Liebe Sonntagsradlerinnen und -Radler,
fast ein wenig offtopic fühl ich mich, wenn ich von der morgigen Namlosrunde lese, aber andererseits sitz ich
hier ... vor meinem Glaserl Roten ... unter dem Licht des zunehmenden Monds und find's grad' heftig melancholisch so um mich herum und in mir.
Eroica war heut', und ich war dabei. Echt! Eigentlich wollt ich vor einem Jahr gar nicht hin. Dann aber hat mich Anfang des Jahres einer zum Anmelden und Mitradln angehauen, bei dem ich schon deswegen nicht nein sagen konnte, weil ich in seiner Gesellschaft quasi „im Auftrag des Herrn”* unterwegs gewesen wäre. Na ja, er mußte kurzfristig absagen und daher war ich dann doch nur im eigenen Auftrag unterwegs. Unterwegs war ich aber. Und wie! Mit nicht bremsenden Quietschebremsen und mit diesen vermaledeiten Hakenpedalen samt passender, 30 Jahre aller Schuhe mit Holzinnensohle. (Könnt ihr euch vorstellen, wie sich so eine Sohle auf Dauer anfühlt? Ich weiß es jetzt.)
Und, was soll ich sagen? Klasse war's. Viel, viel besser als vermutet und erwartet. 75 Kilometer bin ich geradelt mit angenommenen 1400 hm, zusammen mit meinem mich begleitenden Freund, der sich den Luxus eines modernen Radls geleistet hat, und auch zusammen mit „den Berlinern” um smunolo, obwohl da auch ein weiterer Franz aus Bayern und z.B. zwei Österreicher dabei waren. Eine lustige, bis zu 10köpfige Gruppe sind wir gewesen.
Tja und das Fahren, das Radln? Mei, Toskana halt. Bergauf, dann runter, dann rauf, dann runter, dann rauf ... und so weiter. Geniale Landschaft. Mitten im und durch das Chianti. Aber! Mehr als die Hälfte war locker ein Fahren auf Schotter. Mit 19mm
Reifen, 6,5 bar und pro Kilometer gab's sicher so an die 5 Hanseln, die gerade einen Schlauchreifen am Straßenrand gewechselt oder einen Platten geflickt haben.
Ja und überhaupt der Schotter. Bergauf? Ok, das ging irgendwie, denn ich kann ja auch querfeldein, aber diese Hakenpedale dazu? Ne! Du denkst die ganze Zeit: wenn der Typ da einen Meter vor dir absteigt, so oder so, dann kommst du nicht rechtzeitig aus dem Pedal und liegst auf der Schnauze. Also, was tun? Logo, weiterkurbeln, denn absteigen bedeutet Schieben, weil so bergauf, da kommst du nicht mehr rein in die Pedale, zumal, wenn unter den
Reifen der Schotter frech entgegen lacht.
Gut, bergauf ging's, wie gesagt, irgendwie. Ich mußte echt nur einmal absteigen und ca. 200 Meter schieben (auf dem Rad mit 6 km/h, zu Fuß mit 4,5). Aber bergab ... ne, das war ja wie beim Querfeldeinradln so nach dem Motto „Augen zu und durch”, wobei da ging's schon richtig gescheit runter und auch lange und die Hände hatten beim
Bremsen echt was zu tun, obwohl oder gerade weil die
Bremsen gut wie gar nicht gebremst haben. Puh, da war ich manchmal froh, wenn's endlich wieder - auf Schotter natürlich - nauf gegangen ist, wo ich doch schon auf Asphalt nicht der allerschnellste Abfahrer unter den Augen des Herrn - da issa wieder - bin.
Aber irgendwie bin ich nach ca. 80 Kilometern dann doch wieder in Gaiole angekommen - gesund, versteht sich, trotz nicht bremsender Bremse und vor allem trotz dieser vermaledeiten Hakenpedale, in die dich letztendlich doch ganz gut rein und immerhin unversehrt wieder herausgekommen bin, und zusammenfassend will ich gerne sagen: Ich will sehr, sehr gerne wieder! Die Eroica ist trotz Hype und weil's gerade modern ist, ein total schönes Erlebnis (und wisst ihr was? Der Jürgen ist die 135 km gefahren).
Toll war's! Nur gut konzentrieren muß man sich, sozusagen auf jeden einzelnen Meter Strecke, wenn die Straße nicht geteert ist, was auf mehr als der halben Strecke zumindest gefühlt der Fall war. Und nach spätestens 40 Kilometern ist man bzw. war ich wegen der ganzen Konzentration total müde und eigentlich reif für's Bett ...
... was ich in diesem Augenblick immer noch bin.
Gute Nacht
Franz
* zit. Nach Blues Brothers
P.S. Viel Spaß auf der namenlosen Runde morgen. Da wäre ich sehr, sehr gerne dabei.