Hallo zusammen, da es ja bei ARA Dresden noch freie Startplätze gibt möchte ich hier als Motivation gerne noch meinen Bericht über den 200er letztes Jahr mit Euch teilen.
Rauf und runter, rauf und runter - Brevetbericht ARA DD 200 km am 26.04.2025
Es gab Zeiten, da fand ich die allmorgendlichen 10 Meter Steigung über die Brücke am Teltowkanal in Berlin nervig. Einige Jahre am Fuß der Schwäbischen Alb haben mich davon kuriert: da hieß es entweder nur im Neckartal fahren oder eben irgendwann mal die Alb hoch. Diese Roßkur bewirkte erst Gewöhnung und später sogar Freude an Höhenmetern.
Und so meldete ich mich 2025 zusammen mit zwei Kollegen zum dritten Mal in Folge für einen 200er in Dresden an. Dieses Mal standen satte 4000 Höhenmeter auf dem Programm - pro Strecke gut das Doppelte der "Dosis" für PBP. Aus den Erfahrungen der letzten Jahre waren wir uns aber sicher, dass die Mühen landschaftlich wieder lohnen würden.
Los ging es für uns zunächst aus Dresden Richtung Startort in die Radrennbahn Heidenau. Das Elbtal hüllte uns unterwegs in einen malerischen Nebel. Schon vor dem Start die Gewissheit, dass das ein toller Tag werden würde.
Am Start gab es das gewohnte und lieb gewonnene herzliche Frühstück von Audax Randonneurs Allemagne Dresden und dann ging es los. Wie gewohnt ließen wir uns ein Stück von den sportlichen Kameraden und Kameradinnen mittreiben und gingen dann ins gemütliche Brevettempo über. Schon kurz hinter Pirna gab es die Antworten auf eine Frage, die sich stets wiederholen sollte: Warum fahren wir nicht den kürzesten Weg? Die lauteten Antworten stets: Zum einen der Umweg schöner ist und zum Anderen weil es dabei Höhenmeter zu gewinnen gibt. Was mir hier, über die ganze Tour und auch in den letzten Jahren immer wieder positiv auffiel ist der Sportsgeist der Randonnierenden, welche in Dresden starten. Bei manch anderer Veranstaltung steht eher ein Wettbewerbscharakter im Vordergrund. Hier herrscht eine offenere Atmosphäre und Alle unterstützen sich gegenseitig moralisch.
So schmolz ab hier auch Kilometer um Kilometer und es gab Sandsteinhighlights satt: Rathen, Wehlen, Hohnstein, Brandbaude und Kirnitzschtal. In letzterem trafen wir unvermittelt auf eine Legende des Elbsandsteinkletterns: Bernd Arnold. Zusammen mit Björn Lenhard an einem Tag zwei solche Koryphäen - wo gibt es das sonst noch? Nach dem Kirnitzschtal ging es über die tschechische Grenze und über ein Stück Schotter. Björns Worte "da kommt ein bisschen Schotter aber man braucht nicht gleich was Graveltaugliches" hallten mahnend in meinen Ohren als wir uns durch die Überreste eines Waldbrandgebiets kurbelten und froh waren, dass wir halbwegs komfortable
Reifen aufgezogen hatten. Nach einer kurzen Abfahrt erwischten wir gerade noch mit Anderen die Fähre in Hrensko. Beim Übersetzen gaben etwa zwei Dutzend Garmins und Wahoos laut piepsend zu verstehen, dass sie mit Straßen besser klar kommen als mit Flüssen.
Kirnitzschtalbahn
"... nichts Graveltaugliches ..."
Waldbrandgebiet auf tschechischer Seite
Überfahrt in Hrensko
Linkselbisch kam dann in Form der Bahnhofstraße in Schmilka die Probe, wer das kleinste Kettenblatt hat. Weiter ging es in stetigem auf und ab mit einem sehenswerten Abstecher ins Bielatal. Der dortige Bielatalbaude konnten wir dieses mal kulinarisch leider nicht frönen, da wir dem Zeitlimit doch schon recht nah waren. Auch die Free-Solo-Einlage im Klettern, welche 2024 beim Cunnersdorf-Brevet noch drin war, musste aus diesem Grund ausfallen.
Nach einigen Kilometern ging es wiederum in Richtung Tschechien. Kurz hinter der Grenze warteten glücklicherweise auch wieder Verpflegungsmöglichkeiten und wir konnten von Vita Cola auf Kofola umsteigen. Nach einigem auf und ab entschieden wir uns bei der Kontrollstelle bei km 133 zum getrennten Fahren. Ab hier hetzte ich der Uhr etwas hinterher, da wie bei Brevets üblich die Zeiten für die Kontrollstellen auf 200 km interpoliert werden, die Strecke selbst aber 209 km lang war. Es folgte ein Abstecher in eine einsame Region von Tschechien gefolgt von einer Abfahrt auf eine geschäftige Landstraße zwischen Krupka und Dubí. Dieses kurze Stück war das einzige, welches mir landschaftlich und von der Strecke auf der Tour weniger gefallen hat. Das mag aber auch daran liegen, dass ich wusste, was ab km 150 bevor stand: der längste Anstieg auf der ganzen Tour mit über 10 km nahezu konstanten 5%.
Blick über Tschechien
Oben in Zinnwald gab es zur Belohnung noch einen Blick auf den Sonnenuntergang und Verpflegung. Danach startete die wilde Hatz der Uhr hinterher über den Kahleberg, durchs Pöbeltal und ein letztes Mal hinauf durch den Molchgrund. Hier hieß es noch einmal wirklich Alles geben, um dem Besenwagen zu entwischen. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit folgte die Zieleinfahrt nach Heidenau - fast genau auf das Limit. Zusammen mit meinen Kollegen, den Organisierenden und einigen anderen Teilnehmenden gab es hier noch einen netten Plausch bei einer zünftigen Portion Nudeln, bevor sich alle auf den Heimweg machten.
Wie immer war das hier ein Brevet, den man sich verdienen muss. Die Strecke und die Gesellschaft lohnen die Anreise und die Mühen aber allemal. An dieser Stelle wieder ein Dank an das Team von ARA Dresden. Wir kommen wieder!