Die 6. Etappe des Giro 2018 stellte die Klassementfahrer vor die erste ernste Herausforderung. Mitchelton-Scott überraschte mit einer Doppelspitze. Yates fuhr ins Rosa Trikot, sein Teamkollege Chaves übernahm das Weiße von Max Schachmann.

1.670 Höhenmeter waren im Finale mit der Bergankunft auf den Ätna zu klettern. Spannend wurde es auf den 169 km von Caltanissetta zum Ätna im Kampf um das Rosa Trikot, aber auch das Weiße Trikot von Maximilian Schachmann war gefährdet, das der Deutsche mit nur wenigen Sekunden vor Sam Oomen (Sunweb) trug. Oomen war in einer großen Gruppe von 28 Fahrern, die sich erst spät abgesetzt hatte. Mit dabei auch einige starke Bergfahrer wie Diego Ulissi (UAE-United Emirates), Sergio Henao (Sky), Robert Gesink (LottoNL-Jumbo) oder Rubio Chaves (Mitchelton-Scott) und Frapporti, der zweite in der Bergwertung. Astana übernahm zunächst die Nachführarbeit. Die Mannschaft und Mikel Angel Lopez war vorne nicht vertreten. Auch Bora-Hansgrohe, Quick-Step und Lotto-Fix All hatten vorne keinen dabei. Unterstützung gab es aber erst nur von BMC, die in der Pflicht waren das Rosa Trikot von Rohan Dennis zu verteidigen.

Das Finale für die Kletterer begann im Grunde schon bei Ponte Barca, rund 40 km vor dem Ziel. Ab dort ging es vorwiegend bergauf, bevor eine kurze Abfahrt den Schlussanstieg zum Ätna einläuten sollte. In dem Preludium des Ätna-Finales schmolz der 2-Minuten-Vorsprung der Gruppe zunächst nicht, trotz Tempoarbeit von Bahrain-Merida für Pozzovivo und Katusha-Alpecin für Josè Goncalves, bei letzteren spannte sich über weite Strecken Tony Martin vor den Zug.

Der Schlussanstieg zum Ätna

Die Spitzengruppe geht mit hohem Tempo in den Anstieg, hat immer noch 1’25“ Vorsprung. Pech im Feld hat Davide Formolo, der aussichtsreichste Klassement-Fahrer bei Bora-Hansgrohe. Er wird in einen Sturz verwickelt, während man hinten im Hauptfeld mit Vollgas in die Verfolgung geht. 13 km vor dem Ziel gehen De Marchi (BMC) und Ben Hermans (Israel Cycling Academy) aus der Spitzengruppe. Nicht lange, dann setzen die Rampenspezialisten Henao und Chaves nach. Hinten ist bei der 10-km-Marke Rohan Dennis überraschend immer noch in der Hauptgruppe. Vorne diktiert Henao das Tempo einer inzwischen auf 5 Fahrer geschrumpften Ausreißergruppe. Aus der setzen sich an einer steilen Passage Ciccone und später auch Jhoan Esteban Chaves (Mitchelton-Scott) ab, der nur 47″ Rückstand auf das Rosa Trikot hat. Chaves kann auch Ciccone abstreifen.

Hinten setzt sich Dumoulin an die Front und testet die anderen Favoriten, was direkt ein kleines Loch reißt. Die Gruppe um die Favoriten holt dann auch Henao ein. Eine Attacke von Miguel Angel Lopez (Astana) eröffnet den Schlagabtausch der Favoriten, den Pozzovivo, Yates und Pinot mitgehen. Froome und Aru fallen weiter zurück, Dumoulin dazwischen. Überraschung 1,4 km vor dem Ziel: Yates schaut sich kurz um, geht aus dem Sattel und kann sich tatsächlich von dern Verfolgern absetzen und zu seinem Mannschaftskollegen Chaves auffahren. Die beiden fahren gemeinsam über die Ziellinie: Chaves holt sich die 10″ Zeitgutschrift für den Sieger und auch das Weiße Trikot von den Schultern Maximilian Schachmanns. Der Australier Yates wird Zweiter und fährt ins Rosa Trikot.

Die Top5 der 6. Etappe

1. Jhoan Esteban Chaves / Mitchelton-Scott
2. Simon Philip Yates / Mitchelton-Scott
3. Thibaut Pinaut / Groupama-FDJ / +26″
4. George Bennett / LottoNL-Jumbo / +26″
5. Domenico Pozzovivo / Bahrain-Merida / +26″

Stimmen aus dem Peloton

„Das war verrückt heute, viele viele Attacken. Ich war zunächst nicht sicher, ob ich angreifen sollte, aber alle haben sich angesehen, und dann habe ich es gewagt. Ja, wir haben es abgemacht, dass er die Etappe gewinnt“, Simon Philip Yates.

„Insgesamt muss man sagen, dass alle 3 Tage auf Sizilien ziemlich hart gewesen sind“, Chris Froome (jetzt mit 1’10“ Rückstand auf den Führenden).

„Wir wollten mit Davide Formolo und Patrick Konrad auf dieser schwierigen Ätna-Etappe ein gutes Etappenergebnis erzielen. Leider hatte Davide kurz vor dem letzten Anstieg einen Sturz, als er eine kleine Stadt passierte. Cesare war sofort da, um ihm zu helfen, dennoch verlor Davide 5 Minuten in der Gesamtwertung. Patrick zeigte eine solide Leistung und landete +1:22 hinter dem Etappensieger Chaves. Im Gesamtklassement liegt er nun auf Platz 16, +1:46 hinter dem neuen Spitzenreiter Yates.“ Jens Zemke, Sportdirektor Bora-Hansgrohe.

Top10 im Gesamtklassement nach der 6. Etappe

1. Simon Philip Yates / Mitchelton-Scott / 0″
2. Tom Dumoulin /Sunweb / +16″
3. Jhoan Esteban Chaves / Mitchelton-Scott / +26″
4. Domenico Pozzovivo / Bahrain-Merida / +43″
5. Thibaut Pinaut / Groupama-FDJ / +45 sec.
6. Rohan Dennis / BMC / +53″
7. Pello Bilbao / Astana / +1’03“
8. Chris Froome / Team Sky / +1’10“
9. George Bennett / LottoNL-Jumbo / +1’11“
10. Fabio Aru / UAE-United Emirates / +1’12“

Video des Ätna-Tages von Mitchelton Scott

Foto: Massimo Paolone – LaPresse

Über den Autor

Jan Gathmann

Jan Gathmann leitet die Rennrad-News Redaktion von Wuppertal aus, der Stadt, die ihr Radstadion dem Fußball opferte. Er testet, interviewt und versucht Renngeschehen in Worte zu fassen. Jan ist gelernter Journalist, testet seit 20 Jahren Fahrräder (davor Autos) und schreibt darüber ebenso gerne wie über Menschen aus der Fahrradwelt, unter anderem schon für Trekkingbike, Velomotion und zuletzt beim RADtouren-Magazin. Er fährt am liebsten alles, was einen Rennbügel hat: vom Bahnrad bis zum Monster-Gravelbike. Jan liebt auch Schlamm, weshalb er gelegentlich auf dem MTB gesehen wird. Persönliche Palmarès sind ein beendetes C-Klasse Amateurrennen und ein 10. Platz bei einer Deutschen Fahrradkurier-Meiserschaft in Berlin.

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