Beim Rennrad geht es aber für viele bewusst um die eigene Leistung, Vergleichbarkeit und genau diesen sportlichen Kern ohne Unterstützung.
Sorry! Die Begrifflichkeit ist falsch! Damit das Argument richtig wird, solltest du den Begriff “Rennrad“ (ein Sportgerät, mit dem Rennrad-Rennen gefahren werden aber nicht nur ausschließlich) z.B. durch den Begriff „Rennrad-Rennen“, "Rennrad-Wettkämpfe" oder „Rennrad-Training“ ersetzen.
Zumindest trifft das (eigene Leistung,Vergleichbarkeit) dann auf Wettbewerbe/Trainingfahrten zu, die als Leistungsvergleich in der Form von Einzelstarts/Einzelzeitfahren ausgetragen werden, oder gegen einen Gegner auf gleicher Strecke oder gegen sich selbst im Vergleich zu vorher erbrachten Leistungen.
Man kann ein Rennrad natürlich einfach als irgendein Fahrrad betrachten – dann ist ein Motor daran völlig legitim.
Aber dann stellt sich halt die Frage, warum es überhaupt ein Rennrad sein muss.
Oder man sieht es als Sportgerät für eine sehr spezifische Sportart, bei der es um Eigenleistung, Vergleichbarkeit und genau diesen „puristischen“ Ansatz geht. In dem Kontext wirkt ein Motor dann schlicht fehl am Platz – nicht verboten, nicht unmoralisch, sondern einfach am eigentlichen Zweck vorbei.
Auch das
e-Rennrad kann ein Sportgerät für eine sehr spezifische Sportart sein:
Beim
e-Giro d’Italia gewinnt der Fahrer/die Fahrerin die Etappe, der/die neben dem ökonomischen Einsatz der Motorleistung die höchste Eigenleistung erbringt! Es sind ausschließlich Fahrer/innen mit e-Rennrädern am Start.
Zudem hat Fahren mit dem Rennrad nicht nur eine „puristische“ zweckgebundene Komponente, sondern, in vielen Fällen, eine, sozialen Zwecken dienende Komponente für dessen Erfüllung das e-Rennrad zweckdienlich sein kann!
Beispiel: Ich freue mich, wenn meine Freundin bei der Sella Ronda-Tour mit mir mithalten kann und sie dank eines leichten e-Rennrads ein ähnliches Leistungsniveau wie ich erreicht, weil ich dann meine eigene Leistung nicht einschränken/anpassen und vor allem nicht allein fahren muss.
Ganz daneben geht der konstruierte, theoretische Vergleich Rennrad (ohne und mit Motor) mit den zwei Wettkampf-Ruderbooten (ohne und mit Motor), weil er in der Realität bei einem Wettkampf so nicht vorkommen kann!
Im Radrennsport findet (bei Junioren bis zu den World Tour Rennen) vor dem Start grundsätzlich eine Kontrolle jedes Rennrads durch den technischen Kommissar/die technischen Kommissäre auf versteckte technische Unterstützung statt.
BTW: Auch Tadej Pogačar hat einen „Motor“ – seine UAE-Teamkollegen. Und über Kollegen, die bei Jedermann-Rennen z.B. dem Ötztaler den Leistungsvergleich mit „chemischen Motor“ versuchen reden wir hier besser erst gar nicht.
Ich finde es informativ (und mutig), dass
@faliero sein e-Rennrad hier in diesem Forum vorstellt. Interessant wäre z.B. die Gegenüberstellung der Anteile von Eigenleistung und Motorleistung bei seinen Trainings-/Ausflugsfahrten.