Video: Best of Bespoked 2023 – Award Gewinner Teil III
Bespoked 2023 Besuch – darum würde ich wiederkommen!
Unser Bespoked 2023 Besuch liegt jetzt schon über eine Woche zurück und aus vielen Fotos und Filmen sind Artikel und Videos geworden. Aber, was ich unter all den schmucken Details, den Effektlacken der Show-Bikes und den Porträts ihrer Erbauer:innen bisher nicht geteilt habe, ist meine persönliche Erfahrung. Nämlich die, dass dies wahrscheinlich die unterhaltsamste (im doppelten Sinne) und erkenntnisreichste Fahrradmesse war, die ich bisher besucht habe und ich den Besuch irgendeiner Handmade Bike Show den Fahrrad Nerds aller Couleur – und nicht nur denen – gerne weiterempfehlen möchte. Denn:
1. Es ist wie Fahrrad-Traumland
Wenn selbst Kinder große Augen und fragende Blicke bekommen, wenn sie durch die schmalen Bespoked-Gänge streunen, dann steht fest: Diese Show hat etwas zu bieten. An jeder Ecke gibt es etwas zum Staunen. Erwachsene Fahrrad-Liebhaber- und -Liebhaberinnen finden sich in einem Paradies wieder. So viele feine Oberflächen auf einem Fleck hat man nie. Und alles ohne den Sticker „Bitte nicht berühren“.
Erst das Gefühl, wie als Kind mit großen Augen vor der Schaufensterscheibe des Spielwarenladens zu stehen. Und dann die die vielen überraschenden Details. Lacke wie Süßigkeiten für die Augen, die neue, wundersame Welt des 3D-Drucks lebt in friedlicher Eintracht mit dem Bruzzel-Charme und RAW-Look recycelter Rahmenteile im Mix mit Rohren. Es ist einfach schön zu erleben, wie „geht nicht“ und „gibts nicht“ zu, „könnte gehen, mal ausprobieren“, wird. Von manchen technischen Lösungen könnten sich Großserienproduzenten ruhig etwas abgucken (ihre Produktmanager waren vor Ort), etwa dem Willen zur anständigen Integration des Nabendynamos und Fahrradlichtes an den Randonneuren.
3. Custom ist nicht (so) teuer…
„Nehmt mein Geld“, lese ich häufiger als ironischen Kommentar, wenn wieder eine Rennrad-Neuheit mit Top-Modell-Preisen über 10.000 € vorgestellt wird. Für 6.000 € gibt es bei Trendmarken manchmal nur das Mittelklasse-Modell.
Und ein Rennrad-Maßrahmen? Auf der Bespoked 2023 bekam ich zum Beispiel einen Preis von 1.800 € für einen lackierten, genau auf die späteren Besitzer abgestimmten Rahmen genannt. Handgemacht aus einem Columbus Stahlrohrsatz und lackiert in Deutschland, in diesem Fall sogar nur eine Trainingsrunde entfernt von meinem Wohnort. Addiert man eine gute Carbongabel (500 €), eine elektronische Mittelklasse-Rennrad-Schaltung (1.500 €) und einen guten Carbon-Laufradsatz (1.000 €) sowie 500 € für Komponenten, landet man grob bei 4.300 €. Und ich meine, 4.500 € auch als Preis für einen Komplettaufbau aufgeschnappt zu haben. Das ist natürlich nicht billig. Aber mehr als konkurrenzfähig zu vielen Serien-Rennrädern.
4. … und gar nicht sooo schwer
Zugegeben, auch moderne Stahlrahmen sind wahrlich keine Leichtgewichte, selbst die leichtesten Rahmen sind weit davon entfernt, die 1000-Gramm-Grenze zu erreichen, was bei Rennrad-Carbonrahmen heute schon häufig der Fall ist. Die besten Serien-Carbonrahmen wiegen sogar um die 700 g. Der typische Custom-Stahlrahmen im eben genannten Einstiegsbereich wiegt eher 1.800 g. Ziemlich genau 1 kg ist also der Aufschlag, den man in Betracht ziehen muss, wohlgemerkt, wenn man einen günstigen Custom-Rahmen aus obigem Rechenbeispiel haben will. Carbon und Titan machen auch richtig leichte Custom-Rennräder und Gravel-Bikes an der 7-Kilo-Grenze möglich.
5. Einfach mal reden …
Auf der Bespoked 2023 in Dresden war alles nahbar. Die Showbikes kann man anfassen und die Menschen ansprechen. Von den immerhin 102 Aussteller:innen hatte immer jemand Zeit, sich lange über die Herstellung der Fahrräder auszutauschen. DT Swiss-Speichen oder Sapim-Speichen? Langer Hinterbau oder kurzer Hinterbau? Wie viel Reifenfreiheit ist sinnvoll? Keine Frage ist zu nerdig, um ausführlich diskutiert zu werden.
6. …aber kein Bike an die Backe labern lassen
Zeit zu Reden, ja, aber Opfer von Überredungskünsten werden in Richtung eines bestimmten Rennrades, Gravel Bikes oder Mountainbikes, das man besonders gerne an die Interessent:innen bringen will, weil es gerade den Verkaufsraum verstopft? Ausgeschlossen. Das richtige Bike in der falschen Größe gekauft, weil es gerade so günstig war? Unmöglich. Das liegt bei Custom-Bikes in der Natur der Sache.
Das – und die Tatsache, dass einige Rahmenbauer:innen ihr Kunsthandwerk nicht zum Geldverdienen betreiben – erklärt vielleicht auch zum Teil die gelassene Atmosphäre auf der Bespoked Bike Show, die das Flannieren und Räsonnieren so angenehm macht.
7. Was passt, wird passend gemacht
Wer sich für ein Custom-Bike interessiert, hat nirgendwo in Deutschland (oder gar auf dem Kontintent) eine vergleichbare Chance, die Möglichkeiten des Machbaren auszuloten wie auf der Bespoked Dresden. Ohnehin gilt bei Custom-Bikes eher die Regel „ich weiß schon genau, welches Bike zu mir passen würde, aber ich weiß noch nicht genau, ob oder wo es das gibt“. Wer mit Rahmenbauer:innen über die Anforderungen spricht, bekommt in der Regel auch ein Bike, was genau das kann, was es soll.
Noch dazu gibt es eine sehr große Chance, dass das zum Einsatzbereich passende Rad nachher auch von der Größe und Sitzhaltung passt. Denn der große Teil der Customschmieden arbeitet mit Bikefittern zusammen, die vorher die Körpermaße und die individuelle Beweglichkeit ermitteln, um daraus gemeinsam eine passende Geometrie abzuleiten.
8. Ich heirate ein Fahrrad
Wer sich mit seinem Bike schon so lange vor dem ersten Kontakt beschäftigt hat und alles Fahrradwünschen ihn ihm gespiegelt sieht, gibt es so schnell nicht wieder her. Es sein denn, es gibt gravierende Probleme. Insofern ist ein Custom-Bike grundsätzlich nachhaltiger als ein Bike von der Stange.
9. Warten macht Weihnachtsgefühle
Oft sind mit Custom-Bikes lange Wartezeiten verbunden. Genannt wurden uns auf der Bespoked Dresden 2023 Zeiträume von einem halben Jahr bis zu zwei Jahren – mit einer Tendenz zum längeren Zeitraum. Und jedes Kind weiß: Je länger das Warten, desto größer die Vorfreude. Bis zum Vergessen sollte man allerdings nicht warten müssen.
10. Bespoked 2024 Dresden ab 18. Oktober 2024
Die Bespoked 2023 in Dresden war offensichtlich ein Erfolg. Die Organisatoren haben den nächsten Termin für die Handmade Bike Show bereits bekannt gegeben: vom 18. bis 20. Oktober 2024 stehen Fahrräder auf der Aussichtsterrasse des Dresdner Flughafens wieder im Rampenlicht.
Zu guter Letzt bleibt noch zu sagen, dass sich all diese Gründe natürlich auch genau gegen ein Interesse am Custom-Bike anführen lassen, wenn man sie umkehrt: Keine Zeit lange zu Reden, so viel sparen wie möglich, so leicht wie möglich, immer das Neuste, Hauptsache, das Bike steht schnell vor der Tür, you name it. Aber, wer hier überall „genau“ sagen möchte, hat wahrscheinlich gar nicht bis hierher gelesen.
Grund 11 bis 30: mehr Bespoked Bikes 2023
Was sind eure Favoriten unter diesen kunstvollen Bikes von der Bespoked 2023?
Hier lest ihr mehr zur Bespoked 2023:
- Best of Bespoked Dresden 2023 – Teil 1: 21 Highlights des Handmade-Fahrradbaus
- Best of Bespoked Dresden 2023 – Teil 2: 14 Rennräder & Randonneure im Rundgang
- Best of Bespoked Dresden 2023 – Teil 3: 10 + 20 Gründe fürs Custom-Bike
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12 Kommentare
» Alle Kommentare im Forumsehr schön. ich brauch auch mal was neues…
Wie beim Craftbeer- Hauptsache anders. Sowas löst bei mir einen gewissen Würgereiz aus....
zu tief
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