Jetzt mal noch ein paar Gedanken von mir zu der Veranstaltung:
Ist ganz schön kritisch geworden, daher vorweg erst mal das wichtigste: Insgesamt war das eine richtig geile Veranstaltung, die ich auf jeden Fall empfehlen würde. Geile Stimmung, harte Strecke, intensives Erlebnis garantiert. So muss Ultra sein! Ich bin sehr froh, mich kurzfristig doch noch entschieden zu haben an den Start zu gehen!
Der
Startort ist ziemlich cool, die Stimmung auf dem Beton-T Gelände war schon super.
Der 18 Uhr Start hatte für mich hauptsächlich Nachteile: Da ich schon einen Tag vorher angereist bin, musste ich um 13 Uhr aus meinem Tiny-Haus auschecken, dass hieß es gab keine Möglichkeit für mich mittags noch mal zu schlafen wie geplant. Ich war dann halt schon den ganzen Tag auf dem Gelände und hab gechillt und die Atmosphäre genossen. Aber die Hitze und der lange Tag sorgten dafür das ich zum Start schon Kopfweh hatte und müde war. Würde ich es noch mal machen, würde ich die Unterkunft einen Tag länger buchen um bis kurz vorm Start noch die Möglichkeit haben zu schlafen und so und dann 17 Uhr auschecken und zum Start rollen.
Mein Tiny-Haus kostete 80€ pro Nacht, das wäre es wert gewesen. Das House war 5 km vom Start entfernt und ich würde es definitiv wieder buchen wenn ich starte. Absolut kein Luxus, aber sehr gemütlich und sehr nette Gastgeberin.
Tiny House. Nur parken muss man 1,6 km entfernt, aber das ist in Utrecht Innenstadt wohl überall so.
Die
Startwellen fand ich eigentlich eine gute Idee, denn durch die fehlenden Höhenmeter zum Start ist es echt schwer sich zu lösen voneinander. Ich wollte wirklich ohne Windschatten fahren, aber es war trotz Wellen die erste Stunde einfach nicht möglich. Selbst 10 Meter hinter jemandem merkt man ja noch deutlich, dass man einige Watt spart. Ich bin 33kmh gefahren mit 190 Watt. Da brauche ich alleine schon eher 210.
Da die Startgruppen nach angegebener Ankunftszeit sortiert waren hat das meiner Meinung nach nicht wirklich gut funktioniert. So waren ja alle nach Leistungsklassen sortiert. Ich bin mit 35 Leuten in der ersten Gruppe gestartet und wir waren dadurch natürlich ähnlich schnell. So hat das dann ewig gedauert bis jeder wirklich frei fahren konnte. Ich bin irgendwann dann mit 250 Watt ganz nach vorne gefahren um keinen Windschatten mehr zu bekommen. Geiles Gefühl zu führen, auch wenn mir klar war das ich dort eigentlich nichts zu suchen habe.
Aber es wurde schon versucht fair zu fahren, also ich habe keinen gesehen der wirklich hinter jemandem hing.
Auch zum Rennen selbst hab ich gemischte Gefühle:
Startparcour war super schnell und super Strecke für mich. Bis zur Fähre top. Der Umweg über Antwerpen war dann allerdings weder schön noch schnell und in Antwerpen hab ich dann auch gemerkt, dass ich langsam gut müde werde. Am CP1 war ich dann so platt, dass ich meinen Schlafsack ausgepackt hab und mich schlafen legte. Da war eigentlich schon klar, dass es wohl schlauer gewesen wäre auf die Fähre zu warten. nach 30 min war ich überraschend wieder fit und konnte auch wieder gut fahren bis die Sonne mich gegrillt hat.
Die Option der
Fähre war für mich wirklich Stimmungskiller. Ich wusste das ich Schlaf brauche. Aber so früh wollte ich noch nicht schlafen um meine Grenzen zu testen. Am Ende kam es dann genau wie befürchtet: Obwohl ich auf Platz 26 ins Ziel bin hab ich viele Leute auf der Strecke getroffen, die mit Fähre gefahren sind. Die Leute würden natürlich positiver davon berichten, für mich wars echt blöd. Es ist einfach demotivierend zu wissen, dass man eigentlich besser durchgekommen wäre wenn man in der ersten Nacht gemütlich gemacht hätte.
Die
Parcours waren für mich zum Teil einfach zu hart. Besonders der erste. Ich bin die letzten Jahre Mittelgebirgeclassique mit bis zu 24.000 Höhenmetern gefahren, ich mag schon Berge fahren auch wenn klar war dass ich da mit 86 Kilo viel Zeit und Plätze lassen würde. Für mich überraschend war dann aber wie abgefahren steil die ganzen Anstiege waren. Die Überraschung lag natürlich daran, dass ich mich im Vorfeld wie immer kein bisschen mit der Strecke beschäftigt habe. Aber es hätte auch wenig gebracht. Ich wäre auch nicht besser über 15% Steigungen auf Kopfsteinpflaster gekommen wenn ich es vorher gewusst hätte. So habe ich dann echt viel geschoben und geflucht. Ich denke insgesamt hab ich schon so 400-500 Höhenmeter geschoben obwohl ich echt gute Beine hatte und mich fit gefühlt hab. Mal schieben in einem Ultra finde ich gut, der Körper und Kopf freut sich ja, mal vom Rad zu kommen und andere Bewegungen zu machen. In dem Rennen war es mir allerdings deutlich zu viel!
man muss aber auch sagen, dass es nach dem ersten Parcour besser wurde und dann auch geile fahrbare Anstiege mit sehr coolen Abfahren kamen.
Das gleiche gilt für die
Gravel-Passagen: Ich gravel gerne, auch mit dem Rennrad. Aber die Abschnitte waren zum Teil einfach zu wild, da hätte man wirklich ein Fully gebraucht um zu fahren. Also auch da zum Teil schieben müssen (wie die meisten um mich rum auch). Ich habe an den Checkpoints auch echt viele Leute mit Verbänden gesehen. Ich vermute also, da haben sich auch einige abgelegt unterwegs.
Ich war jedenfalls sehr froh ohne Sturz und ohne Platten durchgekommen zu sein.
Die
Checkpoints selbst waren super! Ich hab jeden einzelnen sehr genossen. Coole Leute dort, natürlich immer viele andere Fahrer getroffen. Am CP2 durften wir im Garten schlafen, das war echt top! Ist ja super angenehm nach dem Aufwachen direkt ein Klo, Waschbecken und Wasser zur Verfügung zu haben.
Am CP1 hab ich ja auch schon einen Powernap gemacht. CP3 hatte eine riesige Rasenfläche, also auch da wäre das gut gegangen und sicher okay gewesen.
Der
Finish-Parcour zurück zum Ziel war auch gut gescoutet und hätte sicher Bock gemacht wenn ich nicht halb tot gewesen wäre ^^