Wer ist Pardus? Ein Blick hinter die Kulissen
Pardus dürfte für viele Rennradfahrende in Europa noch ein unbeschriebenes Blatt sein, ist im asiatischen Raum jedoch längst eine feste Größe. Als spezialisierte Fahrradsparte der Taishan Sports Industry Group – einem der größten chinesischen Sportartikelkonzerne – tritt Pardus mit einem klaren Selbstbewusstsein an: Man will sich nicht über den Preis über billige Open-Mold-Rahmen definieren, sondern im echten Premium-Segment angreifen.
Dass hinter diesen Ambitionen auch sportliche Substanz steckt, unterstreicht der Blick in das Renngeschehen. Pardus ist offizieller Ausrüster der chinesischen Nationalmannschaft und engagiert sich seit der Saison 2025 als Sponsor beim ProTeam Solution Tech/Vini Fantini. Die Marke hat den Fuß also bereits in der Tür des Profizirkus – auch wenn Sichtbarkeit im Peloton allein natürlich noch kein finales Qualitätsurteil über die Serienräder erlaubt.
Für den Markteintritt in Europa wählt Pardus eine Strategie, die sich grundlegend von bekannten asiatischen Direktvertreibern unterscheidet. Statt auf reine Online-Kanäle setzt man konsequent auf den stationären Fachhandel. Nach eigenen Angaben ist die Marke bereits in 21 Ländern aktiv und arbeitet mit über 25 Vertriebsagenten zusammen. Um den Service zu sichern, werden Montage und zentrale Lagerung in Polen gebündelt, flankiert von acht regionalen Servicepunkten.
Warum der Pardus-Ansatz für Europa spannend ist
Der europäische Markt für Carbon-Rennräder ist bekanntermaßen hart umkämpft. Etablierte Größen wie Canyon, Rose, Cube, Giant, Merida, Orbea, Scott oder Van Rysel besetzen das heiß begehrte Segment zwischen 4.000 € und 6.000 € extrem stark. Pardus versucht jedoch nicht, die Konkurrenz über Dumpingpreise zu unterbieten. Das Interesse soll über eine hohe vertikale Fertigungstiefe, die Nähe zum Profisport und die geplante Händlerstruktur geweckt werden.
Pardus verweist stolz auf eine komplett integrierte Carbon-Produktion im eigenen Haus. Von der Verarbeitung der Carbonfasern über die Herstellung der eigenen Carbon-Sheets bis hin zum finalen Rahmen geschieht alles unter einem Dach.
Das Europa-Line-up: Integriert, elektronisch und optisch dezent
Für den europäischen Markt setzt Pardus im Vergleich zu den asiatischen Märkten konsequent auf elektronische Schaltgruppen und eine zurückhaltendere Designsprache. Wer in Europa rund 5.000 € für ein Rennrad in die Hand nimmt, erwartet serienmäßig eine Shimano Di2 oder SRAM AXS, voll integrierte Cockpits, Carbon-Laufräder und eine verlässliche Support-Struktur – das spiegelt sich in der Modellpalette.
Preislich startet das Aero-Modell SPKG4 EVO sowie das leichte Robin EVO mit Shimano Ultegra Di2 bei 5.090 € respektive 4.990 €. Spannend für preisbewusste Fahrende: Das Robin Sport mit Shimano 105 Di2 wechselt für 3.690 € den Besitzer, während der Gravel-Einstieg mit dem Uragano Sport und einer SRAM Apex bei 2.590 € liegt.
Verfügbarkeit: Wann und wo stehen die Räder beim Händler?
Bei der wohl wichtigsten Frage bleibt Pardus noch vage. Zwar betont die Marke das bereits aufgebaute Netzwerk aus 21 Ländern, den 25 Vertriebsagenten, dem Logistikzentrum in Polen und den acht regionalen Servicepunkten – konkrete Händlerlisten, teilnehmende Länder oder genaue Adressen der Servicestützpunkte sucht man in den offiziellen Startunterlagen jedoch vergeblich. Auch auf der europäischen Website führt der „Dealer Locator“ derzeit lediglich zu einem E-Mail-Kontakt. Das Fachhandels-Versprechen wartet noch auf Einlösung.
Die Pardus-Modelle in der Übersicht
Pardus SPKG4 EVO (SPK Gen4)
Das SPKG4 EVO (in der Pressemitteilung teilweise als SPK Gen4 betitelt) ist die kompromisslose Aero-Maschine im Programm. Ausgelegt auf Steifigkeit, eine aggressive Sitzposition und maximale Renngeschwindigkeit, wurde es laut Hersteller in enger Zusammenarbeit mit der chinesischen Nationalmannschaft im Windkanal optimiert.
- Ausrichtung: Aero-Rennrad für Rennen und schnelle Kriterien
- Rahmen & Gabel: Carbon, Steckachsen (12×142 mm / 12×100 mm)
- Schaltung: Shimano Ultegra Di2 oder Shimano 105 Di2 (jeweils 2×12)
- Übersetzung: 50/34 T vorne; Kassette 11–30 T (Ultegra) bzw. 11–34 T (105)
- Laufräder: MVMT Carbon-Laufräder (50 mm Felgenhöhe), je nach Modellvariante mit Carbon-Speichen
- Reifen: Continental Grand Prix TR, 700×30 mm
- Cockpit: Integrierter MVMT M-Silver Carbon-Lenker
- Größen: XXS bis XXL
- Farben: Black & White oder Black
- Preise: 5.090 € (Shimano Ultegra Di2) / 4.090 € (Shimano 105 Di2)
- www.pardusbicycle.com
Pardus Robin EVO
Das Robin EVO ist das Arbeitsgerät für die Berge. Mit einem avisierten Komplettgewicht von 6,7 kg positioniert Pardus das Rad als klassischen Kletterspezialisten für technische Abfahrten und den Allround-Wettkampfeinsatz.
- Ausrichtung: Leichtbau-Race-Bike für welliges Terrain und Bergrennen
- Rahmen & Gabel: Robin EVO Carbon, Steckachsen (12×142 mm / 12×100 mm)
- Schaltung: Shimano Ultegra Di2 (2×12)
- Übersetzung: 50/34 T vorne, Kassette 11–30 T
- Laufräder: MVMT Silver50 Carbon (tubeless ready, 50 mm Felgenhöhe, Carbon-Speichen)
- Reifen: Continental Grand Prix TR, 700×30 mm
- Cockpit: Integrierter MVMT M-Silver Carbon-Lenker
- Größen: XS bis XL
- Farben: Carbon oder White
- Preis: 4.990 € (Shimano Ultegra Di2)
- www.pardusbicycle.com
Pardus Robin Sport
Die „Sport“-Variante des Robin schlägt die Brücke zum Allroad- und Endurance-Segment. Mit etwas längeren Kettenstreben (420 mm), 30-mm-Bereifung und einer harmonischen Balance aus Steifigkeit und Vibrationsdämpfung soll es spürbar mehr auf Langstrecke als auf Rennsport-Härte getrimmt sein.
- Ausrichtung: Allroad- und Endurance-Rennrad für lange Ausfahrten
- Rahmen & Gabel: Robin Sport Carbon, Steckachsen (12×142 mm / 12×100 mm)
- Schaltung: Shimano 105 Di2 (2×12)
- Übersetzung: 50/34 T vorne, Kassette 11–34 T
- Laufräder: MVMT Bronze50 Carbon (tubeless ready, 50 mm Felgenhöhe)
- Reifen: Continental Grand Prix TR, 700×30 mm
- Cockpit: Integrierter MVMT M-Silver Carbon-Lenker
- Größen: XXS bis XL
- Farben: White, Ice Grey oder Black
- Preis: 3.690 € (Shimano 105 Di2)
- www.pardusbicycle.com
Pardus Gomera TT
Auch an die Zeitfahr- und Triathlon-Gemeinde wird gedacht: Das Gomera TT setzt voll auf die moderne, kabellose SRAM Rival AXS-Schaltgruppe inklusive serienmäßigem Powermeter in der Kurbel sowie ein aerodynamisch optimiertes Spezialcockpit.
- Ausrichtung: Zeitfahren und Triathlon
- Rahmen & Gabel: Gomera TT, Steckachsen (12×142 mm / 12×100 mm)
- Schaltung: SRAM Rival AXS E1
- Kurbel: SRAM Rival AXS mit integriertem Powermeter
- Kassette: SRAM Rival, 10–30 T
- Laufräder: MVMT Bronze50 (50 mm Felgenhöhe)
- Reifen: Michelin Power Cup TLR, 700×28 mm
- Cockpit: MVMT M-Silver B-Type Carbon Basebar mit Aero-Aufsätzen
- Größen: XXS bis XL
- Preis: 5.490 € (SRAM Rival AXS)
- www.pardusbicycle.com
Pardus Uragano Sport
Speziell für die hiesigen Anforderungen rollt das Uragano Sport Gravelbike an den Start. Ausgerüstet mit zahlreichen Anschraubpunkten für Bikepacking-Abenteuer, 40 mm breiten Reifen und modernen 1-fach-Antrieben von SRAM.
- Ausrichtung: Gravel, Adventure und Bikepacking
- Rahmen & Gabel: Uragano Sport Carbon, Steckachsen (12×142 mm / 12×100 mm)
- Schaltung: SRAM Rival XPLR AXS (13-fach) oder SRAM Apex (12-fach)
- Übersetzung: 38 T Kettenblatt; Kassette 10–46 T (Rival) bzw. 11–44 T (Apex)
- Laufräder: Je nach gewählter Ausstattungsvariante MVMT Carbon oder Pardus (tubeless ready)
- Reifen: Vittoria Terreno Dry, 700×40 mm
- Lenker: FSA Adventure AGX
- Größen: XS bis XXL
- Farben: Muddy Beige oder Forest
- Preise: 3.490 € (SRAM Rival AXS) / 2.590 € (SRAM Apex)
- www.pardusbicycle.com
Einordnung: Ein gutes Datenblatt ist erst die halbe Miete
Pardus stößt in einen vollen Markt. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage schauen viele Rennradfans beim Kauf ganz genau auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein Highend Carbon-Rennrad mit einer Ultegra Di2, Carbon-Laufrädern und vollintegriertem Carbon-Cockpit für rund 5.000 € klingt erst einmal attraktiv, ist aber angesichts der Konkurrenz von Cube, Van Rysel und den bekannten Direktanbietern für Europa nicht zwingend erste Wahl der Papierform nach.
Die wahre Reifeprüfung steht der Marke in Europa zudem noch bevor. Dass in China exzellente Carbonrahmen gefertigt werden können, steht ohnehin außer Frage – ein Großteil der gesamten Industrie lässt dort produzieren. Pardus muss nun den Beweis antreten, dass man als eigenständige Marke das Vertrauen der europäischen Kundschaft und vor allem des Fachhandels gewinnen kann.
Würdet ihr ein Pardus beim lokalen Fachhändler vor Ort in die engere Auswahl nehmen, oder überwiegt bei euch bei neuen Marken aus Fernost erst einmal die Skepsis?
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96 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumEr behauptet es sei keine Eigenentwicklung und es würden Rohre "zusammengebastelt". Natürlich ist das eine Unterstellung.
Eine ziemlich dumme sogar, wenn man sieht wer hinter Pardus steckt und die Informationen im Artikel liest.
Es ist definitiv so, dass in China – insbesondere während der Pandemiezeit – Daten westlicher Rahmenmodelle genutzt (bzw. kopiert) wurden, um eigene Rahmen zu bauen. Open-Mold-Konzepte und 1:1-Kopien (Trek, „Chinarello“ etc.) werden inzwischen durch Eigenmarken ergänzt.
Aufstrebende asiateische Eignemarken sind völlig legitim und die Entwicklung dahin überrascht nicht. Ich war während meiner Studienzeit ein paar Tage bei Canyon und habe dort gefragt, wer die Carbon-Entwicklung bzw. das Layup macht – das hat mich natürlich am meisten interessiert.
Mir wurde dann geantwortet: Das machen wir hier nicht, sondern unser Lieferant in Asien. Wir schicken die CAD-Daten hin und bekommen die fertigen Rahmen zurück. Anschließend prüfen wir diese, und wenn der Rahmen zu schwer ist oder die Anforderungen nicht erfüllt, lassen wir den Lieferanten nacharbeiten, bis alles passt.
Ich war ehrlich überrascht, weil mir nicht bewusst war, dass praktisch das gesamte Carbon-Know-how ausgelagert wurde.
Vorsicht jetzt folgt Werbung für China:
Ich habe bisher meist sehr gute Erfahrungen mit Geschäftspartnern aus China gemacht – sie sind freundlich, fleißig und technisch versiert. Deshalb finde ich es grundsätzlich nicht schlimm, Rahmen aus China zu kaufen, egal ob von westlichen Marken oder chinesischen Eigenmarken.
Preis-Leistungs-mäßig sind chinesische Marken definitiv eine Empfehlung. Bei AliExpress wäre ich bei sicherheitsrelevanten Bauteilen allerdings vorsichtig, da dort offensichtlich auch Ausschuss abverkauft wird.
Wer hingegen bei Winspace, Light Bicycle und Co. kauft, bekommt meiner Meinung nach Top-Qualität zu einem guten Preis und bezahlt nicht unnötig für das Branding.
Wir erleben im Radsport aktuell eine ähnliche Entwicklung wie in der Automobilbranche – und daran wird sich grundsätzlich auch nichts ändern. Insgesamt wird das den Fortschritt eher beschleunigen, weil sich westliche Marken nicht mehr zurücklehnen können, sondern gezwungen sind, ihre Kosten zu reduzieren und die Entwicklung zu beschleunigen. Für uns als Radsportler ist das insgesamt positiv.
Niemand sollte ein teureres und gleichzeitig schlechteres Produkt kaufen, nur um eine westliche Marke zu unterstützen. Ob es moralisch und volkswirtschaftlich sinnvoll ist, offensichtliche Kopien zu erwerben, bleibt jedoch jedem selbst überlassen. Die Übergänge sind in Asien hier leider fließend, weil es kulturell deutlich normaler ist, Produkte nachzubauen.
Ganz ehrlich: Das passiert hier genauso. Also einfach entspannt sehen.
Persönlich finde ich es schön zu sehen, wie sich echte Eigenentwicklungen aus Asien zu teils sehr guten Produkten entwickeln und der Markt dadurch vielfältiger wird.
DISCLAIMER:
Ich finde das Thema extrem spannend und wichtig und möchte deshalb gerne mitdiskutieren. Da ich selbst in der Branche tätig bin, mache ich das nicht unter einem privaten Account, sondern stelle transparent klar, dass ich zu CarbonWorks gehöre.
Das Bespiel hier zeigt doch, dass eine hochwertige asiatische Marke mit Vertrieb, Händlernetz und Servicestützpunkten in Deutschland, ähnlich viel kosten wie bereits etablierte Marken.
Gruss, Felix
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