AW: Nehmt ihr Zeug ??
Dass sich die Diskussion um den Gebrauch von Drogen und leistungssteigernden Dopingmitteln
gerade am Sport so stark in der Öffentlichkeit entzündet hat, hängt mit den teilweise negativen Entwicklungen in unserer Gesellschaft und der Rolle zusammen, die der Sport in der Öffentlichkeit in der Vergangenheit gespielt hat.
Das Leben in der Gesellschaft des ausgehenden 20. Jahrhunderts ist von einem Wandel der Werte bestimmt. Ein Merkmal sei der Verlust des Respekts vor Normen, Bindungen und Ordnungen, die für Gerechtigkeit sorgen sollen. Die Freiheitwird häufig als Freifahrtschein für die Missachtung von verbindlichen Gesetzen und vereinbarten Regeln missverstanden, wenn es dem Einzelnen Vorteile bringt und die Entdeckung gering ist. Wer sich an die Regeln hält, hat das Nachsehen.
Ein Bereich jedoch, wo Ordnungen und Regeln als Grundlagen des Handelns noch vorhanden zu sein schienen, war der Sport. Jede Sportart hat eindeutige Ziele und Verhaltensregeln. Wer Regeln verletzt, spürt unmittelbar die Konsequenzen: Wer beim Start „klaut“, wird disqualifiziert. Wer im Strafraum foult, wird mit Elfmeter bestraft. Wer meckert, fliegt vom Platz. So sind die Regeln. Wo Regeln eingehalten werden, herrscht
Gerechtigkeit.
Nicht ein Parteibuch, Beziehungen und Schmiergelder, sondern Begabung, Fleiß, Anstrengung, Zielstrebigkeit, Tugenden und Fähigkeiten, die dem Menschen persönlich zuzuordnen sind, führen zum Erfolg, zu Anerkennung, zur Steigerung des Selbstwertgefühls, zu ideellem und materiellem Gewinn und gesellschaftlichem Aufstieg. Idole wie Olympiasieger oder Weltmeister stehen dafür. In ihnen entfaltete sich jene Vorbildwirkung von Leistungssport, die Staat und Gesellschaft von ihm erwarten und die seine Förderung rechtfertigen. Im Sport sahen die Menschen den Ausgleich zur steigenden Regellosigkeit und Ungerechtigkeit des Alltags...
Als ich 1997 vom Fußball zum Radsport kam, hätte ich nie gedacht, dass ich einmal mit derart großen Problemen, gar mit Kriminalität und moralischen Grundsätzen konfrontiert werden würde. Der Sport ist ein schmutziges Geschäft, aber nicht nur im Radsport, der verseuchte Sumpf zieht sich durch alle Sportarten. Wer dachte, dass dies allerdings nur im Profisport, also bei den Olympischen Spielen oder in der Bundesliga
geschieht, sieht sich arg getäuscht. Bis in den Breiten und Fitnesssport haben die Drogen (Doping) Einzug gehalten. Niemand scheint wirklich daran interessiert zu sein, dem gesundheitlichen Treiben ein Ende zu setzen. Apotheker, Ärzte und Trainer, scheinen einen Pakt mit der Industrie geschlossen zu haben, für mehr Gewinn und Umsatz. Hinzu kommt das mangelnde Wissen von Ärzten und Apothekern, Trainern und Betreuern.
Viele Verantwortliche können gerade mal ein Schulausflug in den Zoo von Hannover organisieren. Vom Leben und Training eines Leistungs- oder Hochleistungssportler, haben sie absolut keine Ahnung.
Zum guten Vorbild erklären sich dann noch Vereinsobere, wenn sie der Jugend mit einer Bierflasche beim Training zuschauen.
Im Sport steht die Aufmerksamkeit für die eigene Gesundheit häufig hinter der Suche nach dem Erfolg zurück.Verantwortungsvolle Spitzensportler, dürfen die Grenze zur Gesundheitsschädigung nicht überschreiten. Dazu benötigen sie professionelle Hilfe. Das Verantwortungsgefühl des Umfelds ( Ärzte, Betreuer, Trainer) in dem sich der Sportler befindet, muss sich enorm steigern. Diese stecken ihrerseits in einer Zwangslage zwischen der Verantwortung für Gesundheit und Zukunft des Sportlers und den Leistungserwartungen vom Verein,Sportverband, Staat, Sponsoren, Medien. Letztere erfüllen nur Mangelhaft ihre sogenannte „Berichterstattung“.
Eine lokale Tageszeitung lies beispielsweise im August 2008, einen ehemaligen Leichtathlet-Trainer passieren,der offen die Legalisierung von Dopingmittel fordert. Ohne jegliches Wissen veröffentlicht der Redakteur diesen Bericht eines ergrauten Wichtigtuer, die Worte „Rufmord“ an Sportlern machen sich breit. Mehr unter
www.rst-heidekreis.de