• Hallo Gast, wir suchen den Renner der Woche 🚴 - vielleicht hast du ein passendes Rennrad in deiner Garage? Alle Infos

Auf der linken Seite ist es auch nicht sicherer ...

Keine Ahnung wie es "der Engländer" sieht, jedenfalls kommt es mir nicht darauf an in den Videos die "Sensationslust" der Menschen zu bedienen und die "schlimmsten Aktionen" zu präsentieren ... klar, übler geht's immer und Anzeigen habe ich auch schon gestellt - dann ist entweder jemand zu Schaden gekommen (also i.d.R. ich) oder es wurde etwas "zu doll" (Beleidigungen, Drohungen, Nötigungen, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr etc.), aber solche Dinger stelle ich hier nicht rein ...

Es geht mir primär weder darum zu zeigen wie jemand in eine geöffnete Tür reinfährt, noch spektakulär über ne Motorhaube fliegt oder rumgepöbelt wird - ich will einfach nur den "normalen" Radler-Alltag darstellen und da gehören gerade die "weniger spektakulären Vorfälle" nunmal dazu. Klar sind das nicht immer "dolle Dinger", aber der Schreck (oder eben manchmal der Ärger) sitzen deshalb nicht weniger tief, und auch das weiß sicher jeder, der selbst mit dem Rennrad zügig versucht im Berufsverkehr ans Ziel zu kommen ...

Es sind die alltäglichen Konflikte die ich zeigen will (nicht die Notsituationen) - wobei ich ebenfalls der Auffassung bin, dass die meisten dieser Vorfälle (wenn nicht alle) vermeidbar wären.

Aber auch hier geht's mir ebenfalls nicht darum, jene Situationen zu zeigen, wo ich "auf mein Recht verzichte" und die Autofahrer vorlasse, vorbeilasse, bremse, durchwinke oder was auch immer - klar, jeder vernünftige Radfahrer MUSS das praktizieren (auch ich mache das so), und manchmal ist er auch einfach dazu gezwungen, denn sonst könnte er sich statistisch gesehen auf jeder Fahrt (vielleicht sogar mehrfach) ins Krankenhaus einliefern lassen ... ich will aber die Situationen zeigen, wo DAS gerade nicht passiert (und ob das nun Absicht ist - von wem auch immer - oder nicht spielt da gar keine Rolle), die Gründe dafür seien dahingestellt - ich will zeigen was passiert, wenn wir Rennradler mal nicht nachgeben und strikt nach StVO fahren, und/oder eben die Szenen, wo andere Verkehrsteilnehmer (mehr oder weniger absichtlich) auf die Verkehrsregeln und die einschlägige Rechtsprechung diesbezüglich "pfeifen" ...

(Wer will schon ein Video sehen wo ich an ner Ampel bremse und nen rechtsabbiegenden PKW durchwinke, oder schon fast am Bordstein fahre damit das Taxi hinter mir auf der Busspur vorbeifahren kann ???)

Klar, es passiert im Schnitt bestimmt 20-30 mal auf jeder Fahrt, dass es zu einer Sitaution kommt in der sich eine Gefahr anbahnt, in 10 Fällen wird's vielleicht knapper, in 3 davon gefährlich - in den seltensten Fällen sieht das "so spektakulär" aus, dass sich die Not, die man dabei empfindet auf den Zuschauer überträgt - es ist eben was anderes ob man auf dem Rad sitzt, die Szene bequem per Video verfolgt oder nur die Perspektive "von hinter der Windschutzscheibe" kennt ...

Zeigen will ich diese eigentlich vermeidbaren Situationen in denen bis zuletzte "eine Klärung" (aus welchen Gründen auch immer) nicht erfolgt und die "gegenseitige Kommunikation" und der "gegenseitige Respekt" zwischen den Verkehrsteilnehmern nicht gegeben ist - ich vertrete dabei aber nunmal die Auffassung, dass solche Situationen nur eingedämmt werden können, wenn auch penibel nach StVO gefahren wird ...

Das bedeutet nunmal: ... auf Radfahrer besonders achten, Seitenabstände (1.50 bis 2 Meter), Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug (oder Radfahrer), Überholen nur wenn genug Abstände vorhanden sind, immer Geschwindigkeit vermindern und Schulterblick und nötigenfalls kurz anhalten beim Abbiegen (!!!), vorausschauendes defensives Fahren, angepasste Geschwindigkeiten usw., usw. ...

...

Ich denke ein ständiger vorsorglicher Rechteverzicht des Radfahrers gegenüber dem Autofahrer kann nicht die Lösung darstellen - da dies (wäre es immer und überall gängige Praxis) den Radverkehr gegenüber dem PKW-Verkehr mehr als unangemessen benachteiligen würde ... Wer würde dann noch Radfahren wollen??? ... Ich denke es darf keine weiteren "Sonderrechte" für PKW geben und schon gar nicht sollte "unaufmarksames Fahren" bagatellisiert werden (lest doch mal die Kommentare bei youtube), denn wo soll das hinführen??? ...

Am Besten wäre es, es würde mehr darum gehen den Straßenverkehr für ALLE Verkehrsteilnehmer sicherer und attraktiver zu machen, und das geht nunmal nur, wenn man sich auf gewisse Grundregeln einigen und vor allem: verlassen kann - sonst lebe ich ab einer gewissen Verkehrsdichte als schwächerer Verkehrsteilnehmer in einer ständigen Gefahr"übersehen" zu werden und Schaden zu erleiden, und dass wäre sicher für niemanden ein schönes Gefühl (man Stelle sich vor alle LKW würden ohne jegliche Regeln fahren) ... sicher nicht praktikabel - höchstens da, wo eh nichts los ist und deshalb so oder so "genug Platz" für alle ist ...
 
Eben dafür gibt es ja die StVO - oder hast du schon LKWs ohne jegliche Regeln durch die Gegend fahren sehen? Sicherlich mal ohne Hirn und Verstand aber auch einfach mal auf der Gegenspur? Anarchie?

Es wurde übrigends hier im Thread nirgends erwähnt, dass hier ein "ständiger vorsorglicher Rechteverzicht des Radfahrers gegenüber dem Autofahrer" passieren muss.
 
Yanneck, du hast mich offensichtlich missverstanden - oder ich habe mich missverständlich ausgedrückt...
Wie SprintLooser schon geschrieben hat, war von "ständigem vorsorglichem Rechteverzicht" nirgends die Rede. Um meinen Punkt noch einmal deutlich zu machen:
Manchmal kann man auf sein Recht, wie es auf dem Papier steht, auch verzichten, ohne dass man dadurch einen Nachteil hat.
Damit meine ich nicht, dass man andere Verkehrsteilnehmern ständig vorlassen oder durchwinken soll. Ich meine damit auch nicht, dass man fatalistisch hinnehmen soll, wenn man mit fingerbreitem Abstand von Autofahrern geschnitten wird.

Was ich damit meine, sind Situationen, in denen ein vernünftiger (und zügiger) Verkehrsablauf nicht 100%ig gemäß StVO vonstatten geht, sondern durch deren strikte Einhaltung sogar Nachteile bzw. Gefährdungen entstehen. Dafür ein paar Beispiele...

Beispiel 1: Ein Radfahrer fährt eine schmale Straße entlang. Hinter ihm kommt ein LKW, der den Radfahrer nur überholen könnte, indem er weniger als 1,50 Sicherheitsabstand einhielte, jedoch noch ausreichend Abstand, sodass der Radfahrer nicht gefährdet wird. Nach StVO müsste er mit Radfahrertempo hinterherzuckeln. Er könnte aber auch den recht ungefährlichen Überholvorgang durchführen - beispielsweise, weil er sieht, dass der Radfahrer seine Spur gut hält und keine Schlenker fährt. Solch eine Situation hast du selbst gefilmt: LKW quetscht Radfahrer fast an einem Verkehrshindernis ein....
Beispiel 2: Bei einem getrennten, aber nebeneinander verlaufenden Rad- und Gehweg sieht man mehrere Passanten spazierengehen - teilweise auf dem Radweg. Auf der Fahrbahn ist wenig Verkehr. Dann kann man als Radfahrer auch getrost auf der Straße fahren. Sicherlich hätte man eigentlich das Recht, den Radweg ungehindert zu benutzen. Wollte man in dieser Situation aber auf sein Recht pochen, hätten alle Verkehrsteilnehmer nur Nachteile davon. Wieder eines deiner Videos als Beispiel: Darum hasse ich Radwege, die von der Straße baulich getrennt sind...
Beispiel 3: Eine Rennradfahrer fährt auf einer Landstraße auf der Fahrbahn. Neben der Landstraße verläuft, durch einen Grünstreifen getrennt, ein gemeinsamer Rad- und Fußweg, auf dem jedoch auch Spaziergänger mit Hunden, Schulkinder oder Mütter mit Kinderwagen unterwegs sind. Ein Autofahrer kommt von hinten und könnte den Rennradfahrer sogar bei Einhaltung des Mindestabstands problemlos überholen, ohne seine Geschwindigkeit reduzieren zu müssen. Eigentlich dürfte der Rennradfahrer nicht auf der Fahrbahn fahren - es ist aber sowohl für ihn, als auch für die Fußgänger, das Sinnvollste, auf der Fahrbahn zu fahren, und der Autofahrer hat keinen Nachteil dadurch.

Zur Sensationslust:
Nachdem ich gerade Yannecks Videos gesehen habe, muss ich sagen, dass es in Kiel teils deutlich übler zugeht.
Damit meine ich nicht, dass ich gefährliche oder spektakuläre Situationen sehen will. Ich wollte damit sagen, dass es deutlich üblere Verstöße gegen die StVO (teils mit großem Gefährdungspotenzial) gibt, über die man sich wirklich aufregen kann. Die von dir gefilmten Situationen sind nicht StVO-konform - klar - aber ehrlich gesagt, sehe ich da nicht notwendigerweise Konflikte zwischen den Verkehrsteilnehmern selbst. Und darauf kommt es doch beim Miteinander im Straßenverkehr an, oder?

Deswegen:
Meiner Ansicht nach ist die StVO nicht das Maß aller Dinge. Wirklich grundlegend wichtig ist halt §1 StVO. Würde man jeden Paragraphen der StVO strikt befolgen, wie du es forderst, stünde das teilweise sogar im Widerspruch zu §1 (Beispiele siehe oben). Ich wiederhole mich zwar, aber entscheidend ist die gegenseitige Rücksichtnahme und das Verständnis für die Situation des Anderen - auch wenn sich dieser nicht StVO-konform verhält (natürlich ohne zu gefährden).

Sorry für den langen Beitrag, aber ich hoffe, ich werde nun so verstanden, wie ich es meine.
Vielleicht wurde auch schon einiges davon in der "Vorgeschichte" genannt - die habe ich mir aber nun nicht noch durchgelesen. :)
Gruß
 
Ich finde beide Seiten haben ein wenig Recht. Auf der einen Seite hat man mit den Kameras die Möglichkeit, die realen Zustände auf Radwegen zu dokumentieren und öffentlich zu machen, auf der anderen Seite können solche Videos auch kontraproduktiv für die Sache der Radfahrer sein. Wenn man etwas für die Radverkehrsförderung tun will, sollte man genau überlegen, welche Aussenwirkung solche Videos entfalten.

Auf der anderen Seite finde ich die Tendenz von manchen hier, die herrschenden Zustände zu verharmlosen, schon etwas seltsam. Aber vielleicht haben viele die unbefriedigende Situation schon verinnerlicht und nehmen sie nicht mehr als etwas besonderes wahr, gegen das man eigentlich kämpfen sollte.

Was mir auch aufgefallen ist, ist Al Borlands Frage nach dem Schnitt der Videos und dem Verdacht, dass wohl vor dem Schnitt irgendwelche Provokationen des Radfahrers erfolgt sein müssen, damit Autofahrer so reagieren. Diese Frage wurde mir auch von einem Polizisten gestellt, als ich eine Anzeige gegen einen Autofahrer aufgeben wollte, der mir Prügel angedroht hatte. Der Polizist wollte nicht verstehen, dass alleine die Anwesenheit eines Radfahrers für manche ausreicht, um auszuticken.
 
Selbst ich in einer Kleinstadt bin immer froh, wenn ich diese bei meinen Ausfahrten hinter mich gebracht habe. Nahezu keine Fahrt ohne einen Beinahecrash oder massive Behinderungen. Ich hätte also kein Problem mit einer Cam soetwas laufend zu dokumentieren.
Als mehrheitliches Problem mache ich dabei aber eindeutig von ausnahmslos allen anderen Verkehrsteilnehmern die Fehleinschätzung meiner Geschwindigkeit aus. Als Beleg für die Ausnahme brauche ich nur die gleichen Strecken zu nehmen, wenn ich sie mit meiner Frau am Tandem fahre, da wir es da gemütlicher angehen lassen. Hier passiert nahezu nie etwas.
Nehme ich dazu noch eine gewisse Agressivität auf bedingsloses Rechthaben von Rennradlern dazu (ja diese neigen sehr dazu!) kommt es automatisch zu solch grenzwertigen Vorfällen.
Andererseits scheint es zB für jeden Autofahrer ein absolutes Nogo zu sein in einer 30er Zone hinter einem RR zu bleiben, welches schon über 30 fährt. Da muss man einfach vorbei........um es dann auszubremsen.
Grosstadtfahrer beneide ich jedenfalls nicht. Da lobe ich mir das doch recht problemlose Münsterland. Ich werde mir dieses Jahr eine Cam ans Rad montieren. mal sehen was da so an "netten" Aufnahmen zusammen kommt.
 
...Andererseits scheint es zB für jeden Autofahrer ein absolutes Nogo zu sein in einer 30er Zone hinter einem RR zu bleiben, welches schon über 30 fährt. Da muss man einfach vorbei........um es dann auszubremsen.
Grosstadtfahrer beneide ich jedenfalls nicht. Da lobe ich mir das doch recht problemlose Münsterland. Ich werde mir dieses Jahr eine Cam ans Rad montieren. mal sehen was da so an "netten" Aufnahmen zusammen kommt.

Da triffst du den Nagel auf den Kopf! :daumen:
 
Ich finde es ergeben sich zwei grundsätzliche Fragen im Bezug auf das Zusammenleben zwischen Radfahrern und Autofahrern:

1. Hat man als Radfahrer das Recht Autos auf die STVO hinzuweisen auch wenn man sich selbst in vielen Fällen nicht daran hält?

2. Muss man als Radfahrer "zurückstecken" und auf sein Recht verzichten, nur weil man der Schwächere ist und unweigerlich den Kürzeren ziehen würde?

Also ich beantworte beide mit "Nein".
 
Ich stelle fest: einige im Forum kennen sich sehr gut mit Gesetzestexten, Recht und Ordnung aus. Ich bin darin längst nicht so gewandt. Klar, kann ich das grundlegende, aber mit Paragraphenpauken würde ich mir das Leben nur unnötig schwer machen. Viel eher verlasse ich mich auf den gesunden Menschenverstand, den auch hier viele erwähnen. In Deutschland gehen Paragraphen vor eine passive Verkehrsteilnahme. Mal wieder ein Vorteil, den ich hier in Norwegen sehr genieße. Die Autofahrer sind aber auch bescheidener. Das macht es dem Radler natürlich einfacher auch mal fünfe grade sein zu lassen, wenn er geschnitten wurde.
 
Ich weiß nicht wie es bei den Anderen ist, aber ich versuche mir durch bemüht StVO-konformes Verhalten die moralische Legitimation zu schaffen, aus welcher heraus Kritik an anderen überhaupt erst möglich ist. "Fünfe gerade sein lassen" ist überhaupt kein Problem aus reiner Freundlichkeit oder dem Schutz der eigenen Unversehrtheit, aber doch nicht, damit der vermeintlich stärkere Verkehrsteilnehmer ungestört seine Runden ziehen kann, dafür gibt es Autostraßen und -bahnen. Wer im städtischen Straßenverkehr unterwegs ist, muss unter allen Umständen mit schwächeren Teilnehmern rechnen, seinen es Radfahrer, ÖPNV oder Fußgänger.
 
Zu den zwischenzeitlichen Kommentaren drängen sich mir einige Fragen/Gedanken auf:


...will er RR fahren, ... ist er in der Stadt wohl ziemlich falsch...

Wie kommst Du denn darauf?

...das impliziert ja, dass Radfahren in der Stadt verboten wäre ... - Warum soll man sein Fahrrad in der Stadt nicht benutzen dürfen? ... Und selbst wenn es vernünftige Gründe gäbe, es nicht zu benutzen, was soll man tun, wenn man auf das Fahrrad als alltägliches Fortbewegungsmittel angewiesen ist und/oder es keine "sicheren Reviere" gibt in den man fahren kann ohne belästigt zu werden ???


...ich kann jeden Autofahrer verstehen, der mal einen Radfahrer mit weniger als 1,5m Abstand überholt, wenn er sonst im Schneckentempo hinterherzuckeln muss...

Wirklich jeder Autofahrer? ... Was heißt "weniger als 1,5 m" - wieviel ist denn noch in Ordnung? ... Was bedeutet für Dich "Schneckentempo???

...also wie auch immer man es auslegt, jeder versteht darunter etwas anderes - und das ist ja gerade das Problem! Deshalb gibt es Verkehrsregeln und Gerichtsurteile, die sich damit auseinandersetzen, damit nicht jeder "nach gut dünken" fährt und dadurch mehr oder weniger fahrlässig (oder absichtlich) Gefährdungen und/oder Unfälle provoziert, die eigentlich zu vermeiden gewesen wären ... Ich denke man muss an diesem Punkt äußerst vorsichtig sein und es kommt sehr auf die Situation drauf an ...

Nach meiner Erfahrung sollte man hier gerade als Rennradfahrer keine falschen Kompromisse eingehen, da man aufgrund der hohen Eigengeschwindigkeit noch viel mehr als "normale Radfahrer" auf Abstände und Sicherheitsräume angewiesen ist um "im Zweifelsfall" überhaupt noch unbeschadet aus einer dann "doch gefährlich werdenden Situation" herauszukommen ...

Ich denke das ist ein Grund warum man sich dann auch schneller "gefährdet" fühlt ...


Meiner Ansicht nach ist die StVO nicht das Maß aller Dinge.

Aber was denn dann? Auf irgendetwas muss man sich doch verlassen können, es funktioniert nunmal nicht, dass jeder fährt wie er will, da einfach der "gegenseitige Respekt" i.d.R. vor allem der der Kraftfahrzeugführer gegenüber dem Radfahrer nicht gegeben ist - man wird oft nur als Verkehrshindernis denn als Verkehrsteilnehmer gesehen ... Gefährdungen werden dann billigend in Kauf genommen nach dem Motto "was haben Radfahrer auf der Straße zu suchen?" ... Alle sind gleich (und haben dieselben Rechte und Pflichten) aber irgendwie dann doch nicht? - das kann's doch irgendwo nicht sein...


Auf der anderen Seite finde ich die Tendenz von manchen hier, die herrschenden Zustände zu verharmlosen, schon etwas seltsam. Aber vielleicht haben viele die unbefriedigende Situation schon verinnerlicht und nehmen sie nicht mehr als etwas besonderes wahr, gegen das man eigentlich kämpfen sollte.

Ja, Du sagst es, der Eindruck drängt sich irgendwie auf...


Der Polizist wollte nicht verstehen, dass alleine die Anwesenheit eines Radfahrers für manche ausreicht, um auszuticken.

Andererseits scheint es zB für jeden Autofahrer ein absolutes Nogo zu sein in einer 30er Zone hinter einem RR zu bleiben, welches schon über 30 fährt.

Wo wir wieder beim Problem "gegenseitiger Respekt" (auch § 1 StVO), Radfahrer sind auch Verkehrsteilnehmer und nicht -hindernis, etc., wären ...

...

Also mir ist jedenfalls schleierhaft woran ich das mit dem "gegenseitigen Respekt" oder dem "gesunden Menschenverstand" ablesen können soll, wenn nicht daran, dass die Kraftfahrzeugführer auch mal "vom Gas gehen" und wenigstens die Seiten- und Sicherheitsabstände (Minimum = 1,50 Meter) einhalten ...

Mir drängt sich dann immer der Verdacht auf, dass ich "unsichtbar" bin oder nicht gesehen worden bin - und sobald einer mal anfängt "falsch zu fahren" und mich dadurch in Gefahr bringt, brauche nicht lange drauf warten und der nächste Hintermann macht es nach - in dieser Hinsicht sind viele Fahrzeugführer wie Schafe ... ich meine, dass sowas weder sein darf noch muss...

Deshalb ist man m.E. auf der richtigen Seite, wenn man von ALLEN in jeder Situation das strikte fahren nach StVO verlangt ...
 
Was heißt "weniger als 1,5 m" - wieviel ist denn noch in Ordnung?
Sicherlich gibt es immer Idioten, die im Straßenverkehr andere gefährden und gefährliche Situationen verursachen. Da ich täglich mit dem Rad in der Stadt unterwegs bin, kenne ich das auch zur Genüge - und glaub nicht, dass ich einfach freundlich winke, wenn mir jemand dreist die Vorfahrt nimmt oder mir gegenüber aggressiv wird. :rolleyes:

Aber nicht alle Autofahrer sind so. Die meisten können sehr wohl gut einschätzen, wann und bei wem sie besonders vorsichtig fahren müssen und wann sie auch mal knapper überholen können. Dazu zähle ich insbesondere Berufsfahrer (Taxi, Lkw etc.). Die sehen, dass ich als Radsportler bzw. routinierter Radfahrer unterwegs bin und meine Spur halte. Dann habe ich auch kein Problem damit, wenn sie schlicht und einfach mit 50cm statt 1,5m an mir vorbeifahren. Mit gegenseitigem Respekt meine ich dann auch, dass ich nicht gleich das Pöbeln anfange, wenn mich jemand auf diese Weise überholt (und damit eigentlich die StVO verletzt) - denn ich wurde dabei ja nicht über die Maße behindert oder gefährdet.


Was bedeutet für Dich "Schneckentempo???
Ich habe dieses Wort gewählt, um zu verdeutlichen, dass der Autofahrer deutlich flotter unterwegs sein könnte, wenn er nicht vom Radfahrer daran gehindert würde. Selbst bei Rennradfahrern trifft dies zu, da sie im Stadtverkehr oft gerade warmfahren oder ausrollen lassen und deswegen nicht mit 40 Sachen unterwegs sind (kennt vielleicht jeder von sich selbst).
Um mal ein ähnliches Szenario zu wählen: Stelle man sich vor, man fährt (strikt gemäß StVO) mit dem Rennrad auf einem Radweg, und vor einem fährt ein Opi auf seinem Hollandrad - "im Schneckentempo" mitten auf dem Radweg, sodass nur wenig Platz zum Überholen. Man klingelt (denn gemäß StVZO §64a hat man eine Klingel am Rad), doch der Opi hört es nicht oder stellt sich stur. Was nun, ohne die StVO zu verletzen? Bleibt nur hinterherzuzuckeln.
Ich persönlich würde mich dafür entscheiden, auf die Straße auszuweichen, wenn die Verkehrssituation es zulässt - auch wenn der Radweg eigentlich benutzungspflichtig ist. Den Opi würde ich jedenfalls aus Rücksichtnahme nicht einfach überholen - das ginge sicherlich ohne übermäßige Gefährdung, aber womöglich erschrickt er sich und stürzt.

Meiner Ansicht nach muss man halt in jeder Situation abwägen, was das Sinnvollste ist. Und das ist nicht immer die Befolgung der StVO. Was wiederum nicht bedeutet, dass "jeder fährt wie er will".
Es hängt immer von der Gesamtsituation ab und wie man sich und die anderen Verkehrsteilnehmer einschätzt. Manche tun sich schwer mit dem Einschätzen und halten sich lieber strikt an die StVO - andere überschätzen sich und gefährden dadurch andere. Beides tut meiner Meinung nach dem Verkehr auf unseren Straßen nicht gut.

Nichts für ungut, aber ich habe einfach eine andere Meinung als du, Janneck, und ich habe sie glaube ich ausreichend dargelegt. Ich kann deine Wut gegenüber rücksichtslosen Autofahrern verstehen und teile sie; nur ziehe ich andere Konsequenzen. Entscheidend ist doch - da sind wir uns sicher einig - dass eine Gefährdung anderer möglichst zu vermeiden ist.

Grüße
 
Die strikte Einhaltung der StVO zu fordern und nur in Schwarz oder Weiß zu unterscheiden verliert etwas an Glaubwürdigkeit wenn man in seinen eigenen Videos selbst sämtliche Grautöne fabriziert, von Rot und Blau gar nicht zu reden ...
 
Entscheidend ist doch - da sind wir uns sicher einig - dass eine Gefährdung anderer möglichst zu vermeiden ist.

Sicher sind wir und da einig ...

Doch wo fängt eine Gefährdung an ??? ... Ich finde nicht, dass das jeder nach seinen "eigenen Maßstäben" auszulegen hat - wäre dies legal und es wäre gängige Praxis, dann wäre niemand mehr im Straßenverkehr wirklich sicher ... außerdem würde dies jegliche Art und Form von Verkehrsregeln grundsätzlich in Frage stellen - Wozu bräuchten wir sie wenn sich keiner daran halten bräuchte? ... Das endet in Chaos, weil manche eben meinen "gleicher als andere" zu sein, den "besseren Überblick" für die Situation zu haben und meinen "alles im Griff" zu haben ...

Mit einem Wort: Selbstüberschätzung


Was, wenn es dann doch nicht passt? Was wenn dann doch was passiert???

Warum also soll man 1,50 m Abstand beim Überholen von Radfahrern einhalten? Welchen Sinn hat das?

...

Du sagst:

Die meisten können sehr wohl gut einschätzen, wann und bei wem sie besonders vorsichtig fahren müssen und wann sie auch mal knapper überholen können. Dazu zähle ich insbesondere Berufsfahrer (Taxi, Lkw etc.). Die sehen, dass ich als Radsportler bzw. routinierter Radfahrer unterwegs bin und meine Spur halte. Dann habe ich auch kein Problem damit, wenn sie schlicht und einfach mit 50cm statt 1,5m an mir vorbeifahren.

Das ist ja wohl nen Scherz? ... 50 Zentimeter??? - Das ist Wahnsinn ... :eek:

Jetzt verstehe ich auch folgendes Posting von Dir, worauf ich dann doch nochmal genauer eingehen will und weshalb sich dann auch offenbart, warum ich insbesondere so auf die Abstandsregel poche...

...

Du schriebst:

Was ich damit meine, sind Situationen, in denen ein vernünftiger (und zügiger) Verkehrsablauf nicht 100%ig gemäß StVO vonstatten geht, sondern durch deren strikte Einhaltung sogar Nachteile bzw. Gefährdungen entstehen. Dafür ein paar Beispiele...

Beispiel 1: Ein Radfahrer fährt eine schmale Straße entlang. Hinter ihm kommt ein LKW, der den Radfahrer nur überholen könnte, indem er weniger als 1,50 Sicherheitsabstand einhielte, jedoch noch ausreichend Abstand, sodass der Radfahrer nicht gefährdet wird. Nach StVO müsste er mit Radfahrertempo hinterherzuckeln. Er könnte aber auch den recht ungefährlichen Überholvorgang durchführen - beispielsweise, weil er sieht, dass der Radfahrer seine Spur gut hält und keine Schlenker fährt. Solch eine Situation hast du selbst gefilmt: LKW quetscht Radfahrer fast an einem Verkehrshindernis ein....

Gerade dieses Video ist ein Paradebeispiel dafür, wie man es nicht macht und dass die Missachtung der StVO seitens des LKW-Fahrers zu einer erheblichen Gefährdung der Radfahrer führt .... und an der Stelle offenbart sich dann auch, warum Abstände nicht nach "gut dünken" gehalten werden sollten oder auch nicht, so wie's einem gerade passt - und warum das einfach mal gar nicht geht...

Dies ist der eigentliche Grund warum Gefahren im Straßenverkehr passieren, denn irgendwann passiert eben das, woran Du nicht gedacht hast...


Was ist in diesem Video zu sehen?

Der LKW überholt mit weit weniger Abstand als vorgeschrieben (vielleicht sind es ja die von Dir vorgeschlagenen 50 cm), ohne dabei in irgendeiner Weise seine Geschwindigkeit anzupassen (bremsen oder beschleunigen), benutzt auch keine Blinker und fährt nicht einmal auf die zu Beginn des Überholmanövers frei werdende linke Gegenfahrbahn ... zu dem hat er auch noch einen ziemlich langen Anhänger!

...

Wenn ich Deiner Meinung folge ist das ja vollkommen ok, denn er ist ja Berufskraftfahrer und hat es deswegen "automatisch drauf" - doch verhält es sich mit den parkenden Autos oder Fußgängern genauso ???

Stelle Dir nun lieber also nicht vor was Sekunde 0:04 bis 0:09 alles passieren könnte, wenn rechts eine Tür aufgeht oder einer einen Schritt zu weit auf die Fahrbahn tritt, oder, oder, oder ...

Kannst Du mir sagen wo ich dann hätte hinfahren sollen???

DESHALB: ... mimimum 1,50 Meter Seitenabstand - und zwar immer (ich könnte ja auch mal nem Schlagloch oder irgendwas ausweichen, was man selbst in der übersichtlichsten Situation vorher nicht gesehen hat - oder denke mal an eine kräftige Seitenwindböe ... die kann niemand vorausahnen !)

... niemand sollte es deswegen leichtfertig in seine Verantwortung nehmen die Sicherheitsräume anderer Verkehrsteilnehmer "dicht zu machen" - nur weil er (oder sie) meint ein so "professioneller Fahrer" zu sein, der schon alles gesehen hat und alles im Griff hat - die Regeln haben ihren Sinn .. insbesondere die Seitenabstandsregel ...

...

Und gerade in dem von Dir genannten Video hätte diese Situation komplett entschärft werden können, wäre der LKW auch nur kurz vom Gas gegangen, hätte links geblinkt, wäre auf die freie linke Gegenfahrbahn rübergefahren und hätte mit einem sicheren Abstand von mindestens 1,50 Meter (gemessen von meinem linken Ellenbogen) überholt ....

So ist es die "reinste Zeitbombe" bis da mal was passiert, und in dem Moment wo er auf die gezeigte Weise an mir vorbeifährt, kann ich einfach nur hoffen, dass niemand eine Tür öffnet, auf die Fahrbahn tritt oder seinen Kopf raufhält, eine Windböe oder ein Schlagloch kommt ... oder was die Gefahr noch fortsetzt: hinter dem 1. LKW noch ein 2. LKW kommt, der genauso gefährlich und knapp überholt und mich dann in Sekunde 0:09 an dem weißen Transporter "aus Versehen" einquetscht - diesmal vollkommen schuldlos, weil er aufgrund des so nicht zu erkennenden Überholmanövers seines Vordermannes nicht damit rechnete, dass sich am rechten Fahrbahnrand noch 2 Radfahrer befinden ...

"Prost Mahlzeit!" kann ich da nur sagen...

...

Sinn von Verkehrsregeln ist an 1. Stelle immer noch eine gefahrlose Teilnahme am Straßenverkehr zu ermöglichen, und zwar für Jedermann (!!!), und es ist mein gutes Recht dies auch einzufordern bzw. mich darüber zu beschweren, wenn es mir jemand verwehren will (Stichwort: "gegenseitiger Respekt")...

Es liegt nicht in meiner Verantwortung als Radfahrer in erster Linie "den Verkehrsfluss" zu fördern in dem ich mich nicht darüber beschwere, dass die StVO "aufgeweicht" wird und ich zu dicht überholt und gefährdet werde... An erster Stelle steht immer noch meine Gesundheit... Es ist daher eine notwendige Überlebensstrategie beim zügigen RR fahren in der Großstadt, dass man auf die Sicherheitsabstände besteht...

Zu überholen hat man deshalb nur dann, wenn es die Platzverhältnisse zulassen (sprich mindestens 1,50 m Seitenabstand kann zu jedem Zeitpunkt des Überholvorgangs eingehalten werden).

...Ein Recht "schnell fahren" gibt es nicht, ein Recht auf "körperliche Unversehrtheit" schon...

...

Vielen Fahrzeugführern ist das jedoch egal - für sie haben RR auf der Straße nichts zu suchen, sind RR nur Spielzeug, sie meinen ein Recht auf Geschwindigkeit zu haben, sehen ein RR als Verkehrshindernis, respektieren uns nicht, geben sich nicht mal im Ansatz Mühe uns zu respektieren, und das kann man an ihrem Verhalten ablesen (schneiden, drängeln, hupen)...

...

...Um auf den Ausgangspunkt zurückzukehren - ich finde es daher vollkommen i.O. davon Videos zu machen und sie ins Netz zu stellen, quasi als "warnendes Beispiel" wie man es nicht macht... außerdem sind sie ein 1A-Beweismittel für den Fall, dass man wieder mal an- oder umgefahren wurde - denn trotz aller Achtsamkeit und allem Rechteverzicht lässt sich das leider nicht vermeiden, wenn so viele der Meinung sind, sich nur "situativ-bedingt" an die StVO halten zu müssen und dann und wann "drauf verzichten zu können" - was ja dann aber (nebenbei bemerkt) immer nur für die Autofahrer gelten soll...

Man stelle sich vor jemand würde einen Thread aufmachen in dem es darum geht, dass legalisiert werden soll, dass Radfahrer sich nicht immer an die StVO halten müssen... Hätte irgendjemand Verständnis dafür???... *pfui* ...Was für ein Aufschrei würde durch die Gesellschaft gehen.

Wir Radfahrer haben nun mal kein "schützendes Blech" und deshalb sind die Abstände so (überlebens-)wichtig, und die Forderung vollkommen berchtigt zu verlangen, dass sich in dieser Hinsicht an geltendes Recht gehalten wird!!!
...je schneller wir fahren, desto wichtiger werden sie...
 
Lieber Janneck,

ich wollte dich nicht angreifen und dachte auch, dass ich das mit dem letzten Absatz meines letzten Beitrags deutlich gemacht hätte. Dennoch scheint meine Meinung auf dich aggressiv zu wirken - schade. Du hast wohl auch einige meiner Aussagen anders aufgefasst, als ich sie gemeint habe. Deswegen möchte ich kurz einige Dinge klarstellen:
Ich finde nicht, dass das jeder nach seinen "eigenen Maßstäben" auszulegen hat - wäre dies legal und es wäre gängige Praxis, dann wäre niemand mehr im Straßenverkehr wirklich sicher
Das habe ich auch nicht gefordert. Sicher braucht man klare Regeln im Straßenverkehr. Das heißt aber nicht, dass jede Kleinigkeit und jeder Zentimeter Abstand geregelt sein muss. Wenn sich jeder bloß an §1 StVO halten würde, wäre schon viel gewonnen.

die von Dir vorgeschlagenen 50 cm
Ich habe die 50cm nicht vorgeschlagen (bitte aufmerksam lesen!), sondern geschrieben:
Dann habe ich auch kein Problem damit, wenn sie schlicht und einfach mit 50cm statt 1,5m an mir vorbeifahren.
Auch dabei kommt es natürlich auf die vorherrschende Verkehrssituation an. Bei geradlinigem Verkehrsfluss sind geringere Abstände OK. Ist die Situation eher unübersichtlich, ist halt mehr Vorsicht geboten.

Wenn ich Deiner Meinung folge ist das ja vollkommen ok, denn er ist ja Berufskraftfahrer und hat es deswegen "automatisch drauf"
Entweder verdrehst du mir absichtlich die Worte oder du hast mich missverstanden (bitte aufmerksamer lesen!). Ich schrieb:
Die meisten können sehr wohl gut einschätzen, wann und bei wem sie besonders vorsichtig fahren müssen und wann sie auch mal knapper überholen können. Dazu zähle ich insbesondere Berufsfahrer (Taxi, Lkw etc.).
Von "automatisch" oder anderen Pauschalisierungen war nicht die Rede.


Vielen Fahrzeugführern ist das jedoch egal - für sie haben RR auf der Straße nichts zu suchen, sind RR nur Spielzeug, sie meinen ein Recht auf Geschwindigkeit zu haben, sehen ein RR als Verkehrshindernis, respektieren uns nicht, geben sich nicht mal im Ansatz Mühe uns zu respektieren, und das kann man an ihrem Verhalten ablesen (schneiden, drängeln, hupen)...
Auf manche Fahrzeugführer trifft das leider zu. Die Reaktion darauf sollte aber meiner Meinung nach nicht sein, dass man alle Verkehrsteilnehmer, die irgendwann und irgendwo von der StVO abweichen, als brutale und rücksichtslose Rowdies einzustufen, die es nur darauf anlegen, dem Radfahrer jegliche Rechte im Straßenverkehr mit Gewalt zu entziehen. Das führt nur zu einer Verhärtung der Fronten, denn die meisten dieser "Rowdies" sind ganz normale Verkehrsteilnehmer, die sich der Situation angepasst verhalten, ohne die kleinkarierte StVO auswendig gelernt zu haben. Begegnet man diesen bei jeder kleinen Übertretung, sei sie noch so harmlos, mit Aggression, provoziert man nur Gegen-Aggression.
Wie sinnlos...
 
Sorry FoPa,

ich wollte Dich weder angreifen noch sonst irgendwas, brauchst Dich auch nicht angegriffen fühlen, fühle mich auch nicht angegriffen.

Ich kann zwar Deine Meinung nachvollziehen und es ist ja auch ok, wenn Du sie hast - so wie Du der Meinung bist, dass man nicht alles klar regeln muss, bin ich aber eben der Meinung, dass es gewisse Dinge gibt, wo das eben nicht geht und das betrifft meiner Meinung nach vor allem die Abstände.

Ich hatte das auch an einem Beispiel (das mit dem LKW) erläutert, weil ich Dir an der Stelle zeigen wollte, dass die Abstandsregel ihren Sinn hat und eben nicht "aufgeweicht" werden darf ... darauf bist Du aber leider nicht eingegangen ...

...

Zurück zum Thema:


Ich fände es auch schön, wenn der § 1 StVO ausreichen würde um die Straßen "zu befrieden" ... aus meiner Erfahrung heraus funktioniert es aber eben nicht, denn es wird immer Leute geben, die "den Bogen überspannen" (weil sie auch keinen "gesunden Menschenverstand" haben) und die die Regeln "etwas zu weit in ihrem Sinne" auslegen...

(...wobei ich mich an dieser Stelle schon Frage wo sie sich das Recht hernehmen, insbesondere dann wenn dadurch andere belästigt werden ??? ...)

Also ich weiß nicht, man kann da sagen was man will, und man braucht auch nicht immer alles auf die berühmte Goldwaage legen und muss sich auch nicht über alles aufregen - da denke ich genauso wie Du! (und viele andere auch)

DENNOCH: ...wenn eben doch was passiert und ich mich dann zur Wehr setzen muss (weil ich zu Schaden gekommen bin), müssen solche Dinge leider eben doch "präzisiert" werden ... das liegt an unserem Rechtssystem, in dem nunmal jeder das Recht hat sich zu beschweren, zu klagen und "ein gerechtes Urteil" zu bekommen, und das führt dann zwangsläufig zu der "Präzisierung von Verkehrsregeln durch Gerichte", die manchen nunmal sauer aufzustoßen scheinen, weil sie sich dann entweder in ihrer "persönlichen Freiheit" eingeschränkt fühlen oder weil sie eben einfach keine Lust haben sich an Regeln zu halten, bzw. sich überhaupt mit diesen auseinander zu setzten (sprich: einfach mal die StVO zu lesen) ...

...ich weiß nicht was daran so schwierig ist...

Das ist aber auch nichts wirklich Neues und leider ein alltägliches Problem dem man im Straßenverkehr begegnet. Wie man es auch dreht und wendet, nur mit § 1 (den die meisten nicht mal kennen) klappt es nicht, insbesondere dann nicht, wenn es eben dich zu Konflikten kommt ... aus diesem Grunde ist es eben doch einfacher sich von vornherein an ALLE Regeln zu halten, damit es gar nicht erst zu Konflikten kommt - und eben auch damit man "keine Angriffsfläche bieten kann".

Klar kommt es vor, dass man sich nicht ständig an alle Regeln hält - solange dadurch niemand gestört, belästigt oder gefährdet wird ist das denke ich auch grundsätzlich kein Problem. Wenn aber jemand "zu dicht" an mir vorbeirauscht, dann fühle ich mich eben mehr als gefährdet um nicht zu "bedroht" (§ 1 StVO!!!) ... ich empfinde es nunmal als "Angriff auf mein Leib und Leben" - oder kann mir der Überholende garantieren, dass keine WIndböe, kein Schlagloch, keine Autotür kommt??? ....(ich habe sowas schon mal erlebt und überlebt und will es kein zweites Mal erleben!!!) ... (@FoPa: ...wäre schön, wenn Du auch dazu was gesagt hättest)

Aber das ist eben nur meine persönliche Meinung.


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Ein Angriffspunkt bietet man doch auch nur dann, wenn man sich eben nicht an Regeln hält und diese aufweicht ... es stellt sich auch die Frage warum sich manche Verkehrsteilnehmer so schwer tun, sich an Regeln zu halten???

Wenn man diese Frage beantwortet kommt man der Sache sicher ein gutes Stück näher!

;)


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....klar, nicht alle Verkehsrteilnehmer sind "brutal und rücksichtslos" weil sie Regeln brechen und deswegen automatisch "die Bösen" - sie sind und bleiben jedoch Regelbrecher und dem wird immer ein "bestimmter Geruch" anhängen - sei es "aus Versehen" oder eben nur weil sie nicht in der Lage sind "nachzugeben" und/oder ihr Ego es nicht erlaubt sich Regeln zu unterwerfen .... nur die Gratwanderung zwischen "kontrolliertem Risiko" und "hirnloser Fahrlässigkeit" wird dann immer schmaler ... Wozu???

Ich weiß nicht wie sinnvoll es ist, diese "Gratwanderung" zu verteidigen und zu versuchen auszureizen - das schmelzt dann eben leider auch noch die letzten Sicehrheitsreserven ab...

Ich bleibe dabei, dass ich das als keine "gute Entwicklung" für den Straßenverkehr halte....


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Welche Vorteile solll das haben (angeblich schnellerer Verkehrsfluss), welchen Nachteile (ich meine nur erhöhtes Gefahrenpotential)???


Ich sehe da einfach keinen Sinn drin.

Verkehrsregeln sind sinnvoll - klar sind nicht alle Menschen Engel, aber sich daran zu halten (vor allem wenn man nicht alleine auf der Straße ist!!!) ist einfach besser!


:bier:
 
OK, dann werde ich noch einmal was zu den Abstandsregeln sagen - dabei ging es dir wohl vor allem um mögliche, unvorhersehbare Ereignisse. Solche Ereignisse sind natürlich immer denkbar. Es könnte auch passieren, dass ein Radfahrer plötzlich einen Schwindelanfall bekommt und quer über die ganze Fahrbahnbreite trudelt. Ich will die Gefährdungsszenarien nicht ins Lächerliche ziehen, aber auf welcher Grundlage basieren denn die festgeschriebenen 1,5m? Sie sind einfach ein Wert, pauschal für alle Situationen veranschlagt. Oder in anderen Worten: willkürlich gewählt. Es gibt Situationen, in denen sogar mehr als 1,5m Abstand erforderlich sind, um Gefährdung möglichst auszuschließen. Manchmal reicht auch weniger als 1,5m Abstand, um Gefährdung möglichst auszuschließen. Es kommt, wie schon so oft erwähnt, auf die Gesamtsituation an.
Konkret in dem gefilmten Beispiel sehe ich keine besondere Gefährdungslage, die einen derart großen (1,5m) Sicherheitsabstand erfordern würde. Zugegeben, der LKW fährt schon etwas dicht vorbei, sodass es ein gewisses Unwohlsein hervorrufen kann - aber wirkliche Gefährdung?...
Ich versuche mich einmal in die Lage des LKW-Fahrers zu versetzen: Da ist schon klar, dass der es möglichst vermeiden möchte, seinen 30t-Sattelzug dauernd runterzubremsen und wieder beschleunigen zu müssen. Er sieht dann zwei Rennradler hintereinander geradlinig am Straßenrand fahren. Die gesamte Verkehrssituation ist in einem ruhigen Fluss, keine Hindernisse voraus, also kann man geradewegs an den Radfahrern vorbeifahren. Anders wäre es, wenn sich eine Familie mit kleinen Kindern auf der Straße befände. Da würde genau derselbe Fahrer wohl gar nicht erst ein Überholmanöver wagen.

Du hast vollkommen Recht, dass eine vernünftige Rechtsgrundlage bestehen muss, die im Zweifelsfall herangezogen werden kann. Nur muss diese meiner Ansicht nach nicht für jede Situation einen Paragraphen bieten, sondern möglichst wenige Paragraphen, die insgesamt alle Situationen abdecken. Da dies nur der theoretische Idealfall ist, ist das ganze eine Frage der Abwägung, wie viel Eigenverantwortung, Mündigkeit und nicht zuletzt Freiheit man den Verkehrsteilnehmern zumuten kann.
Jedenfalls kann es nicht der richtige Weg sein, Regeln aufzustellen, die wegen ihrer Unsinnigkeit größtenteils nicht befolgt werden. Ob der Einzelne sich ihnen dennoch unterwirft oder zugunsten der Verkehrssicherheit und der Praktikabilität ignoriert (Stichwort Radwegebenutzungspflicht), muss jeder selbst entscheiden - mit dem Risiko, im Zweifelsfall zumindest eine Mitschuld zugesprochen zu bekommen.


es stellt sich auch die Frage warum sich manche Verkehrsteilnehmer so schwer tun, sich an Regeln zu halten???
Ich sehe da vor allem folgende Gründe:

  1. Unwissenheit
  2. Gleichgültigkeit
  3. Uneinsichtigkeit, und zwar
    1. weil sich der einzelne Verkehrsteilnehmer sich durch die Regeln ungerecht behandelt fühlt.
    2. weil die Regeln aus Sicht des Verkehrsteilnehmers für den Verkehr insgesamt unsinnig sind.
Wenn Verkehrsregeln aus Grund 1, 2 oder 3.1 verletzt werden, habe ich dafür auch kein Verständnis. Über 3.2 kann man diskutieren und versuchen, daraus sinnvollere Regeln abzuleiten, damit der Verkehr insgesamt davon profitiert. Und deshalb stimme ich deinem letzten Satz auch nicht uneingeschränkt zu...
Verkehrsregeln sind sinnvoll - klar sind nicht alle Menschen Engel, aber sich daran zu halten (vor allem wenn man nicht alleine auf der Straße ist!!!) ist einfach besser!
Wenn die Befolgung der Regeln zu einer größeren Gefahrenlage führt als die Nicht-Befolgung, dann sollte man sich meiner Ansicht nach für die Nicht-Befolgung entscheiden. Das meine ich allgemein und ausdrücklich nicht auf den Sicherheitsabstand bezogen.

Was den Sicherheitsabstand angeht, so würde ich eine Formulierung wie z.B. "ausreichend Seitenabstand, um eine Gefährdung den Umständen entsprechend auszuschließen" oder ähnliches einem pauschalen Wert vorziehen. Ein bisschen Vernunft und Übersicht sollte man den Verkehrsteilnehmern noch zubilligen, auch wenn vielleicht 0,5% unbelehrbare Idioten sind.

Grüße
 
So jetzt sag ich auch mal was....Die 1,5m sind daher unsinnig weil sowieso 85% der Verkehrsteilnehmer nicht wissen wieviel 1,5m sind.
Eine Reduzierung dieser 1,5m ist aus dem selben Grunde aber noch viel unsinniger!!!
womit wir wieder in der Spirale sind ;-)
Diese Spirale jetzt noch mit "angemessener Abstand" zu erweitern ist Hirnlos.

Fragt mal jemand (oder euch selbst) wie breit ein PKW ist oder ein Fahrradlenker... und dann schaut nach.
Für Superfahrer gibt es noch ein Spiel. Es heist 20m mit 5cm Abstand der Fahrbahnbegrenzung nach.
Am Besten eignen sich Bürgersteige. Dann sehen wir wer sein Fahrzeug im Griff hat und der Reifenhändler sieht wer nicht.

Gruss Dani

PS: habe auch schon viel Scheisse gebaut in meiner Zeit auf der Strasse ( macht wirklich jeder ). Aber das noch mit Angemessen und Selbsteinschätzung zu fördern.... Es liegt nicht am Verkehr es liegt an der Menschheit und die braucht kontrolle (leider).
 
Kontrolle und Regeln sind gut, gegenseitige Rücksichtnahme (§1 StVO) bringt mehr!
Da wir Deutschen aber alles bis ins kleinste Regeln müssen, kann man sich im Streitfall auch auf diese Regeln prima zurückziehen. Prima? Nur solange es einen selbst nicht betrifft zeigt die Erfahrung. Da wir so viele Regeln haben streitet man sich auch um die Einhaltung selbst der unsinnigsten Varianten davon.
Total blödsinnig. Der oben zitierte § reicht aus, der Rest ist Spielraum der Verkehrsteilnehmer und im Zweifelsfall der Richter.
Und Idioten werden es dadurch nicht mehr und nicht weniger, weder unter den Autofahrern noch unter den Radfahrern!!!
 
es werden sich weder die Autofahrer noch die Radfahrer ändern ... wirklich Veränderung kann nur die Politik bringen, sie legt fest, welchen Stellenwert Fahrräder haben ... ich nehme Mainz als Beispiel ... aktuell: Radwege in der Innenstadt lebensgefährlich (sowieso zu schmale Bürgersteige, auf denen auch noch Streifen für Fußgänger und Radfahrer getrennt sind) ... Ergebnis man kommt als Fußgänger schneller voran als Fahrradfahrer ... es gibt jedoch hier einen neuen Denkansatz ... die Stadt Mainz hat Leihräder angeschafft und wohl selbst eingesehen, dass die Verwendung eines Fahrrads auf den bisherigen Radwegen so gut wie unmöglich ist .... Ergebnis: auf den Fahrradverkehr soll mehr Wert gelegt werden ... die Räder sollen auf die Straße, was ich für den richtigen Ansatz halte ... die Zeitungen stehen voll davon, Zeitung lesen viele, ich hoffe, dass das ein umdenken bewirken wird/kann, bei Menschen, die sich darum noch nie Gedanken gemacht haben ... man will die Luft sauber haben, Thema Feinstaub .... ich denke, das sind tatsächlich erste Ansätze von wirklicher Veränderung ... die Politik muss den Wert des Fahrrads für die Umwelt erkennen, dann wird man auch Geld dafür ausgeben ... ein ordentlicher Radweg kostet nur Bruchteile einer ordentlichen Straße ... ich bin der festen Überzeugung, dass in der Zukunft der Wert der Fahrräder steigen wird, verbunden mit einigen posiitiven Konsequenzen ... alles "nur" noch eine Frage der Zeit, hoffen wir, dass ein zwei Städte mit gutem Beispiel voran gehen ... das würde dann wieder Städte in der Nachbarschaft unter Druck setzen, usw. usw.

Für ein faires Miteinander
Thommy
 
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