Eine neue Untersuchung des britischen Sportministeriums wirft Team Sky vor,  therapeutische Ausnahmegenehmigungen gezielt zur Leistungssteigerung eingesetzt zu haben – statt zur Behandlung von Krankheiten. Ziel sei es gewesen, die Performance bei der Tour de France 2012 zu verbessern. Sky-Fahrer Sir Bradley Wiggins gewann die Tour in diesem Jahr. 

Das britische „Department for Digital, Culture, Media and Sport“  wirft Team Sky vor, eine „ethische Grenze überschritten“ zu haben, indem es legale medizinische Substanzen gezielt zur Leistungssteigerung eingesetzt habe.  In einem Bericht des Guardian über den Report wurden die Ergebnisse der Untersuchung schon als „potentielles Todesurteil“ für Team Sky bezeichnet. In dem Report heißt es ausdrücklich, dass Sky zwar nicht gegen die Regeln der WADA (World Anti-Doping Agency) verstoße, aber Team-Manager Sir Dave Brailsford würde gegen die Grundsätze eines sauberen Sports verstoßen, für die er selbst öffentlich einstehe. Ob therapeutische Ausnahmegenehmigungen gezielt zur erlaubten, aber moralisch fragwürdigen Leistungssteigerung eingesetzt werden, ist auch bei der jüngsten Debatte um die erhöhten Salbutamol-Werte von Chris Froome  Gegenstand der Diskussion.

Sir Bradley Wiggins bezeichnete das Vorgehen des Reports als „so traurig“. Es würden Anschuldigungen ausgesprochen, über Dinge, die die Beschuldigten nie getan hätten, die dann als Fakten präsentiert würden, so Wiggins in einem Tweet. Eine zentrale Rolle spielt in dem Report die Einnahmepraxis von Glucokortikoid. Wiggins habe vor der Tour de France 2012 eine therapeutische Ausnahmegenehmigung (TUE) für die Einnahme eines Kortison haltigen Medikamentes genutzt.  Nach Auffassung des Reports habe er auch während der Tour von der Einnahme profitiert.

Spekulationen kreisen auch um einen Briefumschlag (Jiffy bag), der Team Sky für Bradley Wiggins bei der Tour 2012 zugestellt wurde. Laut Team Sky habe dieser lediglich ein abschwellendes Mittel  (Fluimucil) enthalten. Belege dafür konnte das Team aber nicht aufbringen. Die Verabreichungsprotokolle für den fraglichen Zeitraum lagerten laut einem Bericht der britischen nationalen Anti-Doping-Behörde UKAD auf einem Laptop des damaligen Teamarztes, der 2014 gestohlen wurde, wie verschiedene Medien übereinstimmend melden.

Die deutsche Nationale Doping Agentur (NADA) schreibt zur Einnahme von Kortikoiden: „…der verbotene Wirkstoff darf bei einer Wettkampfkontrolle nicht nachgewiesen werden. Somit sollte zwischen der systemischen Anwendung von Glukokortikoiden und dem nächsten Wettkampf ein ausreichender zeitlicher Abstand von mehreren Tagen liegen, sofern nicht eine Medizinische Ausnahmegenehmigung (TUE) erteilt wurde. Alle übrigen Verabreichungsarten von Glukokortikoiden sind erlaubt und müssen nicht bei der NADA angezeigt werden. Bei einer Dopingkontrolle sollte jedoch grundsätzlich jede Behandlung mit Glukokortikoiden angegeben werden.“

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Foto: Bradley Wiggins beim TDF EZF 2012 via Facebook
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