B
be.audiophil
Das mag sein, ich kenne die damaligen Grabenkämpfe nur aus Erzählungen. So oder so waren seine Taten wohl einigermaßen harmlos gegen das Sakrileg eines Jacques Loussier, heilige E-Musik mit "Negergejiddel" zu vermengen... Im Elternhaus meines Vaters - mein Großvater war Pastor - wurde allerdings beides als Affront aufgefasst.
Oh, das was ich skizzierte war kein Hinweis auf Grabenkämpfe oder ein Sakrileg sondern vielmehr ein Hinweis auf den Habitus verschiedener Dirigenten. Das machte sie teilweise besonders und auch besonders liebenswert. Dem Gros der Kosumenten werden die resultierenden Tempi eh verborgen geblieben sein. Das läßt sich auch daran ablesen, daß man heute Karajan eher als Wegbegründer der CD tituliert, Toscanini als einen der ganz großen Dirigenten und Gulda als das Enfant Terible, welches sich auch anderen und für die E-Musik atypischen Feldern zuwandte und danach wieder zur Klassik zurückwollte. Und das wieder zurückkommen, ging ja mal gar nicht, weil er sich eben nicht als Geläuterter verstehen wollten.
Zu diesen angeblichen und eher nur von Musikunverständnis zeugenden "Grabenkämpfen" gibt es auch genug Beispiele aus der U-Musik. Udo Lindenbergs Ausflug in den Jazz und vor Allem den Free Jazz wird eher verschwiegen; auch seine Zeit mit Marius Müller Westerhagen und der wechselnden Band- und Jambesetzung in der Hamburger Komune Nummer 1. Quincy Jones, George Benson, Herbie Hancok, Louis Armstrong und viele Andere erlitten teilweise ähnliche "Schicksale". Klaus Doldinger spricht über seine Ausflüge unter dem Pseudonym Paul Nero zwar schon auch, nur eben eher nicht öffentlich.
