabel“.

„Die internationalen Organisationen wie die UCI müssen den Entscheidungen der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) folgen. Sie sind die Experten“, sagt Lappartient in der Stellungnahme, die von der UCI auf Youtube veröffentlicht wurde. Dass das Verfahren mit neun Monaten so lange gedauert hat, begründet Lappartient damit, dass der Fall so komplex gewesen sei. Sehr viele Experten hätten hinzugezogen werden müssen, um die Akten zu analysieren, die von Froome übermittelt wurden. Auch dass der Fall jetzt so kurz vor der Tour geschlossen wurde, liegt laut Lappartient vor allem an den Prozessen zwischen Froome und WADA. Froome habe die entscheidenden Dokumente erst am 4. Juni beigebracht, die WADA habe daraufhin ihre Stellungnahme am 28. Juni abgegeben. Die verbleibende Zeit habe die UCI für interne Prozesse benötigt.

Hintergrund: Die Entscheidung der UCI kam kurz nachdem die Tour de France-Organisation A.S.O ein Startverbot für Froome verhängt hatte. Lappartient: „Es gibt nicht die geringste Verbindung zwischen diesen beiden Fakten“. Und weiter: „Die Menschen wollen einen sauberen Sport. Nach dem Bekanntwerden (des zu hohen Salbutamol-Wertes im Urin) sahen die Leute Chris Froome als schuldig. Deshalb haben sie von der UCI erwartet, dass sie die gleiche Entscheidung trifft, wie ihre Gefühle vorgeben. Aber die UCI muss einigen Regeln folgen“. Lappartient bezeichnet einige Reaktionen gegen die UCI, gegen die Entscheidung und gegen den Fahrer selbst als „zu extrem“ und „nicht akzeptabel“.

Lappartient sieht die UCI an der Spitze des Anti-Doping Kampfes. Er weist in dem Zusammenhang auf die letzten Beschlüsse der UCI zum Verbot von Tramadol und der Entwicklung eines Anti-Doping-Verfahrens für Glucokortokoide hin, die im Zusammenhang mit der Entscheidung zu Scheibenbremsen im Peloton verkündet wurden und deshalb in der Öffentlichkeit etwas untergingen.

Wie Lappartient sagt, will die UCI Tramadol und Glucokortikoide auf die Liste der verbotenen Substanzen aufnehmen lassen. Dies sei bisher durch die WADA immer abgelehnt wurden. Rund 65% des Tramadol-Missbrauchs erfolge im Radsport, ähnliches gelte für Glucokotikoide. Man wolle die Substanzen nur auf der Anti-Doping-Liste für den Radsport haben, nicht für alle Sportarten. Man ziele auf einen vorsorglichen Ausschluss (der betroffenen Fahrer) bei positiven Befunden dieser Substanzen, der nicht auf den internationalen Richtlinien beruhe.

Fans hatten auf Social-Media-Kanälen zum Kampf gegen Froome aufgerufen. Das bezeichnet Lappartient als „völlig unakzeptabel“. Lappartient: „Ich sehe es als meine Mission, für die Sicherheit aller Fahrer zu sorgen“.

Im Video fordert Lappartient mehrmals dazu auf, der UCI zu vertrauen. Ist Lappartient als Erneuerer glaubwürdiger als andere UCI-Präsidenten vor ihm?

Foto: Screenshot UCI

Über den Autor

Jan Gathmann

Jan Gathmann leitet die Rennrad-News Redaktion von Wuppertal aus, der Stadt, die ihr Radstadion dem Fußball opferte. Er testet, interviewt und versucht Renngeschehen in Worte zu fassen. Jan ist gelernter Journalist, testet seit 20 Jahren Fahrräder (davor Autos) und schreibt darüber ebenso gerne wie über Menschen aus der Fahrradwelt, unter anderem schon für Trekkingbike, Velomotion und zuletzt beim RADtouren-Magazin. Er fährt am liebsten alles, was einen Rennbügel hat: vom Bahnrad bis zum Monster-Gravelbike. Jan liebt auch Schlamm, weshalb er gelegentlich auf dem MTB gesehen wird. Persönliche Palmarès sind ein beendetes C-Klasse Amateurrennen und ein 10. Platz bei einer Deutschen Fahrradkurier-Meiserschaft in Berlin.

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